{"id":1585,"date":"2014-04-01T15:45:14","date_gmt":"2014-04-01T12:45:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=1585"},"modified":"2015-10-15T12:17:24","modified_gmt":"2015-10-15T09:17:24","slug":"gedenkstatten-im-konigsforst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2014\/04\/01\/gedenkstatten-im-konigsforst\/","title":{"rendered":"Gedenkst\u00e4tten im K\u00f6nigsforst"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/farm8.staticflickr.com\/7308\/13055735545_5cb57a94ae.jpg\" alt=\"Gedenkstein im K\u00f6nigsforst\" \/><\/p>\n<p>Eine lange Runde durch den K\u00f6nigsforst, vorbei an einigen besonderen Orten der Erinnerung.<\/p>\n<p>F\u00fcr die meisten K\u00f6lner ist der K\u00f6nigsforst in erster Linie ein sch\u00f6nes Naherholungsgebiet. Aber der Wald hat auch eine bewegte Geschichte: Hier wurden Bergbau und Landwirtschaft getrieben, Parforcejagden und Man\u00f6ver veranstaltet, Handels- und Pilgerkarawanen zogen durchs Gel\u00e4nde. Um die Spuren fr\u00fcherer Zeiten zu erkennen, muss man allerdings genau hinsehen: Viel ist nicht mehr \u00fcbrig, und das, was es noch gibt, ist bisweilen im Dickicht des Waldes verborgen.<!--more--><\/p>\n<p>Der K\u00f6nigsforst ist auch ein Ort der Erinnerung: An einigen Pl\u00e4tzen im Wald haben Menschen Gedenkmonumente unterschiedlichster Art hinterlassen, als Zeugnisse f\u00fcr verstorbene Freunde oder Verwandte oder als Dokumentation von Gegebenheiten oder Ereignissen, die nicht vergessen werden sollten. Man kann alle diese Monumente im Rahmen einer langen, daf\u00fcr ausgesprochen abwechslungsreichen Wanderung erreichen, und erlebt dabei auch einiges von der landschaftlichen Vielfalt des Waldes.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.gpsies.com\/mapOnly.do?fileId=etqhioclpftxgyum&#038;authkey=33D19F1F70D4CE0B8898B6BE9F926EE4316580A1B067C9AC\" width=\"600\" height=\"400\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" marginheight=\"0\" marginwidth=\"0\"><\/iframe><\/p>\n<p>Startpunkt ist die legend\u00e4re <em><a href=\"http:\/\/www.schmitzebud.info\/\">Schmitze Bud<\/a><\/em> in Rath: Eine Kult-Adresse vor allem f\u00fcr die zahlreichen Radsportler, die von hier aus zu ihren Touren durchs Bergische starten oder das Zielwasser zum gl\u00fccklichen Abschluss trinken. Das B\u00fcdchen war zwischenzeitlich mal geschlossen, hat aber seit einiger Zeit wieder ge\u00f6ffnet. Parkpl\u00e4tze gibt es hier genug, und die Endhaltestelle der Linie 9 (<em>K\u00f6nigsforst<\/em>) liegt gleich nebenan.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/farm4.staticflickr.com\/3747\/13568193343_8c5d0634ca.jpg\" alt=\"H\u00fcgelgr\u00e4ber K\u00f6nigsforst\" \/><\/p>\n<p>Die ersten Gedenkst\u00e4tten finden sich gleich am Eingang des Waldes, und es sind mit weitem Abstand die \u00e4ltesten auf dieser Tour: Stufen f\u00fchren links hoch ins Geh\u00f6lz und man steht inmitten eines Feldes von H\u00fcgelgr\u00e4bern aus der fr\u00fchen Eisenzeit, d.h. aus dem 6.