{"id":1192,"date":"2010-06-01T03:26:50","date_gmt":"2010-06-01T00:26:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=1192"},"modified":"2010-06-01T15:50:37","modified_gmt":"2010-06-01T12:50:37","slug":"ruhrhalden-tour-iii","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2010\/06\/01\/ruhrhalden-tour-iii\/","title":{"rendered":"Ruhrhalden-Tour III"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4026\/4649854286_1293573fe2.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden3]\" title=\"Sonnenuhr auf Halde Hoheward\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4026\/4649854286_1293573fe2.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Halde Hoheward\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die dritte (und vorerst letzte) Runde \u00fcber die Halden der Ruhr fand parallel zu einer der &#8222;Flagschiff&#8220;- oder &#8222;Leuchturm&#8220;-Veranstaltungen des Kulturhauptstadtjahrs statt. Im Rahmen der Aktion <a href=\"http:\/\/www.schachtzeichen.de\/\">SchachtZeichen<\/a> stiegen eine Woche lang \u00fcber ehemaligen Zechenstandorten kleine gelbe Hei\u00dfluftballons auf. &#8222;Bis zu 350 Ballons&#8220; sollten es nach Auskunft der Veranstalter sein, die &#8222;bis zu 80 Meter hoch \u00fcber den ehemaligen Sch\u00e4chten&#8220; im Wind schwebten und wie Stecknadelk\u00f6pfe auf einer Landkarte &#8222;die Orte, an denen alles begann&#8220;, sichtbar machen sollten.<\/p>\n<p>Eine Aktion mit gro\u00dfem logistischen Aufwand, die an vielen Orten zu einem fr\u00f6hlichen Ehemaligen-Treffen geriet und mit W\u00fcrstchenbuden und Biertischen zu kleinen Volksfesten umfunktioniert wurde, anderswo nutzten neuangesiedelte Firmen die Gelegenheit zu PR-Pr\u00e4sentationen. Die \u00f6ffentliche Resonanz war ausgesprochen positiv. Und auch wenn das besondere Verh\u00e4ltnis der Ruhrp\u00f6ttler zu ihrer Vergangenheit schon zum Klischee geworden ist, muss man doch immer wieder verbl\u00fcfft registrieren, dass das Klischee wirklich Substanz hat: Ich kenne wenige Regionen, wo Neugier und Bereitschaft, sich mit der eigenen Vergangenheit und ihren Spuren auseinanderzusetzen, so umfassend und breitfl\u00e4chig gegeben sind wie hier an der Ruhr. Da spielt sicher viel verkl\u00e4rte Nostalgie eine Rolle, aber auch das Wissen, dass der beschworene Strukturwandel nicht so reibungs- und bruchlos vonstatten geht, wie die Politik das gerne m\u00f6chte.<!--more--><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3399\/4649266779_984452f953.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden3]\" title=\"Halde General Blumenthal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3399\/4649266779_984452f953.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Halde General Blumenthal\" \/><\/a><\/p>\n<p>Auch die Halden spielten f\u00fcr die SchachtZeichen nat\u00fcrlich eine besondere Rolle: Die prominentesten Landmarken wurden gezielt als Aussichtspunkte inszeniert, als hauntologische H\u00f6hen sozusagen, um die Spuren einer verschwindenden beziehungsweise umdefinierten Landschaft in den Blick zu nehmen. Leider klappte nicht alles so wie geplant: Schlechtes Wetter, Vandalismus, die eine oder andere technische oder organisatorische Panne zeigten, dass nicht nur der Strukturwandel, sondern auch seine Symbolik nicht so einfach zu inszenieren ist. Auch am Tag unserer Tour mussten einige der Schachtzeichen am Boden bleiben, weil der Wind \u00fcber dem Ruhrgebiet zu stark war. Wer will, kann darin auch eine Art Symbolik sehen. Dabei hatten wir die Route durchaus so gelegt, dass einige m\u00f6gliche Aussichtspunkte auf dem Weg lagen. Andererseits lag das Interesse auf dieser Tour ein bisschen anders:Je l\u00e4nger man sich mit den Halden besch\u00e4ftigt, um so neugieriger wird man auch darauf, nicht nur die prominenten Landmarken zu finden, sondern auch weniger bekannte, vergessene oder gar verschwundene Orte, die eine andere Auskunft geben \u00fcber das, was mit den Restbest\u00e4nden des Bergbaus und der Industrie geschieht.