{"id":188,"date":"2005-10-25T11:19:17","date_gmt":"2005-10-25T09:19:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.de\/nb\/?p=188"},"modified":"2005-10-25T11:19:17","modified_gmt":"2005-10-25T09:19:17","slug":"provenzalische-buchhaltung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2005\/10\/25\/provenzalische-buchhaltung\/","title":{"rendered":"Provenzalische Buchhaltung"},"content":{"rendered":"<p>Das Sch\u00f6ne an einer Reise sind die kleinen \u00dcberraschungen danach. Da finde ich gestern ein Paket aus M\u00fcnchen im Treppenhaus, und drin sind zwei Ausgaben einer Dissertation aus den 60er Jahren, \u00fcber <em>Das Kaufmannsbuch des Johan Blasi (1329 &#8211; 1337)<\/em>.<!--more--><br \/>\nEin gro\u00dfer Teil dieser Dissertation, geschrieben von einem Dietrich Hauck, besteht einfach aus dem Nachdruck dieses Kaufmannsbuches, und das ist nichts anderes als ein Buchhaltungs- und Verm\u00f6gensverzeichnis eines Kaufmanns aus dem Marseille des 14. Jahrhunderts. Ich liebe solche alten Listen ja, weil man die Nase direkt in den Alltag wildfremder Menschen stecken kann, und dieses Buch hier kann ich stundenlang durchschm\u00f6kern.<\/p>\n<p>Die Inventare selbst sind zwar meistens im provenzalischen Dialekt abgefa\u00dft und darum nicht grade einfach zu lesen. Aber der Kommentar von Hauck schl\u00e4gt einen weiten Bogen durch die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte von Marseille, und da l\u00e4\u00dft man sich gerne auf einen kleinen Stadtrundgang ein. Zumal wenn man dabei so interessante Personen kennenlernt wie Peire Austria, ein schillernder Gro\u00dfspekulant, &#8222;qui ne n\u00e9glige aucune source d&#8217;activit\u00e9s et de profite&#8220; (und auf dessen Gesch\u00e4ftst\u00fcchtigkeit der weniger erfolgreiche Blasi wohl recht neidisch war, immerhin kommentiert er zwei Deals mit Austria sinngem\u00e4\u00df: &#8222;m\u00f6g&#8217;s ihm schlecht bekommen&#8220;). Ganz interessant auch das Kapitel \u00fcber Blasis Kreditgesch\u00e4fte, wo man lernen kann, wie das christliche Gebot, keinen Zins zu nehmen, munter unterlaufen wurde.<\/p>\n<p>Und so werd ich dann das tr\u00fcbe Wetter drau\u00dfen noch ein paar Augenblicke ignorieren und mich stattdessen auf den provenzalischen M\u00e4rkten herumtreiben, wo Tuche, Oliven\u00f6l und Mandeln gehandelt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Sch\u00f6ne an einer Reise sind die kleinen \u00dcberraschungen danach. Da finde ich gestern ein Paket aus M\u00fcnchen im Treppenhaus, und drin sind zwei Ausgaben einer Dissertation aus den 60er Jahren, \u00fcber Das Kaufmannsbuch des Johan Blasi (1329 &#8211; 1337).<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-188","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/188","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=188"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/188\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=188"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=188"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=188"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}