\/7. Jahrhundert v. Chr. Die Grabh\u00fcgel sind zugegebenerma\u00dfen stark besch\u00e4digt \u2013 wozu auch systematische Ausgrabungen vor 50 Jahren beigetragen haben \u2013 und f\u00fcr den oberfl\u00e4chlichen Blick kaum als k\u00fcnstliche Erhebungen zu erkennen. Eine Tafel weist eigens darauf hin, dass die Fundst\u00fccke, die hier ausgegraben wurden, ins R\u00f6misch-Germanische Museum verbracht wurden \u2013 soll ja niemand auf die Idee kommen, selbst noch mal nachzuforschen. Man kann trotzdem erahnen, dass es sich um eine Begr\u00e4bnisst\u00e4tte von beachtlicher Gr\u00f6\u00dfe gehandelt haben muss. Es wird vermutet, dass das Feld an die 200 Gr\u00e4ber umfasst haben k\u00f6nnte, von denen gut 50 noch identifiziert werden konnten. Woraus sich wiederum schlie\u00dfen l\u00e4sst, dass es in der Gegend damals schon einige Besiedlung gegeben haben muss.<\/p>\n<p>(Ein weiteres, allerdings ebenfalls kaum noch auszumachendes Gr\u00e4berfeld befindet sich \u00fcbrigens ein kleines St\u00fcckchen weiter s\u00fcd\u00f6stlich zwischen Rennweg und Wolfsweg, etwas oberhalb der R\u00f6srather Stra\u00dfe.)<\/p>\n<p>Ein kleiner Pfad schl\u00e4ngelt sich durch die Grabh\u00fcgel nach Osten und trifft nach wenigen Metern auf den sogenannten Schieferhauweg: Ein breiter Reit- und Forstweg, dem wir nach Norden folgen. Nach etwa einem Kilometer, an einer Kreuzung von insgesamt f\u00fcnf Wegen, verlassen wir den Hauweg und gehen schr\u00e4g rechts in nord\u00f6stliche Richtung auf dem Weg &#8222;A2&#8220;, allerdings nur bis zur n\u00e4chsten Gabelung, wo wir geradeaus einem unmarkierten Pfad folgen. &#8222;Bergmannspfad&#8220; hei\u00dft diese Route, nat\u00fcrlich nicht ohne Grund: Sie f\u00fchrt tats\u00e4chlich durch ehemaliges Grubengel\u00e4nde. Auch davon ist allerdings nicht mehr viel zu sehen &#8211; etwa anderthalb Kilometer nach dem Abzweig kann man im Gel\u00e4nde links vom Weg ein paar Halden und Pingen der ehemaligen Grube Copernicus ausmachen. Daf\u00fcr schl\u00e4ngelt sich der Pfad ganz beschaulich durchs Gel\u00e4nde, \u00fcberquert den asphaltierten Rennweg, auf dem die Herz\u00f6ge von Berg ihre Hetzjagden veranstaltet haben sollen und erreicht schlie\u00dflich am Wolfsweg die K\u00f6lner Stadtgrenze.<\/p>\n<p>Die Asphaltdecke des Rennwegs wurde in der Zeit des Nationalsozialismus erstmals aufgetragen. Der K\u00f6nigsforst wurde in den Drei\u00dfiger Jahren zum milit\u00e4rischen Sperrgebiet erkl\u00e4rt und man legte zahlreiche Munitionsbunker im Waldgebiet an, um den nahegelegenen Fliegerhorst Ostheim zu versorgen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/farm6.staticflickr.com\/5247\/5335684244_df0ae4246b.jpg\" alt=\"Monte Troodel\u00f6h\" \/><\/p>\n<p>Am Rennweg halten wir uns links, laufen also genau auf der Grenze entlang, und erreichen nach ein paar Metern den &#8222;Monte Troodel\u00f6h&#8220;, den h\u00f6chsten Punkt K\u00f6lns mit 118 Metern. Auch ihn ziert seit einigen Jahren ein Gedenkstein inklusive Gipfelbuch und Bank. Besonders beeindruckend ist der Punkt eingestandenerma\u00dfen nicht, es ist ja nicht einmal wirklich ein Gipfel \u2013 auf der rechten Seite des Wegs, auf Bergisch Gladbacher Gemeindegebiet, geht der Hang noch einige Meter weiter nach oben \u2013 aber diese Art von Kuriosa, zusammen mit der Geschichte der &#8222;Erstbesteigung&#8220; und der schunkelaffinen Bennenung passen nat\u00fcrlich ganz gut zur K\u00f6lner Humorigkeit. (\u00dcber die Details kann man sich auf der <a href=\"http:\/\/www.monte-troodeloeh.de\/\">bergeigenen Website<\/a> schlau machen.)