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.gpsies.com\/mapOnly.do?fileId=hoslastamsmkkgwq\" width=\"500\" height=\"300\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" marginheight=\"0\" marginwidth=\"0\" title=\"GPSies - Ruhrhalden-Tour III\"><\/iframe><\/p>\n<p>Startpunkt war der Bahnhof Wattenscheid. F\u00e4hrt man von hier aus in westlicher Richtung, kommt man sehr schnell \u2013 nach dem man erst mal ein etwas l\u00e4stiges Gewerbegebiet durchmessen hat \u2013 in eine erstaunlich wenig urbane, sehr landwirtschaftlich gepr\u00e4gte Gegend. Auch die ersten Wohngebiete, die auf der Strecke liegen, haben ein eher kleinst\u00e4dtisches Flair. Nur das Rauschen des nahegelegenen Ruhrschnellwegs erinnert einen daran, dass man sich in einem dicht beanspruchten Gel\u00e4nde befindet.<\/p>\n<p><strong>Mechtenberg<\/strong><\/p>\n<p>Die erste Erhebung auf der Route ist im Grunde ein Etikettenschwindel: Der Mechtenberg in Essen ist selbstverst\u00e4ndlich keine Halde und keine Deponie, sondern ein auf nat\u00fcrlichem Weg entstandener H\u00fcgel. Aber er passt trotzdem in als Vergleichsobjekt in diese Reihe, schlie\u00dflich zeigt er, dass das Bem\u00fchen, weithin sichtbare Punkte als politisch oder kulturell besetzte Landmarken zu gestalten, keine neue Erfindung ist. 1900 wurde dem Mechtenberg ein Bismarckturm obendrauf gesetzt, eines von Dutzenden Denkmalen in Deutschland, die dem preu\u00dfischen Kanzler (alternativ auch gerne gleich dem Kaiser) gesetzt wurden. Es gibt ambitionierte Bauwerke darunter, bizarre oder extravagante Variationen. Der Essener Bismarckturm ist einfach ein schwarzer, unpraktischer Schornstein, der so wirkt, als habe man sich hier eher einer l\u00e4stigen Pflichtaufgabe entledigt als einer \u00e4sthetischen Herausforderung.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4065\/4649676692_1f735fc6cd.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden3]\" title=\"Bismarckturm auf dem Mechtenberg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4065\/4649676692_1f735fc6cd.jpg\" width=\"333\" height=\"500\" alt=\"Mechtenberg\" \/><\/a> <\/p>\n<p>Auf ganz nat\u00fcrlichem Wege ist die heutige Gestalt des Mechtenbergs \u00fcbrigens auch nicht zustande gekommen: W\u00e4hrend rings um ihn herum die Halden und Deponien in die H\u00f6he wuchsen, b\u00fc\u00dfte er aufgrund von Bergsenkungen gut 15 Meter H\u00f6he an und ragt heute nur noch 84 Meter \u00fcber den Meeresspiegel. Zu F\u00fc\u00dfen des Mechtenbergs erstreckt sich der nach ihm benannte <a href=\"http:\/\/www.route-industriekultur.de\/themenrouten\/tr24\/landschaftspark-mechtenberg.html\">Landschaftspark<\/a>, ein immerhin 290 Hektar gro\u00dfes Gel\u00e4nde, dass auch die <a href=\"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=646\">von uns schon besuchte<\/a> Halde Rheinelbe einschlie\u00dft und eine ehemalige Deponie am Nattmannsweg. Das Areal wurde mit gro\u00dfem Aufwand zu einer weitl\u00e4ufigen und sehr vielseitigen Landschaft umgestaltet. Frei Otto, Architekt des M\u00fcnchner Olympiastadions, entwarf einige der sehenswerten Br\u00fcckenbauwerke, zum Beispiel f\u00fcr den wunderbaren Radweg, der entlang der Strecke der ehemaligen Kray-Wanner-Bahn angelegt wurde. Von der Aussichtsplattform neben dem Bismarckturm kann man das alles sehr sch\u00f6n \u00fcberschauen &#8211; nur ein Schachtzeichen entdecken wir leider nicht.<\/p>\n<p><em>Also entfernen wir uns auf dem alten Bahndamm vom Mechtenberg und fahren ziemlich genau in n\u00f6rd\u00f6stlicher, sp\u00e4ter n\u00f6rdlicher Richtung nach Herne, bis am Horizont der beeindruckende F\u00f6rderturm der Zeche Pluto auftaucht.<\/em><\/p>\n<p><strong>Halde Pluto und Thyssenhalde<\/strong><\/p>\n<p>Die Zeche Pluto war nicht nur eine der bedeutendsten Zechen des Ruhrgebiets, sondern hat es auch zu prominenten literarischen Ehren gebracht: In G\u00fcnter Grass\u2019 <em>Hundejahren<\/em> hat Protagonist Matern einen guten Grund, um \u00fcber die &#8222;Zechennamen, die auch als Hundenamen taugen [k\u00f6nnen]&#8220; zu meditieren, will er doch den Stra\u00dfenk\u00f6ter, der ihm zugelaufen ist, beim Namen nennen k\u00f6nnen. Einen passenden findet er &#8222;hier, wo die Abzweigung mit rostigen Schienen und Unkraut hin will&#8220;: Da &#8222;liegt unter altmodisch knickbeinigem F\u00f6rderturm, halbzerbombt und stillgelegt, jene Zeche Pluto, die dem schwarzen Sch\u00e4ferhundr\u00fcden Pluto den Namen gab.&#8220;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4056\/4649110705_ae87c1ea39_b.