{"id":200,"date":"2005-11-07T16:09:00","date_gmt":"2005-11-07T14:09:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=200"},"modified":"2005-11-07T23:09:18","modified_gmt":"2005-11-07T21:09:18","slug":"clichy-sur-jungle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2005\/11\/07\/clichy-sur-jungle\/","title":{"rendered":"Clichy-sur-Jungle"},"content":{"rendered":"<p>Paris brennt, und man schaut schockiert auf das Spektakel, das sich da bietet. Sicher, es ist nicht das erste Mal, dass es irgendwo in den Vorst\u00e4dten kracht, aber wenn Paris in Flammen steht, dann hat das einen anderen Stellenwert, als wenn das in Bradford, Eindhoven oder Strasbourg passiert. Und man ahnt, dass man eigentlich gar nicht erstaunt sein d\u00fcrfte \u00fcber die Aggression, die da sichtbar wird.<!--more--><\/p>\n<p>Die kommt ja nicht aus dem Nichts. Man mu\u00df sich nur in unseren Trabantensiedlungen umschauen: Frustration, Gewaltbereitschaft und Aggressivit\u00e4t sind auch da im \u00dcberma\u00df vorhanden. Nur werden die Konflikte in der Regel untereinander ausgetragen, und das interessiert dann au\u00dferhalb niemand, h\u00f6chstens wenn man mit leichtem Grusel den Raps von Bushido oder Aggro Berlin zuh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Das m\u00fc\u00dfte man vielleicht \u00f6fter und genauer tun. Dann w\u00fcrde man zum Beispiel h\u00f6ren, dass die Geschichten, die da erz\u00e4hlt werden, aus einer Welt kommen, aus der sich Staat und Gesellschaft weitgehend zur\u00fcckgezogen haben oder h\u00f6chstens noch als apathische, langweilige und gleichg\u00fcltige Institutionen wahrgenommen werden.<\/p>\n<p>Der &#8222;interesselosen Bereitschaft zur Gewalt&#8220;, die die <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/2005\/11\/07\/fe\/articleDAUWX.html\">NZZ<\/a> bei den marodierenden Jugendlichen erkannt haben will, steht eine Interesselosigkeit des Staates gegen\u00fcber, der sich in den Banlieues fast nur noch da zeigt, wo es nicht mehr anders geht &#8211; und dann mit der Schlichtung der Konflikte naturgem\u00e4\u00df \u00fcberfordert ist.<\/p>\n<p>In Frankreich gibt es die Idee einer &#8222;police de proximit\u00e9&#8220;, einer Polizei, die wieder n\u00e4her an die Menschen heranr\u00fcckt und als nachbarschaftliche Institution wahrgenommen werden kann, nicht als sporadischer Feind. Sarkozy hat f\u00fcr solche Konzepte <a href=\"http:\/\/www.lemonde.fr\/web\/article\/0,1-0@2-3232,36-706906@51-704172,0.html\">wenig \u00fcbrig<\/a>. Er sieht die Randalierer lieber als &#8222;Pack&#8220; und &#8222;Gesindel&#8220;: Das macht es einfacher, kurze Prozesse duchzusetzen, statt \u00fcber L\u00f6sungen zu diskutieren. Aber im Grunde dokumentiert seine Wortwahl nur das Ausma\u00df der Hilflosigkeit, mit der der Staat der Gewalt in den Banlieues gegen\u00fcber steht: Es gibt keine Konzepte, weil man vor der Komplexit\u00e4t des Problems kapituliert hat.<\/p>\n<p>Die Unruhen werden irgendwann aufh\u00f6ren. Aber was wird sich dann \u00e4ndern? Die Polizei wird sich eher noch weiter zur\u00fcckziehen, und allenfalls an den Punkten Pr\u00e4senz zeigen, wo der Kostenaufwand tragbar erscheint. Polizeiwachen und Schulen werden eher geschlossen als renoviert, weil das Geld dazu fehlt. Sicher ist, dass dieser Herbst nicht der letzte gewesen sein wird, in dem irgendwo die Vorst\u00e4dte brennen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paris brennt, und man schaut schockiert auf das Spektakel, das sich da bietet. Sicher, es ist nicht das erste Mal, dass es irgendwo in den Vorst\u00e4dten kracht, aber wenn Paris in Flammen steht, dann hat das einen anderen Stellenwert, als wenn das in Bradford, Eindhoven oder Strasbourg passiert. 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