{"id":214,"date":"2005-11-14T13:26:18","date_gmt":"2005-11-14T12:26:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=214"},"modified":"2005-11-14T13:26:18","modified_gmt":"2005-11-14T12:26:18","slug":"meme-maschinen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2005\/11\/14\/meme-maschinen\/","title":{"rendered":"Meme-Maschinen"},"content":{"rendered":"<p>Die ersten Blogverzeichnisse und -Suchmaschinen wie <a href=\"http:\/\/www.technorati.com\">Technorati<\/a> waren einfach daf\u00fcr gedacht, Blogs und ihre Inhalte zu finden. Mittlerweile scheint es eher darum zu gehen, einem die Zeit zu sparen, das alles zu lesen. Oder wie soll man sonst das Konzept von <a href=\"http:\/\/www.tailrank.com\">TailRank<\/a>verstehen?<!--more--><\/p>\n<p>Das Aufsp\u00fcren von Blogs ist ja kein Problem mehr, mittlerweile schreibt <a href=\"http:\/\/naddel.de\/member\/diary\/\">jeder<\/a> \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.brucewillis.com\/notes\/journal_detail.cfm?j_id=42\">alles<\/a>, aber das Filtern von Spreu und Weizen wird dadurch nicht leichter. TailRank will nach eigenem Bekunden die M\u00f6glichkeit geben, &#8222;zu wissen, wer was \u00fcber ein Thema schreibt&#8220; und &#8222;durch die stattfindenden Diskussionen zu navigieren&#8220;. &#8222;Clustering&#8220; und &#8222;threading&#8220; nennt sich das, wobei als Raster f\u00fcr die roten F\u00e4den, die durch die Diskussionen gelegt werden, die pers\u00f6nlichen Bookmarks dienen, die man als OPML-Datei in ein eigenes Konto hochladen kann: Die Websites, die sich darin befinden, sind diejenigen, denen ich schon mal eine gewisse Autorit\u00e4t zugestehe &#8211; das ist zumindest die Grundidee. (Tja, ich wei\u00df nicht, wie es Ihnen geht, aber bei mir d\u00fcmpeln da auch einige Karteileichen rum &#8230;)<\/p>\n<p>Auf Basis der OPML-Daten will das System dann \u00fcber Kreuz- und Querbez\u00fcge zu den Bookmarks anderer Nutzer, \u00fcber den Austausch von Empfehlungen untereinander und &#8222;various other factors&#8220; ein pers\u00f6nliches Profil erstellen und damit bessere, oder f\u00fcr mich relevantere Suchergebnisse ermitteln &#8211; so versteh ich es jedenfalls. Diese &#8222;Personalisierung&#8220; der Meme-Suche soll dann auch das wichtigste Unterscheidungskriterium zu verwandten Anbietern sein &#8211; TailRank-Macher Kevin Burton nennt <a href=\"http:\/\/www.digg.com\">Digg<\/a> (wo&#8217;s aber weniger um Blogs als um Stories geht), <a href=\"http:\/\/del.icio.us\">del.icio.us<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.daypop.com\">Daypop<\/a>.<\/p>\n<p>Laut Burton ist TailRank kein Index, sondern eine <a href=\"http:\/\/www.feedblog.org\/2005\/11\/new_space_meme_.html\">Meme-Maschine<\/a> &#8211; Meme ist das schicke neue Wort f\u00fcr das Rauschen in der Blogsph\u00e4re, eingef\u00fchrt wohl deshalb, weil <em>buzz<\/em> zu abf\u00e4llig klingt und <em>zeitgeist<\/em> zu schwer auszusprechen ist. <\/p>\n<p>Je mehr&#8217;s rauscht, desto mehr Meme: Das ist die \u00dcbertragung des Flurfunks in die virtuelle Sph\u00e4re. Nun kann man auf dem Flur sicher ein paar nette Geschichten aufschnappen, aber da wird auch ziemlich viel K\u00e4se geredet. Wenn es noch eines Beweises bedurft h\u00e4tte, dass das Geplapper in der Blogsph\u00e4re in der Quersumme nicht weit \u00fcber den Soundtrack der Stammtische hinausgeht, dann mu\u00df man sich nur die Debatten \u00fcber die Ereignisse in Paris anschauen &#8211; der amerikanische Refrain dazu ging: &#8222;What&#8217;s French for schadenfreude?&#8220;<\/p>\n<p>Wie einem die Hitlisten von TailRank dabei helfen k\u00f6nnen, aus dem allgemeinen Ger\u00e4usch ein paar klare T\u00f6ne rauszufiltern, habe ich bisher noch nicht rausgebekommen. Ich hab&#8217;s am Wochenende mal ausprobiert, auf der Suche nach ein paar Politblogs aber kaum Relevantes, daf\u00fcr um so mehr Gruseliges und Abgr\u00fcndiges gefunden. Wenn man nach TailRank geht, wird die politische Meme in den USA ausschlie\u00dflich von schwulenfeindlichen Alttestamentlern und stockreaktion\u00e4ren Franzosenfeinden beherrscht zu werden; andere Resultate waren nicht zu kriegen. Demoskopisch mag da was dran sein, ist aber nicht wirklich das, was ich lesen will. Warum Blogs \u00fcber Umerziehungskurse f\u00fcr renitente homosexuelle Teenies meinem Profil entsprechen sollen, ist mir jedenfalls ein R\u00e4tsel. Vielleicht \u00e4ndert sich das, wenn der Service mehr Nutzer bekommt und die Profile pluralistischer werden. Vielleicht ist TailRank auch schlauer als ich denke und hat mich da als verkappten NeoCon geoutet, wer wei\u00df.<\/p>\n<p>Mich spricht das Grundkonzept allerdings auch nicht wirklich an. Wenn es nur darum geht, in ein Grundrauschen mit einzustimmen, m\u00f6gen solche Hitlisten gen\u00fcgen. Aber wenn es darum geht, die Inhalte jenseits des Mainstream zu finden, wird man, glaube ich, nicht weit damit kommen. Wenn ich wissen will, was die Blogs, die ich sch\u00e4tze, schreiben, schaue ich sie mir eben einfach an, da findet man dann schon genug weitere Navigationspunkte.<\/p>\n<p>Und dieses selbstverliebte Kreisen der Blogsph\u00e4re um die eigene Achse wird auch ein bi\u00dfchen zu viel.<br \/>\nAnstatt st\u00e4ndig durch die Meme zu rauschen, reicht es manchmal auch einfach, selbst ein bi\u00dfchen nachzudenken. Ich hab nichts gegen Suchmaschinen und Verzeichnisse f\u00fcr Blogs, aber das altmodische Konzept hinter Technorati, auch wenn es zuletzt <a href=\"http:\/\/www.kottke.org\/05\/08\/so-long-technorati\">eher schlechte Presse<\/a> kriegt, reicht da besser hin als die ganzen schicken Feed-Verwerter, Zeitgeist-Zapper und Meme-Maschinen, die mehr versprechen, als sie halten k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ersten Blogverzeichnisse und -Suchmaschinen wie Technorati waren einfach daf\u00fcr gedacht, Blogs und ihre Inhalte zu finden. 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