{"id":139,"date":"2005-08-17T04:40:16","date_gmt":"2005-08-17T02:40:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.de\/nb\/?p=139"},"modified":"2005-11-13T03:18:22","modified_gmt":"2005-11-13T02:18:22","slug":"ich-bin-zwei-think-tanks-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2005\/08\/17\/ich-bin-zwei-think-tanks-2\/","title":{"rendered":"Der Mann nebenan"},"content":{"rendered":"<p>Kann&#8217;s ein besseres Antidotum geben zu den Massen kreuzfr\u00f6hlicher Jungchristen, die derzeit die Stadt hier bev\u00f6lkern, als ein runder, sch\u00f6ner Splatter? Leider hab ich den gr\u00f6\u00dften Teil des Fantasy-Film-Festivals in diesem Jahr wg. England verpa\u00dft, aber zu einem Film hat&#8217;s dann doch noch gereicht: <em>Neighbor #13<\/em> von Yasuo Inoue, und heute Evil Alien.<!--more-->Vorab aber erst mal eine grunds\u00e4tzliche N\u00f6rgelei: Die Schlampigkeit und Desinteressiertheit, mit der sich das Festival mittlerweile pr\u00e4sentiert, ist frustrierend. Eine lieblos in die Ecke geflanschte Schautafel mit einem gefledderten Programmheft (das nirgends mehr komplett auslag), ein paar schlampig angepinnte Plakate, das war schon alles. \u00d6de.<\/p>\n<p>Ziemlich \u00f6de leider auch <i>Neighbor #13<\/i>. Inoue gilt als Sch\u00fcler von Takashi Miike, aber die einzige Verbindung, die ich sehen konnte, war Miikes Kurzauftritt als n\u00f6rgelnder Nachbar, der dann auch standesgem\u00e4\u00df niedergemetzelt wird. Ansonsten fehlt Inoue alles das, was Miike in seinen besten Moment ausmacht: Anarchische Zerst\u00f6rungslust und chaotischer Verve. Sein Film hat einige bemerkenswerte Szenen, aber keine Story.<\/p>\n<p>Es gibt zwar so etwas wie eine Handlung, die das Ganze zusammenhalten soll: Ein sch\u00fcchterner junger Mann wird an seinem Arbeitsplatz vom Vorgesetzten getriezt, so wie er als Kind schon von seinen Mitsch\u00fclern geh\u00e4nselt worden zu sein scheint. Aber ist er wirklich dieselbe Person wie in den Flashbacks? Und ist er das s\u00e4ureentstellte Alter ego, von dem er in einer surrealen Geiselhaft gehalten wird, um dessen Rachefeldzug zu decken?<\/p>\n<p>Eine Geschichte um sp\u00e4te Rache f\u00fcr fr\u00fch erlittenes Unrecht also. Das erinnert nat\u00fcrlich an den furiosen koreanischen <i>Oldboy<\/i>, f\u00fcr mich der grandioseste Film des vergangenen Jahres. Aber w\u00e4hrend dort die Revanche als minuti\u00f6s durchorganisierte Maschinerie ins Rollen kommt, die dann blindw\u00fctig und unaufhaltsam auf ihre Erf\u00fcllung zurast, stolpert der Racheengel in <i>Neighbor #13<\/i> ziemlich  plump und wahllos durch die Kulissen.<\/p>\n<p>Es gibt ein paar beeindruckende Momente &#8211; die surreale Anfangssequenz in einer H\u00fctte im Nirgendwo, deren (viel zu kurze) Fortsetzung in einer bizarren Tanzeinlage mitten im Film, oder die kaltbl\u00fctigste Abfilmung eines Mordes am hellichten Tag, die ich diesseits von <i>Frenzy<\/i> gesehen habe &#8211; aber der Rest ist eher haneb\u00fcchen und schlicht langweilig. Ich will ja das Klischee nicht zu sehr \u00fcberstrapazieren, aber der Film ist doch das typische Deb\u00fct eines durchschnittlich talentierten Werbe- und Musikvideo-Regisseurs: Ein Auge f\u00fcr gute Bilder hat er ja, aber ihm fehlt wohl die Geduld, dass auch alles sinnvoll aneinanderzuf\u00e4deln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kann&#8217;s ein besseres Antidotum geben zu den Massen kreuzfr\u00f6hlicher Jungchristen, die derzeit die Stadt hier bev\u00f6lkern, als ein runder, sch\u00f6ner Splatter? Leider hab ich den gr\u00f6\u00dften Teil des Fantasy-Film-Festivals in diesem Jahr wg. 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