{"id":374,"date":"2006-01-30T01:06:24","date_gmt":"2006-01-30T00:06:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=374"},"modified":"2006-01-30T01:15:00","modified_gmt":"2006-01-30T00:15:00","slug":"klinker","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2006\/01\/30\/klinker\/","title":{"rendered":"Klinker"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" align=\"left\" src=\"http:\/\/static.flickr.com\/15\/92794728_354c209224_m.jpg\" alt=\"K\u00f6ln-Gremberg\" \/><\/p>\n<p>In den Vororten findet man noch manche \u00dcberreste aus den fr\u00fcheren Kriegen. Da, wo es noch keine Technologieparks gibt und die Lage selbst f\u00fcr die Ansiedlung von Etap-Hotels oder neuen sozialen Brennpunkten zu unattraktiv ist. Im Gremberger W\u00e4ldchen zum Beispiel, einer kleinen Ansammlung magerer B\u00e4umchen, im Windschatten von Autobahnkreuz, ICE-Trasse und Schreberg\u00e4rten. Da steht ein geklinkertes Etwas, mehr \u00fcberdachte Mauer als Geb\u00e4ude, und gammelt vor sich hin, ein Rest vermutlich der alten preu\u00dfischen Befestigungsanlagen, die rings um K\u00f6ln gezogen waren.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nVon diesen Anlagen sind vor allem die Forts noch geblieben: Die meisten haben \u00fcberlebt, weil sie an Kleing\u00e4rtner-, Karnevals- und Motorradvereine vermietet wurden. Geblieben sind auch die flachgelegten Grabsteine im J\u00fcdischen Friedhof von Deutz: Die preu\u00dfischen Soldaten brauchten freie Sicht, deswegen durften die Steine nicht aufrecht stehen. Ansonsten findet man die Preu\u00dfen nur noch in einigen Stra\u00dfennamen: Alter Milit\u00e4rring, Moltkestra\u00dfe, Bismarckstra\u00dfe.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" align=\"left\" src=\"http:\/\/static.flickr.com\/12\/92794732_5a7c7ac4ce_m.jpg\" alt=\"K\u00f6ln-Gremberg\" \/>Diese Ruine hier, eingequetscht zwischen Bahntrasse und A 559, interessiert auch niemanden mehr. Ein Fort ist das wohl nicht gewesen: Mehr als einen schmalen Laufgang und ein paar angrenzende R\u00e4ume gibt es hier nicht, Fenster scheinen sich nur an einer Seite des Geb\u00e4udes befunden zu haben. M\u00f6glicherweise war das so eine Art Depot, so wie es heute vor allem eine M\u00fcllkippe zu sein scheint. Ein paar Utensilien sind wohl Werkzeuge von Stra\u00dfen-, Wald- oder Bahnarbeitern: Eine Schaufel steht da in der Ecke, leere Farbeimer dort dr\u00fcben. Vielleicht sind die Teppichreste und der Einkaufswagen auch von ein paar Pennern hierhin geschafft worden, die sich im Sommer in diese Bruchbude zur\u00fcckziehen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/static.flickr.com\/14\/92794729_99e7352d85_m.jpg\" alt=\"K\u00f6ln-Gremberg\" \/><\/p>\n<p>Jetzt, im Winter, ist das Geb\u00e4ude leer, und es war auch schon l\u00e4nger niemand mehr hier, jedenfalls riecht man nichts von den Ger\u00fcchen und Gest\u00e4nken, die Menschen sonst hinterlassen. Vielleicht liegt das aber auch nur an der K\u00e4lte. Trotzdem f\u00fchlt man eine Beklemmung hier drin, das alles ist schon zu lange tot und verlassen und man kann sich nicht mehr ernsthaft vorstellen, wie hier preu\u00dfische Soldaten gesessen und gefroren haben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Also lieber wieder nach drau\u00dfen, in einen unsagbar hellen, aber auch f\u00fcrchterlich kalten Wintertag. Raus auf den vereisten Weg, auf dem die Schatten der B\u00e4ume tats\u00e4chlich wie Zebrastreifen aussehen. W\u00e4re nicht das Rauschen der Autos und Schnellz\u00fcge, dann k\u00f6nnte man das hier fast idyllisch finden. Es f\u00e4llt einem erst nach einigen Minuten auf, dass man im Mund einen merkw\u00fcrdigen Geschmack hat, als h\u00e4tte man in ein staubiges Brot gebissen und nicht richtig runtergeschluckt.<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/static.flickr.com\/43\/92794731_21a3ff7f2e_m.jpg\" alt=\"K\u00f6ln-Gremberg\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Vororten findet man noch manche \u00dcberreste aus den fr\u00fcheren Kriegen. Da, wo es noch keine Technologieparks gibt und die Lage selbst f\u00fcr die Ansiedlung von Etap-Hotels oder neuen sozialen Brennpunkten zu unattraktiv ist. Im Gremberger W\u00e4ldchen zum Beispiel, einer kleinen Ansammlung magerer B\u00e4umchen, im Windschatten von Autobahnkreuz, ICE-Trasse und Schreberg\u00e4rten. 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