{"id":31,"date":"2005-02-28T01:33:08","date_gmt":"2005-02-27T23:33:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.de\/nb\/?p=31"},"modified":"2005-05-31T04:44:05","modified_gmt":"2005-05-31T02:44:05","slug":"churchills-last-stand","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2005\/02\/28\/churchills-last-stand\/","title":{"rendered":"Churchill&#8217;s last stand"},"content":{"rendered":"<p>Die Aff\u00e4re um den amerikanischen Universit\u00e4tsprofessor Ward Churchill zeigt, wie giftig das Klima in den USA mittlerweile ist, wenn es um die Diskussion der US-Au\u00dfenpolitik geht. Churchill ist (noch) <a href=\"http:\/\/www.colorado.edu\/EthnicStudies\/faculty\/w_churchill.html\" target=\"_blank\">Professor f\u00fcr Ethnologie<\/a> an der Universit\u00e4t Colorado, die Leitung dieses Lehrstuhl hat er jetzt aber niederlegen m\u00fcssen. <!--more--><\/p>\n<p>Grund: Churchills wiederholte Kritik an der US-Administration, vor allem ein <a href=\"http:\/\/www.darknightpress.org\/index.php?i=news&#038;c=recent&#038;view=9\" target=\"_blank\">Essay<\/a>, der unmittelbar nach dem 11. September 2001 ver\u00f6ffentlicht wurde, in dem er die Anschl\u00e4ge als direkte Konsequenz der amerikanischen Au\u00dfenpolitik interpretierte.<\/p>\n<p>Der Text ist eine Provokation. Die steckt schon im Untertitel: &#8222;On the Justice of Roosting Chickens&#8220; &#8211; eine Anspielung auf ein Zitat von Malcolm X. Der kommentierte die Ermordung John F. Kennedys 1963 mit dem Satz, das sei vor allem ein Fall von &#8222;chickens coming home to roost&#8220;.<\/p>\n<p>Churchills Behauptung: Wer immer wieder Krieg in andere L\u00e4nder exportiere und dabei Opfer unter der Zivilbev\u00f6lkerung als <i>Kollateralschaden<\/i> interpretiere, d\u00fcrfe sich nicht wundern, wenn sich diese Logik irgendwann einmal gegen ihn selbst wende.<\/p>\n<p>Churchill geht sogar noch weiter: Der Begriff &#8222;Kollateralschaden&#8220; impliziere, dass es sich bei diesen Opfern um Unschuldige handle. F\u00fcr einen Gro\u00dfteil der Opfer im Pentagon und in den Twin Towers &#8211; die Banker, die Finanzspekulanten und Investmentmanager &#8211; k\u00f6nne das nicht wirklich gelten, schlie\u00dflich h\u00e4tten sie aktiv die Kriegspolitik der USA gef\u00f6rdert und von ihr profitiert.<\/p>\n<blockquote><p>They formed a technocratic corps at the very heart of America&#8217;s global financial empire &#8211; the &#8222;mighty engine of profit&#8220; to which the military dimension of U.S. policy has always been enslaved &#8211; and they did so both willingly and knowingly.<\/p><\/blockquote>\n<p>Von hier aus schlenkert er dann weiter zum obligatorischen Nazi-Vergleich, ohne den es ein US-B\u00fcrgerrechtler wohl nicht machen kann:<\/p>\n<blockquote><p>If there was a better, more effective, or in fact any other way of visiting some penalty befitting their participation upon the little Eichmanns inhabiting the sterile sanctuary of the twin towers, I&#8217;d really be interested in hearing about it.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dass Churchill hier das Attentat gut zu hei\u00dfen scheint &#8211; was er selbst inzwischen energisch <a href=\"http:\/\/www.kersplebedeb.com\/mystuff\/s11\/churchill_interview_pw.html\" target=\"_blank\">dementiert<\/a> &#8211; sorgt f\u00fcr Proteste, noch mehr die Bezeichnung der Insassen der T\u00fcrme als &#8222;little Eichmanns&#8220;. Allerdings hat es bis zum Aufschrei relativ lange gedauert: Der Artikel ist immerhin \u00fcber drei Jahre alt, und w\u00e4re ohne heftiges Nachkarten des Bush-freundlichen Senders FOX wohl kaum an die \u00d6ffentlichkeit gekommen.<\/p>\n<p>Churchills Kritikern kommt nun freilich zupa\u00df, dass er sich scheinbar eine indianische Abstammung zurechtgeflunkert hat. Seine eigene Aussagen dazu sind widerspr\u00fcchlich. Die ma\u00dfgeblichen indianischen Organisationen sind untereinander zutiefst zerstritten, was von dort zum Thema gesagt wird, k\u00f6nnen sowohl Gegner als auch Bef\u00fcrworter Churchills auf ihre Fahnen schreiben.<\/p>\n<p>An der Universit\u00e4t Colorado wird nun dar\u00fcber diskutiert, ob Churchill auch seine Professur verlieren k\u00f6nnte. Argumentiert wird in der Diskussion kaum noch: Beide Seiten verschanzen sich hinter der hohepriesterlichen Attit\u00fcde, die in Amerika gerne bei Debatten aufgesetzt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Aff\u00e4re um den amerikanischen Universit\u00e4tsprofessor Ward Churchill zeigt, wie giftig das Klima in den USA mittlerweile ist, wenn es um die Diskussion der US-Au\u00dfenpolitik geht. 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