{"id":333,"date":"2006-01-05T00:35:42","date_gmt":"2006-01-04T23:35:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=333"},"modified":"2006-01-05T01:52:50","modified_gmt":"2006-01-05T00:52:50","slug":"kappes-aus-dem-kunstsalon","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2006\/01\/05\/kappes-aus-dem-kunstsalon\/","title":{"rendered":"Kappes aus dem Kunstsalon"},"content":{"rendered":"<p>Vom 26. bis zum 29. Januar veranstaltet die K\u00f6lner Stiftung <a href=\"http:\/\/www.kunstsalon.de\/kunstsalon\/kunstsalon.nsf\/previewindex\/CMS8E57DB3123689FDEC1256DAB004AF9A9?OpenDocument\">Kunstsalon<\/a> ein Festival unter dem Titel <em>Musik in den H\u00e4usern der Stadt<\/em>. Dagegen ist ja nichts einzuwenden, einiges aber gegen den bl\u00fchenden Bl\u00f6dsinn, den die Veranstalter im <a href=\"http:\/\/www.kunstsalon.de\/kunstsalon\/kunstsalon.nsf\/5a96c38bd0c69c90c1256c8b004e49ee\/2154dde206a46863c1256f7f0053a3d1\/$FILE\/Programm%20MidH06.pdf\">Programmheft<\/a> verzapfen:<!--more--><\/p>\n<blockquote><p>Vor 60 Jahren war Deutschland auch musikalisch verw\u00fcstet. Komponisten, Texter und Interpreten waren gequ\u00e4lt, ermordet und vertrieben worden, zahllose Lieder durch braunes Gegr\u00f6le diskreditiert. Seitdem hat es das &#8222;Heimische Liedgut&#8220; schwer hierzulande.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie schwer es deutsches Liedgut seither hatte, das kann man in den Filmen der Nachkriegsjahre sehen, oder in einschl\u00e4gigen Chartslexika, die man den Verfassern am liebsten um die Ohren hauen m\u00f6chte f\u00fcr diesen letzten Satz. Nat\u00fcrlich wird diese Behauptung einfach nur so dahingeraunt, ohne zu erkl\u00e4ren, wer oder was, bitte sch\u00f6n, es denn den deutschen Liedern so schwer macht? <\/p>\n<p>Was hier unter der Hand kolportiert wird, ist die absurde Fabel, dass es sich bei &#8222;deutscher&#8220; Musik (was immer man darunter verstehen mag) um eine bedrohte Spezies handele, eine Kolportage, die ihren Nadir in Heinz-Rudolf Kunzes Schwadronieren von einem &#8222;Genozid an der deutschen Rockmusik&#8220; erreicht hat. So erledigt man das schlechte Gewissen gegen\u00fcber den wirklichen Opfern des nationalsozialistischen Genozids: Indem man sich einfach selbst zum Opfer stilisiert.<\/p>\n<p>Die Dreistigkeit, mit der die von den Nazis Ermordeten immer wieder zur Rechtfertigung der Schreibschwierigkeiten einiger neudeutscher Halbpoeten und Kleinliedermacher herangezerrt werden, ist schlicht ekelhaft. Und wenn der an sich banale Umstand, dass Musiker aus Deutschland Texte in deutscher Sprache schreiben, zu einer neuen nationalen Sammlungsbewegung hochgejazzt werden soll, wird es richtig peinlich:<\/p>\n<blockquote><p>Doch es tut sich was: Deutscher Hip-Hop, deutsche Rocksongs sind schon l\u00e4ngst wieder en vogue, auch Jazzer entdecken den alten Liederkranz neu und nehmen ihn als German Songbook in ihr Repertoire auf, poppige A-cappella Gruppen mit deutschem Zungenschlag erfreuen sich gr\u00f6\u00dfter Beliebtheit und junge Musiker schreiben mit spitzer Feder treffsichere und aktuelle Chansons in der besten Tradition der Zwanziger Jahre.<\/p><\/blockquote>\n<p>Sorum wird ein Eroberungsfeldzug draus, und falls jemand noch die vage Hoffnung haben sollte, dass eine multikulturelle Kultur die Chance bieten k\u00f6nnte, sich endlich von nationalisierenden Umklammerungen zu l\u00f6sen, dann wird ihm hier klipp und klar bedeutet, dass uns heute die deutschen Texte geh\u00f6ren und morgen die ganze Musik. Traurig ist das, weil es die Veranstalter vom Kunstsalon gar nicht n\u00f6tig gehabt h\u00e4tten, ihr Festival mit diesem deutscht\u00fcmelnden Weihrauch einzunebeln: Die Zusammenstellung des Programms ist eigentlich ein sch\u00f6ner Beweis daf\u00fcr, dass es in der aktuellen Musik viel spannendere und interessantere Dinge zu h\u00f6ren und zu tun gibt, als an neunationalen Weltbildern zu zimmern. Aber das ist eben auch eine traurige Realit\u00e4t im neuen Deutschland, dass kulturelle Sachbearbeiter so gerne die lautesten Erweckungspropheten sein wollen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 26. bis zum 29. Januar veranstaltet die K\u00f6lner Stiftung Kunstsalon ein Festival unter dem Titel Musik in den H\u00e4usern der Stadt. Dagegen ist ja nichts einzuwenden, einiges aber gegen den bl\u00fchenden Bl\u00f6dsinn, den die Veranstalter im Programmheft verzapfen:<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-333","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/333","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=333"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/333\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=333"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=333"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=333"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}