<\/p>\n<p>Wir folgen dem Wolfsweg weiter nach Norden, orientieren uns dabei zun\u00e4chst an den Markierungen des K\u00f6lnpfades (o). Nach einem kurzen St\u00fcck sto\u00dfen wir an einer Kreuzung erstmals auf das Muschelsymbol des Jakobsweges, den wir jedoch an der unmittelbar darauffolgenden Gabelung sofort wieder verlassen: Wir nehmen den links abzweigenden Viehweg und gehen nordw\u00e4rts auf das deutlich vernehmbare Rauschen der A4 zu. Kurz vor der Autobahn geht es an einer Wegkreuzung rechts, und nach ein paar Schritten weist uns ein kleines Schild auf die n\u00e4chste Gedenkst\u00e4tte hin: Das Waldgrab des Hubert Josef Hausmann und seiner zwei Doggen Nothung und Frohwalt, seltener Fall eines privaten Grabs au\u00dferhalb \u00f6ffentlicher Friedh\u00f6fe.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/farm8.staticflickr.com\/7419\/12601072515_32450123b4.jpg\" alt=\"Waldgrab K\u00f6nigsforst\" \/><\/p>\n<p>Hausmann war, hei\u00dft es, ein reicher K\u00f6lner Sonderling, der den Umgang mit anderen Menschen mied, daf\u00fcr um so lieber mit seinen Hunden durch den K\u00f6nigsforst spazierte, zumal ihm ein ansehnlicher Teil des Waldes selbst geh\u00f6rte. Au\u00dferdem war er, wie den Namen seiner Doggen unschwer anzumerken ist, ein Wagner-Fan und Gr\u00fcnder einer Stiftung, die sich der F\u00f6rderung junger Musiker verschrieb. Die Stiftung vermachte er zusammen mit einem beachtlichen Verm\u00f6gen an Geld und Immobilien der Stadt K\u00f6ln, unter der Auflage, dass die Stadt die Pflege seines Grabes \u00fcbernehme. Das tut sie bis heute: Obwohl sich das Grab auf Bergisch Gladbacher Gemeindegebiet befindet, wird es vom K\u00f6lner Friedhofsamt in Stand gehalten. (Mehr \u00fcber Hausmann <a href=\"http:\/\/www.rundschau-online.de\/rhein-berg\/nothung-und-frohwalt-ruhen-an-seiner-seite,16064474,15539050.html\">in diesem Zeitungsartikel<\/a>.)<\/p>\n<p>In der K\u00f6lner Innenstadt gibt es \u00fcbrigens eine weitere Erinnerung an Hausmann: Am Haus Dasselstra\u00dfe 45 befindet sich <a href=\"http:\/\/www.bilderbuch-koeln.de\/Fotos\/neustadt_s%C3%BCd_rathenau_viertel_und_kwartier_lat%C3%A4ng_k%C3%B6lner_innenstadt_hubert_josef_hausmann_400581\">eine Bronzetafel mit seinem Namen<\/a>, auf der auch die Doggen abgebildet sind. Mit der Beschaulichkeit, die Hausmann fr\u00fcher im K\u00f6nigsforst gefunden haben mag, ist es allerdings nicht mehr weit her: Direkt hinter dem Grab rauscht die A4 vorbei.<\/p>\n<p>Wir laufen von Hausmanns Grab weiter nach Osten, auf einem Weg \u00fcbrigens, auf dem in den Drei\u00dfiger und Vierziger Jahren ein G\u00fcterzug verkehrte, der Munition aus dem Forst zum Fliegerhorst Ostheim transportierte Die Autobahn verl\u00e4uft hier weitgehend parallel zu einer alten Handels- und Pilgerroute: Dem sogenannten Br\u00fcderweg, auf den wir ein paar Meter \u00f6stlich der Waldgrabst\u00e4tte sto\u00dfen und dem wir von hier ab weiter gen Osten folgen. Die Pilgertradition ist seit einiger Zeit entlang des Wegs wieder erkennbar: An der Jakobsmuschel zum Beispiel, die uns hier wieder als Wegmarkierung dient, au\u00dferdem f\u00fchrt hier der <a href=\"https:\/\/www.elisabethpfad.de\/\">Elisabethpfad<\/a> von K\u00f6ln nach Marburg.