{"id":137,"date":"2011-07-20T03:24:14","date_gmt":"2011-07-20T00:24:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.de\/nb\/?p=137"},"modified":"2011-07-20T19:08:28","modified_gmt":"2011-07-20T16:08:28","slug":"flickr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2011\/07\/20\/flickr\/","title":{"rendered":"Conny Planks Studio"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm7.static.flickr.com\/6122\/5943864224_86836e7598_d.jpg\" alt=\"Wolperath\" \/><\/p>\n<p>Aus der Reihe &#8222;Vergessene Pilgerorte der Popmusik&#8220;: Ein Blick auf Conny Planks Studio im D\u00f6rfchen Wolperath, mitten im Bergischen Land, etwa 40 Kilometer s\u00fcd\u00f6stlich von K\u00f6ln.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm7.static.flickr.com\/6003\/5943295773_b2af5db1f9_d.jpg\" alt=\"Conny Planks Studio\" \/><\/p>\n<p>Besser gesagt: Auf das, was vom Studio noch \u00fcbrig ist. Es befand sich in einem gr\u00f6\u00dferen Hofkomplex, von dem nur noch diese beiden Fachwerkh\u00e4user stehen. Der Trakt, in dem das Studio war &#8211; der ehemalige Schweinestall, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Conny_Plank\">wie Wikipedia wei\u00df<\/a> &#8211; steht nicht mehr. Auf dem Areal werden derzeit <a href=\"http:\/\/www.fromm-wohnen.de\/projekt_wolperath.html\">Einfamilienh\u00e4user gebaut<\/a>. Der Bauherr schw\u00e4rmt vom &#8222;Westgrundst\u00fcck mit Fernblick&#8220; in &#8222;historischer Hoflage&#8220;, von &#8222;besten Lichtverh\u00e4ltnissen&#8220; und der &#8222;jungen Nachbarschaft&#8220;. Vom prominenten Vorbesitzer erf\u00e4hrt man nichts, aber vermutlich w\u00fcrde der Name auch nur den wenigsten der jungen Familien, die vom Neubauprojekt angelockt werden sollen, noch etwas sagen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm7.static.flickr.com\/6025\/5943284119_bcde11bcbb_d.jpg\" alt=\"Conny Planks Studio\" \/><\/p>\n<p>Dabei w\u00e4re das ja wirklich ein interessantes Verkaufsargument: &#8222;Da wo sie jetzt stehen, wollte David Bowie unbedingt auch mal hin.&#8220; Bowie kam tats\u00e4chlich auf eine Tasse Tee in Wolperath vorbei, weil er unbedingt diesen Typen kennenlernen wollte, der alle diese geilen Krautrock-Bands produzierte, der f\u00fcr Leute wie Kraftwerk, Neu!, Cluster, Guru Guru dieses ph\u00e4nomenale neue Klangverst\u00e4ndnis definiert hatte, an das Bowie in Berlin gerade anzudocken versuchte. Aus einer Zusammenarbeit wurde dann zwar nichts, weil Bowie und Plank angeblich doch nicht so gut miteinander klar kamen. Aber kurz darauf machte Bowie <em>Heroes<\/em>, und das Titelst\u00fcck ist ein unverhohlenes Tribut an mindestens eine Platte, die in Wolperath entstanden war, n\u00e4mlich das dritte Neu!-Album, <em>Neu! &#8217;75<\/em> mit dem Song &#8222;Hero&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Heroes&#8220; ist auch ein passender Soundtrack f\u00fcr eine Fahrt nach Wolperath: Hinter Siegburg schwingt sich die Stra\u00dfe rasch auf die H\u00f6he, die Landschaft \u00f6ffnet sich weit und der l\u00e4ssige Schwung der Kurven, Steigungen und Gef\u00e4lle treibt einen fast automatisch voran. Planks Studio liegt an einem der h\u00f6chsten Punkte der Strecke, und den Weitblick, von dem der Bauherr schw\u00e4rmt, hat man von hier aus tats\u00e4chlich (wenn auch sicher nicht von jedem der neuen H\u00e4user aus, das Areal ist doch sehr zerst\u00fcckelt worden).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm7.static.flickr.com\/6145\/5943288351_90371694e0_d.jpg\" alt=\"Wolperath\" \/><\/p>\n<p>Brian Eno, Co-Autor von &#8222;Heroes&#8220;, war auch einer der Pilger, die sich wegen Plank in die bergische Provinz aufmachten, aber anders als Bowie kam er \u00f6fter vorbei, machte Aufnahmen f\u00fcr einige Solo-LPs, produzierte das Deb\u00fct-Album von Devo und arbeitete mit den Cluster-Musikern Dieter Moebius und Hans-Joachim Roedelius zusammen. (Die beiden LPs <em>Cluster &#038; Eno<\/em> und <em>After The Heat<\/em> sind f\u00fcr mich allerdings eher ein Beleg daf\u00fcr, dass eine Summe nicht immer gr\u00f6\u00dfer sein muss als die einzelnen Teile.)