{"id":1143,"date":"2010-04-21T15:54:11","date_gmt":"2010-04-21T12:54:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=1143"},"modified":"2010-04-21T20:01:10","modified_gmt":"2010-04-21T17:01:10","slug":"auf-dem-strategischen-bahndamm-a-k-a-der-ruckriem-trail","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2010\/04\/21\/auf-dem-strategischen-bahndamm-a-k-a-der-ruckriem-trail\/","title":{"rendered":"Auf dem Strategischen Bahndamm (a.k.a Der R\u00fcckriem-Trail)"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3395\/3666034215_fd50238de9.jpg\" alt=\"Ulrich R\u00fcckriem, Sieben Scheiben\" \/><\/p>\n<p>Die <a href=\"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=731\">Anmerkungen zum ehemaligen Regierungsbunker<\/a> im Ahrtal haben mich auf die Idee gebracht, hier mal wieder eine kleine Kunst- und Radtour einzustellen, \u00e4hnlich wie die <a href=\"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=946\">Zumtour<\/a>, die ich im vergangenen Jahr vorgestellt habe. Allerdings nicht im Ahrtal selbst, sondern einiges weiter n\u00f6rdlich, aber doch in unmittelbarem thematischem Zusammenhang: Es geht n\u00e4mlich auf den Strategischen Bahndamm zwischen Rommerskirchen und Neuss. Peter Zumthor war Namensgeber der ersten Tour, diesmal ist es Ulrich R\u00fcckriem, aber dazu komme ich noch.<!--more--><\/p>\n<p>(Wer die Streckenerkl\u00e4rung \u00fcberspringen m\u00f6chte, kann gleich <a href=\"#streckenverlauf\">zur Beschreibung<\/a> weiterspringen. GPS-Daten und Streckeninfos gibt es au\u00dferdem <a href=\"http:\/\/www.gpsies.com\/map.do?fileId=gxlvavcovinnvawr\">hier<\/a>.)<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.gpsies.com\/mapOnly.do?fileId=ykndkrkxcvlehzjn\" width=\"550\" height=\"300\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" marginheight=\"0\" marginwidth=\"0\" title=\"GPSies - R\u00fcckriem-Trail (a.k.a. Strategische Tour)\"><\/iframe><\/p>\n<p>&#8222;Strategischer Bahndamm&#8220;, mit diesem prosaischen Namen wird der letzte Rest eines gro\u00dfangelegten milit\u00e4rischen Projekts bezeichnet, das nie vollst\u00e4ndig realisiert wurde: Eine Bahnlinie, die vom Ruhrgebiet ins Saarland und nach Lothringen f\u00fchren und dabei die Hauptverkehrsachsen entlang des Rheins und der Mosel m\u00f6glichst weitr\u00e4umig umgehen sollte. Mit dem Bau wurde 1904 zwar begonnen, aber die Arbeiten zogen sich hin, wurden durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen und 1924 schlie\u00dflich endg\u00fcltig eingestellt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2434\/3666065019_154e05935a.jpg\" alt=\"Strategischer Bahndamm\" \/><\/p>\n<p>In der Wikipedia gibt es einen recht ausf\u00fchrlichen Artikel \u00fcber den <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Strategischer_Bahndamm\">Strategischen Bahndamm<\/a>, dort wird auch beschrieben, wie weit die Bauarbeiten bis 1924 gediehen waren und was davon heute noch zu sehen ist. \u00dcberreste gibt es eigentlich nur noch in zwei Gegenden: Einmal im Ahrtal, wo zwischen Ahrweiler und Rech f\u00fcnf Tunnel gesprengt wurden. Einige Portale sind noch sichtbar, zwei Tunnel wurden in den Bau des Regierungsbunkers einbezogen, bei Ahrweiler stehen au\u00dferdem noch ein paar einsame Br\u00fcckenpfeiler eines nie gebauten Viadukts.