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden3]\" title=\"F\u00f6rderturm der Zeche Pluto von der gleichnamigen Halde aus\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4056\/4649110705_ae87c1ea39_b.jpg\" width=\"333\" height=\"500\" alt=\"500\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das Areal der Zeche erstreckt sich rechts der alten Bahnstrecke, und nicht zu \u00fcbersehen sind die gro\u00dfen k\u00fcnstlichen H\u00fcgel, hinter denen der F\u00f6rderturm aufragt. Es ist nicht ganz einfach, sich \u00fcber die Topographie dieses Gel\u00e4ndes zu informieren. Die meisten Karten, die \u00fcber das Internet verf\u00fcgbar sind, verzeichnen hier gar nichts. Nur das Kartenmaterial, auf dem der Radroutenplaner des Landes Nordrhein-Westfalen basiert, weist hier ein Naturschutzgebiet aus und einen Namen: &#8222;Berghalde Pluto-Wilhelm&#8220;. Tats\u00e4chlich liegen hier dem Namen nach zwei Halden nebeneinander. Nur der \u00f6stliche Teil ist eine Bergehalde, die eigentliche Halde Pluto. Der westlichere Teil dieses Haldenkomplexes ist die Thyssenhalde, eine Deponie f\u00fcr Gichtgasschlamm, also hochgiftigen Resten der Stahlproduktion.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4015\/4649121675_47d30df7ac.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden3]\" title=\"Blick von Halde Pluto auf die Thyssenhalde\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4015\/4649121675_47d30df7ac.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Halde Pluto\" \/><\/a><\/p>\n<p>Auf der Thyssenhalde wird ganz eindeutig noch gearbeitet, aber giftige Abf\u00e4lle werden hier nicht mehr entsorgt, sondern es geht &#8211; wie <a href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/staedte\/wanne-eickel\/Aus-Grau-wird-Gruen-id473821.html\">ein Artikel aus der WAZ<\/a> erl\u00e4utert \u2013 um die Altlastensanierung und um die Zurichtung der Halde als &#8222;modellierten Gr\u00fcnh\u00fcgel&#8220;, der sp\u00e4testens 2011 &#8222;als Gr\u00fcnfl\u00e4che zur Verf\u00fcgung stehen soll&#8220;, als &#8222;Pantoffelgr\u00fcn&#8220; in fu\u00dfl\u00e4ufiger Entfernung der umliegenden Wohnviertel. Die Ma\u00dfnahmen sind sicher notwendig zur Eind\u00e4mmung der \u00f6kologischen Folgesch\u00e4den, aber sie beenden vermutlich auch den D\u00e4mmerzustand dieses vergessenen Areals. Sowohl die Plutohalde als auch die toxische Thyssenhalde haben sich in den vergangenen Jahren zu erstaunlich Biotopen entwickelt, und nat\u00fcrlich ist das ein Resultat der Vernachl\u00e4ssigung, der beide Deponien anheimgefallen waren.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Plutohalde gibt es sogar schon seit langem ein Konzept zur Umwandlung der Halde in einen Landschaftspark: Die Stadt Herne listet sie <a href=\"http:\/\/www.herne.de\/kommunen\/herne\/ttw.nsf\/id\/DE_Parkanlagen\">auf ihrer Website<\/a> ganz tapfer unter ihren Parkanlagen. Tats\u00e4chlich ist der Status Quo des Gel\u00e4ndes aber etwas r\u00e4tselhaft. Es ist zwar nicht wirklich abgeriegelt, die wenigen Zug\u00e4nge sind jedoch sehr versteckt und schwer zu finden. Landschaftsgestalterische Eingriffe kann man an vielen Stellen der Halde entdecken: Terrassierte Wege, Spuren gezielter Bepflanzung und \u00e4hnliches. Irgendwann scheinen die Rekultivierungspl\u00e4ne aber ebenfalls auf Halde gewandert zu sein, und das haben Flora und Fauna f\u00fcr einen fr\u00f6hlichen Eroberungsfeldzug genutzt. Hier und da sieht man Reste eines Lagerfeuers, Reviermarkierungen von Pluto oder seinen Artgenossen, und Mountainbike wird hier auch gefahren.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4059\/4649745348_cb5d182eca.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden3]\" title=\"Auf Halde Pluto\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4059\/4649745348_cb5d182eca.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Auf Halde Pluto\" \/><\/a><\/p>\n<p>Aber alles in allem ist die Halde Pluto nat\u00fcrlich ein wunderbares Gel\u00e4nde, gerade wegen ihres Wildwuchses: Man hat das Gef\u00fchl, eine Art Indianerreservat zu betreten: Einen mythischen, nur halb legalen Ort, an dem man selbst auch nur geduldet ist und eigentlich ganz andere Kr\u00e4fte einen Anspruch haben. Und der Ausblick, das muss man nat\u00fcrlich der Vollst\u00e4ndigkeit halber sagen, ist nat\u00fcrlich auch von hier oben sehr sehenswert. Nur leider an diesem Tag auch v\u00f6llig schachtzeichenfrei.