<\/p>\n<p>Woher der Name Br\u00fcderweg kommt, ist nicht ganz gekl\u00e4rt: M\u00f6glicherweise ist damit auf die K\u00f6lner Kl\u00f6ster und Stifte, die hier beg\u00fctert waren. Vielleicht ist Br\u00fcderweg aber auch nur die korrumpierte Form eines schlichteren Namens wie &#8222;breiter Weg&#8220; oder &#8222;Br\u00fccker Weg&#8220; (nach dem \u00f6stlichsten K\u00f6lner Stadtteil). Eine popul\u00e4re Legende verbindet den Namen allerdings mit einem Ereignis, das mit dem n\u00e4chsten Gedenkstein an der Strecke zu tun hat: Dem sogenannten S\u00fchnekreuz.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/farm4.staticflickr.com\/3401\/13055722885_999271f1a8.jpg\" alt=\"S\u00fchnekreuz\" \/><\/p>\n<p>Dabei handelt es sich um ein schlichtes, nicht besonders gro\u00dfes Steinkreuz mit auff\u00e4lliger Beschriftung. Der Text besagt sinngem\u00e4\u00df, das an dieser Stelle am 21. Dezember des Jahres 1536 ein Mann namens Dirrich R\u00fctger, Junker zu Drolshagen, ermordet worden sei. S\u00fchne- oder Mordkreuze dieser Art wurden in der Regel nicht nur aufgestellt, um an eine Untat zu erinnern, sondern sollten auch \u2013 wie der Name schon sagt \u2013 als Symbol der S\u00fchne oder Auss\u00f6hnung fungieren, zumal der T\u00e4ter oder seine Familie in der Regel die Aufstellung bezahlte. \u00dcber den Mord im K\u00f6nigsforst wissen wir, abgesehen vom Datum und dem Namen des Opfers, so gut wie gar nichts, aber die Legende machte daraus eine Fehde unter Br\u00fcdern, von der nun auch der Name des Weges stammen soll.<\/p>\n<p>Wir folgen dem Jakobsweg weiter nach Osten: Die Route f\u00fchrt langsam bergauf und wird von mehreren Wegen gekreuzt (von denen man einige auch als Abk\u00fcrzung nutzen kann, falls Lust oder Kr\u00e4fte schwinden). Nach etwa drei Kilometern Anstieg erreichen wir eine kleine Schutzh\u00fctte, der schr\u00e4g gegen\u00fcber ein weiterer Gedenkstein aufgestellt wurde: &#8222;Zum Gedenken an Ferdinand Schwamborn&#8220;, steht dort, &#8222;dem vorbildlichen Betreuer des T\u00fctberges&#8220;.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/farm8.staticflickr.com\/7359\/13056060764_139b153463_b.jpg\" alt=\"Ferdinand Schwamborn\" \/><\/p>\n<p>Der T\u00fctberg ist der h\u00f6chste Berg des K\u00f6nigsforstes, der Gipfel liegt allerdings noch ein paar Meter entfernt. Schwamborn arbeitete in diesem Teil des Waldes als Forstwart f\u00fcr den K\u00f6lner Bankier Carl Theodor Deichmann, dem gro\u00dfe Teile des Gebietes rund um den Berg geh\u00f6rten. Die Deichmanns waren eine der einflussreichsten Bankiersfamilien in Deutschland. Der ehemalige Sitz der Bank, das sogenannte Deichmannhaus, befindet sich in der K\u00f6lner Trankgasse 7a, direkt vis \u00e0 vis von Dom und Hauptbahnhof, und ist auch heute noch ein beeindruckendes Geb\u00e4ude. (Nebenbei das erste Geb\u00e4ude, das K\u00f6ln-Besucher neben dem Dom zu Gesicht bekommen, wenn sie den Hauptbahnhof nach vorne raus verlassen.) Die Bank selbst ging in den Turbulenzen der Weltwirtschaftskrise unter. Deichmann verlor einen gro\u00dfen Teil seines Besitzes und starb 1931, m\u00f6glicherweise durch Selbstmord (offiziell wurde eine Lungenentz\u00fcndung als Todesursache angegeben).<\/p>\n<p>Deichmanns Gattin Ada stammte ebenfalls aus dem K\u00f6lner Geldadel: Sie war eine geborene von Schnitzler. Ihr Onkel Richard von Schnitzler und ihr Bruder Georg waren ma\u00dfgeblich am Aufbau der IG Farben beteiligt, auch Adas Vater Paul sa\u00df im Aufsichtsrat. Georg von Schnitzler geh\u00f6rte au\u00dferdem zu den Industriellen, die 1933 die Finanzierung von Hitlers Wahlkampf erm\u00f6glichten, und hielt dem Regime auch anschlie\u00dfend die Stange. 