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3162\/3666061307_5e53a33a2d.jpg\" alt=\"Strategischer Bahndamm\" \/><\/p>\n<p>Vor allem gibt es aber noch die Trasse s\u00fcdlich von Neuss &#8211; genau gesagt: zwischen dem Neusser Stadtteil Helpenstein und Niederau\u00dfem -, den eigentlichen &#8222;Strategischen Bahndamm&#8220;. Nur zwischen Niederau\u00dfem und Rommerskirchen findet tats\u00e4chlich (G\u00fcter-)Bahnverkehr statt, die Strecke zwischen Rommerskirchen und Helpenstein ist dagegen, wenn man so will, eine 13 Kilometer lange Bauruine und \u00dcberbleibsel milit\u00e4rplanerischer Hybris. Ein Bahn<em>damm<\/em>, also ein aufgesch\u00fctteter Wall, ist die Strecke auch nicht durchgehend: Die Topographie bringt es mit sich, dass einige Abschnitte ebenerdig, andere durch einen Trog gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Diese 13 Kilometer sind heute vor allem durch kleine Fu\u00df- und Reitwege erschlossen, auf denen man auch ganz bequem radfahren kann, zumal so gut wie keine H\u00f6henunterschiede zu bew\u00e4ltigen sind. Es gab wohl mal \u00dcberlegungen, die Strecke offiziell in einen Rad- und Wanderweg umzuwidmen, dazu ist es aber nicht gekommen. 2002 lie\u00df man jedoch den Bildhauer Ulrich R\u00fcckriem entlang der Strecke einige Granitskulpturen aufstellen: Das war im Rahmen der <a href=\"http:\/\/www.rhein-kreis-neuss.de\/de\/buergerservice\/dienstleistungen\/aemter\/Planungsamt\/euroga2002plus.html?PHPSESSID=1ec803ad22e4a72d088db3f9e6b9b81c\">EUROGA<\/a>, einem der vielen Regionalprojekte, die natur- und denkmalsch\u00fctzerische Anliegen mit touristischen oder stadtentwicklerischen Themen zusammenbringen wollen. Der Bahndamm sollte zum &#8222;Kunstweg&#8220; aufgewertet werden und als Bindeglied zwischen zwei Museumseinrichtungen fungieren, die an Start und Ziel der Strecke liegen: Dem <a href=\"http:\/\/www.rheinischemuseen.lvr.de\/app\/rama\/detail.asp?MNr=367\">Kulturzentrum Sinsteden<\/a> (inklusive der &#8222;Skulpturen-Halle Ulrich R\u00fcckriem&#8220;) und der <a href=\"http:\/\/www.inselhombroich.de\/\">Museumsinsel Hombroich<\/a>. Auf die Kunstwegsidee weist heute allerdings nichts mehr hin, es gibt weder Hinweisschilder noch erkl\u00e4rende Tafeln entlang der Strecke, und so scheint dieses Projekt in einer \u00e4hnlichen Versenkung verschwunden zu sein wie das Vorhaben des Strategischen Bahndamms selbst.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3368\/3666076901_f9eb7cb1db.jpg\" alt=\"Ulrich R\u00fcckriem, Sieben Scheiben\" \/><\/p>\n<p>Aber die Skulpturen R\u00fcckriems gibt es noch, sieben an der Zahl. Sie sind in unterschiedlichen Abst\u00e4nden entlang der Strecke aufgestellt, manche gut sichtbar, andere etwas versteckt zwischen B\u00e4umen, die Suche nach ihnen kann man also zum Programm der Tour machen. Es sind typische R\u00fcckriems: Massive Granitquader, &#8222;horizontal in vier gleiche Teile gespalten und zu ihrer urspr\u00fcnglichen Form wieder zusammengef\u00fcgt&#8220; und ohne Sockel zu drei Vierteln in den Boden eingelassen. \u00dcber die Aufstellungsorte gibt