{"id":169,"date":"2005-08-25T18:09:32","date_gmt":"2005-08-25T16:09:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.de\/nb\/?p=169"},"modified":"2005-11-13T03:14:28","modified_gmt":"2005-11-13T02:14:28","slug":"politik-im-bunker","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2005\/08\/25\/politik-im-bunker\/","title":{"rendered":"Politik im Bunker"},"content":{"rendered":"<p>Es lohnt sich doch, nachmittags fernzusehen: Auf <a href=\"http:\/\/www.tv5.org\">TV5<\/a> l\u00e4uft zur Zeit eine Serie, die zum besten geh\u00f6rt, was ich an politischer Satire gesehen habe. <em>Bunker, le cirque<\/em> ist eine franko-kanadische Produktion, lief vor ein paar Jahren auf <a href=\"http:\/\/www.radiocanada.ca\">Radio Canada<\/a> und sorgte f\u00fcr einigen Wirbel im politischen und journalistischen Establishment des Landes: Wenn man politische Entscheidungsprozesse derma\u00dfen zynisch darstelle, d\u00fcrfe man sich nicht wundern, wenn die \u00d6ffentlichkeit von Politik nichts mehr wissen wolle, hie\u00df es &#8211; der Standardvorwurf des Def\u00e4tismus eben, der immer gebracht wird, wenn Satire wirklich mal zubei\u00dft.<!--more--><\/p>\n<p>Richtig ist, dass es <em>Bunker<\/em> kaum einen sympathischen Charakter gibt, sieht man mal vom jungen und enthusiastischen PR-Mann Martin Prescott ab &#8211; ausgerechnet den Pressesprecher als einzig integre Person erscheinen zu lassen, ist nur eine der raffinierten Finten des Drehbuchs. Ansonsten findet man in dieser Farce \u00fcber die Fabrikation eines Premierministers (der erschreckende \u00c4hnlichkeit mit Horst K\u00f6hler hat) nur Intriganten, Mitl\u00e4ufer und politische Speichellecker, mit dem Finanzier Laurendeau als wahrhaft macchiavellistischem D\u00e4mon im Mittelpunkt.<\/p>\n<p>Das allein w\u00e4re nun aber nur eine aktualisierte Version von klassischen Satiren wie <em>Yes Minister<\/em> (wie zum Beispiel die aktuell in England laufende, empfehlenswerte Serie <em>Absolute Power<\/em>). Das wirlich Beeindruckende ist der visuelle Ideenreichtum, mit dem Regisseur Pierre Houle und Drehbuchautor Luc Dionne die Geschichte erz\u00e4hlen und die mehr mit der surrealen Atmosph\u00e4re vieler kanadischer Kinofilme zu tun hat als mit klassischen Fernsehserien. Den Titel hat die Serie einmal vom monstr\u00f6sen Geb\u00e4ude, in dem die politischen Intrigen gesponnen werden, andererseits vom zirkusreifen Ensemble, das sich darin aufh\u00e4lt. Da laufen Ger\u00fcchte tats\u00e4chlich in Person durch die G\u00e4nge, bei Konferenzen sitzen die Teilnehmer mit Schafsk\u00f6pfen um den Tisch und wenn der Premierminister, in selbstgef\u00e4llige Gedanken versunken, aus der Dusche steigt, tut er das vor einer r\u00f6mischen Kulisse, inklusive eines vorbeiziehenden L\u00f6wen und mit einem Handtuch \u00fcber der Schulter, das wie eine Toga aussieht. Der finstre Laurendeau lebt mit seinen Kreaturen in einer Art Kathedrale &#8211; schlie\u00dflich ist &#8222;die B\u00f6rse der neue Tempel&#8220;, meint Dionne.<\/p>\n<p>&#8222;Wir wollten eine Serie im Geist Fellinis machen&#8220;, sagt Houle. &#8222;In Nordamerika gilt Fellini als Autor von extravaganten Halluzinationen, aber in Wirklichkeit sind seine Filme sehr viruelnte Kritiken der sozialen Realit\u00e4t in Italien.&#8220; Ich wei\u00df wenig \u00fcber die soziale oder politische Realit\u00e4t in Kanada, aber <em>Bunker<\/em> trifft auch ganz gut die Zust\u00e4nde diesseits des Atlantik. Und wer sein Franz\u00f6sisch noch einigerma\u00dfen parat hat, dem kann ich nur raten, sich die letzten Folgen (immer donnerstags, ca. 14.25) anzuschauen. (Es gibt netterweise auch Untertitel, in franz\u00f6sisch zwar, aber so kann man immerhin mitlesen.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es lohnt sich doch, nachmittags fernzusehen: Auf TV5 l\u00e4uft zur Zeit eine Serie, die zum besten geh\u00f6rt, was ich an politischer Satire gesehen habe. Bunker, le cirque ist eine franko-kanadische Produktion, lief vor ein paar Jahren auf Radio Canada und sorgte f\u00fcr einigen Wirbel im politischen und journalistischen Establishment des Landes: Wenn man politische Entscheidungsprozesse [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-169","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/169","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=169"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/169\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=169"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=169"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=169"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}