1948 wurde er im IG-Farben-Prozess als Kriegsverbrecher verurteilt. Adas eigene Kinder fanden sich nach dem Krieg auf der anderen Seite wieder: Hans Deichmann, der in Italien f\u00fcr die IG Farben t\u00e4tig, kn\u00fcpfte Kontakte zu Partisanen und Alliierten, seine Schwester Freya war mit Helmuth James von Moltke verheiratet, dem Begr\u00fcnder des Kreisauer Kreises, der 1945 von den Nazis hingerichtet wurde. (Einiges zur Geschichte des T\u00fctberges steht <a href=\"http:\/\/www.rundschau-online.de\/rhein-berg\/helmuth-caspar-graf-von-moltke-zwischen-bankenpleite-und-ns-widerstand,16064474,24679212,view,asTicker.html\">hier<\/a>.)<\/p>\n<p>Ginge man an dieser Kreuzung nach rechts, k\u00e4me man direkt zum <a href=\"http:\/\/www.tuetberg.de\/\">Forsthaus T\u00fctberg<\/a>, in dem auch die Deichmanns h\u00e4ufiger weilten. Wir gehen aber weiter geradeaus auf dem Br\u00fcderweg, der nun allm\u00e4hlich bergab f\u00fchrt. Nach einem kurzen St\u00fcck kann man rechts durch den Wald die Oberfl\u00e4che eine Sees glitzern sehen: Ein weiteres Bergbaurelikt, n\u00e4mlich die ehemaligen Kl\u00e4rteiche der Grube L\u00fcderich, die sich ein paar Kilometer entfernt auf der anderen Seite des S\u00fclztales befand. Die Teiche sind heute streng gesch\u00fctztes Naturschutzgebiet, das Betreten ist verboten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/farm8.staticflickr.com\/7328\/13056034114_00b93e6d56.jpg\" alt=\"Kl\u00e4rteiche L\u00fcderich\" \/><\/p>\n<p>Ein paar Meter weiter erreicht man den Buchholzer Hof, den Ada in den Deichmann\u2018schen Besitz einbrachte. Hier verlassen wir den Br\u00fcderweg, gehen oberhalb des Hofes nach rechts und passieren kurz darauf ein abgesperrtes Gel\u00e4nde \u2013 die Ostseite des Naturschutzgebietes um die ehemaligen L\u00fcderich-Teiche, das sich von hier aus gut \u00fcberschauen l\u00e4sst, und mit etwas Gl\u00fcck kann man auch ein paar Rehe beobachten. Hangaufw\u00e4rts kann man die Reste des aufgesch\u00fctteten Bergematerials erkennen, au\u00dferdem hat man von hier aus einen ganz h\u00fcbschen Fernblick \u00fcber das S\u00fclztal und Untereschbach zum Bergr\u00fccken des L\u00fcderich auf der anderen Seite, wo sich die gr\u00f6\u00dfte Grube des bergischen Reviers befand.<\/p>\n<p>Wir folgen dem Weg weiter, halten uns an darauffolgenden Gabelungen jeweils rechts, und erreichen kurz hinter einer gro\u00dfen Lichtung den Gipfel des T\u00fctbergs, auf dem sich ein Wasserreservoir befindet. Kurz darauf sto\u00dfen wir auf eine Wegekreuzung mit einer Schutzh\u00fctte. Links unterhalb l\u00e4sst sich durch das Dickicht das Forsthaus T\u00fctberg erkennen, das in den Zwanzigern auf Veranlassung der Deichmanns erbaut wurde und heute das einzige private Wohnhaus im Bereich des K\u00f6nigsforsts ist. Einst gab es hier mal eine gr\u00f6\u00dfere Siedlung, aber bis auf das Forsthaus sind s\u00e4mtliche H\u00e4user verschwunden, wie auch die anderen Gutsh\u00e4user, Weiler und Bauernkaten, die es im K\u00f6nigsforst mal gab.