{"id":315,"date":"2005-12-28T01:10:18","date_gmt":"2005-12-28T00:10:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=315"},"modified":"2005-12-28T01:14:32","modified_gmt":"2005-12-28T00:14:32","slug":"pommerland","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2005\/12\/28\/pommerland\/","title":{"rendered":"Pommerland"},"content":{"rendered":"<p>Volker Koepps <em>Pommerland<\/em> habe ich mir aus mehreren Gr\u00fcnden angesehen. Einmal, weil ich Koepps bekanntesten Film, <em>Frau Zwilling und Herr Zuckermann<\/em>, sehr sch\u00e4tze und f\u00fcr einen der sch\u00f6nsten Dokumentarfilme der letzten Jahre halte. Zweitens, weil <em>Pommerland<\/em> dort entstanden ist, wo &#8211; wie ich seit diesem Jahr wei\u00df &#8211; die Familie meiner Mutter urspr\u00fcnglich her stammt: In Kaschubien, der l\u00e4ndlichen Region zwischen Stolp (nebenbei auch <a href=\"http:\/\/www.paulwirkus.com\">Pauls<\/a> Heimat). und Danzig.<!--more--><\/p>\n<p>Am Ende war ich ein bi\u00dfchen entt\u00e4uscht, weil der Film etwas unentschlossener und beliebiger wirkt als der bekanntere Vorg\u00e4nger. Dort war Koepps zur\u00fcckhaltende, fast protokollarische Regie genau richtig und angemessen, um den beiden titelgebenden Menschen und ihrer Geschichte den Raum zu bieten, den sie verdienten und mit ihrem Charme und ihrer Menschlichkeit auch ausf\u00fcllten. In <em>Pommerland<\/em> l\u00e4\u00dft Koepp mehrere Menschen auftreten, aber weil er sich selbst die gleiche Zur\u00fcckhaltung auferlegt, verliert sich der Film etwas in einer beliebigen Aneinanderreihung von Lebensberichten.<\/p>\n<p>Zumal Koepp auch Platz der einzelnen Geschichten sehr unterschiedlich bemessen hat. Viel Zeit nimmt das Ehepaar Bastosiewicz ein, das von der Instandsetzung eines alten Landguts erz\u00e4hlt, aber das verliert sich ein bi\u00dfchen in der Anh\u00e4ufung von b\u00fcrokratischen und biographischen Details. Andere Geschichten, bei denen man gerne l\u00e4nger verweilen w\u00fcrde, wie zum Beispiel der netten Frau Hetmanska, werden nur kurz gestreift.  Diese seltsam unsichere Herangehensweise spiegelt sich auch in den Bildern, die sich nicht recht entscheiden k\u00f6nnen zwischen Postkartenromantik und Naturalismus.<\/p>\n<p>Das klingt nun, als ob ich den Film verrei\u00dfen m\u00f6chte: Ich hab ihn trotz dieser Schw\u00e4chen gerne gesehen, nicht nur aus sentimentalen und famili\u00e4ren Gr\u00fcnden. Das Sch\u00f6ne an diesem Film,  das ist die Langsamkeit und Langatmigkeit (im Sinne von &#8218;langer Atem&#8216;), die den Menschen darin zugestanden wird und die viele Zwischenr\u00e4ume l\u00e4\u00dft f\u00fcr Blicke, Gesten und Andeutungen. Koepp ist zwar ein bi\u00dfchen zu sehr bem\u00fcht, die zwischenmenschlichen Beziehungen harmonisch zu sehen, aber dabei gelingen ihm eine sch\u00f6ne und wirklich menschliche Bilder.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt ist es ja immer bewegend, wenn man sieht, dass sich jemand tats\u00e4chlich noch Zeit nimmt f\u00fcr solche Geschichten. Das, was mir als Schw\u00e4che des Films vorkommt, ist vermutlich einfach zu erkl\u00e4ren: Es gibt dort, im kaschubischen Pommerland, viel mehr zu sehen und zu zeigen, als man in neunzig Minuten vorf\u00fchren kann. Das Leben dort ist so eint\u00f6nig wie anderswo in der Provinz auch, aber eint\u00f6nig kann auch hei\u00dfen: auf einen Ton gestimmt. Den mu\u00df man lange nachhallen lassen, um ihn zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Dann noch schnell umgeschaltet zu <em>Stephen King&#8217;s Kingdom Hospital<\/em> , der amerikanischen Adaption  von Lars von Triers <em>Geister<\/em>-Serie. Die Adaption mu\u00df in den USA wohl ein Flop gewesen sein mu\u00df, oder warum wird das sonst hier direkt auf Kabel 1 verwurstet? Kann man sich aber auch schenken, der US-Version fehlt komplett der anarchische Charme des d\u00e4nischen Originals, das ist eher so ein verungl\u00fcckter Bastard aus <em>E.R.<\/em> und <em>Akte X<\/em>, stromlinienf\u00f6rmig gecastet, mit realistischen Untoten und digitalen Monstern und noch so allerlei Quatsch. Das hat es wohl auch verdient, ein Flop zu werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Volker Koepps Pommerland habe ich mir aus mehreren Gr\u00fcnden angesehen. Einmal, weil ich Koepps bekanntesten Film, Frau Zwilling und Herr Zuckermann, sehr sch\u00e4tze und f\u00fcr einen der sch\u00f6nsten Dokumentarfilme der letzten Jahre halte. 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