{"id":143,"date":"2005-07-28T15:44:07","date_gmt":"2005-07-28T13:44:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.de\/nb\/?p=143"},"modified":"2005-07-28T16:58:21","modified_gmt":"2005-07-28T14:58:21","slug":"murderabilia","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2005\/07\/28\/murderabilia\/","title":{"rendered":"Murderabilia"},"content":{"rendered":"<p>Die US-Regierung mu\u00df die Habseligkeiten des <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Unabomber\">Unabombers<\/a> Theodore Kaczynski versteigern, schreibt der <a href=\"http:\/\/blogs.guardian.co.uk\/news\/archives\/2005\/07\/27\/crime_pays.html\">Guardian<\/a>. Sie wird das nicht ganz freiwillig tun, sondern auf Beschlu\u00df eines Berufungsgerichts. Die Entscheidung hat in den USA eine neue Diskussion \u00fcber den Kult um Serienm\u00f6rder-Souvenirs ausgel\u00f6st.<!--more--><br \/>\nDie Regierung hatte eine Versteigerung bisher abgelehnt, mit dem Argument, Kaczynski k\u00f6nne so indirekt von seinen Verbrechen profitieren. Das Gericht war anderer Auffasung: Der Erl\u00f6s der Auktion m\u00fcsse f\u00fcr die Entsch\u00e4digung der Unabomber-Opfer und ihrer Angeh\u00f6rigen aufgewandt werden und verhindere somit, dass Kaczynskis sp\u00e4ter einmal Gewinn daraus schlagen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Einige Angeh\u00f6rige und Opfer sind aber alles andere als begeistert von dieser Entscheidung und haben durch ihre juristischen Vertreter Bedenken angemeldet. Es ist ja auch verst\u00e4ndlich, dass man als Betroffener die Vorstellung makaber empfindet, dass Utensilien eines Killers wie Briefmarken oder \u00dcberraschungseier verschachert werden.<\/p>\n<p>In der Auktion hier wird es zwar nicht direkt um Mordinstrumente gehen, sondern vor allem um die schriftlichen Aufzeichnungen Kaczynskis, seine Autobiographie und andere Manuskripte, aber auch um banale Haushaltsgegenst\u00e4nde und sonstige Besitzt\u00fcmer. In einem anderen Fall, n\u00e4mlich in der Auktion von Habseligkeiten des Serienkillers Jeffrey Dahmers, kamen tats\u00e4chlich auch Gegenst\u00e4nde zur Versteigerung, die in den Mordtaten eingesetzt wurden. Bizarrerweise waren es hier Angeh\u00f6rige von Opfern, die nach dem Tod Dahmers (er wurde 1994 im Gef\u00e4ngnis ermordet) keinen anderen Weg sahen, zumindest eine teilweise finanzielle Entsch\u00e4digung zu bekommen.<\/p>\n<p>Das steht unter anderem in einem lesenswerten <a href=\"http:\/\/journal.media-culture.org.au\/0411\/10-schmid.php\">Artikel<\/a> des australischen Magazins <em>M\/C<\/em>, das eine gute Zusammenfassung des <em>Murderabilia<\/em>-Ph\u00e4nomens in den USA liefert. Die Diskussion um den Kult mit Killerkram schwelt dort schon eine ganze Weile und hat unter anderem dazu gef\u00fchrt, dass eBay den Verkauf solcher Gegenst\u00e4nde inzwischen komplett untersagt hat &#8211; was wiederum einen Schattenmarkt f\u00fcr Anbieter wie <em>Murderauction<\/em> und <em>Supernaught<\/em> er\u00f6ffnet hat.<\/p>\n<p>Wobei diese Art von Kult ja gar nicht mal so neu ist: Verbrecher als schillernde Stars, die nicht nur Angst, sondern auch ein makabres Fan-tum inspirieren, das gibt es schon seit Schinderhannes&#8216; Zeiten. Neu ist auch nicht, dass Mainstream-Medien am Faszinosum des B\u00f6sen partizipieren wollen (wie man zum Beispiel auf <a href=\"http:\/\/www.fantomas-lives.com\/\">dieser Website<\/a> sehen kann). Ver\u00e4ndert haben sich nur die Kan\u00e4le, \u00fcber die solche Kulte gepflegt werden k\u00f6nnen. Heute kann jeder zu einem Popstar werden, das hei\u00dft zum Symbol, um das herum sich Merchandising-Konzepte aufbauen lassen. Wobei es f\u00fcr die Vermarktung immer besser ist, wenn das Symbol nicht mehr Komplexit\u00e4t besitzt ist als ein, zwei Charakterz\u00fcge. Und wo w\u00e4re das eher der Fall als beim Verbrecher, \u00fcber den man nur das wei\u00df, was im Rahmen seines Prozesses verhandelt wird?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die US-Regierung mu\u00df die Habseligkeiten des Unabombers Theodore Kaczynski versteigern, schreibt der Guardian. Sie wird das nicht ganz freiwillig tun, sondern auf Beschlu\u00df eines Berufungsgerichts. 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