<\/p>\n<p>Wir gehen zur Schutzh\u00fctte zur\u00fcck und nehmen an der Kreuzung den schmalen, auch als Reitweg markierten Weg, der links bergab f\u00fchrt. Die Reiterspur zweigt nach kurzer Zeit links ab, wir halten uns weiter gerade aus. Nach einer Rechtskurve erreichen wir an einer T-Kreuzung einen mit K markierten Wanderweg, dem wir nach links folgen. Wir sto\u00dfen auf die Landstra\u00dfe und folgen der Markierung ein kurzes St\u00fcck an der Stra\u00dfe entlang nach links, dann nach rechts in den Wald. Nach etwa 500 m, kurz hinter einem kleinen Teich, zweigt die markierte Route nach rechts ab, wir bleiben aber weiter auf dem breiteren Forstweg geradeaus.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/farm8.staticflickr.com\/7410\/12851400413_35609b7d3c.jpg\" alt=\"Gedenkstein H O A\" \/><\/p>\n<p>Der Weg steigt leicht an und passiert eine kleine Lichtung. An deren oberen Rand, am Abzweig eines unscheinbaren Forstwegs, findet sich etwas abseits des Weges der geheimnisvollste Gedenkstein: Ein schlicht gehaltener Steinquader mit runden Vertiefungen, auf dem lediglich Initialen und Lebensdaten eingraviert sind. An wen dieser Gedenkstein erinnert und warum er ausgerechnet hier aufgestellt wurde, habe ich bisher nicht herausfinden k\u00f6nnen. Ist hier jemand zu Tode gekommen? Oder handelt es sich einfach um einen Ort des Gedenkens, an jemand, der wie Hausmann gerne auf diesen Wegen spazieren ging? Ist die ungew\u00f6hnliche Form des Steins ein Hinweis auf ein Interesse an zeitgen\u00f6ssischer Kunst? Auch Anfragen bei lokalen Heimatvereinen haben noch nicht weitergeholfen. <em>(Update Juli 2015: Inzwischen hat sich das R\u00e4tsel zumindest <a href=\"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=1581\">teilweise gel\u00f6st<\/a>.)<\/em> <\/p>\n<p>Wir gehen den breiten Weg weiter geradeaus, bis zur Kreuzung des Br\u00fcck-Forsbacher Weges, wo wir auf den erst k\u00fcrzlich eingerichteten Bergischen Weg treffen. Wir folgen dem Markierungszeichen (eine schwarze Schlangenlinie auf orangenem Grund) nach rechts und sto\u00dfen an der n\u00e4chsten Kreuzung nicht nur auf Tisch und B\u00e4nke, sondern auf einen weiteren Gedenkstein. Dieser hier gilt allerdings nicht einer Person, sondern dem ehemaligen Bahnhof Forsbach. Hier befand sich die Trasse der alten S\u00fclztalbahn, die von M\u00fclheim \u00fcber Bergisch Gladbach und Bensberg bis nach Lindlar f\u00fchrte. Der Bau dieser Strecke zog sich \u00fcber mehrere Jahrzehnte hin: Das erste Teilst\u00fcck von M\u00fchlheim nach Bergisch Gladbach wurde 1868 er\u00f6ffnet, 1870 Bensberg angeschlossen, 1891 erreichte die Strecke (an Forsbach vorbei) Hoffnungsthal und Immekeppel, 1912 dann schlie\u00dflich Lindlar. 50 Jahre sp\u00e4ter war schon wieder Schlu\u00df: 1960 wurde der Personenverkehr eingestellt, 1966 der G\u00fcterverkehr, die Strecke wurde umgehend abgebaut. Einige Spuren \u2013 Bahnd\u00e4mme, Tr\u00f6ge, Br\u00fcckenbauwerke \u2013 sind noch erhalten geblieben, sollen uns aber bei anderer Gelegenheit mal besch\u00e4ftigen. F\u00fcr heute reicht der Hinweis, dass man Reste des Forsbacher Bahnhofs noch etwa s\u00fcdlich vom Denkmal, direkt am Wegesrand finden kann.