{"id":1569,"date":"2013-05-06T19:48:39","date_gmt":"2013-05-06T16:48:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=1569"},"modified":"2013-05-06T19:48:39","modified_gmt":"2013-05-06T16:48:39","slug":"fossa-eugeniana","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2013\/05\/06\/fossa-eugeniana\/","title":{"rendered":"Fossa Eugeniana"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm9.staticflickr.com\/8250\/8631119094_597c441e9a_d.jpg\" alt=\"Fossa Eugeniana\" \/><\/p>\n<p>Wenn man auf der Bundesstra\u00dfe 510 von Rheinberg nach Kamp-Lintfort f\u00e4hrt, wird man vielleicht auf der linken Stra\u00dfenseite einen Wasserlauf bemerken. Er unterquert die Stra\u00dfe kurz hinter der A57, etwa auf H\u00f6he des britischen Soldatenfriedhofs, und begleitet sie vorbei an der Zeche Rossenray, am Stadtrand von Kamp-Lintfort entlang bis unterhalb der Terasseng\u00e4rten des Klosters Kamp. Hier verliert sich die Spur des Kanals zun\u00e4chst, aber wer die Bundesstra\u00dfe verl\u00e4sst und durch die kleine Siedlung am Dachsberg vorbei \u00fcber die landwirtschaftliche Wege Richtung Westen f\u00e4hrt, kann immer wieder deutliche Vertiefungen im Boden entdecken, die sich wie Gr\u00e4ben durch die Landschaft ziehen, teils mit Wasser gef\u00fcllt, teils mit B\u00e4umen und Geb\u00fcsch \u00fcberwuchert.<\/p>\n<p>Der Wasserlauf und die Vertiefungen sind Reste eine ehrgeizigen Projekts aus dem 17. Jahrhundert: Der <em>Fossa Eugeniana<\/em>, einer geplanten, aber nie vollendeten Kanalverbindung zwischen Rhein und Maas. Ein Projekt, das nicht nur wirtschaftliche und verkehrstechnische, sondern auch strategische Gr\u00fcnde hatte: Es fiel in die Zeit des Achtzigj\u00e4hrigen Krieges zwischen Spanien und den Niederlanden, in dessen Verlauf sich die protestantischen n\u00f6rdlichen Provinzen von der spanischen Krone lossagten und ihre Unabh\u00e4ngigkeit erk\u00e4mpften.<!--more--><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm9.staticflickr.com\/8121\/8631131184_856fe36041_d.jpg\" alt=\"Fossa Eugeniana\" \/><\/p>\n<p>Die Initiative zum Bau des Kanals kam allerdings nicht aus Spanien selbst, sondern aus Br\u00fcssel, aus dem Umfeld der spanischen Regentin Isabella Clara Eugenia. Der Wasserweg sollte die abtr\u00fcnnigen Provinzen vom lukrativen Rheinhandel abschneiden und den Handelsverkehr vielmehr nach Westen, in Richtung der unter spanischer Oberhoheit verbliebenen Provinzen, umleiten. Ein weiterer Kanal sollte die Maas \u00fcber das Fl\u00fcsschen Demer mit Antwerpen verbinden. Das Handelsvolumen dieser Stadt war deutlich eingebrochen, seit die unabh\u00e4ngigen Niederlande die M\u00fcndung der Schelde kontrollierten und die Zufahrt zum Antwerpener Hafen blockierten. Die Kanalverbindung zum Rhein sollte die Folgen dieser Blockade also quasi durch die Hintert\u00fcr aufbrechen. Dar\u00fcberhinaus war die Rhein-Maas-Verbindung auch als stabile Verteidigungslinie gegen die Niederl\u00e4nder gedacht, deren Ambitionen \u2013 der Drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg hatte gerade begonnen \u2013 zunehmend auch in die mitteleurop\u00e4ische Politik reichten. Tats\u00e4chlich wurde eine