<\/p>\n<p>Zu den Stammg\u00e4sten geh\u00f6rten auch DAF, die in Wolperath alle ma\u00dfgeblichen LPs aufnahmen: <em>Alles ist gut<\/em>, <em>Gold und Liebe<\/em> und <em>F\u00fcr immer<\/em>. Plank war, wie man in <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3518397710\/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&#038;tag=nightlybuilds-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3518397710\"><em>Verschwende Deine Jugend<\/em><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=nightlybuilds-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3518397710\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> nachlesen kann, von der minimalistischen Konsequenz des DAF-Sounds ganz fasziniert war. Eine weitere wichtige NDW-Platte, die in Wolperath entstand (allerdings ohne direkte Beteiligung Planks), war die <em>Stahlwerkssinfonie<\/em> der Krupps, aufgenommen w\u00e4hrend eines Wochenendes, das eigentlich von Ultravox gebucht war, die wollten sich in der Zeit aber lieber eine Oldtimer-Schau angucken (was auch in <em>Verschwende Deine Jugend<\/em> nachzulesen ist).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm7.static.flickr.com\/6015\/5943278623_5ba9aec26c_d.jpg\" alt=\"Conny Planks Studio\" \/><\/p>\n<p>Ultravox waren ebenfalls Dauerg\u00e4ste in Planks Studio, ebenso Ideal, Killing Joke und die Tourists (Vorg\u00e4ngerband der Eurythmics, deren Deb\u00fct Plank auch produzierte), au\u00dferdem arbeitete er mit Bands wie A Flock of Seagulls, Les Rita Mitsouko und, nun ja, Heinz-Rudolf Kunze. An der Aufz\u00e4hlung dieser Namen kann man allerdings auch sehen, dass Plank in der New Wave- und NDW-\u00c4ra nicht mehr unbedingt mit Leuten zusammenarbeitete, die neue Klangwelten erobern, sondern eher ihre Musik mit einem zum Markenzeichen geronnenen Sound veredeln wollten. Bands wie Ideal galten dem harten Kern der NDW-Pioniere ja eher als angestaubte Rocker, die auch noch so ein bisschen in der New-Wave-\u00c4sthetik plantschten.<\/p>\n<p>Seinen Ruf als Phil Spector des Krautrock hatte Plank sich erworben, bevor er nach Wolperath ging: Stilbildende Alben wie die ersten Platten von Kraftwerk, Neu! oder Cluster entstanden in einem ganz anderen Ambiente, im Rhenus-Studio in K\u00f6ln-Godorf, zwischen den gro\u00dfen Raffinerien am Rheinufer (und nicht nicht weit von der A555, die <a href=\"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=204\">angeblich Kraftwerks &#8222;Autobahn&#8220; inspirierte<\/a>). Dort wurden auch Kompositionen von Stockhausen, Zimmermann und Kagel aufgenommen, Free Jazz von Peter Br\u00f6tzmann und Alex von Schlippenbach, oder kommunit\u00e4res Gegniedel von Sweet Smoke und der legend\u00e4ren Br\u00f6selmaschine. (Nicht zu vergessen das seltsame Deb\u00fct-Album einer ansonsten nicht weiter erw\u00e4hnenswerten Hard-Rock-Band namens Scorpions.) Kraftwerks Ralf H\u00fctter schw\u00e4rmte irgendwo mal von den Industrieger\u00e4uschen, die man h\u00f6rte, wenn man aus dem Studio kam, vom lauten Fauchen der Flammen, die in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden aus den Schornsteinen schossen. Diese Musik kann man heute noch h\u00f6ren, wenn man auf der Stra\u00dfe nach Wesseling durch das Industriegel\u00e4nde f\u00e4hrt. An den Sound von Wolperath erinnert dagegen so gut wie nichts mehr.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3403\/4604749115_03279ec96d_d.jpg\" alt=\"Wesseling\/Godorf\" \/><\/p>\n<p>Die verschiedenen Revivals dieses Sounds hat Plank leider nicht mehr miterlebt: Er starb bereits 1987. Seine Lebensgef\u00e4hrtin Christa Fast betrieb das Studio noch einige Jahre weiter und gab erst kurz vor ihrem Tod 2006 auf. Zwei Jahre sp\u00e4ter gab es einen kurzlebigen Versuch, das Studio zu reaktivieren, aber ein gro\u00dfer Teil des Inventars war bereits verkauft und der Komplex schon zu bauf\u00e4llig. Kurz darauf, 2009 oder 2010, begann der Abriss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus der Reihe &#8222;Vergessene Pilgerorte der Popmusik&#8220;: Ein Blick auf Conny Planks Studio im D\u00f6rfchen Wolperath, mitten im Bergischen Land, etwa 40 Kilometer s\u00fcd\u00f6stlich von K\u00f6ln. Besser gesagt: Auf das, was vom Studio noch \u00fcbrig ist. 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