{"id":372,"date":"2006-01-30T00:05:25","date_gmt":"2006-01-29T23:05:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=372"},"modified":"2006-01-30T00:10:31","modified_gmt":"2006-01-29T23:10:31","slug":"brot-und-spiele","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2006\/01\/30\/brot-und-spiele\/","title":{"rendered":"Brot und Spiele"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/static.flickr.com\/13\/92759654_5e0822f92d_m.jpg\" alt=\"Hosteria\" \/><\/p>\n<p>Au\u00dfer <a href=\"?p=373\">Schwede<\/a> bin ich auch gerne ab und zu mal Italiener. Zum Beispiel, wenn es darum geht, so einem hergelaufenen Investmentbanker wie diesem Jim O&#8217;Neill ein herzliches <em>vaffanc&#8230;<\/em> zuzurufen. O&#8217;Neill ist ein hohes Tier bei Goldman Sachs und war als solches bei der <a href=\"http:\/\/www.weforum.org\/\">Hohen Tierschau in Davos<\/a>. Dort hat er seine private Kr\u00f6pfchen- und T\u00f6pfchen-Wertung der Nationen vorgef\u00fchrt, und Italien kam bei ihm ganz schlecht weg: Au\u00dfer <a href=\"http:\/\/www.corriere.it\/Primo_Piano\/Economia\/2006\/01_Gennaio\/26\/gaggi.shtml\">cibo e calcio<\/a>, Essen und Fu\u00dfball, gebe es da nichts zu erwarten. Meint Herr O&#8217;Neill.<!--more--><\/p>\n<p>Nun finde ich ja ein Land, in dem man lecker essen und dabei ein spannendes Fu\u00dfballspiel angucken kann, gar nicht so schlecht. Au\u00dferdem haben Brot und Spiele ja eine gewisse Tradition da unten. Gut, man mu\u00df nat\u00fcrlich einr\u00e4umen, dass es auch bei den Staatsoberh\u00e4uptern gewisse Kontinuit\u00e4ten gibt, nicht nur, was die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nero\">gesanglichen F\u00e4higkeiten<\/a> angeht. Aber trotzdem, so geht&#8217;s nun wirklich nicht. Und wie k\u00f6nnte man so einem arroganten Goldman-Sechserl den Mund besser stopfen, als wenn man ihm mal zeigt, wo der K\u00fcchenl\u00f6ffel h\u00e4ngt und der Bartolomeo den Chianti Classico holt. Ich tu also mal so, als sei ich auch ein <a href=\"http:\/\/kuechenruf.blog.de\">K\u00fcchenrufer<\/a>, schwing ich mich zum Capocuoco auf, und damit mir das alte Brot nicht umkommt, erkl\u00e4re ich den heutigen Tag zum Restetag.<\/p>\n<p><em>Ragazzi, facciamo una<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><strong>Ribollita<\/strong><\/p>\n<p>Vorab schon mal: Dies ist ein Rezept, f\u00fcr das man Zeit braucht, aber hey, wir sind hier im Lande des <a href=\"http:\/\/www.slowfood.com\/\">Slow Food<\/a> und nicht an der NASDAQ, also <em>con pazienza<\/em>, gedr\u00e4ngelt wird erst, wenn das Essen auf dem Tisch steht. Und nicht vergessen: <em>Non si gioca con il cibo.<\/em><\/p>\n<p><strong>Die Zutaten<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>3 EL Oliven\u00f6l\n<\/li>\n<li>1 gro\u00dfe Zwiebel\n<\/li>\n<li>1-2 Knoblauchzehen\n<\/li>\n<li>300 g getrocknete Bohnen (Borlotti oder Cannellini)\n<\/li>\n<li>1 kleine Stange Lauch (oder 2-3 Fr\u00fchlingszwiebeln)\n<\/li>\n<li>2 Karotten\n<\/li>\n<li>2 Selleriestangen\n<\/li>\n<li>300 g Wei\u00dfkohl oder Wirsing\n<\/li>\n<li>1 l Gem\u00fcsebr\u00fche\n<\/li>\n<li>frischer Thymian, Salz, Pfeffer\n<\/li>\n<li>8-10 Scheiben altes Brot (wer einen italienischen Supermarkt in der N\u00e4he hat, sollte das ungesalzene toskanische Wei\u00dfbrot verlangen)\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Die Zubereitung<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Die Bohnen \u00fcber Nacht einweichen. Am n\u00e4chsten Tag im Einweichwasser aufkochen und bei kleiner Hitze mindestens 90 Minuten weichkochen.\n<\/li>\n<li>W\u00e4hrenddessen Gem\u00fcse kleinschnippeln und Kohl in Streifen schneiden.\n<\/li>\n<li>\u00d6l in einem Topf erhitzen und die Zwiebel darin glasig d\u00fcnsten.\n<\/li>\n<li>Knoblauch hineinpressen, das \u00fcbrige Gem\u00fcse ohne Kohl hinzuf\u00fcgen und unter R\u00fchren and\u00fcnsten.\n<\/li>\n<li>Br\u00fche angie\u00dfen und Thymian hinzuf\u00fcgen, dann den Deckel aufsetzen und etwa 30 Minuten bei niedriger Temperatur garen.\n<\/li>\n<li>Kohl hinzuf\u00fcgen und weitere 30 Minuten garen.\n<\/li>\n<li>Die H\u00e4lfte der Bohnen p\u00fcrieren, die Masse zusammen mit den \u00fcbrigen Bohnen in den Topf geben und noch einmal 15 Minuten garen.\n<\/li>\n<li>Die Suppe und die Brotscheiben in einem gro\u00dfen Topf schichten.\n<\/li>\n<li>\u00dcber Nacht k\u00fchl stellen. Vor dem Servieren noch einmal aufkochen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dazu reicht man frischen Basilikum, Parmesan und Oliven\u00f6l. Getrunken wird dazu ein leichter Rotwein, zum Beispiel ein <a href=\"http:\/\/www.crocedibibbiano.it\/prodotti.htm\">Crux Bibbiani<\/a>. Ein leckerer Landwein tut&#8217;s aber auch.<\/p>\n<p><code>Ein Hinweis vielleicht noch: Ribollita ist ein klassisches Resteessen, man mu\u00df sich also nicht pedantisch an die Mengenangaben halten, und gerne kann man auch das eine oder andere Gem\u00fcse weglassen oder hinzuf\u00fcgen, was der K\u00fchlschrank noch so hergibt: Zucchini oder Kartoffeln zum Beispiel. Die Carnivoren unter uns d\u00fcnsten 100 g Speck mit den Zwiebeln und kochen einen Schinkenknochen mit.<br \/>\n<\/code><\/p>\n<p>Auf jeden Fall, cari amici azzuri, nach so einer deftigen Bohnen- und Kohlsuppe w\u00fcrd ich stracks ins B\u00fcro des Signore O&#8217;Neill marschieren. Dann soll er mal sehen, was man im Lande von Cibo und Calcio noch zu leisten vermag. Forza Italia!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Au\u00dfer Schwede bin ich auch gerne ab und zu mal Italiener. Zum Beispiel, wenn es darum geht, so einem hergelaufenen Investmentbanker wie diesem Jim O&#8217;Neill ein herzliches vaffanc&#8230; zuzurufen. O&#8217;Neill ist ein hohes Tier bei Goldman Sachs und war als solches bei der Hohen Tierschau in Davos. 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