Zeitlang sogar \u00fcber mehr als nur den Bau eines Kanals nachgedacht: Es gebe \u00dcberlegungen, den Rhein komplett umzuleiten, berichtete der p\u00e4pstliche Nuntius im Fr\u00fchjahr 1626 nach Rom, und hoffe so einerseits, die Ijssel trockenzulegen, w\u00e4hrend andererseits durch das Anschwellen der Maas die Gegend um Dordrecht \u00fcberflutet werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Zu den Hauptinitiatoren des ehrgeizigen Projekts geh\u00f6rte Jan van de Wouvere, ranghohes Mitglied der Br\u00fcsseler Finanzverwaltung und enger Berater der Regentin. Van de Wouvere geh\u00f6rte zu den einflussreichsten Politikern der spanischen Niederlande (weswegen ihn Anthonius van Dyck auch f\u00fcr eine Galerie der wichtigsten M\u00e4nner seiner Zeit portr\u00e4tierte). Er hatte bei Justus Lipsius studiert und z\u00e4hlte zahlreiche bedeutende Pers\u00f6nlichkeiten zu seinem Freundeskreis, darunter den Maler Pieter Paul Rubens, der selbst h\u00e4ufig in diplomatischer Mission f\u00fcr die spanische Sache unterwegs war. (Die Freundschaft zwischen van de Wouvere und Rubens zeigt sich in einem ber\u00fchmten Bild, das \u201eVier Philosophen\u201c genannt wird und heute im Palazzo Pitti h\u00e4ngt. Darauf ist van de Wouvere neben seinem Lehrer Lipsius, Rubens und dessen Bruder Philip &#8211; ebenfalls ein Lipsius-Sch\u00fcler &#8211; dargestellt.)<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm9.staticflickr.com\/8109\/8631180606_68f4ff7598_d.jpg\" alt=\"Fossa Eugeniana\" \/><\/p>\n<p>Rubens war ebenfalls ein begeisterter F\u00f6rderer des Kanalprojekts und wurde so etwas ein Testimonial f\u00fcr das Vorhaben: In seiner Korrespondenz, etwa mit dem Pariser Humanisten Pierre Dupuy, berichtete er h\u00e4ufig und euphorisch die &#8222;due imprese gloriosissime&#8220;, die beiden \u00e4u\u00dferst glorreichen Unternehmungen, den Bau des Maas-Demer-Kanals und die Umleitung des Rheins.  F\u00fcr die technische Planung gewann man Giovanni de\u2019 Medici, einen italienischen General, der im Gefolge des spanischen Oberbefehlshabers Spinola nach Br\u00fcssel gekommen war und einige Erfahrung im Bau von Kanal- und Entw\u00e4sserungsprojekten  Zu den Bef\u00fcrwortern des Projekts geh\u00f6rte auch Graf Heinrich von dem Bergh, General in spanischen Diensten und de facto die Nummer zwei in der Befehlshierarchie hinter Spinola.<\/p>\n<p>Das niederrheinische Terrain schien f\u00fcr den Bau einer Querverbindung vom Rhein zur Maas hervorragend geeignet: D\u00fcnn besiedelt, flach, kaum nennenswerte geographische Hindernisse. Allerdings war einiges Verhandlungsgeschick n\u00f6tig, um das Projekt auf den Weg zu bringen. So mussten beispielsweise die Interessen des Erzbischofs von K\u00f6ln, Ferdinand von Bayern, ber\u00fccksichtigt werden. Ferdinand war zwar ein entschiedener Verfechter der katholischen Sache, stand einer zu gro\u00dfen spanischen Machtentfaltung aber ebenso skeptisch gegen\u00fcber: \u201eDie Niederlanden muessen dividiert bleiben und einen so wenig als anderen Meister lassen werden\u201c, urteilte er.