{"id":1055,"date":"2009-11-02T18:47:36","date_gmt":"2009-11-02T15:47:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=1055"},"modified":"2009-11-02T19:59:09","modified_gmt":"2009-11-02T16:59:09","slug":"meisner-vs-dawkins","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2009\/11\/02\/meisner-vs-dawkins\/","title":{"rendered":"Meisner vs Dawkins"},"content":{"rendered":"<p>Dass der K\u00f6lner Kardinal Meisner in seiner <a href=\"http:\/\/www.domradio.de\/comet\/pdf\/091101predigt.pdf\">Allerheiligen-Predigt<\/a> den Wissenschaftler Richard Dawkins in die N\u00e4he der nationalsozialistischen Rassenideologie r\u00fcckte, ist eklig, aber kaum \u00fcberraschend. Der Nazi-Vergleich ist ja l\u00e4ngst obligatorisches und wohlfeiles Beiwerk derartiger Diatriben. Interessant ist h\u00f6chstens, dass sich Meisner nicht mal die M\u00fche gemacht hat, den j\u00fcngsten Vergleich wenigstens eigenh\u00e4ndig zu konstruieren. Just die Passage, die <a href=\"http:\/\/www.ksta.de\/html\/artikel\/1256978063207.shtml\">in den<\/a> <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/0,1518,658589,00.html\">meisten<\/a> <a href=\"http:\/\/brightsblog.wordpress.com\/2009\/11\/01\/hassprediger-meisner-und-die-wissenschaft\/\">Artikeln<\/a> zitiert wird, ist n\u00e4mlich ein ganz unpastorales Plagiat. Sie findet sich fast w\u00f6rtlich in <a href=\"http:\/\/www.bufopro.de\/bengschkreis\/vortraege_clasen2.htm\">einem Vortrag<\/a>, der vor einiger Zeit einmal in einem katholischen Gespr\u00e4chskreis gehalten worden ist.<!--more--><\/p>\n<p>Hier ist Meisners Zitat (laut Manuskript):<\/p>\n<blockquote><p>\u00c4hnlich wie einst die Nationalsozialisten im einzelnen Menschen prim\u00e4r nur den Tr\u00e4ger des Erbgutes seiner Rasse sahen, definiert auch der Vorreiter der neuen Gottlosen, der Engl\u00e4nder Richard Dawkins, den Menschen als &#8222;Verpackung der allein wichtigen Gene&#8220;, deren Erhaltung der vorrangige Zweck unseres Daseins sei. Seinem australischen Mitstreiter Peter Singer ist ein Schwein oder Affe wertvoller als ein hilfloses Baby oder ein altersschwacher Mensch, welche prinzipiell get\u00f6tet oder dem Zugriff der Forschung verf\u00fcgbar gemacht werden d\u00fcrfen, wenn nicht Interessen Angeh\u00f6riger entgegenst\u00fcnden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und so lautet die Originalversion:<\/p>\n<blockquote><p>\u00c4hnlich wie die Nazis damals im einzelnen Menschen prim\u00e4r den Tr\u00e4ger des Erbgutes der Rasse sahen, das allein zu sch\u00fctzen sei, bezeichnet der namhafte englische Soziobiologe Richard Dawkins den Menschen als Wegwerfmaschine, eine Verpackung der allein wichtigen Gene, deren Erhaltung der letzte Z[w]eck unseres Daseins sei. Dem bekannten australischen Philosophen und Ethiker Peter Singer ist ein Hund oder ein Affe wertvoller als ein hilfloses Baby oder ein Altersschwacher, welche prinzipiell get\u00f6tet oder dem Zugriff der Forschung verf\u00fcgbar gemacht werden k\u00f6nnen, wenn nicht andere Interessen dem entgegenstehen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch dieser Satz Meisners stammt aus dem erw\u00e4hnten Vortrag:<\/p>\n<blockquote><p>Die Leugnung der transzendenten Dimension des Menschen als Ebenbild Gottes und damit als moralische Person, welche die W\u00fcrde des Menschen als Zweck an sich begr\u00fcndet, hat zur Selbsterm\u00e4chtigung mancher solcher Forscher gef\u00fchrt, nicht nur \u00fcber das Menschsein menschlicher Wesen zu befinden, sondern den Menschen genetisch zu verbessern oder ganz und gar neu zu konstruieren.<\/p><\/blockquote>\n<p>So lautet das Original:<\/p>\n<blockquote><p>Der Fortfall der &#8222;transzendenten Dimension\u201c als Ebenbild Gottes und der geistigen Personalit\u00e4t, welche die W\u00fcrde des Menschen als eines Wertes an sich sicherte, hat notwendig zur Selbsterm\u00e4chtigung gef\u00fchrt, nicht nur \u00fcber das Menschsein menschlicher Wesen zu befinden, sondern es auch neu zu konstruieren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Vortragende war Norbert Clasen, Vorsitzender eines &#8222;Initiativkreises katholischer Laien und Priester&#8220; in Eichst\u00e4tt und Redakteur der <em>IK-Nachrichten<\/em>, ein monatliches Mitteilungsblatt mehrerer solcher Kreise in Deutschland. Diese Initiativkreise sind in der Regel \u00e4u\u00dferst konservative Veranstaltungen, die sich gerne an vorderster Glaubensfront gegen alles positionieren, was als sch\u00e4dliche Einfl\u00fcsse der Moderne gesehen werden \u2013 liberale Familienpolitik, Toleranz gegen\u00fcber Homosexuellen, &#8222;multireligi\u00f6se Feiern&#8220;, Gottesdienste, die nicht dem lateinischen Ritus folgen, und so fort.<\/p>\n<p>Anti-Modernismus ist auch die Grundfarbe von Clasens Vortrag, in dem die &#8222;Vernunft des biblischen Sch\u00f6pfungsglaubens und Menschenbildes&#8220; gegen\u00fcber &#8222;Evolutionismus&#8220; und &#8222;Positivismus&#8220; der modernen Wissenschaften behauptet werden soll. Clasen kann sich zwar nicht ganz entscheiden, ob er den Sch\u00f6pfungsmythos nun mit theologischen, philosophischen, moralischen oder gar kreationistischen Argumenten verteidigen will, aber so ein Potpourri aus Halbwissen, Zitath\u00e4ppchen und &#8222;eigentlichen Wahrheiten&#8220; ist ja nicht untypisch f\u00fcr Texte dieser Art. Und dass man hier mal quasi unter dem Mikroskop beobachten kann, aus welchem Humus das Meisnersche Weltbild so erw\u00e4chst, ist auch ganz aufschlussreich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass der K\u00f6lner Kardinal Meisner in seiner Allerheiligen-Predigt den Wissenschaftler Richard Dawkins in die N\u00e4he der nationalsozialistischen Rassenideologie r\u00fcckte, ist eklig, aber kaum \u00fcberraschend. Der Nazi-Vergleich ist ja l\u00e4ngst obligatorisches und wohlfeiles Beiwerk derartiger Diatriben. 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