{"id":248,"date":"2005-11-25T00:32:27","date_gmt":"2005-11-24T23:32:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=248"},"modified":"2005-11-25T00:37:54","modified_gmt":"2005-11-24T23:37:54","slug":"du-bist-deutschland-slight-return","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2005\/11\/25\/du-bist-deutschland-slight-return\/","title":{"rendered":"Du bist Deutschland (slight return)"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt eine <a href=\"http:\/\/www.du-bist-deutschland.de\/opencms\/opencms\/PresseMeinungen\/Pressemitteilungen\/PM000005.html\">Pressemitteilung<\/a> aus dem B\u00fcro der Kampagne <em>Du bist Deutschland<\/em>. Diese Pressemitteilung ist im Wortlaut identisch mit dem Kommentar, den Lars Cords, der Leiter des B\u00fcros, im <a href=\"http:\/\/www.spreeblick.com\/2005\/11\/22\/one-more-time-du-bist-deutschland\/#comment-46134\">Spreeblick <\/a>eingestellt hat. Hat man den Blog da als Testgel\u00e4nde genutzt, um mal zu gucken, wie die Reaktionen ausfallen? Oder kam die Entscheidung, den Text einfach per <em>copy and paste<\/em> als Pressemitteilung zu verwenden, sp\u00e4ter, als sich herausgestellt hat, dass die Geschichte \u00fcber die Blogsph\u00e4re hinausgeht?<!--more--><\/p>\n<p>Wie dem auch sei, w\u00e4hrend der Kommentar im Blog noch als spontaner pers\u00f6nlicher Einwurf durchging, mu\u00df man bei der Pressemitteilung schon  genauer hinschauen: Das ist dann schlie\u00dflich eine offizielle Stellungnahme, und da kann man schon eine abgekl\u00e4rtere Auseinandersetzung erwarten. Die bleibt leider aus. Das ist schade, denn es ging ja in der ganzen Diskussion nicht nur um die stumpfe 1:1-Identifizierung des Hitler-Bildes mit der Kampagne (auch wenn das hier und da vorgekommen sein mag). Da wurde ja auch einiges mehr diskutiert, zum Beispiel dar\u00fcber, wie hier unter dem Mantel einer kollektiven Ansprache in Wahrheit noch mehr Vereinzelung und individuelle Selbstverantwortung propagiert wird: &#8222;Du bist (selbst) schuld!&#8220;<\/p>\n<p>Mit der Presseerkl\u00e4rung hat man sich auch darum keinen Gefallen getan, weil die Karre statt aus dem Dreck noch weiter in vermintes Gel\u00e4nde gezogen wurde. Ich halte die &#8222;Du bist Deutschland!&#8220;-Kampagne nicht f\u00fcr faschistoid. Ich halte sie aber f\u00fcr dumm und naiv, weil sie mit Begrifflichkeiten jongliert, \u00fcber deren Problematik sich die Jongleure scheinbar nicht so richtig klar sind. Wie k\u00f6nnte es sonst sein, dass man ganz unbefangen Topoi unternimmt, die sonst in denjenigen politischen Landschaften zu Hause sind, von denen man sich geflissentlich distanzieren will?<\/p>\n<p>Die Rede von der &#8222;positiven Grundhaltung&#8220; beispielsweise, auf die &#8222;jeder einzelne Mensch in unserem Land&#8220; eingeschworen werden soll, und die immer besonders gerne dann angesprochen wird, wenn eine fundierte Kritik der Verh\u00e4ltnisse mindestens ebenso dringend w\u00e4re. Aber Kritik pa\u00dft nicht in die Ideologie des <em>think positive<\/em>, und von da ist es nicht weit bis zu dem Punkt, wo jeder Einwand als Def\u00e4tismus und N\u00f6rgelei abgetan wird. Dieses Mi\u00dftrauen gegen die Skeptiker, die N\u00f6rgler und die Zweifler &#8211; das hatten wir schon \u00f6fter in der Geschichte dieses Landes.