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm9.staticflickr.com\/8541\/8630107257_b2e2ac786e_d.jpg\" alt=\"Fossa Eugeniana\" \/><\/p>\n<p>Sowohl der Rhein-Maas-Kanal als auch der Kanal von der Maas nach Antwerpen (und die mit Bau und Sicherung zusammenh\u00e4ngende Stationierung spanischer Truppen) betrafen Territorien, die zu Einflussbereich des Erzbischofs (der zugleich F\u00fcrstbischof von L\u00fcttich war) geh\u00f6rten. Zum Beispiel die Stadt Neuss, die anfangs als einer der beiden Endpunkte des Rhein-Maas-Kanals vorgesehen war. Das andere Ende sollte sich bei Arcen befinden, aber das stie\u00df wiederum in Venlo, einige Kilometer s\u00fcdlich gelegen, auf Protest. Dort bef\u00fcrchtete man, zwischen den beiden geplanten Kan\u00e4len in eine Art \u00f6konomisches Niemandsland zu geraten, und da Venlo eine strategisch bedeutende Stadt war, durfte diese Sorge nicht auf die leichte Schulter genommen werden.<\/p>\n<p>Die Rhein-Maas-Route, die man schlie\u00dflich in Angriff nahm, ist dementsprechend ebenso ein Ergebnis diplomatischer Kompromisse wie verkehrstechnischer Notwendigkeiten. Statt in Neuss sollte der Kanal nun in Rheinberg beginnen und von dort aus ziemlich genau westw\u00e4rts f\u00fchren (und damit eher an der Nordgrenze der erzbisch\u00f6flichen Interessensph\u00e4re entlang statt mitten hindurch). Im Westen lie\u00df man den Kanal kurz vor Arcen nach S\u00fcden abknicken und noch einige zus\u00e4tzliche Kilometer bis nach Venlo nehmen, wo er dann in die Maas m\u00fcnden sollte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm9.staticflickr.com\/8109\/8630129603_75b93023c7_d.jpg\" alt=\"Fossa Eugeniana\" \/><\/p>\n<p>Am 21. September 1626 konnten die Arbeiten schlie\u00dflich beginnen: Graf Heinrich von dem Bergh f\u00fchrte den ersten Spatenstich und taufte den Kanal feierlich auf den (dritten) Namen der Regentin Fossa Eugeniana. (Die Infanta selbst bat kurz darauf in aller Bescheidenheit um eine Umbenennung: Mariengraben sollte der Kanal ihrem Wunsch nach hei\u00dfen, und diese Bezeichnung findet sich tats\u00e4chlich in einigen zeitgen\u00f6ssischen Karten.)<\/p>\n<p>Rund 8.000 Mitarbeiter sollen zeitweise im Einsatz gewesen sein. Anfangs kamen die Arbeiten schnell voran, vornehmlich auf dem Abschnitt zwischen Rheinberg und Geldern. Dort war der Kanal schon wenige Wochen sp\u00e4ter soweit fertig gestellt, dass die Infanta im Sommer des folgenden Jahres eine Besichtigungstour unternehmen und per Schiff von Geldern nach Rheinberg und zur\u00fcck reisen konnte.<br \/>\nDie Reise der Infanta nahm Rubens als Beleg daf\u00fcr, dass das Projekt gut vorankomme: &#8222;Es ist die allgemeine Meinung&#8220;, schrieb er, &#8222;dass die Arbeiten an der Fossa Mariana auf gl\u00fccklichste Weise bef\u00f6rdert werden&#8220;. In Wahrheit war das Projekt zu diesem Zeitpunkt schon ins Stocken geraten: Zun\u00e4chst brachte frostiges Wetter im Winter 1626 die Arbeiten zum Erliegen, dann erwies sich das Gel\u00e4nde schwieriger als gedacht. Und die spanischen Pl\u00e4ne waren den Niederl\u00e4ndern nat\u00fcrlich nicht verborgen geblieben. Deren Oberbefehlshaber Friedrich Heinrich von Oranien zog gro\u00dfe Kontingente in Emmerich und Rees zusammen und zwang die Spanier so dazu, ihrerseits gro\u00dfe (und kostspielige) Pr\u00e4senz zu zeigen. Nur wenige Wochen vor der Reise der Infanta kam es zu einem \u00dcberfall niederl\u00e4ndischer Einheiten auf einige der spanische Stellungen. Die Niederl\u00e4nder zerst\u00f6rten Baustellen, entf\u00fchrten Arbeiter und Soldaten, entwendeten Werkzeuge und Baumaterialien.