<\/p>\n<p><em>Also weiter. N\u00f6rdliche Grenze der Pluto- und Thyssenhalde bildet der Emscherschnellweg, die A42. Gleich auf der anderen Seite liegt ein weiteres, ehemaliges Zechengel\u00e4nde, n\u00e4mlich das der Zeche Unser Fritz. Der Malakoff-Turm von Schacht 1\/4 ist eine beeindruckende historische Landmarke, das Areal drumherum ist ebenfalls als Gr\u00fcnanlage gestaltet worden. In der alten Schachtanlage 2\/3 gibt es au\u00dferdem ein K\u00fcnstlerzentrum, die <a href=\"http:\/\/www.kuenstlerzeche.de\/\">K\u00fcnstlerzeche Unser Fritz<\/a>. Unsere Route nimmt aber weiter den n\u00f6rdlichen Weg, vorbei am alten Ruhr-Zoo, der jetzt leider <a href=\"http:\/\/www.zoom-erlebniswelt.de\/\">Zoom Erlebniswelt<\/a> hei\u00dfen muss, was den Insassen aber wenig auszumachen scheint. Ein kurzes St\u00fcck ostw\u00e4rts am Rhein-Herne-Kanal entlang, und dann sind auch schon die n\u00e4chsten Etappenziele in Sichtweite.<\/em><\/p>\n<p><strong>Halde Hoppenbruch<\/strong><\/p>\n<p>Mit der Halde Hoppenbruch erreicht man nicht nur einen k\u00fcnstlichen Berg, sondern fast ein ganzes Mittelgebirge. Zusammen mit der benachbarten Halde Hoheward bildet sie die &#8222;gr\u00f6\u00dfte Haldenlandschaft in Europa&#8220;, wie die Stadt Herten <a href=\"http:\/\/85.119.208.81\/emscherbruch2004\/halde_hoppenbruch.htm\">stolz verk\u00fcndet<\/a>. Im Grunde k\u00f6nnte man noch die unmittelbar westlich gelegene Deponie Emscherbruch mit einbeziehen, die zwar nicht zug\u00e4nglich, aber mittlerweile auch auf beachtliche Gr\u00f6\u00dfe angewachsen und von renaturiertem Gr\u00fcn \u00fcberzogen ist: Auf engstem Raum stehen hier also einige beachtliche k\u00fcnstliche Gipfel nebeneinander.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4016\/4649136705_6e128feb33.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden3]\" title=\"Halde Hoppenbruch\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4016\/4649136705_6e128feb33.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Halde Hoppenbruch\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Hoppenbruch geh\u00f6rt zu den ersten Halden, die gezielt als &#8222;Landschaftsbauwerk&#8220; angelegt wurden (\u00fcbrigens von den gleichen Landschaftsplanern, die auch das ad acta gelegte Konzept f\u00fcr die Halde Pluto entwickelten). Die harten Konturen der Tafelberge wurden hier vermieden, Hoppenbruch hat bereits weichere und flie\u00dfendere Formen, zwei richtige Gipfelkuppen, viel Wald und Buschwerk und ein labyrinthisches Netz aus breiten Wegen und kleinen Seitenpfaden. Im Unterschied zur pomp\u00f6ser angelegten Nachbarhalde Hoheward ist das hier ein beschaulicherer Ort, der einem individuellere Wege der Erkundung und Erwanderung nahezulegen scheint. Die &#8222;Landmarke&#8220;, die den Hauptgipfel kr\u00f6nt, ist da fast schon ein bisschen \u00fcberdimensioniert: Ein gro\u00dfer Windgenerator, kein k\u00fcnstlerisches Monument also, sondern ein \u00f6konomisches und technisches, dessen zuk\u00fcnftige Bedeutung durch ein paar verwegen gestaltete Schautafeln erl\u00e4utert wird. Ansonsten ist hier viel Platz f\u00fcr Spazierg\u00e4nger, Jogger, Nordic Walker und nat\u00fcrlich Mountainbiker, die vor allem die Wege um den S\u00fcdgipfel zum Dirt-Bike-Areal ausgebaut haben.<\/p>\n<p><strong>Halde Hoheward<\/strong><\/p>\n<p>Wer die spektakul\u00e4ren Schauwerte sucht (und die noch immer nicht aufgetauchten Schachtzeichen), muss sich nach der rasanten Abfahrt vom Hoppenbruch auf den z\u00e4hen Anstieg hinauf zur Halde Hoheward machen. Die geh\u00f6rt mit dem vor zwei Jahren errichteten Himmelsobservatorium auf dem Gipfel schon zu den dominierenden Fixpunkten im Landschaftsbild des Ruhrgebiets. Auf der Westseite der Halde wird noch gesch\u00fcttet, das Wegenetz ist vor allem auf der \u00f6stlichen H\u00e4lfte ausgebaut: Breitere &#8222;Balkonwege&#8220;, die gezielt auf Panoramawirkung angelegt sind, und schmalere, z.T. sogar barrierefreie Seitenwege, die berganf\u00fchren. Au\u00dferdem gibt es eine bergaufw\u00e4rts f\u00fchrende Stra\u00dfe, die zwar nicht \u00f6ffentlich freigegeben ist, aber ein gro\u00dfer Reisebus hat es tats\u00e4chlich nach oben geschafft. W\u00e4hrend auf dem Hoppenbruch fast niemand unterwegs war, ist hier einiges los: Viel buntes Volk, quer durch Generationen und Nationalit\u00e4ten, deutsche, russische und t\u00fcrkische Sprachfetzen schwirren durcheinander. Einige Menschen sind mit Ferngl\u00e4sern bewaffnet und suchen den Himmel nach Schachtzeichen ab, aber vergeblich: Einige Zechent\u00fcrme sind von hier oben zu sehen, aber kein einziger gelber Hei\u00dfluftballon.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4005\/4649843076_94d6a4011e.