es einige Informationen in einem begleitenden Buch, das man mit etwas Gl\u00fcck noch <a href=\"http:\/\/www.buchhandlung-walther-koenig.de\/Detail.aspx?path=&#038;pid=170000000000725656&#038;cat=rueckriem_bahndamm%2fulrich_rueckriem&#038;pseudopage=%2fpid_170000000000725656.aspx&#038;addItem=170000000000725656\">beim Verlag Walther K\u00f6nig<\/a> bekommen kann. Die Aufstellung erfolgte demnach &#8222;nicht gleichm\u00e4\u00dfig in bestimmten Abst\u00e4nden, als ob sie die Wegstrecke vermessen wollten&#8220;, sondern nach unterschiedlichen Kriterien wie &#8222;baulichen Eigenarten der ausgewiesenen Stellen&#8220; und der &#8222;biografischen Verbundheit [R\u00fcckriems] mit der Gegend, die der Bahndamm durchquert&#8220;.<\/p>\n<p>Eine biografische Erkl\u00e4rung im engeren Sinn finde ich aber nur f\u00fcr den sechsten Stein auf der H\u00f6he des Dorfes Helpenstein, &#8222;mit \u00f6stlicher Blickrichtung auf das Schulhaus, in dem Ulrich R\u00fcckriem in seiner Jugend wohnte&#8220;. Die \u00fcbrigen Steine markieren vor allem landschaftliche Gegebenheiten: Teilungen der Wege, Kreuzungen von Stra\u00dfen, Rangierausbuchtungen. Aber handelt es sich tats\u00e4chlich um Markierungen, die der Orientierung dienen sollen, und nicht vielleicht eher, wie die <a href=\"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=1131\">Unfallkreuze entlang der Landstra\u00dfen<\/a>, um stumme Mahnmale, die Schnittpunkte privater und \u00f6ffentlicher R\u00e4ume markieren? Wie dem auch sei, die sch\u00f6nste Positionierung hat zweifellos Stein Nummer zwei: Er steht an einer Stelle, wo der Bahndamm zu einem Hohlweg wird und links und rechts Blicke freigibt auf das h\u00fcgelige Gel\u00e4nde, die landwirtschaftliche Parzellierung und die unausweichlichen Braunkohlekraftwerke der RWE.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3556\/3617977326_c17bcc0031.jpg\" alt=\"Ulrich R\u00fcckriem, Sieben Scheiben\" \/><\/p>\n<p><strong><a name=\"streckenverlauf\">Zum Streckenverlauf:<\/a><\/strong> Startpunkt ist praktischerweise der Bahnhof Rommerskirchen, von K\u00f6ln aus an der Linie nach M\u00f6nchengladbach. Den Bahndamm sieht man beim Aussteigen schon: Um ihn zu erreichen, f\u00e4hrt man vom Bahnhofsgeb\u00e4ude aus vor bis an die Hauptstra\u00dfe, biegt dann aber gleich links ab und \u00fcberquert den beschrankten Bahn\u00fcbergang. (Die Hauptstra\u00dfe ist nach einigen Metern f\u00fcr Radfahrer gesperrt.) Man folgt dem landwirtschaftlichen Str\u00e4\u00dfchen bis zur ersten Kreuzung, biegt links ab und f\u00e4hrt zwischen zwei W\u00e4llen des Damms durch: Die erste Aufstiegsm\u00f6glichkeit findet sich gleich in der linken Flanke des rechten Walls &#8211; leider nur eine steile Treppe. (Wer die nicht benutzen will, f\u00e4hrt auf dem Str\u00e4\u00dfchen weiter bis zur n\u00e4chsten Kreuzung, biegt rechts ab und f\u00e4hrt auf einen weiteren Abschnitt des Dammes zu, der mit einer leichter zu befahrenden oder beschiebenden Rampe erklommen werden kann.)