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm9.staticflickr.com\/8247\/8647280498_c6817bd5de_d.jpg\" alt=\"Fossa Eugeniana\" \/><\/p>\n<p>Vor allem ging dem Projekt aber zunehmend das Geld aus. Sehr zum \u00c4rger der Initiatoren in Br\u00fcssel flossen spanische Mittel zunehmend in andere Kriegsschaupl\u00e4tze: In die Auseinandersetzungen des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges oder in den Mantuanischen Erbfolgekrieg, wo man sich mit Frankreich um die Vorherrschaft in Oberitalien stritt. 1628 erbeuteten die Niederl\u00e4nder die spanische Silberflotte, und ab 1629 gelang ihnen Zug um Zug die Eroberung wichtiger St\u00fctzpunkte entlang oder in der N\u00e4he des geplanten Kanals: Wesel, Venlo, Straelen, Maastricht, Rheinberg.<\/p>\n<p>So wurde aus dem ehrgeizigen Vorhaben eines Kanals vom Rhein an die Maas und dar\u00fcber hinaus nicht mehr als ein &#8222;kostspieliger, aber nutzloser Graben im Boden&#8220;, um es mit dem Historiker Jonathan Israel zu sagen. Die Idee verschwand damit nicht vollst\u00e4ndig aus der Welt: Friedrich der Gro\u00dfe lie\u00df die spanischen Konzepte durch seine Beamten untersuchen, ebenso Napoleon. Der franz\u00f6sische Kaiser veranlasste sogar den Bau eines Kanals, zwar mit einem etwas anderen Verlauf als das spanische Projekt, und dennoch mit dem gleichen Ergebnis: Auch sein &#8222;Canal du Nord&#8220; blieb unvollendet.<br \/>\nNoch im 19. Jahrhundert beschreiben einige Autoren die \u00dcberreste der Fossa als &#8222;derzeit verfallen&#8220;, so als k\u00f6nnten jederzeit die Bauarbeiten von Neuem beginnen. Zuletzt wurde in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen deutschen und belgischen Ministerien \u00fcber die M\u00f6glichkeit eines Kanals diskutiert, die Verhandlungen verliefen aber ergebnislos.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm9.staticflickr.com\/8263\/8630198077_90100e0f16_d.jpg\" alt=\"Fossa Eugeniana\" \/><\/p>\n<p>Obwohl der Kanal also nie seine vorgesehene Funktion erf\u00fcllt hat, ist ein erstaunlich gro\u00dfer Teil seines Verlaufs bis heute in der Landschaft sichtbar, ebenso einige der Schanzen, die die Spanier zu seiner Verteidung aufwarfen. Hier und da dient sein Bett als Entw\u00e4sserungskanal, zum Beispiel am Ortsrand von Geldern, wo ein kurzes St\u00fcck in den Nierskanal eingebunden wurde. Anderswo ist wenig mehr als der ausgehobene Graben zu erkennen und dient als Acker- oder Weidefl\u00e4che, oder er ist von B\u00fcschen und B\u00e4umen \u00fcberwuchert. Selbst in der st\u00e4dtischen Bebauung von Venlo kann man den Verlauf noch in etwa ausmachen.