{"id":1215,"date":"2010-07-22T13:52:33","date_gmt":"2010-07-22T10:52:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=1215"},"modified":"2010-07-22T13:52:33","modified_gmt":"2010-07-22T10:52:33","slug":"i-ride-your-river-under-the-bridge","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2010\/07\/22\/i-ride-your-river-under-the-bridge\/","title":{"rendered":"&#8222;I ride your river under the bridge&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4099\/4796786988_00de2fce9b_d.jpg\" alt=\"Go-Between-Bridge\" \/><br \/>\n<font size=1>Go Between Bridge. (Foto: Paul Guard, Quelle: <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Go_Between_Bridge\">Wikipedia<\/a>.)<\/font><\/p>\n<p>Die Go-Betweens geh\u00f6rten in den sp\u00e4ten Achtzigern, fr\u00fchen Neunzigern zu meinen ganz gro\u00dfen Favoriten. Sp\u00e4ter, in den Jahren zwischen der Reunion und dem fr\u00fchen Tod von Grant McLennan, habe ich nicht mehr sehr aufmerksam mitverfolgt, aber dass sie in dieser Phase immerhin ein wenig Mainstream-Anerkennung bekamen, fand ich nur gerecht.<\/p>\n<p>Das Image der ewigen Underachiever, die eine bessere Welt br\u00e4uchten, um Stars werden zu k\u00f6nnen, sind sie allerdings nie so richtig losgeworden. Und so war ich doch sehr \u00fcberrascht, zu lesen, dass es in Brisbane, der Heimatstadt von Forster und McLennan, inzwischen eine Br\u00fccke gibt, die <a href=\"http:\/\/bridge.mipo.jsadigital.com.au\/\">den Namen der Band tr\u00e4gt<\/a>. Und dass es sich dabei nicht nur um eine bedeutungslose Nebenbr\u00fccke in einem Randbezirk handelt, sondern um einen Fluss\u00fcbergang, der in der Verkehrsinfrastruktur eine wichtige Rolle spielen soll. Die Go Between Bridge ist \u2013 heisst es in der Wikipedia \u2013 die erste Innenstadtbr\u00fccke seit 40 Jahren, vierspurig ausgebaut und ausgelegt f\u00fcr etwa 12.000 Autos am Tag. Erfreulicherweise sieht sie sogar ganz ansprechend aus.<!--more--><\/p>\n<p>Damals, als die Band zu meinem privaten Pantheon geh\u00f6rte, h\u00e4tte ich sicher nicht gedacht, dass sie mal die Art von amtlicher Anerkennung bekommen k\u00f6nnte, die sich in der Benennung einer Stra\u00dfe oder einer Br\u00fccke ausdr\u00fcckt. Heute finde ich das einerseits am\u00fcsant, aber es hat auch etwas leicht Irritierendes, weil es nat\u00fcrlich bedeutet, dass die Grenzlinien, die man mal zwischen sich und dem Teil der Welt zog, gegen den man Verb\u00fcndete suchte, doch sehr fragil sind. &#8222;Ah, La P\u00e9rouse &#8230; C&#8217;est un nom connu. Il a sa rue&#8220;, bemerkt ein Protagonist bei Proust, als ein Name in die Runde geworfen wird. Was es als Stra\u00dfe gibt, ist gesellschaftlich und beh\u00f6rdlich akkreditiert. Und das widerspricht nat\u00fcrlich der Ambivalenz, die das Fantum auszeichnet: Als echter Fan will man eigentlich gar nicht wirklich, dass die Bands oder Autoren, die man verehrt, den gro\u00dfen Durchbruch schafft, weil man dann auch einen Teil der Deutungs- und Auslegungshoheit aufgeben muss und der Name nicht mehr als Differenzierungsmerkmal funktioniert.<\/p>\n<p>Als Teenager habe ich tats\u00e4chlich mal den Stadtplan einer fiktiven Metropole gemalt, in der ich einige Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze nach Musikern und Schriftstellern benannte, an denen mir was lag. Am meisten Spa\u00df machte es nat\u00fcrlich, m\u00f6glichst absurde und verquere Referenzen zu finden, die so weit wie m\u00f6glich von jeder kanonisierten Kultur entfernt lagen. Es gab in meiner Stadt zum Beispiel eine Blixa-Bargeld-Br\u00fccke, weil ich gelesen hatte, dass die Einst\u00fcrzenden Neubauten ihren Proberaum in einer Autobahnbr\u00fccke hatten &#8230; Wenn ich heute lesen w\u00fcrde, das an dieser Br\u00fccke eine entsprechende Gedenktafel angebracht wurde, f\u00e4nde ich das wohl nur noch m\u00e4\u00dfig bizarr.