{"id":422,"date":"2006-04-03T12:15:01","date_gmt":"2006-04-03T09:15:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=422"},"modified":"2006-04-04T00:43:13","modified_gmt":"2006-04-03T21:43:13","slug":"vlaanderens-mooiste","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2006\/04\/03\/vlaanderens-mooiste\/","title":{"rendered":"Vlaanderens mooiste"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photo_zoom.gne?id=122020835&#038;size=o\"><img decoding=\"async\" align=\"left\" src=\"http:\/\/static.flickr.com\/36\/122020835_f477e25eef_m_d.jpg\" alt=\"RVV 2006\" \/><\/a><\/p>\n<p>Eurosport br\u00fcstet sich in der Eigenwerbung ja gerne damit, der beste Sender f\u00fcr Radsport zu sein. Wenn man allein nach der Quantit\u00e4t geht, stimmt das nat\u00fcrlich auch: Keiner \u00fcbertr\u00e4gt im deutschsprachigen Raum so viele Rennen. Wenn man \u00fcber die Grenze schaut, nach Belgien, dann sieht das nat\u00fcrlich wieder ganz anders aus, da vergeht in der Saison kaum ein Wochenende, ohne dass nicht irgendeine Radsportveranstaltung live \u00fcbertragen wird. Vor allem w\u00fcrde man in Belgien kaum solche Dinge erleben wie gestern bei Eurosport w\u00e4hrend der \u00dcbertragung der <a href=\"http:\/\/www.rvv.be\">Ronde van Vlaanderen<\/a>, n\u00e4mlich das nur die erste H\u00e4lfte live gezeigt und dann pl\u00f6tzlich mittendrin f\u00fcr irgendeine drittklassige Motorsport-Veranstaltung rausgegangen wird, um den Endspurt dann als Zusammenfassung nachzureichen.<!--more--><\/p>\n<p>Sowas passiert h\u00e4ufiger mal bei Eurosport: F\u00fcr drittklassige Tourenwagenrennen lassen die auch schon entscheidende Tour-de-France-Etappen sausen. (Vergangene Woche hatten sie das Crit\u00e9rium International im Programm, brachten aber nur zwei von drei Etappen. Die mittlere, die nicht gezeigt bzw. nur als Aufzeichnung nachgereicht wurde, war nat\u00fcrlich die entscheidende.)<\/p>\n<p>Wenn man die besondere Dramaturgie der Flandern-Rundfahrt kennt, dann weiss man: Zu dem Zeitpunkt, wo Eurosport ausstieg, fing das Rennen erst richtig an, das war n\u00e4mlich gerade als es in die siebzehn <em>hellingen<\/em> ging, die rasche Abfolge von kurzen, aber knackigen H\u00fcgeln, mit Steigungen bis zu zwanzig Prozent. Das ist ungef\u00e4hr so, als w\u00fcrde man die Live-\u00dcbertragung eines Fu\u00dfballsspiels ausblenden, wenn ein Elfmeterschie\u00dfen ansteht. Nat\u00fcrlich fiel die Entscheidung auch diesmal genau zu dem Zeitpunkt, als Eurosport nicht auf Sendung war, und in der Zusammenfassung konnte man dann nur noch so ungef\u00e4hr erahnen, wie sich das Rennen bis dahin entwickelt hatte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photo_zoom.gne?id=122019041&#038;size=o\"><img decoding=\"async\" align=\"left\" src=\"http:\/\/static.flickr.com\/42\/122019041_5af73fbf51_m_d.jpg\" alt=\"RVV 2006\" \/><\/a>Dabei war das, nach allem, was man so sehen konnte, wahrscheinlich eine der interessantesten Flandern-Rundfahrten, auch wenn der Sieger, Tom Boonen, ja im Grunde schon vorher feststand. Aber dass einer so eine deutliche Ansage vorausschickt und die dann derart konsequent umsetzt, das ist schon beeindruckend. (Wobei auch nicht zu \u00fcbersehen war, wieviel Anteil an Boonens Erfolg sein Teamkollege Paolo Bettini hatte, der hartn\u00e4ckig jeden Versuch der Verfolgung sabotierte.)<\/p>\n<p>Interessant ist die Flandern-Rundfahrt nat\u00fcrlich auch immer wegen dem ganzen mythischen Drumherum, mit dem dieses Rennen aufgeladen ist. Radsport ist an ja schon an sich eine ziemlich archaische Veranstaltung: Da rollt man auf einer Maschine durch die Gegend, die zwar \u00fcber die Jahrzehnte ein paar G\u00e4nge mehr dazu bekommen hat und inzwischen aus Materialien zusammengel\u00f6tet wird, die man nicht mehr in der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eugene_Christophe\">Schmiede von Saint-Marie-de-Campan<\/a> vorfindet, aber vorw\u00e4rtsbewegen muss man das Ding immer noch genauso wie vor einhundert