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden3]\" title=\"Halde Hoheward\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4005\/4649843076_94d6a4011e.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Halde Hoheward\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das Panorama ist auch ohne diese Farbtupfer spektakul\u00e4r. Angeblich soll man bei guter Sicht bis zum Rheinturm in D\u00fcsseldorf schauen k\u00f6nnen. Das ist heute zwar nicht drin, aber der Blick scheint tats\u00e4chlich das gesamte Ruhrgebiet erfassen zu k\u00f6nnen, und die wechselhafte Bew\u00f6lkung schafft dazu noch eine ganz eigent\u00fcmliche Light-Show. Man kann durchaus verstehen, warum die beiden Landmarken, die hier installiert wurden (auch Hoheward hat eine Art Doppelgipfel), auf den Himmel bezogen sind: Auf dem s\u00fcdlicheren Plateau befindet sich eine Sonnenuhr mit einem Obelisk, auf das n\u00f6rdlichere wurde das schon erw\u00e4hnte Obervatorium gebaut.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4007\/4649834118_daf466c652.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden3]\" title=\"Horizontobservatorium auf Halde Hoheward\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4007\/4649834118_daf466c652.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Halde Hoheward\" \/><\/a> <\/p>\n<p>Die Sonnenuhr ist ganz nett, k\u00f6nnte aber bei schlechter Laune auch mit der irrt\u00fcmlich verpflanzten Platzgestaltung einer durchschnittlichen deutschen Kleinstadt verwechselt werden. Das Observatorium dagegen ist in der Tat ein erstaunliches Monument: Ein Versuch, durch eine grandiose Kreuzung aus Futurismus und Mystik zu beweisen, dass auch die Wissenschaft ein staunendes Schaudern ausl\u00f6sen kann. Diese \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche astronomische Beobachtungsst\u00e4tte zitiert bewusst pr\u00e4historische Vorbilder wie Stonehenge oder Goseck, die auch in esoterischen Zirkeln gerne in Anspruch genommen werden, will die Faszination aber gezielt in volksp\u00e4dagogische und popul\u00e4rwissenschaftliche Kontexte \u00fcberf\u00fchren. Verantwortlich daf\u00fcr ist <a href=\"http:\/\/www.horizontastronomie.de\/\">ein Verein<\/a>, hinter dem u.a. die <a href=\"http:\/\/www.ruhr-uni-bochum.de\/\">Ruhr-Universit\u00e4t<\/a> in Bochum und die <a href=\"http:\/\/www.sternwarte-recklinghausen.de\/\">Volkssternwarte<\/a> in Recklinghausen stehen und der die M\u00f6glichkeiten des Observatoriums f\u00fcr Veranstaltungen und \u00e4hnliches nutzen will.<\/p>\n<p>Leider hat die Realit\u00e4t den Pl\u00e4nen auch vorerst einen leichten Strich (oder vielmehr: einen geschwungenen Bogen) durch die Rechnung gemacht: Weil der sogenannte \u00c4quatorbogen Risse aufweist, ist das Gel\u00e4nde unmittelbar unter dem Observatorium bis auf weiteres gesperrt und der Bogen provisorisch durch Stahlpfeiler gest\u00fctzt. Das schm\u00e4lert den \u00e4sthetischen Reiz doch etwas, und ich w\u00fcrde mich nicht wundern, wenn einige der Besucher die grandiose Konstruktion f\u00fcr eine Festivalb\u00fchne im Winterschlaf halten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3399\/4649844300_2ce19a033c.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden3]\" title=\"St\u00fctzpfeiler des Horizontobervatoriums\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3399\/4649844300_2ce19a033c.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Horizontobservatorium\" \/><\/a> <\/p>\n<p>Man mag auch diese Schwierigkeiten in der Umsetzung eines grandiosen Plans f\u00fcr symboltr\u00e4chtig halten, wie auch die Probleme der sogenannten &#8222;Drachenbr\u00fccke&#8220;, einer comic-artigen Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke im Osten der Halde, die 1,5 Millionen Euro kostete und deren Fertigstellung die eingeplante Zeit weit \u00fcberschritt, weil unter anderem die Baukosten &#8222;durch den erh\u00f6hten Weltmarktpreis f\u00fcr Stahl&#8220; in die H\u00f6he stiegen, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Halde_Hoheward#Drachenbr.C3.BCcke\">wie Wikipedia wei\u00df<\/a>. Ach ja, und eine Himmelstreppe \u2013 die hier &#8222;Himmelsstiege&#8220; hei\u00dft &#8211; gibt es nat\u00fcrlich auch auf Hoheward. Eigentlich fehlt nur noch, dass der Name der Halde in irgendeiner originellen Typographie geschrieben werden m\u00fc\u00dfte: Denn Hoheward ist die Halde als Mega-Dome und Themenpark, spektakul\u00e4r und beeindruckend, aber man vermisst ein wenig die Nischen und Ritzen, in denen sich Unerwartetes einnisten k\u00f6nnte. Und Schachtzeichen waren von hier oben auch nicht zu sehen.