<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3561\/3617992058_6f5e97964f.jpg\" alt=\"Ulrich R\u00fcckriem, Sieben Scheiben\" \/><\/p>\n<p>Von hier ab ist der Streckenverlauf weitgehend offensichtlich. Ab und zu muss man \u00fcber weitere Rampen hinauf und hinunter, aber das sind die einzigen H\u00f6henunterschiede, die es zu bew\u00e4ltigen gilt. Hier und da gabeln sich Fuss- und Reitwege, am besten h\u00e4lt man sich immer auf der linken Spur. Nach \u00dcberquerung der K33 bei Neukirchen f\u00fchrt ein markierter Wanderweg links am Wall entlang, auf den Damm kommt man hier \u00fcber eine Rampe, die an der rechten Flanke hoch f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Der siebte Stein markiert eine Fluss\u00fcberquerung: Hier f\u00e4hrt man auf einer Br\u00fccke \u00fcber die Erft, der weitere Weg f\u00fchrt dann ausgeschildert weg von der Trasse (die ab hier nicht mehr passierbar ist) und durch die kleine Siedlung Minkel. Karte und GPS-Daten beinhalten noch einen kleinen Abstecher zur Museumsinsel Hombroich, deren Parkplatz man kurz vor der Landstra\u00dfe L201 erreicht. Wer darauf verzichten will, h\u00e4lt sich an der L201 rechts und folgt der Beschilderung nach Neuss. Zielpunkt ist der S-Bahnhof Neuss-S\u00fcd.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3646\/3666159825_5427557590.jpg\" alt=\"Ulrich R\u00fcckriem, Sieben Scheiben\" \/><\/p>\n<p>Die Beschaffenheit der Wege ist passabel und auch mit einem durchschnittlichen Stadtrad zu bew\u00e4ltigen, einige Stellen sind etwas schmal und gelegentlich k\u00f6nnen Reiterspuren die Strecke etwas ruppig machen. Trockenes Wetter empfiehlt sich f\u00fcr die Tour. Die gesamte Streckenl\u00e4nge (einschlie\u00dflich Abstecher nach Hombroich) betr\u00e4gt knapp 21 km, mit zwei Stunden Fahrtzeit kommt man also gut hin.<\/p>\n<p>Nicht ber\u00fccksichtigt ist ein Abstecher zum Kulturzentrum Sinsteden nahe dem Startpunkt: Wer den noch einbauen m\u00f6chte, um sich R\u00fcckriems Skulpturen-Halle anzuschauen, der kann folgende (m.W. beschilderte) Route nehmen: Vom Bahnhof aus vor zur Hauptstra\u00dfe, hier rechts, dann an der n\u00e4chsten Kreuzung gleich wieder rechts in den Steinbrink. An der darauffolgenden Kreuzung links in die Kastanienallee. An der zweiten Kreuzung rechts in die Gillbachstra\u00dfe und dieser dann f\u00fcr etwa 1 km folgen. Das Kulturzentrum befindet sich am s\u00fcd\u00f6stlichen Ortsrand von Sinsteden, wenn man sich etwa auf seiner H\u00f6he befindet, folgt man dem Str\u00e4\u00dfchen links ab und h\u00e4lt direkt darauf zu. Um von hier aus zum Strategischen Bahndamm zu kommen, f\u00e4hrt man zun\u00e4chst auf dem Hinweg zur\u00fcck. Kurz hinter dem Rommerskirchener Sportplatz geht es links in eine Stra\u00dfe, die zun\u00e4chst die Bahnlinie \u00fcberquert und anschlie\u00dfend direkt zum Bahndamm f\u00fchrt. Hin- und R\u00fcckweg sind gut noch mal eine halbe Stunde Fahrzeit extra.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3539\/3666009803_fe74205ddb.jpg\" alt=\"Ulrich R\u00fcckriem, Sieben Scheiben\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Anmerkungen zum ehemaligen Regierungsbunker im Ahrtal haben mich auf die Idee gebracht, hier mal wieder eine kleine Kunst- und Radtour einzustellen, \u00e4hnlich wie die Zumtour, die ich im vergangenen Jahr vorgestellt habe. 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