{"id":4,"date":"2005-02-05T00:26:38","date_gmt":"2005-02-04T22:26:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.de\/nb\/?p=4"},"modified":"2005-05-31T05:14:15","modified_gmt":"2005-05-31T03:14:15","slug":"liberez-la-musique","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2005\/02\/05\/liberez-la-musique\/","title":{"rendered":"Lib\u00e9rez la musique"},"content":{"rendered":"<p>Der <i>Nouvel Observateur<\/i> hat ein bemerkenswertes <a href=\"http:\/\/www.nouvelobs.com\/dossiers\/p2100\/a262195.html\" target=\"_blank\">Manifest<\/a> ver\u00f6ffentlicht. Unter dem Titel <i>Lib\u00e9rez la musique<\/i> ergreift das Magazin Partei f\u00fcr eine Entkriminalisierung der Musikdownloads, und das in einer Deutlichkeit, die man in der deutschen Mainstream-Presse so kaum findet.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>In einem ausf\u00fchrlichen Hintergrundartikel referiert Doan Bui die Hauptargumente beider Seiten und bleibt bei aller Parteilichkeit sehr sachlich. Das Kernargument ist aber eindeutig: Die Krise der Plattenindustrie ist keine Krise der Musik, schon gar nicht der Kreativit\u00e4t. Statt das Downloaden von Musik nahezu pauschal als &#8222;Piraterie&#8220; zu verdammen, sollten Industrie und K\u00fcnstler beherzt die Chancen ergreifen, die sich durch die technischen M\u00f6glichkeiten bieten: &#8222;Die Welt der Musik hat paradoxerweise gerade in der Krise eine einmalige Gelegenheit, sich neu zu erfinden&#8220;, schreibt Bui.<\/p>\n<p>Noch deutlicher werden einige der Musiker und Medienschaffenden, die den Aufruf unterst\u00fctzen. Beispielsweise Betrand Burgalat, Produzent und Chef des Indie-Labels Tricatel:<\/p>\n<blockquote><p>Die wahre Gefahr geht nicht von den Piraten aus, sondern von den Vertrieben, den [gro\u00dfen Handelsketten wie] Fnac, die dem Markt ihre Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten aufdr\u00fccken und das Angebot St\u00fcck um St\u00fcck reduziert haben. F\u00fcr eine kleine Plattenfirma ist es immer schwieriger, in einem Gesch\u00e4ft erh\u00e4ltlich zu sein.<\/p><\/blockquote>\n<p>Burgalat sieht die Musikbranche &#8222;auf dem Weg zu einer Art Gratiskultur, ein bi\u00dfchen wie bei den Zeitschriften, die ihre Ums\u00e4tze mehr \u00fcber die Werbung erwirtschaften als \u00fcber die Verk\u00e4ufe am Kiosk&#8220;.<\/p>\n<p>Zu den Unterst\u00fctzern geh\u00f6rt ebenfalls der ehemalige Kultusminister Jack Lang, der seine Kritik auch zu einem Seitenhieb auf die franz\u00f6sische Regierung ausweitet: &#8222;Seit Jahrzehnten gibt es in Frankreich keine nationale Musikpolitik mehr.&#8220; Ob allerdings seine Vision einer konzertierten gesellschaftlichen Aktion von jedem geteilt wird, ist fraglich: &#8222;Generalst\u00e4nde f\u00fcr die Musik&#8220; fordert Lang, &#8222;an denen alle beteiligt sind: die \u00f6ffentlichen Kr\u00e4fte, die Musiker, die Verleger, die Plattenh\u00e4ndler, die Vertriebe&#8220;.<\/p>\n<p>Nicht jeder \u00e4u\u00dfert sich allerdings so deutlich wie der Musiker Magyd Cherfi: &#8222;Wenn etwas von mir heruntergeladen wird, dann verliere ich ein bi\u00dfchen Geld, aber ich ziehe es vor, dass meine Musik geh\u00f6rt wird.&#8220; Die meisten K\u00fcnstler halten sich zur\u00fcck, hat Doan Bui herausgefunden: Gegen Downloads m\u00f6chte sich kaum einer \u00e4u\u00dfern, um das junge Publikum nicht zu vergr\u00e4tzen. Aber daf\u00fcr ist auch keiner so richtig, aus Sorge um den eigenen Plattenvertrag.<\/p>\n<p>Wie gereizt die Stimmung in der Industrie ist, zeigt sich nicht zuletzt an der Reaktion von Pascal N\u00e8gre, Frankreich-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von <i>Universal<\/i> und Vorstand des Phono-Verbandes SCPP: &#8222;Wollen Sie mit diesem Appell die Industrie umbringen oder was?&#8220;, schimpft er. &#8222;Organisieren sie lieber eine echte Diskussion!&#8220; Das, so zeigen die Reaktionen auf das Manifest, d\u00fcrfte dem <i>Obs<\/i> gelungen sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Nouvel Observateur hat ein bemerkenswertes Manifest ver\u00f6ffentlicht. 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