<\/p>\n<p>Und man kann auch heute noch eine fast durchgehende Reise entlang des unvollendeten Kanals unternehmen, entweder zu Fuss oder mit dem Rad. \u00d6rtliche Fremdenverkehrsvereine haben eine &#8222;Fossa-Route&#8220; ausgeschildert, die sich allerdings auf das Gebiet rund um Geldern beschr\u00e4nkt und nicht immer exakt dem Kanal folgt, sondern auch einige andere Sehensw\u00fcrdigkeiten im Umfeld ansteuert. Ich habe vor einigen Wochen eine etwas andere Route gew\u00e4hlt, die von Venlo ziemlich genau dem Verlauf der Fossa folgt oder zumindest weitgehend in ihrer N\u00e4he bleibt. Die Strecke ist durchgehend gut begehbar und mit dem Rad befahrbar, einige wenige Stellen (vor allem in den Maasd\u00fcnen und \u00f6stlich von Geldern) k\u00f6nnen bei schlechtem Wetter allerdings unangenehm matschig sein. <\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.gpsies.com\/mapOnly.do?fileId=zajueawtsyohtcqk\" width=\"600\" height=\"400\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" marginheight=\"0\" marginwidth=\"0\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Stationen unterwegs:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Venlo<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm9.staticflickr.com\/8101\/8609659762_e32c8a557c_d.jpg\" alt=\"Rijnbeek\" \/><\/p>\n<p>Da wo der Kanal h\u00e4tte enden sollen, befindet man sich in einer Art st\u00e4dtebaulichem Niemandsland: Die Stadt will die Maaskade zur Promenade aufwerten, und rund um den alten Hafen ist einiges neu gebaut worden, es gibt aber auch noch zahlreiche Baustellen, \u00f6de Parkplatzfl\u00e4chen und einigen Leerstand in aufgegebenen Spielsalons und Modeboutiquen. Ein geschlosseneres architektonisches Bild bekommt man erst ein paar Schritte vom Ufer entfernt, n\u00e4mlich rund um den Wilhelminapark &#8211; nicht zuf\u00e4llig auch eines der besseren Viertel von Venlo. Der Park entstand 1870 nach dem Abriss des Forts Ginkel, das 1731 erbaut worden war und zum Festungsg\u00fcrtel rund um die Stadt geh\u00f6rte. Auffallendes Element ist der monumentale Brunnen von 1921, den der Architekt Michel de Klerk entwarf, einer der bekanntesten Vertreter der Amsterdamer Schule. Die Aufschrift auf dem Brunnen gilt dem damaligen B\u00fcrgermeister Hermanus van Rijn: \u201eAan burgemeester Van Rijn, 1921 door de Venlosche Burgerij\u201c. Nur einen Steinwurf vom Park entfernt begegnen wir erstmals dem Namen des Kanals beziehungsweise seiner Patronin: Dort steht, an der Ecke Hogeweg \/ Parkstraat \/ Helbeek, das denkmalgesch\u00fctzte Cafe Eugenia von 1901. Ein paar Schritte weiter passiert man den Julianapark, dessen Areal ebenfalls einmal zum Festungsg\u00fcrtel geh\u00f6rte, sp\u00e4ter befand sich am s\u00fcdlichen Ende der sogenannte K\u00f6lnische Hafen. Heute gibt&#8217;s hier zwei Museen, das 2000 gebaute, regionalhistorische Limburgs Museum (Architektin: Jeanne Dekkers) und das 1971 entstandene Museum van Bommel van Dam f\u00fcr moderne Kunst.<br \/>\nDritter Park auf der Strecke ist der Burgemeester Berger Park, eine langgestreckte gr\u00fcne Zone, durch die ein kleiner Kanal flie\u00dft: Hier folgt man bereits in etwa dem Verlauf der Fossa Eugeniana entspricht (worauf auch der Stra\u00dfenname Eugeniasingel hinweist). Der Wasserlauf wird hier allerdings Rijnbeek (oder Rienke) genannt, urspr\u00fcnglich der Name eines kleinen Bachlaufs, der bei Venlo in die Fossa m\u00fcndete.