{"id":408,"date":"2006-03-17T00:17:09","date_gmt":"2006-03-16T23:17:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=408"},"modified":"2006-03-17T00:17:09","modified_gmt":"2006-03-16T23:17:09","slug":"wolf-sturm-und-drang-tour","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2006\/03\/17\/wolf-sturm-und-drang-tour\/","title":{"rendered":"Wolf Sturm und Drang Tour"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/static.flickr.com\/38\/113456943_eaec940a16_o.jpg\" alt=\"Benni\" \/><\/p>\n<p>Die <a href=\"http:\/\/www.litcologne.de\">lit.Cologne<\/a> ist weitgehend an mir vorbeigegangen, zuviel zu tun, aber ich bin auch kein gro\u00dfer Freund von Lesungen. Ich neige dazu, pers\u00f6nlich beleidigt zu sein mit einem Autor, wenn er eine fade Stimme hat, und ich die dann beim Lesen seiner B\u00fccher immer mith\u00f6ren muss. Und da die meisten Autoren mit ihren B\u00fcchern nicht mehr wirklich viel anfangen k\u00f6nnen, wenn sie gedruckt vor ihnen liegen, und sich orientierungs- und lustlos \u00fcber die Seiten n\u00f6len, kriege ich bei solchen Veranstaltungen nur schlechte Laune. Lieber lese ich selbst vor.<!--more--><\/p>\n<p>Es gibt nat\u00fcrlich Ausnahmen. <a href=\"http:\/\/www.stefanobenni.it\">Stefano Benni<\/a> ist so eine. Der ist hierzulande zwar noch immer nicht so richtig bekannt, in Italien daf\u00fcr um so mehr, und damit wenigstens ein bi\u00dfchen von dieser Popularit\u00e4t auch \u00fcber die Alpen kommt, hat ihn der <a href=\"http:\/\/www.wagenbach.de\/\">Wagenbach<\/a>-Verlag auf Lesereise geschickt, beziehungsweise auf die <em>Wolf Sturm und Drang Tour<\/em>. So nennt Benni das auf seiner Homepage (nat\u00fcrlich auch im Original deutsch).<\/p>\n<p>Ein paar Termine der Wolfstour sind schon absolviert, Leipzig, Berlin und Wien stehen noch aus, und heute war eben das <a href=\"http:\/\/www.iiccolonia.esteri.it\/IIC_Colonia\">italienische Kulturinstitut<\/a> in K\u00f6ln dran. (In Leipzig ist er \u00fcbrigens Samstags zur Fr\u00fchst\u00fcckszeit auf dem Stand von <a href=\"http:\/\/www.3sat.de\/kulturzeit\/specials\/89534\/index.html\">3sat<\/a>, also gibt es vielleicht Ausz\u00fcge davon in der <a href=\"http:\/\/www.3sat.de\/3sat.php?\/kulturzeit\/specials\/89264\/index.html\">Kulturzeit<\/a> zu sehen.)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/redirect?link_code=as2&#038;path=ASIN\/3803132002&#038;tag=nightlybuilds-21&#038;camp=1638&#038;creative=6742\"><img decoding=\"async\" align=\"left\" src=\"http:\/\/static.flickr.com\/34\/113456942_ffcfef2163_o.jpg\" alt=\"Achilles\" \/><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=nightlybuilds-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3803132002\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><br \/>\nWagenbach hat gerade Bennis vorletztes Buch rausgebracht, <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/redirect?link_code=as2&#038;path=ASIN\/3803132002&#038;tag=nightlybuilds-21&#038;camp=1638&#038;creative=6742\">Der schnellf\u00fc\u00dfige Achilles<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=nightlybuilds-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3803132002\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> (<em>Achille Pi\u00e8 Veloce<\/em>), und wer eine der besten Satiren \u00fcber die italienischen Verh\u00e4ltnisse kennenlernen m\u00f6chte, und dazu ein sch\u00f6nes Buch \u00fcber Freundschaft und \u00fcber das Schreiben von sch\u00f6nen B\u00fcchern \u00fcberhaupt, der sollte sich das nicht entgehen lassen. Man kann aber auch mit dem autobiographischen angehauchten Roman <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/redirect?link_code=as2&#038;path=ASIN\/380313191X&#038;tag=nightlybuilds-21&#038;camp=1638&#038;creative=6742\">Der Zeitenspringer.