{"id":286,"date":"2005-12-14T00:46:26","date_gmt":"2005-12-13T23:46:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=286"},"modified":"2005-12-20T17:00:10","modified_gmt":"2005-12-20T16:00:10","slug":"romische-grusse","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2005\/12\/14\/romische-grusse\/","title":{"rendered":"R\u00f6mische Gr\u00fc\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p>In Italien braucht man zur Zeit starke Nerven, wenn man zu einem Fu\u00dfballspiel geht. Vor allem dann, wenn Lazio spielt. Die Fankurve von Lazio (das Team, in dem Mussolini Mitglied war) ist fest in der Hand rechtsradikaler Gruppierungen, und Lazio hat den Spieler Paolo Di Canio, der aus seinen politischen Sympathien keinen Hehl macht. Di Canio tr\u00e4gt ein Tattoo mit der Inschrift <em>Dux<\/em> und gr\u00fc\u00dft die eigenen Fans gerne mit dem r\u00f6mischen Gru\u00df. So zum Beispiel am letzten Sonntag.<!--more--><\/p>\n<p>Da spielte Lazio in Livorno, und das ist nie ein Spiel wie jedes andere. Denn Lazio gegen Livorno, das ist immer das Aufeinandertreffen der gegens\u00e4tzlichsten Welten im italienischen Fu\u00dfball. Livorno ist ein Team der Linken, und in den Reihen von Livorno spielt Di Canios Antipode, Cristiano Lucarelli, ein bekennender Kommunist und Che-Guevara-Fan, au\u00dferdem in der vergangenen Saison Torsch\u00fctzenk\u00f6nig der Serie A.<\/p>\n<p>Mit seiner stramm linken Fan-Basis hat Livorno im Moment fast den Status eines gallischen Dorfes, denn andere traditionell eher linke Teams wie die Roma oder Inter werden mehr und mehr von rechtsradikalen Fans unterwandert. Lazio-Fans kennen eh schon seit langem keine Schamgrenze mehr und machen regelm\u00e4\u00dfig durch die geschmacklosesten Transparente und Fahnen auf sich aufmerksam. Vielleicht war das der Grund, warum Di Canio es f\u00fcr opportun hielt, nach seiner Auswechslung in die G\u00e4stekurve zu marschieren und die Lazio-Fans mit dem ausgestreckten rechten Arm zu begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Dass das in Italien immerhin noch f\u00fcr Aufregung sorgt, ist einigerma\u00dfen tr\u00f6stlich. Aber die Dreistigkeit, mit der Di Canio seine Geste verteidigt, sagt einiges aus \u00fcber das italienische Fu\u00dfballmilieu. Das sei ein ganz normaler Gru\u00df und eine Geste der Verbundenheit mit seinen Leuten, gab Di Canio zu Protokoll. (Er benutzte sogar das Wort <em>popolo<\/em>.)<\/p>\n<blockquote><p>Ich habe meinen Fans gesagt, dass wir gewinnen. Denn wir sind immer die Sieger. Ich bin so und ich bleibe so, da k\u00f6nnt ihr meine Hand ins Feuer legen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Bei soviel Pathos will auch Lazios Pr\u00e4sident Claudio Lotito den ganzen Wirbel nicht verstehen: &#8222;Ist es nicht genauso politisch, wenn die Fans von Livorno <em>Bandiera rossa<\/em> singen?&#8220;, maulte er. &#8222;Warum redet ihr nie \u00fcber Lucarelli?&#8220;<\/p>\n<p>Das ist eine haneb\u00fcchene Retourkutsche. Im letzten Jahr, als Di Canio schon einmal wegen eines r\u00f6mischen Gru\u00dfes, damals beim Derby gegen den Lokalrivalen Roma, eine Geldstrafe vom Fu\u00dfballverband erhielt, bestrafte der n\u00e4mlich Lucarelli gleich mit, wohl aus Angst, man k\u00f6nnte die Bestrafung Di Canios f\u00fcr eine Parteinahme halten. Lucarelli hatte in einem Spiel ein Tor mit der geballten Faust gefeiert. Die Geldstrafe daf\u00fcr fiel h\u00f6her aus als das, was Di Canio berappen mu\u00dfte, und das, obwohl die geballte Faust in Italien nicht verboten ist, der r\u00f6mische Gru\u00df aber sehr wohl.<\/p>\n<p>Damals gab sich Di Canio \u00e4hnlich uneinsichtig: Der Gru\u00df stamme aus der r\u00f6mischen Geschichte, und auf die sei er stolz, lie\u00df er damals verlauten. F\u00fcr soviel Lokalpatriotismus gab es Applaus sogar von Alessandra Mussolini, die bei Di Canios Geste Tr\u00e4nen der R\u00fchrung geweint haben wollte.<\/p>\n<p>Di Canio spielte mal eine Zeit lang in England. Da gewann er sogar einen Fair-Play-Preis. Das war aber kurz bevor er bei West Ham einen israelischen Mannschaftskameraden verpr\u00fcgelte. Am Sonntag nutzte die Siegesgewi\u00dfheit \u00fcbrigens nichts: Livorno gewann mit 2:1.<\/p>\n<p>Zum Thema gab es in diesem Jahr auch zwei Artikel in der Zeit, einmal \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2005\/08\/Sport_2fLazio_Rom_08\">Lazio-Ultras<\/a>, zum anderen \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2005\/30\/Lucarelli_30\">Lucarelli<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Nachtrag (20.12.):<\/strong> Auch an diesem Wochenende, beim Spiel gegen Juventus, hat Di Canio den Lazio-Fans mit dem r\u00f6mischen Gru\u00df salutiert. F\u00fcr die Geste beim Livorno-Spiel ist er mittlerweile vom italienischen Fu\u00dfballverband mit einer Strafe belegt worden: Ein Spiel Sperre und 10.000 Euro, den gleichen Betrag mu\u00df auch Lazio noch mal berappen. FIFA-Pr\u00e4sident Josef Blatter hat in der vergangenen Woche auch <a href=\"http:\/\/www.kicker.de\/content\/news\/artikel.asp?folder=8100&#038;object=325363&#038;liga=1&#038;saison=2005%2F06&#038;spieltag=17&#038;gruppe=20449\">damit gedroht<\/a>, Di Canio und eventuell sogar Lazio von internationalen Wettbewerben auszuschlie\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Italien braucht man zur Zeit starke Nerven, wenn man zu einem Fu\u00dfballspiel geht. Vor allem dann, wenn Lazio spielt. Die Fankurve von Lazio (das Team, in dem Mussolini Mitglied war) ist fest in der Hand rechtsradikaler Gruppierungen, und Lazio hat den Spieler Paolo Di Canio, der aus seinen politischen Sympathien keinen Hehl macht. 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