<\/p>\n<p>Der Lauf des Rijnbeek setzt sich au\u00dferhalb des Parks fort: Als gerader Kanal f\u00fchrt er schnurgerade in n\u00f6rdlicher Richtung unter der Autobahn A67 hindurch zur deutschen Grenze. Er flie\u00dft durch ein Gebiet, in dem die Wohnbebauung immer mehr zur\u00fccktritt und stattdessen Gew\u00e4chsh\u00e4user, Felder und Bauernh\u00f6fe die Szenerie bestimmen. Nur an wenigen Stellen f\u00fchren Wege oder Stra\u00dfen am Wasserlauf entlang, so dass man, will man dem Lauf zumindest grob folgen, ein wenig Zick-Zack fahren muss.<\/p>\n<p><strong>Von Venlo nach Arcen<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm9.staticflickr.com\/8544\/8646135241_b98d04d8b0_d.jpg\" alt=\"Fort Hazepoot\" \/><\/p>\n<p>Der Rijnbeek endet ziemlich genau an der deutsch-niederl\u00e4ndischen Grenze, und direkt neben der alten deutschen Zollstation befindet sich ein Hinweisschild mit einer Kartenskizze zur Fossa Eugeniana. Die Karte ist nicht besonders genau, und das Schild von Moos und Flechten \u00fcberwachsen, aber \u00e4hnlichen Schildern wird man von hier ab immer begegegnen.<br \/>\nKurz hinter Grenze trifft man links von der Bundesstra\u00dfe wieder auf die Fossa. Sie l\u00e4uft l\u00e4ngs des Veenwegs, ist hier aber nur ein von B\u00fcschen und B\u00e4umen zugewachsener Graben, hinter dem sich geklinkerte Bauernh\u00e4user verstecken. Am Ende des Veenwegs st\u00f6\u00dft man wieder auf einen Kanal, den sogenannten Leitgraben. \u00d6stlich davon beginnen bald die ersten Ausl\u00e4ufer der Maasd\u00fcnen, an deren linkem Rand ein h\u00fcbscher Reit- und Wanderweg nach Norden verl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Kurz vor Arcen \u00fcberquert man fast unvermerkt wieder die Grenze zu den Niederlanden. Die Fossa ist hier ein deutlich sichtbarer Trog, der sich durch die D\u00fcnen schiebt, bewacht von den hoch aufget\u00fcrmten W\u00e4llen des Forts Hazepoot, der beeindruckendsten Schanze entlang der Strecke (die sogar auf Google Street View besichtigt werden kann). Zu F\u00fc\u00dfen der Schanze erinnert ein kleiner, idyllischer Teich daran, dass die Fossa einmal als Wasserlauf gedacht war. Am n\u00f6rdlichen Ende des Teichs ist bereits wieder deutsches Territorium: Die Landstra\u00dfe, die hier verl\u00e4uft, tr\u00e4gt den Namen &#8222;An der Fossa&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Von Arcen nach Geldern<\/strong><\/p>\n<p>Zwischen der Grenze und Geldern ist der Verlauf der Fossa auch auf Luftbildern noch gut zu erkennen; Ein langgezogener, wild bewachsener Graben, teilweise noch Wasser f\u00fchrend und hier und da von den \u00dcberresten alter Schanzen ges\u00e4umt. Die Gegend hier ist immer noch landwirtschaftlich gepr\u00e4gt: Hier werden in gro\u00dfem Stil Obst, Gem\u00fcse und Schnittblumen angebaut. Bauernh\u00f6fe, Gew\u00e4chsh\u00e4user und Felder s\u00e4umen den Weg.