Jahren. Und dann rollt man damit durch die Provinz und \u00fcber die D\u00f6rfer, in Gegenden, die weitab von aller &#8222;Eventkultur&#8220; liegen. Die Fr\u00fchjahrsklassiker sind noch einmal eine Spur archaischer und extravaganter als andere Radrennen, da g\u00f6nnt sich der Radsport den Blick zur\u00fcck an die Anf\u00e4nge: Die Rennen sind noch richtig lang, bis zu 300 Kilometer, \u00fcber sechs Stunden sitzt man da im Sattel und f\u00e4hrt im Zick-Zack-Kurs \u00fcber schmale Stra\u00dfen und landwirtschaftliche Wege, \u00fcber Kopfsteinpflasterpassagen und Schlagl\u00f6cher, und bisweilen &#8211; wie gestern gesehen &#8211; muss man sich dabei auch an parkenden Autos vorbei und \u00fcber, Ablaufrinnen, Bordsteinkanten und euphorische Zuschauer hinwegnavigieren. Wenn man den Fahrern zuschaut, wie sie am Koppenberg absteigen und schieben m\u00fcssen, weil der Weg zu eng und zu steil wird (oder wie sie bei <a href=\"http:\/\/www.letour.fr\/2006\/PRX\/LIVE\/fr\/100\/index.html\">Paris-Roubaix<\/a> mit sechzig, siebzig Sachen auf die Pflastersteine am Arenberg donnern und durchgesch\u00fcttelt werden wie Obst und Gem\u00fcse im Mixer), dann hat man das Gef\u00fchl, dass sich trotz Technik und Kommunikation an der Essenz dieses Sports nicht so viel ge\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photo_zoom.gne?id=122112678&#038;size=o\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/static.flickr.com\/40\/122112678_f174196d35_m_d.jpg\" alt=\"Flandern\" \/><\/a><\/p>\n<p>Und in Belgien ist Radsport sowieso eine Religion, mindestens in Flandern, vor allem deshalb, weil man die Rennen als Forum f\u00fcr andere Ersatzreligionen nutzen kann. Nirgendwo kann man so ausgiebig die fl\u00e4mische Fahne durch die Gegend schwenken wie hier (wer schon mal ein Rennen erlebt hat, bei dem die <em>belgische<\/em> Fahne geschwenkt wird, m\u00f6ge mir ein entsprechendes Foto bitte zumailen, das glaube ich erst, wenn ich es sehe), und bei kaum einem anderen Sportereignis kann man sechs bis sieben Stunden im <em>Wielercaf\u00e9<\/em> sitzen und sich schon am Vormittag mit schwerem belgischem Bier zulaufen lassen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photo_zoom.gne?id=122109895&#038;size=o\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/static.flickr.com\/36\/122109895_928b396bd1_m_d.jpg\" alt=\"RVV 2006\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Vlaanderen mooiste<\/em>, Flanderns Sch\u00f6nste, ist der Spitzname dieses Rennens, und da k\u00f6nnte man jetzt thematisch noch mal ein ganz anderes Fass aufmachen, \u00fcber das seltsame Verh\u00e4ltnis des Radsports zu seiner K\u00f6rperlichkeit und Erotik, denn nat\u00fcrlich haben alle die klassischen Rennen weibliche Beinamen: Mailand &#8211; San Remo ist <em>la classicissima<\/em>, Paris-Roubaix die <em>reine des classiques<\/em> und L\u00fcttich &#8211; Bastogne &#8211; L\u00fcttich die <em>doyenne<\/em>. Und es geht ja auch \u00fcber sanft geschwungene H\u00fcgel und durch scharfe Kurven und, hey, man rasiert sich ja sogar die Beine daf\u00fcr und wer wei\u00df, was noch alles. (Schon mal bemerkt, dass es kaum b\u00e4rtige Rennfahrer gibt?)<\/p>\n<p>Vielleicht ist das ja der Grund, warum Eurosport nicht alles zeigen will.<\/p>\n<p>(Die sch\u00f6nen Bilder zur diesj\u00e4hrigen Flandern-Rundfahrt stammen \u00fcbrigens nicht von mir, sondern aus <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/edwinc\/sets\/72057594097024394\/\">diesem<\/a> und aus <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/68984982@N00\/sets\/72057594096910721\">diesem<\/a> Flickr-Set.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eurosport br\u00fcstet sich in der Eigenwerbung ja gerne damit, der beste Sender f\u00fcr Radsport zu sein. Wenn man allein nach der Quantit\u00e4t geht, stimmt das nat\u00fcrlich auch: Keiner \u00fcbertr\u00e4gt im deutschsprachigen Raum so viele Rennen. 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