<br \/>\nDie Go-Betweens kannte ich damals noch nicht, sonst w\u00e4ren sie in meiner Stadt sicher auch vorgekommen. Vermutlich h\u00e4tte ich aber keine Hauptverkehrsstra\u00dfe nach ihnen benannt, sondern eher eine kleine Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke, einen ruhigen und nicht besonders zentralen Seitenweg, von dem aus man auf den Fluss schauen und nachdenken kann \u00fcber regnerische Fr\u00fchlingstage, verpasste Chancen und Parties, von denen man zu sp\u00e4t weggegangen ist.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4093\/4807189552_4842e1a7ff_d.jpg\" alt=\"Br\u00fccke Finnentrop\" \/><\/p>\n<p>Angemessen w\u00e4re vielleicht auch ein Monument des Mi\u00dfgeschicks, wie diese Br\u00fccke im sauerl\u00e4ndischen Finnentrop. Die ist fast fertig und k\u00f6nnte auch gut gebraucht werden, als Entlastung f\u00fcr eine benachbarte Stra\u00dfenkreuzung, an der sich zwei Hauptstra\u00dfen und ein Bahn\u00fcbergang treffen und dementsprechend h\u00e4ufig Stau ist. Aber zur Fertigstellung m\u00fc\u00dfte man die Bahnstrecke sperren, und weil die Bahn angeblich vergessen hat, betroffenen Subunternehmen rechzeitig Bescheid zu sagen und\/oder die Route als Entlastung f\u00fcr andere Strecken braucht, an denen ebenfalls gebaut wird, geht hier erst mal nichts. Das wird vermutlich auch noch ein paar Jahre so weitergehen: Gut m\u00f6glich, sagt man uns im Ort, dass die Br\u00fccke erst 2014 ge\u00f6ffnet wird, also dann, wenn auch die ersten routinem\u00e4\u00dfigen Instandsetzungsma\u00dfnahmen durchgef\u00fchrt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4098\/4807191984_c2dc3f1167_d.jpg\" alt=\"Lennebr\u00fccke Finnentrop\" \/><\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte sie auch nach den Neubauten benennen (\u201eAlles nur k\u00fcnftige Ruinen\/Material f\u00fcr die n\u00e4chste Schicht\u201c), aber daf\u00fcr ist sie vielleicht nicht metropolitan genug. Mich w\u00fcrde aber doch interessieren, ob es im deutschsprachigen Raum schon ein \u00e4hnliches Beispiel gibt wie die Go Between Bridge, also einen \u00f6ffentlichen Platz oder ein Geb\u00e4ude, das nach Vertretern der Underground- oder Alternativ-Kultur benannt ist, wie sie, sagen wir, von <em>Sounds<\/em> oder <em>Spex<\/em> abgesteckt wurde. Vor einigen Jahren gab es in K\u00f6ln mal eine <a href=\"http:\/\/www.comcologne.de\/artikelakt.cfm?edit=1114\">Initiative f\u00fcr einen Christa-P\u00e4ffgen-Platz<\/a>, aber daraus wurde nichts.<\/p>\n<p>Und auch etablierte Namen der Popkultur finden sich noch relativ selten. Berlin hat eine <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/musik\/0,1518,376403,00.html\">Frank-Zappa-Stra\u00dfe<\/a>, Wien eine <a href=\"http:\/\/www.wien.gv.at\/bezirke\/donaustadt\/geschichte-kultur\/falcogasse.html\">Falcogasse<\/a>, Gronau einen <a href=\"http:\/\/www.kinoverkauf.de\/Unterseiten\/Udo_Lindenberg.html\">Udo-Lindenberg-Platz<\/a>, Elvis ist auch <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5QhemkBaheg\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/lh3.ggpht.com\/_5NhqDKl5kj4\/SbSosWqxTsI\/AAAAAAAAe98\/7rZ7ElAwzp0\/DSCF5504.JPG\">da<\/a> schon gew\u00fcrdigt. Und in Oberhausen gibt es diese unspektakul\u00e4re, aber ganz angenehme Fl\u00e4che mit Sportpl\u00e4tzen und Jugendzentrum, die aus mir unbekannten Gr\u00fcnden nach John Lennon benannt ist.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4021\/4628512030_3a4549a254_d.jpg\" alt=\"John-Lennon-Platz, Oberhausen\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Go Between Bridge. (Foto: Paul Guard, Quelle: Wikipedia.) Die Go-Betweens geh\u00f6rten in den sp\u00e4ten Achtzigern, fr\u00fchen Neunzigern zu meinen ganz gro\u00dfen Favoriten. 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