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm9.staticflickr.com\/8405\/8608717029_c80e59c844_d.jpg\" alt=\"Nierskanal\" \/><\/p>\n<p>Kurz vor Geldern verliert sich die Spur der Fossa, und im Ortsbild des Kleinst\u00e4dtchens ist sie so gut wie nicht mehr zu entdecken. Eine Ausnahme ist ein kurzes St\u00fcck des Nierskanals entlang der Walbecker Stra\u00dfe, f\u00fcr dessen Bau hier das Bett der Fossa genutzt wurde. Geldern selbst war mal eine bedeutende Stadt, Namensgeberin des gleichnamigen Herzogtums, nach dem wiederum die niederl\u00e4ndische Provinz Gelderland benannt ist. Vom fr\u00fcheren Glanz ist allerdings nicht mehr viel zu sehen: Die Stadt wurde im Krieg stark zerst\u00f6rt, und die verschiedenen Phasen des Wiederaufbaus haben zu einem uneinheitlichen und wenig markanten Ortsbild gef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Von Geldern nach Kamp-Lintfort<\/strong><\/p>\n<p>Interessanter wird es erst wieder, wenn man aus dem Ort hinauskommt: Im Osten st\u00f6\u00dft man auf eine gro\u00dfe Kiesgrube, den Welbersee, an dessen Nordrand auch die Fossa wieder zu entdecken ist. Hier schiebt sie sich wieder als (weitgehend trockengefallener) Graben durch dichten Wald, wieder ges\u00e4umt von den \u00dcberresten einiger Schanzen, die von Pfadfindergruppen f\u00fcr Cowboy und Indianer-Spiele genutzt werden. \u00d6stlich der Landstra\u00dfe von Issum nach Sevelen ist der Verlauf dann wieder weniger eindeutig zu erkennbar und fast nur noch anhand einiger Schanzenreste auszumachen. Eine Schanze liegt etwas versteckt im Wald westlich von Hoerstgen, eine weitere, sehr gut sichtbare Schanze liegt \u00f6stlich des Naturschutzgebietes Blink. Die Fossa selbst wird erst wieder entlang der Eugeniastra\u00dfe sichtbar: Als leichte Senke im Boden f\u00fchrt sie in Richtung Osten und peilt ziemlich genau das Kloster Kamp an. An der Stadtgrenze von Kamp-Lintfort, in der Siedlung am Dachsberg, wo sich mit der Mariaschanze ein weiteres Verteidigungsbauwerk entdecken l\u00e4sst, haben einige Anwohner G\u00e4rten in die Fossa gebaut.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm9.staticflickr.com\/8121\/8630205281_3bb559f123_d.jpg\" alt=\"Spanische Schanze\" \/><\/p>\n<p><strong>Von Kamp-Lintfort nach Rheinberg<\/strong><\/p>\n<p>Kurz vor Kamp-Lintfort verschwindet die Fossa noch einmal kurz, um zu F\u00fc\u00dfen der Terasseng\u00e4rten des Klosters Kamp wieder aufzutauchen. Die G\u00e4rten, die angeblich die Inspiration zum Park von Sanssouci geliefert haben sollen, und das Kloster sind f\u00fcr sich genommen schon eine Sehensw\u00fcrdigkeit. Zum Zeitpunkt des Baus der Fossa stand das Kloster allerdings leer und war durch den niederl\u00e4ndischen General Adolf von Neuenahr weitgehend zerst\u00f6rt worden. Der Kanalbau bedeutete jedenfalls auch den Verlust einiger L\u00e4ndereien, und wer wei\u00df, ob ein existierendes Kloster den so ohne weiteres hingenommen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Ab Kamp-Lintfort ist die Fossa tats\u00e4chlich ein Kanal, wenn auch freilich ohne Schiffsverkehr. Sie folgt &#8211; wie eingangs beschrieben &#8211; weitgehend dem Verlauf der B510, passiert dabei zun\u00e4chst einige Wohnviertel von Kamp-Lintfort und schlie\u00dflich den markanten F\u00f6rderturm der Zeche Rossenray, einer der letzten aktiven Zechen des Ruhrgebiets. Der Kanal flie\u00dft nicht ganz unbeschadet hier vorbei, hei\u00dft es: Angeblich ist das Wasser durch die Abfl\u00fcsse von Rossenray und der in Kamp-Lintfort liegenden Zeche Friedrich Heinrich stark belastet. Untersuchungen sollen sogar radioaktive Abw\u00e4sser festgestellt haben.