{"id":201,"date":"2005-11-08T16:02:11","date_gmt":"2005-11-08T14:02:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=201"},"modified":"2005-11-08T16:14:18","modified_gmt":"2005-11-08T14:14:18","slug":"google-guckt-auf-die-finger","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2005\/11\/08\/google-guckt-auf-die-finger\/","title":{"rendered":"Google guckt auf die Finger"},"content":{"rendered":"<p>Aus dem Google-Labor stammt ein <a href=\"http:\/\/appft1.uspto.gov\/netacgi\/nph-Parser?Sect1=PTO1&#038;Sect2=HITOFF&#038;d=PG01&#038;p=1&#038;u=%2Fnetahtml%2FPTO%2Fsrchnum.html&#038;r=1&#038;f=G&#038;l=50&#038;s1=%2220050240580%22.PGNR.&#038;OS=DN\/20050240580&#038;RS=DN\/20050240580\">Patentantrag<\/a> zur &#8222;Personalisierung der Anordnung von platzierten Inhalten in Suchergebnissen&#8220;. Das klingt harmlos, verdient aber einen genaueren Blick: Dahinter steht der Versuch, den Nutzern noch genauer auf die Finger zu schauen.<!--more--><\/p>\n<p>&#8222;Platzierte Inhalte&#8220; (&#8222;placed content&#8220;) sind die Inhalte, die nicht allein durch den Algorithmus der Suchanfrage erzeugt werden (die &#8222;organischen&#8220; Ergebnisse, im Suchmaschinen-Jargon). Dazu geh\u00f6ren beispielsweise die Anzeigen, die Google neben den Suchergebnissen einspielt.<\/p>\n<p>Die werden bisher, vereinfacht gesprochen, vor allem aus dem Kontext der Suchanfrage ermittelt. Wer nach &#8222;Kaffee&#8220; sucht, bekommt Anzeigen f\u00fcr &#8222;Kaffeemaschinen&#8220;, &#8222;R\u00f6stkaffee&#8220; oder &#8222;Kaffeefahrten&#8220; eingeblendet. Das ist nat\u00fcrlich noch ein bi\u00dfchen grobschl\u00e4chtig, und darum sehen die Google-Entwickler Bedarf:<\/p>\n<blockquote><p>Es w\u00e4re w\u00fcnschenswert, die Wahrscheinlichkeit zu erh\u00f6hen, dass dem Nutzer [im Rahmen von Suchergebnissen] Anzeigen vorgestellt werden, die von Interesse f\u00fcr ihn sind.<\/p><\/blockquote>\n<p>Es soll allerdings nicht nur um Anzeigen gehen, wie man dem Dokument entnehmen kann: &#8222;Platzierte Inhalte sind \u00fcblicherweise in der Form von Werbung, k\u00f6nnten aber jede Art von Inhalt&#8220; sein, zum Beispiel Wettervorhersagen, Nachrichten etc. Dennoch: Darin steckt nat\u00fcrlich eine Bevormundung, denn woher will Google wissen, was in der unmittelbaren Situation interessant f\u00fcr mich ist?<\/p>\n<p>Indem man, sagt Google,  pers\u00f6nliche Daten wie &#8222;Alter oder Altersgruppe, Bildungsniveau, Einkommensniveau, sprachliche Vorlieben, Familienstand, Wohnort, kultureller Hintergrund&#8220; in die Erstellung der Ergebnisse mit einbezieht Bisher versucht man, an diese pers\u00f6nlichen Daten eines Nutzers vor allem \u00fcber Opt-In-Prozesse heranzukommen, also indem der Nutzer ein pers\u00f6nliches Profil mit ein paar Angaben zur Person zur Verf\u00fcgung stellt, beispielsweise bei der Anmeldung f\u00fcr einen Newsletter. Der juristische Vorteil: De Bereitsstellung des Profils kann man gleichzeitig auch als Einwilligung in die Nutzung der Daten auslegen. Allerdings werden Opt-In-Prozesse entweder nicht so h\u00e4ufig wahrgenommen werden, wie man sich das w\u00fcnscht, oder weil die Ergebnisse, die dabei erzielt werden, bleiben hinter den Erwartungen zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Google will nun &#8211; und das ist wohl die eigentliche Pointe des Antrags &#8211; dahin kommen, pers\u00f6nliche Nutzerprofile allein aus dem Verhalten des Nutzers zu generieren, auch ohne vorherige Personalisierung. Auch das ist nicht ganz neu, jede Seite, die mit Cookies arbeitet, versucht etwas \u00c4hnliches, aber Google m\u00f6chte offensichtlich auf indirektem Wege eine \u00e4hnliche Detailsch\u00e4rfe erzeugen wie mit vom Nutzer eigenh\u00e4ndig personalisierten Profilen.<\/p>\n<p>Im Patentantrag sieht das dann in der mathematischen Formel so aus:<\/p>\n<p><code>PersonalizedScore=GenericScore*(TermScore+CategoryScore+LinkScore)<\/code><\/p>\n<p>Die technischen Details zu den einzelnen Begrifflichkeiten lese man im Patentantrag nach, im Kern geht es darum, inhaltliche Kriterien, Verlinkungen und Klicks mit dem &#8222;organischen&#8220; Suchalgorithmus zu verquicken und daraus die Ergebnisse aufzubereiten. Durch die zahlreichen Tools, die Google mittlerweile anbietet &#8211; Men\u00fcleiste, GoogleEarth, Festplattensuche &#8211; r\u00fcckt man ja auch immer n\u00e4her an den Nutzer heran, so dass theoretisch auch das Verhalten au\u00dferhalb der Google-Webseiten mit einbezogen werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Aber was ist, wenn ein Computer von mehreren Nutzern beansprucht wird? Auch das will Google in Zukunft unterscheiden k\u00f6nnen:<\/p>\n<blockquote><p>Unterschiedliche Nutzer k\u00f6nnen auch automatisch erkannt werden anhand der Seiten, die sie aufsuchen, oder anhand anderer Charakteristika ihrer Besuchsmuster. Beispielsweise kann es sein, dass unterschiedliche Nutzer die Maus anders bewegen, anders tippen und andere Programme oder Eigenschaften dieser Programme nutzen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nutzererkennung anhand der Mausbewegungen &#8211; das klingt f\u00fcr Marketingexperten sicher aufregend, aber auch unheimlich. Von der datenschutzrechtlichen Problematik mal abgesehen (und auch davon, ob das technisch wirklich so m\u00f6glich ist, wie Google sich das vorstellt): Was bei all diesen Erw\u00e4gungen gar keine Rolle mehr spielt, ist die Frage, ob ich als Nutzer \u00fcberhaupt so etwas wie &#8222;personalisierte&#8220; Ergebnisse haben m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem steckt hinter diesen Konzepten immer noch die irrige Annahme, dass der Mensch sich einfach als Summe aus seinen Verhaltensweisen errechnen l\u00e4\u00dft. Dass es auch Subtraktionen, Multiplikationen und Divisionen gibt, scheint den Marketingexperten fremd zu sein.<\/p>\n<p>(Via <a href=\"http:\/\/www.searchenginejournal.com\/index.php?p=2448\">Search Engine Journal<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus dem Google-Labor stammt ein Patentantrag zur &#8222;Personalisierung der Anordnung von platzierten Inhalten in Suchergebnissen&#8220;. 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