{"id":317,"date":"2005-12-29T01:26:06","date_gmt":"2005-12-29T00:26:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=317"},"modified":"2005-12-29T01:26:22","modified_gmt":"2005-12-29T00:26:22","slug":"im-museum","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2005\/12\/29\/im-museum\/","title":{"rendered":"Im Museum"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/static.flickr.com\/40\/78675305_c0aa204063_m.jpg\" alt=\"Narrenschopf\" \/><br \/>\nF\u00fcr den Stephanstag war eigentlich schlechtes Wetter angek\u00fcndigt, aber dann rissen die Wolken doch etwas auf, und wir sind spazierengegangen, bis zum <a href=\"http:\/\/www.narrenschopf.de\">Fasnachtsmuseum<\/a> in unserem Ort. Ich war schon \u00fcber zwanzig Jahre nicht mehr dort drin gewesen, aber ich habe eine besondere Beziehung dazu: Mein Vater hat das Museum mit betreut, F\u00fchrungen dort gemacht und vor allem in wochenlanger Arbeit die Schilder f\u00fcr die Exponate gemalt. Ich habe so lesen gelernt: Alf f\u00fcnfj\u00e4hriger Knirps hinter seinem R\u00fccken stehend und dabei zuschauend, wie er konzentriert mit Tusche die Buchstaben auf Pappschildchen malte. Die Sache hatte aber einen Haken: Als ich in die Schule kam, war ich zwar fit genug, um die Zeitung entziffern zu k\u00f6nnen. Aber ich konnte nur Druckbuchstaben. Eine saubere Schreibschrift kriege ich bis heute nicht hin.<!--more--><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/static.flickr.com\/40\/78671471_2dc9ccc54b_m_d.jpg\" alt=\"Holzbank\" \/><br \/>\nOft durfte ich ihn auch begleiten, wenn er die Schilder eigenh\u00e4ndig im Museum anbrachte. Das dauerte oft bis tief in die Nacht. Dann schlichen wir durch das schummrige Museum, das in einem alten Salzspeicher untergebracht war: Ein seltsames Geb\u00e4ude, ein halbkugelf\u00f6rmiger und ziegelgedeckter Bau aus Holz, ohne Fenster, nur mit einer kleinen Luke. Wenn mein Vater das Licht ausknipste, warf ich immer noch mal einen Blick in den dunklen Raum und freute mich \u00fcber den leichten Grusel beim Anblick der schemenhaften Hexen- und Teufelsgestalten, die man unscharf ausmachen konnte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" align=\"left\" src=\"http:\/\/static.flickr.com\/43\/78671472_1970f4ae2f_m_d.jpg\" alt=\"Spielkarten-Narro\" \/><br \/>\nDas Museum ist inzwischen durch Anbauten vergr\u00f6\u00dfert worden, die Schilder meines Vaters gibt es nicht mehr, ein paar Figuren sind ausgetauscht und hinzugef\u00fcgt worden, aber einiges ist auch gleich geblieben: Dieselben alten und teilweise in grotesken Verrenkungen aufgestellten Schaufensterpuppen, \u00fcber die die historischen Kost\u00fcme gest\u00fclpt sind, dieselbe etwas chaotische Anordnung, noch frei von jeder museumsp\u00e4dagogischen Anwandlung, sondern einzig dem Geist des heimatmusealen Sammelns, Hortens und Zusammenstopfens gehorchend, die alten Bahnschwellen im Fu\u00dfboden, die schaukelnde Wendeltreppe zur oberen Etage, der leicht muffige Geruch nach Holzbeize, altem Stoff und Staub &#8230;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" align=\"left\" src=\"http:\/\/static.flickr.com\/36\/78675306_dbcff3618e_m.jpg\" alt=\"Wilflinger Narro\" \/>Die Geister der Vergangenheit &#8230; Hier war ich in einem Geb\u00e4ude voller Gestalten, die tats\u00e4chlich D\u00e4monen und Geister darstellen sollten. Und jede einzelne von denen, die ich wiedererkannte, erinnerte mich an die Geschichten von damals, nicht nur an die N\u00e4chte im Museum, auch an meine eigenen Teilnahmen an den Umz\u00fcgen. An das frierende Herumstehen in fremden Wohngebieten, weil der Zug stecken geblieben war. An das Scheppern der Fanfarenz\u00fcge und  die maximal drei oder vier Lieder, die sie spielen konnten. An das  Gemisch aus Schneematsch, Konfetti und zertretenen Bonbons, das die Stra\u00dfen verdreckte. An den stechenden Schmerz, wenn einem einer die &#8222;durchbohrte Interpol&#8220; ans Bein hielt und abdr\u00fcckte &#8230;<\/p>\n<p>Als wir vor aus dem Museum hinausgingen, war der Himmel schon wieder zugezogen. Wir liefen durch den Kurpark nach Hause, durch den Rest von Schnee, der \u00fcber Weihnachten liegengeblieben war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr den Stephanstag war eigentlich schlechtes Wetter angek\u00fcndigt, aber dann rissen die Wolken doch etwas auf, und wir sind spazierengegangen, bis zum Fasnachtsmuseum in unserem Ort. 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