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm6.staticflickr.com\/5096\/5438749360_4de425aa7c_d.jpg\" alt=\"Rheinberg War Cemetery\" \/><\/p>\n<p>Kurz vor der A57 liegt der Rheinberg War Cemetery (eigentlich noch auf Kamp-Lintforter Stadtgebiet), der daran erinnert, dass diese Region im Zweiten Weltkrieg ebenfalls umk\u00e4mpftes Territorium war: Wenige Kilometer n\u00f6rdlich gelang den Alliierten im M\u00e4rz 1945 die \u00dcberquerung des Rheins. Die Fossa flie\u00dft entlang der alten Provinzialstra\u00dfe, unter der Autobahn hindurch, vorbei am Amazon-Logistikzentrum (das im Zuge der Leiharbeiter-Aff\u00e4re ebenfalls ins Gerede kam) nach Rheinberg, die einstmals als &#8222;Hure des Krieges&#8220; beschimpft wurde, weil sie in den kriegerischen Jahren des 16. und 17. Jahrhunderts so oft ihre Besitzer wechselte wie kaum eine andere Stadt. Von der strategischen Bedeutung Rheinbergs kann man rings ums Stadtzentrum noch einiges erahnen: Der mittelalterliche Wallgraben ist erhalten geblieben, ebenso einige Reste der neuzeitlichen Befestigungsanlagen. In der Stadtmitte hat die Schnapsbrennerei Underberg ein repr\u00e4sentatives (wenn auch arg \u00fcberdimensioniertes) Stammhaus im Pseudo-Renaissance-Stil bauen lassen.<\/p>\n<p>Die Fossa schl\u00e4ngelt sich dagegen sehr gem\u00fctlich durch eine Gr\u00fcnanlage, an gutb\u00fcrgerlichen Wohngebieten und Schreberg\u00e4rten vorbei zu ihrer M\u00fcndung. Als der Kanal gebaut wurde, lag Rheinberg noch direkt am Fluss, und die letzte Schleuse ist noch in der Stra\u00dfe &#8222;Am Kanal&#8220; erhalten geblieben beziehungsweise &#8211; nach schweren Besch\u00e4digungen durch einen Brand &#8211; rekonstruiert worden. Statt in den Rhein flie\u00dft das Wasser der Fossa allerdings zun\u00e4chst in den Moersbach. Um an die tats\u00e4chliche Rheinm\u00fcndung zu gelangen, muss man sich noch ein paar Kilometer nordw\u00e4rts halten, vorbei an den riesigen Solvay-Werken und dem h\u00fcbschen D\u00f6rfchen Ossenberg, das dahinter fast unsichtbar geworden ist, bis zum Deich gegen\u00fcber dem Ossenberger Hafen: Von dort aus kann man den Schiffen zusehen, wie sie den Rhein hinunter fahren, und sich ausmalen, wie es wohl aussehen w\u00fcrde, wenn sie hier stattdessen abbiegen und an Rheinberg vorbei in Richtung Nordsee schippern w\u00fcrden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm9.staticflickr.com\/8541\/8629938977_164df30a73_d.jpg\" alt=\"Moersbach\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man auf der Bundesstra\u00dfe 510 von Rheinberg nach Kamp-Lintfort f\u00e4hrt, wird man vielleicht auf der linken Stra\u00dfenseite einen Wasserlauf bemerken. Er unterquert die Stra\u00dfe kurz hinter der A57, etwa auf H\u00f6he des britischen Soldatenfriedhofs, und begleitet sie vorbei an der Zeche Rossenray, am Stadtrand von Kamp-Lintfort entlang bis unterhalb der Terasseng\u00e4rten des Klosters Kamp. 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