{"id":118,"date":"2005-07-17T17:00:27","date_gmt":"2005-07-17T15:00:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.de\/nb\/?p=118"},"modified":"2005-07-17T17:00:27","modified_gmt":"2005-07-17T15:00:27","slug":"der-rhythmus-des-bugelns","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2005\/07\/17\/der-rhythmus-des-bugelns\/","title":{"rendered":"Der Rhythmus des B\u00fcgelns"},"content":{"rendered":"<p>Das <em>Avanti Pop!<\/em>-Festival am K\u00f6lner Tanzbrunnen hab ich leider verpa\u00dft &#8211; sehr zu meinem \u00c4rger, das <a href=\"http:\/\/www.sudsoundsystem.com\">Sud Sound System<\/a> aus Lecce h\u00e4tte ich doch zu gerne mal gesehen. Heute zum Fr\u00fchst\u00fcck gab&#8217;s aber noch einen kleinen Nachschlag im Stadtgarten, wo der WDR eine Funkhaus-Matin\u00e9e mit <a href=\"http:\/\/www.lucillagaleazzi.com\">Lucilla Galeazzi<\/a> und der Banda Improvvisa aufzeichnete.<!--more-->Galeazzi geh\u00f6rt zu den aufgeschlossensten Vertretern der (an aufgeschlossenen Gestalten ohnehin nicht armen) italienischen Folk-Szene: Eine grandiose <em>cantatrice<\/em>, mit einer herrlichen Stimme, die in traditionellen T\u00f6nen genauso zu Hause ist wie im Jazz oder in improvisierter Musik. Das Singen, erkl\u00e4rte sie zwischen den St\u00fccken, hat sie zu Hause gelernt, von der Mutter, die w\u00e4hrend der Hausarbeit sang und dabei das Hin und Her des B\u00fcgeleisens als Rhythmus nahm.<\/p>\n<p>Nimmt man das Tempo zum Ma\u00dfstab, das ihr Begleitquartett zeitweise vorlegte, dann mu\u00df Mamma Galeazzi ein Jimi Hendrix des B\u00fcgeleisens sein: Wenn so eine echte <em>pizzicarella<\/em> mal abgeht, dann gibt es Knoten in die Hemds\u00e4rmel und Hosenbeine, ohne Frage.<\/p>\n<p>Mit ihrem eigenen Quartett spielt Galeazzi vor allem die folkloristischen T\u00f6ne, ohne dass jedoch Jazz, Improvisation oder andere Einfl\u00fcsse ausgeblendet sind. Kein Wunder: Improvisation hat immer zur italienischen Musik geh\u00f6rt. Wenn Galeazzi zu ihren silbenakrobatischen Gesangssolos ansetzte, dann war das von Scat nicht allzuweit entfernt. Einiges erinnerte mich auch an den Klezmer-Jazz der New Yorker Band <em>Pachora<\/em>, vor allem, wenn Salvatore Zambataro das Akkordeon zur Seite legte und die Klarinette zur Hand nahm. Und als Perkussionist Massimo Carano mit seinem Tamburin-Solo loslegte, mu\u00dfte ich mich erst mal vergewissern, ob da nicht irgendwo ein Schlagzeuger in den Kulissen sa\u00df, so stramm schlug der Basst\u00f6ne durch.<\/p>\n<p>Die Banda Improvvisa kam in diesem Rahmen fast ein bi\u00dfchen zu kurz, zu Unrecht: Immerhin handelt es sich da um eines der interessantesten Orchesterprojekte \u00fcberhaupt. Bis zu siebzig Musiker versammelt Bandleader Orio Odori bisweilen auf der B\u00fchne, Profis und Amateure, mit denen er klassische und neue Musik spielt, St\u00fccke von Zappa und Nino Rota ebenso wie eigene Kompositionen. Heute gab&#8217;s nur eine kleine Besetzung: Acht Blech- und Holzbl\u00e4ser (wenn ich richtig gez\u00e4hlt habe), darunter der achtzigj\u00e4hrige B\u00fcrgermeister von Odoris Heimatdorf an der Posaune, die einen soliden Chorus zu einem St\u00fcck der Galeazzi spielten und dann eine h\u00fcbsche kleine Folkimprovisation mit Carrano und Gitarrist Massimo Nardi.<\/p>\n<p>Dann geh\u00f6rte der Vormittag wieder la Galeazzi, f\u00fcr zwei St\u00fccke und eine Zugabe. Da gab es dann die ergreifendste Version von &#8222;Bella Ciao&#8220;, die ich je geh\u00f6rt habe: Galeazzi, solo mit Gitarre, begann so langsam und schwerm\u00fctig, dass die Partisanenhymne pl\u00f6tzlich zum Lamento wurde . Je n\u00e4her der Text den Tod des Partisanen brachte, desto lauter wurde ihre Stimme, desto kr\u00e4ftiger die Akkorde auf der Gitarre,  aber das war kein Triumphgeheul, sondern ein Aufschrei von Trotz, Schmerz und Wut: Ein gro\u00dfer Moment.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Avanti Pop!-Festival am K\u00f6lner Tanzbrunnen hab ich leider verpa\u00dft &#8211; sehr zu meinem \u00c4rger, das Sud Sound System aus Lecce h\u00e4tte ich doch zu gerne mal gesehen. 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