{"id":1001,"date":"2009-09-22T15:54:13","date_gmt":"2009-09-22T12:54:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=1001"},"modified":"2009-09-22T15:54:13","modified_gmt":"2009-09-22T12:54:13","slug":"entree-zum-niemandsland","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2009\/09\/22\/entree-zum-niemandsland\/","title":{"rendered":"Entr\u00e9e zum Niemandsland"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2590\/3942176717_02e37c9862.jpg\" alt=\"WCCB Bonn\" \/><\/p>\n<p>Ich hatte am Freitag in Bonn zu tun, und der Weg f\u00fchrte auch am Gel\u00e4nde des geplanten WCCB vorbei. St\u00e4dtebaulichen Roadkill begutachten: Das wird vermutlich in den n\u00e4chsten Jahren eine Besch\u00e4ftigung, der man \u00f6fter fr\u00f6nen kann als gut sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Es war in der Tat wenig los auf dem &#8222;Bau, von dem die Arbeiter flohen&#8220; (wie der <em>Express<\/em> <a href=\"http:\/\/www.express.de\/nachrichten\/region\/bonn\/bauleiter-hofft-auf-honua-millionen_artikel_1251217192471.html\">formulierte<\/a>), zwar nicht unbedingt &#8222;Geisterstimmung&#8220;, eher Wochenendatmosph\u00e4re: Hier und da sah man ein paar Arbeiter, die m\u00f6glicherweise tats\u00e4chlich damit besch\u00e4ftigt waren, ihre Werkzeuge aufzur\u00e4umen und fortzuschaffen. Um das Gel\u00e4nde herum war die Betriebsamkeit deutlich h\u00f6her: Die Stadt will die Heussalle in einen &#8222;Boulevard&#8220; verwandeln, um dem WCCB und den umliegenden Geb\u00e4uden ein w\u00fcrdiges &#8222;Entr\u00e9e&#8220; zu verschaffen, wie die \u00fcberall herumstehenden Plakate erl\u00e4utern. Das Entr\u00e9e droht nun freilich erst mal in ein Niemandsland zu f\u00fchren.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2467\/3943027694_8e77e9a051.jpg\" alt=\"Heussallee\" \/><\/p>\n<p>Das WCCB (<em>World Conference Center Bonn<\/em>) ist das geplante internationale Konferenzzentrum auf dem Areal des fr\u00fcheren Deutschen Bundestags. Ein Prestige-Projekt, das gerade zu <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/finanzen\/immobilien\/wccb-manager-und-architekt-in-haft;2458501\">einem grandiosen Fiasko<\/a> zu werden droht: Explodierende Baukosten, Korruptionsverdacht, politische Inkompetenz &#8211; es ist alles drin, was zu so einem kommunalen Desaster geh\u00f6rt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2668\/3943005608_abe167b25e.jpg\" alt=\"Ehemaliger Plenarsaal des Bundestags\" \/><\/p>\n<p>Die Stadt Bonn hat ja ein nicht gerade allt\u00e4gliches Problem zu bew\u00e4ltigen: Wie managed man den Wandel von einer Hauptstadt mit weltpolitischer Bedeutung (wenn auch eher verschlafenem Flair) zu einer nicht \u00fcberaus gro\u00dfen Stadt mit, nun ja, deutlich weniger weltpolitischer Bedeutung (und eher verschlafenem Flair). Das ist nun wirklich keine beneidenswerte Aufgabe. Kein Wunder, dass die Kommunalpolitik erst mal versucht, so viele Reste welt- und bundespolitischen Anspruchs zu retten wie m\u00f6glich. Und so beharrt man in Bonn eben auf seinem Anteil an Ministerien, Verb\u00e4nden, Gremien, UN-Delegationen, ob das nun administrativ, logistisch und organisatorisch sinnvoll ist oder nicht. Vor lauter Beharrungsverm\u00f6gen kommt freilich kaum jemand dazu, sich eine andere Zukunftsperspektive f\u00fcr die Stadt auszudenken als die eines St\u00fctzr\u00e4dchens im welt- und bundespolitischen Getriebe.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2567\/3942223741_29117da8e3.jpg\" alt=\"World Conference Center Bonn\" \/><\/p>\n<p>F\u00fcr viele Kommunalpolitiker ist der Wettbewerb der Standorte zun\u00e4chst einmal ein R\u00fcstungswettlauf um repr\u00e4sentative Statussymbole. Es geht darum, sich in einem irgendwie globalen Ma\u00dfstab als &#8222;Metropole&#8220; f\u00fcr dies oder jenes zu profilieren, mindestens als &#8222;second city&#8220;. Metropole wird man nicht so ohne weiteres, also wird erst mal gebaut, gerne in Dimensionen, die mehr mit dem Anspruch zu tun haben, als mit der m\u00f6glichen Realit\u00e4t.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2630\/3942975836_8b3445f4e2.jpg\" alt=\"World Conference Center Bonn\" \/><\/p>\n<p>Wie es mit dem Bonner Projekt weitergeht, wei\u00df im Moment keiner. Die Bauarbeiten sind zwar &#8211; wie es hei\u00dft &#8211; zu 87 Prozent abgeschlossen, aber im Zuge der aktuellen Ereignisse kommt kaum noch was voran. Bald ist Winter, und h\u00e4tte die Stadt eine verwaiste Gro\u00dfbaustelle an der Backe, mitten im &#8222;very heart of the Federal Quarter&#8220;.<\/p>\n<p>Verwaist ist im \u00fcbrigen auch die <a href=\"http:\/\/www.worldccbonn.com\/\">Website des Projekts<\/a>, die Verantwortlichen scheinen ebenso fluchtartig Rei\u00dfaus genommen zu haben wie die Bauarbeiter: Auf die aktuellen Entwicklungen gibt es dort keinen einzigen Hinweis, die News-Seite schleift lediglich ein paar Nettigkeiten zum Standort durch. Ansonsten freut man sich (in etwas schiefem Deutsch) schon im Pr\u00e4sens: &#8222;Das World Conference Center Bonn ist einmalig: Nur hier kann man tagen, wo fr\u00fcher die Bundestagsabgeordneten debattierten.&#8220;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2423\/3942189545_66f25a5e49.jpg\" alt=\"Ehemaliger Bundestag Bonn\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hatte am Freitag in Bonn zu tun, und der Weg f\u00fchrte auch am Gel\u00e4nde des geplanten WCCB vorbei. St\u00e4dtebaulichen Roadkill begutachten: Das wird vermutlich in den n\u00e4chsten Jahren eine Besch\u00e4ftigung, der man \u00f6fter fr\u00f6nen kann als gut sein d\u00fcrfte. 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