<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=nightlybuilds-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=380313191X\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> (<em>Saltatempo<\/em>) anfangen, der jetzt als <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/redirect?link_code=as2&#038;path=ASIN\/3404922166&#038;tag=nightlybuilds-21&#038;camp=1638&#038;creative=6742\">Taschenbuch<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=nightlybuilds-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3404922166\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> rauskommt, und der eine der lustigsten Epiphanien enth\u00e4lt, die ich kenne.<\/p>\n<blockquote><p> Als der junge Saltatempo noch j\u00fcnger war, da sah er einen leibhaftigen Gott. Saltatempo sa\u00df gerade auf der Erde und fror sich den Arsch ab und a\u00df Ewigkeitsbrot und Spritzerzibebe, als sich urpl\u00f6tzlich das Panorama erweiterte und vom Garten her ein Mann heraufkam, ganz in Lumpen geh\u00fcllt und mit einem misthaufenfarbigen Riesenbart, der ganz umschw\u00e4rmt von Fliegen war. Der Wolkenmann l\u00e4chelte, und Saltatempo begriff, dass nur ein Gott so l\u00e4cheln kann. Und dann fing der Gott an zu kacken, zwischen Baldrianstauden und Zichorien, zog ein Feigenblatt unter der M\u00fctze vor, wie es sie nur im Garten Eden gibt, wischte sich den Arsch damit ab, und sagte: \u201eDas ist das Leben\u201c. Und Saltatempo antwortete: \u201eGuten Appetit\u201c.<\/p><\/blockquote>\n<p>Man sollte sich das Vergn\u00fcgen, Benni aus seinen B\u00fcchern vorlesen zu h\u00f6ren, nicht entgehen lassen, selbst wenn man kein Italienisch kann. Denn der Spa\u00df ist ganz auf der Seite des Autors, und es kann schon mal vorkommen, das er selbst \u00fcber seine Texte mitlachen mu\u00df. Leider hat man ihn in K\u00f6ln da ein bi\u00dfchen zu kurz kommen lassen, da durfte Markus Heinicke vom Schauspielhaus ran, aber der hatte offenbar nicht viel Zeit gehabt, die Texte vorher zu lesen. Spa\u00df hat es ihm wohl trotzdem gemacht, jedenfalls wollte er gar nicht aufh\u00f6ren, und auf dem Podium wu\u00dfte scheinbar auch niemand, was jetzt genau abgesprochen war. (\u00dcberhaupt mu\u00df man nebenbei erw\u00e4hnen, dass die Veranstaltung auf sympathische Weise das Flair italienischer Desorganisiertheit adaptierte, zum Beispiel als sich bei \u00d6ffnung der Abendkasse herausstellte, dass es gar keine Eintrittskarten gab. Brauch man ja auch nicht, ein bestempeltes Blatt Papier geht genauso gut.)<\/p>\n<p>Lesen durfte Benni also nur jeweils zwei Kapitel, eins aus <em>Saltatempo<\/em>, eins aus dem <em>Achille<\/em>, zwischendurch war ihm ein bi\u00dfchen langweilig, daf\u00fcr durfte er hinterher um so l\u00e4ssiger plaudern, und das tat er dann auch ausgiebig und mit viel Gusto, \u00fcber seinen Gro\u00dfvater, von dem er das Erz\u00e4hlen gelernt hat, \u00fcber Berlusconi und dessen &#8222;ekelhafte Scham vor dem \u00c4lterwerden&#8220;, und \u00fcber den geheimnisvollen Mann im Zug, dem er am Anfang seiner Schriftstellerkarriere begegnete, und der sein erstes Buch las, den grandiosen und herrlich komischen Science-Fiction-Roman <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/redirect?link_code=as2&#038;path=ASIN\/3803124271&#038;tag=nightlybuilds-21&#038;camp=1638&#038;creative=6742\">Terra!<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=nightlybuilds-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3803124271\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/>, ohne mit der Wimper zu zucken, und das fast eine ganze Bahnfahrt lang. Erst 20 Kilometer vor dem Ziel bewegten sich die Gesichtsz\u00fcge des mysteri\u00f6sen Mannes, er warf den Kopf nach hinten und bellte ein hohes, lautes &#8222;Ha!&#8220;<\/p>\n<p>Meine letzte Bahnfahrt mit Benni lief wesentlich lauter ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die lit.Cologne ist weitgehend an mir vorbeigegangen, zuviel zu tun, aber ich bin auch kein gro\u00dfer Freund von Lesungen. Ich neige dazu, pers\u00f6nlich beleidigt zu sein mit einem Autor, wenn er eine fade Stimme hat, und ich die dann beim Lesen seiner B\u00fccher immer mith\u00f6ren muss. 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