<\/p>\n<p><strong>Halde General Blumenthal<\/strong><\/p>\n<p>Wenden wir uns bescheineren Dimensionen zu: Die n\u00e4chste H\u00e4lfte der Tour f\u00fchrt an einigen ehemaligen Halden vorbei, die nicht so auff\u00e4llig sind. Wir fahren in weiten Schw\u00fcngen auf der Nordseite der Halde talw\u00e4rts und dann auf ruhigen Seitenstra\u00dfen nordw\u00e4rts in Richtung Recklinghausen. S\u00fcdlich des Stadtzentrums liegt das Gel\u00e4nde der fr\u00fcheren Zeche General Blumenthal. Nur noch wenige Geb\u00e4ude sind \u00fcbrig geblieben, die Kommune plant hier einen kleingeschriebenen, aber gro\u00dfangelegten <a href=\"http:\/\/www.plan-lokal.de\/berichte\/abschlussberichte\/re-zukunftspark.pdf\">zukunftspark blumenthal-saatbruch<\/a>, wie man den angestrebten &#8222;Nutzungsmix&#8220; aus Gewerbe, Wohnbebauung und Freizeitangeboten getauft hat. \u00d6stlich der ehemaligen Betriebsanlagen liegt die Halde der Zeche (nicht zu verwechseln mit der fast gleichnamigen Halde &#8222;General Blumenthal 8&#8220;, die zum gleichen Zechenkomplex geh\u00f6rte, aber weiter n\u00f6rdlich in Oer-Erkenschwick liegt). Ihre Dimensionen wirken, wenn man gerade von der gr\u00f6\u00dften Haldenlandschaft Europas kommt, fast lachhaft: Gerade mal 15 Meter ist sie hoch, und wie Halde Pluto ein fast v\u00f6llig vergessenes Areal. Industrie- und Gleisanlagen trennen sie vom Rest der Stadt, und so hat sich hier eine &#8222;Waldlandschaft aus Birken und anderer Pioniervegetation&#8220; entwickelt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4050\/4649260443_b97110d901.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden3]\" title=\"Park an der Halde General Blumenthal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4050\/4649260443_b97110d901.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"General Blumenthal\" \/><\/a> <\/p>\n<p>Der Gro\u00dfteil dieser Halde ist gesch\u00fctztes Gel\u00e4nde im Besitz des Emscherverbandes und kann nicht betreten werden. Im Norden des Areals ist ein kleiner, bescheidener Landschaftspark mit ein paar Spazierwegen angelegt worden, \u00fcber die man zumindest ein paar stichprobenartige Vorst\u00f6\u00dfe vornehmen und das chaotische Gr\u00fcn bewundern darf. Ob dieser kleine st\u00e4dtische Urwald auch im <em>zukunftspark<\/em> noch einen Platz haben wird, muss man sehen. Die Stadt w\u00fcnscht sich eine &#8222;innerst\u00e4dtische Gr\u00fcnverbindung&#8220;, die westlich und \u00f6stlich der Halde liegende Gr\u00fcnfl\u00e4chen zusammenf\u00fchrt und nimmt die Halde General Blumenthal zumindest auf dem Papier schon mal in die Pflicht: Die Tage sorglosen Dahinwucherns sind demn\u00e4chst vorbei, bald hat sie &#8222;neben ihren \u00f6kologischen, klimatischen und hydrologischen verst\u00e4rkt auch Erholungsfunktionen [zu] erf\u00fcllen&#8220;. Angesichts dieser zuk\u00fcnftigen Zweckbestimmungen wiegen sich die Birkenst\u00e4mme schon etwas melancholisch im Wind. Kein Schachtzeichen begleitet sie dabei im Takt.<\/p>\n<p><em>Wir schlagen einen weiten Bogen im Osten um den Stadtteil K\u00f6nig Ludwig, benannt nach der gleichnamigen Zeche im Osten des Viertels, die ihren Namen nat\u00fcrlich vom bayrischen K\u00f6nig hat. Die stillgelegte Strecke der Zechenbahn ist heute ebenfalls zu einem wunderbaren Radweg ausgebaut. Wir passieren das Zechengel\u00e4nde, treffen dort auf ein paar etwas frustrierte, trotzdem noch einigerma\u00dfen gut gelaunte Schachtzeichen-Helfer und sehen auch tats\u00e4chlich den ersten richtigen Hei\u00dfluftballon. Er h\u00e4ngt ziemlich nutzlos am Boden, zwischen den alten Zechengeb\u00e4uden, und wartet auf bessere Windverh\u00e4ltnisse. Wir bewundern stattdessen die ehemalige Pechhalle der Zeche, ein ausgeweidetes Betonskelett, in dem einige Jugendliche gef\u00e4hrlich anmutende Kletter\u00fcbungen veranstalten. Auch K\u00f6nig Ludwig hat eine Halde hinterlassen, direkt an der ehemaligen Bahnlinie, aber sie ist eingez\u00e4unt und kann nicht genauer begutachtet werden.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4008\/4649946980_a92b622c5a.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden3]\" title=\"Eingez\u00e4unte Halde auf dem Gel\u00e4nde der Zeche Ludwig\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4008\/4649946980_a92b622c5a.