<\/p>\n<p>Und wie kann es sein, dass in einem solchen Text so ein Satz auftaucht: &#8222;Der Begriff &#8218;Deutschland&#8216; darf nicht f\u00fcr die Vergangenheit reserviert sein&#8220;, und scheinbar nicht auff\u00e4llt, wie sehr man damit in die unmittelbare Nachbarschaft derjenigen ger\u00e4t, die auch schon immer gesagt haben, irgendwann m\u00fcsse mal Schlu\u00df sein mit der ganzen Vergangenheitsbew\u00e4ltigung.<\/p>\n<p>Wie aber, wenn die Vergangenheit den Begriff nicht so einfach losl\u00e4\u00dft? Mann kann die Geschichte nicht per Willenserkl\u00e4rung aus einem Wort absch\u00fctteln wie Schuppen von der Jacke. Sprache ist eben nicht arbitr\u00e4r, auch wenn das gerne geglaubt wird, und welche Bedeutungen die W\u00f6rter annehmen, ist kein blinder Zufall, sondern sie ordnen sich in die Sinnzusammenh\u00e4nge ein, die in der Gesellschaft vorgegeben sind. Da hilft es auch nichts, wenn man einfach die Kulissen wechselt:<\/p>\n<blockquote><p>Im TV-Spot belegen wir mit Bildern wie dem am Holocaust-Denkmal oder der Geschwister-Scholl-Szene, dass wir f\u00fcr Werte wie Menschenw\u00fcrde, Demokratie, Respekt vor der Pers\u00f6nlichkeit und Pluralismus eintreten und uns der deutschen Vergangenheit stellen &#8211; ohne uns der Zukunft zu verschlie\u00dfen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Tja, wenn das so einfach w\u00e4re. Aber ich kann einen Esel noch so oft vor ein Mahnmal schieben, darum wird er trotzdem noch kein Antifaschist, und im Grunde ist es auch ein bi\u00dfchen eklig, die Opfer des Nationalsozialismus als Kronzeugen f\u00fcr das eigene gute Gewissen herzunehmen (und in diesem Sinne ist die Holocaust-Szene auch die ekelhafteste im ganzen Werbespot).<\/p>\n<p>Aber es geht ja auch nicht darum, den Begriff &#8222;Deutschland&#8220; zu definieren. Eine Definition, das w\u00e4re ja was, wor\u00fcber man diskutieren k\u00f6nnte. Es geht nur darum, den Begriff zu &#8222;besetzen&#8220;, und zwar &#8222;neu und positiv&#8220;, dass da keine Zweifel aufkommen. Roger Willemsen hat mal (lang ists her) den sch\u00f6nen Satz geschrieben:<\/p>\n<blockquote><p>&#8218;Nationale Identit\u00e4t&#8216; ist eine Sache, die sich bei den meisten Menschen als intellektuelle Zentralverriegelung auswirkt. Man wei\u00df nicht, was sie ist, aber wundersch\u00f6n soll sie sein und notwendig, und jeder soll sie haben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Man habe nicht &#8222;aus Angst vor einer Diskussion auf eine Kampagne&#8220; verzichten wollen, hei\u00dft es im letzten Satz. Und das ist dann eben doch wieder typisch deutsch: Dass man eine Diskussion f\u00fcr etwas h\u00e4lt, das Angst macht.<\/p>\n<p>Nachtrag: Eine ausf\u00fchrliche Chronologie der Diskussion in den Blogs (und dar\u00fcber hinaus) findet sich mittlerweile <a href=\"http:\/\/www.andreas.de\/wordpress\/archives\/2005\/11\/24\/denn-du-bist-deutschland-chronologie\/\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Siehe auch <a href=\"?p=245\">Du bist Deutschland<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt eine Pressemitteilung aus dem B\u00fcro der Kampagne Du bist Deutschland. Diese Pressemitteilung ist im Wortlaut identisch mit dem Kommentar, den Lars Cords, der Leiter des B\u00fcros, im Spreeblick eingestellt hat. 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