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/farm3.staticflickr.com\/2851\/12851080685_ff635ef180.jpg\" alt=\"Denkmal Bahnhof Forsbach\" \/><\/p>\n<p>Wir gehen jedoch auf dem Bergischen Weg weiter nach Westen und erreichen nach etwa 500 Metern bereits die n\u00e4chste Kreuzung und die n\u00e4chste Gedenkst\u00e4tte: Die sogenannte Kaisereiche, ein Monument staatstragenden Gedenkens, wie es f\u00fcr das wilhelminische Zeitalter typisch war. Vor allem in der Zeit Wilhelms II. wurden zahlreiche Monumente und Denkm\u00e4ler zu Ehren des Kaisertums errichtet, B\u00e4ume gepflanzt oder besonders markante Exemplare in Namen des Kaisers umgetauft. So auch hier. Die originale Kaisereiche existiert allerdings nicht mehr, weil sie von franz\u00f6sischen Soldaten nach dem Ersten Weltkrieg bei Schie\u00df\u00fcbungen zerst\u00f6rt wurde. Daraufhin wurde einfach eine andere Eiche direkt gegen\u00fcber zur Kaisereiche erkl\u00e4rt, und dieser Baum hei\u00dft heute noch so.<\/p>\n<p>Wir verlassen hier den Bergischen Weg und gehen nach links, dann an der n\u00e4chsten Kreuzung (etwa 500 Meter s\u00fcdlich) nach links auf den Steinbruchsweg, der uns am Gipfelpunkt des Gro\u00dfen Steinbergs vorbei f\u00fchrt. Das Areal ist heute dicht bewaldet, aber zu fr\u00fcheren Zeiten soll man vom Steinberg aus einen weiten Blick \u00fcber die K\u00f6lner Bucht gehabt haben. Der Name &#8222;Steinbruchsweg&#8220; weist schon darauf hin, dass das Gel\u00e4nde auch gewerblich genutzt wurde, und bei genauem Hinsehen kann man links und rechts vom Weg Spuren davon erkennen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/farm8.staticflickr.com\/7384\/12851089323_1ccaa5dde2.jpg\" alt=\"Gedenkstein Christian Siebertz\" \/><\/p>\n<p>Kurz bevor die Kreuzung mit dem Wolfsweg (und damit die Gemeindegrenze von K\u00f6ln und Bergisch Gladbach) erreicht wird, findet sich sehr versteckt im Wald eine Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr einen Waldarbeiter, der hier zu Tode kam. Der Stein ist unscheinbar und im Geh\u00f6lz kaum auszumachen &#8211; man muss sich etwa 100 Meter oberhalb der Kreuzung links in den Wald wagen und nach einer Vertiefung Ausschau halten. Etwas s\u00fcdlich davon, in der N\u00e4he eines Hochstandes, sind im Laub au\u00dferdem Treppenstufen und Fundamente zu erkennen &#8211; m\u00f6glicherweise Reste einer milit\u00e4rischen Einrichtung zum Schutz des Fliegerhorstes Ostheim.<\/p>\n<p>Wir kreuzen den Wolfsweg und bleiben geradeaus auf dem Steinbruchsweg, dem wir f\u00fcr die letzten drei Kilometer bis zum Ende unserer Wanderung folgen. Wir kommen wieder an den H\u00fcgelgr\u00e4bern vorbei, dann an einer eher ironischen Gedenktafel an einem der H\u00e4user in der Forsbacher Stra\u00dfe und, schlie\u00dflich bereits an der Einm\u00fcndung zur R\u00f6srather Stra\u00dfe, einer Art Denkmal der unbekannten Radfahrer (die sich wohl auf Kollisionskurs befinden). Wenn wir Gl\u00fcck haben, hat die Schmitzebud noch auf, um den langen Gang durch den K\u00f6nigsforst angemessen zu beschlie\u00dfen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/farm8.staticflickr.com\/7102\/13590948853_643a32cc2e.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine lange Runde durch den K\u00f6nigsforst, vorbei an einigen besonderen Orten der Erinnerung. F\u00fcr die meisten K\u00f6lner ist der K\u00f6nigsforst in erster Linie ein sch\u00f6nes Naherholungsgebiet. Aber der Wald hat auch eine bewegte Geschichte: Hier wurden Bergbau und Landwirtschaft getrieben, Parforcejagden und Man\u00f6ver veranstaltet, Handels- und Pilgerkarawanen zogen durchs Gel\u00e4nde. 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