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Zeche K\u00f6nig Ludwig\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Vo\u00dfnacken<\/strong><\/p>\n<p>Die ehemalige Bahnstrecke f\u00fchrt uns wieder ans Ufer des Rhein-Herne-Kanals, dem wir ein kurzes St\u00fcck folgen, bevor wir uns s\u00fcdw\u00e4rts wenden und westlich am Herner Stadtteil Horsthausen vorbeifahren. Hinter der Bahnlinie schlagen wir einen eleganten Bogen \u00f6stlich um das Naturschutzgebiet Vo\u00dfnacken: Auch das ist ehemaliges industrielles Brachland, bis in die Achtziger Jahre wurde das Areal als Halde und Deponie genutzt. Davon sieht man kaum noch noch etwas: Das Gebiet erhebt sich kaum mehr als f\u00fcnfzehn Meter \u00fcber das Umfeld und ist von einem dichten Urwald bewachsen. Bergsenkungen haben au\u00dferdem einen kleinen Weiher entstehen lassen, der unter anderem eine der gr\u00f6\u00dften Erdkr\u00f6tenpopulationen in Nordrhein-Westfalen beherbergen soll. Auch den Vo\u00dfnacken darf man nicht betreten, f\u00fcr Zuwiderhandlungen wird mit Strafen bis zu 50.000 Euro (!) gedroht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4025\/4649955362_9f33e743b8.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden3]\" title=\"Kaum zu sehen: Halde Vo\u00dfnacken\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4025\/4649955362_9f33e743b8.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Vo\u00dfnacken\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong> Mont Cenis<\/strong><\/p>\n<p>In Sichtweite des Vo\u00dfnacken erhebt sich die Anh\u00f6he der ehemaligen Zeche Mont-Cenis. Der franz\u00f6sische Name ist selbst in der bunten Nomenklatur der Ruhr-Zechennamen ungew\u00f6hnlich, aber er stammt von den s\u00fcdfranz\u00f6sischen Investoren, die das Zechengel\u00e4nde im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert erwarben. Dort steht heute der spektakul\u00e4re Glaskasten der <a href=\"http:\/\/www.akademie-mont-cenis.de\/\">Akademie Mont Cenis<\/a>, entworfen von <a href=\"http:\/\/www.jourda-architectes.com\/architecture\/bat_publics\/herne\/projet.php\">Jourda &#038; Perraudin<\/a>, dessen gl\u00e4serne Klimah\u00fclle &#8222;ein mediterranes Klima \u00e4hnlich dem in Nizza&#8220; erzeugt. Das ist nicht als ironischer Kommentar zur Klimaerw\u00e4rmung gemeint, sondern ganz ernst: Auf dem Dach des Geb\u00e4udes befindet sich eine Solaranlage, die nach Auskunft der Akademie die gr\u00f6\u00dfte in einem Geb\u00e4ude integrierte Anlage der Welt ist. Das Zechengel\u00e4nde ist au\u00dferdem Standort eines Energieparks, in dem ausser Solarenergie auch Strom aus Grubengas erzeugt wird &#8211; eine sp\u00e4te, energetische Nachnutzung der Zeche, deren Kohlef\u00f6rderung seit 1978 stillgelegt ist.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4032\/4649956760_aebcb177a8.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden3]\" title=\"Akademie Mont-Cenis\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4032\/4649956760_aebcb177a8.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Akademie Mont-Cenis\" \/><\/a><\/p>\n<p>Vor der Akademie stehen \u00fcbrigens einige Stelen, die wie Ruinen eines r\u00f6mischen Tempels anmuten. Sie stammen von Herman Prigann, der auch Himmelstreppe und Skulpturenpark auf Rheinelbe gestaltet hat. Als Haldenforscher wird man hier nur am Rande f\u00fcndig, wenn man die Absch\u00fcssigkeit des Gel\u00e4ndes nordwestlich der Halde bemerkt. Auch hier ist der H\u00f6henunterschied kaum erw\u00e4hnenswert, aber scheinbar scheint er doch genug Aufwind f\u00fcr ein paar Kinder zu produzieren, die hier einen Drachen steigen lassen. Ein Schachtzeichen entdecken wir allerdings auch auf Mont Cenis nicht.<\/p>\n<p><em>Also weiter s\u00fcdw\u00e4rts. Wir ber\u00fchren kurz den Gysenbergpark und halten uns dann, wiederum auf einer ehemaligen Bahntrasse, in s\u00fcd\u00f6stliche Richtung. So erreichen wir ein weiteres ehemaliges Zechengel\u00e4nde, n\u00e4mlich<\/em><\/p>\n<p><strong>Constantin<\/strong><\/p>\n<p>Zeche Vereinigte Constantin der Gro\u00dfe, um vollst\u00e4ndig zu sein. In der seltsamen Nomenklatur der Zechenwelt durften zwischen G\u00f6ttern, adligen Kriegshelden und exotischer Geographie auch die antike Prominenz nicht fehlen.  Unsere Route f\u00fchrt durch den Constantinpark, der sich auf dem Gel\u00e4nde der fr\u00fcheren Schachtanlage 4\/5 befand. Auch hier gab es eine Abraumhalde, aber die wurde hier abger\u00e4umt und sozusagen modellierend auf das Areal verteilt. Entstanden ist eine sanft gewellte, abwechslungsreiche Parklandschaft, der man ihren k\u00fcnstlichen Charakter gar nicht mehr anmerkt, zumal sie fast bruchlos in die nat\u00fcrlichen Ausl\u00e4ufer des Ardeygebirges \u00fcbergeht. Wir fahren durch Wald- und Wiesengebiete, an Reiterh\u00f6fen vorbei und \u00fcber die A43 Richtung S\u00fcden. Und da sehen wir tats\u00e4chlich erstmals kurz hinter einem Waldst\u00fcck einen gelben Hei\u00dfluftballon aufblitzen: Das erste Schachtzeichen des heutigen Tages.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4065\/4649978692_687c023d52.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden3]\" title=\"Der Constantin-Park ist keine Halde mehr\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4065\/4649978692_687c023d52.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Constantin-Park\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Tippelsberg<\/strong><\/p>\n<p>Die letzte Landmarke des heutigen Tages liegt gleich hinter der Autobahn: Der Tippelsberg in Bochum. Und hier schlie\u00dft sich sozusagen auch thematisch der Kreis dieser Tour. Denn auch der Tippelsberg ist &#8211; wie der Mechtenberg &#8211; eigentlich eine nat\u00fcrliche Erh\u00f6hung. Allerdings wurde bei den 150 Metern, die er heute \u00fcber dem Meeresspiegel mi\u00dft, deutlich nachgeholfen: Die H\u00f6he erreicht er durch einen Sch\u00fcttkegel aus Bau- und Bodenschutt, der vor allem beim Bau der Bochumer U-Bahn anfiel und hier deponiert wurde. Auch hier wurde der Gipfel als Landmarke gestaltet, wobei man sich offenbar mit den Anwohnern verst\u00e4ndigt hat.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4052\/4649993712_c09cabc89c.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden3]\" title=\"Tippelsberg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4052\/4649993712_c09cabc89c.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Tippelsberg\" \/><\/a><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hat der Tippelsberg ein fast nachbarschaftliches Flair: Es ist einiges los hier oben, und die gut gelaunte Stimmung ist fast der abendlichen Laune auf einer italienischen Piazza vergleichbar. Die aufgebauten Schautafeln, die in launigem Ton von lokalen Legenden und Gegebenheiten berichten, erinnern eher an das beschauliche Interieur eines Vereinsheims oder einer Grundschule. Und die Aussicht ist nat\u00fcrlich auch hier oben sehenswert, weit schaut man \u00fcber das mittlere Ruhrgebiet und wenn man ein bisschen schielt, sehen die Schornsteine fast ein wenig wie Zypressen aus. Und siehe da: Gleich neben dem Berg steigen auch tats\u00e4chlich zwei Schachtzeichen in die H\u00f6he, erst z\u00f6gerlich, aber dann doch mit Nachdruck, als Schlusspunkte f\u00fcr einen weiteren Tag auf den Halden.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4046\/4650018164_928251f138.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden3]\" title=\"Schachtzeichen \u00fcber Constantin\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4046\/4650018164_928251f138.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Schachtzeichen\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die dritte (und vorerst letzte) Runde \u00fcber die Halden der Ruhr fand parallel zu einer der &#8222;Flagschiff&#8220;- oder &#8222;Leuchturm&#8220;-Veranstaltungen des Kulturhauptstadtjahrs statt. Im Rahmen der Aktion SchachtZeichen stiegen eine Woche lang \u00fcber ehemaligen Zechenstandorten kleine gelbe Hei\u00dfluftballons auf. &#8222;Bis zu 350 Ballons&#8220; sollten es nach Auskunft der Veranstalter sein, die &#8222;bis zu 80 Meter hoch [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-1192","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1192","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1192"}],"version-history":[{"count":7,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1192\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1196,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1192\/revisions\/1196"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1192"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1192"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1192"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}