{"id":444,"date":"2006-06-27T13:21:31","date_gmt":"2006-06-27T10:21:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=444"},"modified":"2006-06-28T13:02:05","modified_gmt":"2006-06-28T10:02:05","slug":"things-to-do-in-mechelen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2006\/06\/27\/things-to-do-in-mechelen\/","title":{"rendered":"Things to do in Mechelen"},"content":{"rendered":"<p><a align=left href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/clausmoser\/175730825\/\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/static.flickr.com\/51\/175730825_717739d06c_m.jpg\" alt=\"Mechelen\" \/><\/a>Zuerst sollte man sich eine Einladung f\u00fcr eine fl\u00e4misch-australische Hochzeit besorgen. Wenn es sich bei Brautpaar und Hochzeitsgesellschaft vorwiegend um Orchestermusiker handelt, dann bekommt man komplette Rettungsszenarien f\u00fcr die darniederliegende europ\u00e4ische Brauwirtschaft vorgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen wird man dann vermutlich in einem belgischen Schuhkarton aufwachen, der den Namen <a href=\"http:\/\/www.hobbithotel.be\/hobbit\/\">Hobbit Hotel<\/a> tr\u00e4gt. Ein durchaus passender Name, wie man bei einem Blick auf die Gr\u00f6\u00dfe der Betten feststellen wird. Ein Eindruck, der \u00fcbrigens am n\u00e4chsten Tag am Fr\u00fchst\u00fccksbuffet best\u00e4tigt wird: Hier hat tats\u00e4chlich mal jemand Br\u00f6tchen entwickelt, die an das durchschnittliche Fassungsverm\u00f6gen eines Halblingmagens angepasst sind.<!--more--><\/p>\n<p>Das Wetter draussen wird man als &#8222;typisch englisch&#8220; bezeichnen, (a) weil man am fr\u00fchen Morgen das verschlafene Gegen\u00fcber noch nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig originellen Einf\u00e4llen beeindrucken kann und (b) weil es ja auch stimmt. Das wird also ein fauler Tag, so viel ist schon mal klar.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck liegt Mechelen in der N\u00e4he. Und es ist auch gut zu erreichen, weil die belgischen Stra\u00dfenplaner das Areal zwischen Hotel und Altstadt gro\u00dfz\u00fcgig mit Beton ausgelegt haben. Bei der Orientierung helfen auch ein paar Plattenbauten, die direkt am Eingang der Altstadt platziert worden sind und gut zu dem &#8222;typisch ostdeutschen&#8220; Wetter passen.<\/p>\n<p>Und man findet die Altstadt nat\u00fcrlich dank der Kathedrale, die derma\u00dfen weithin sichtbar ins Zentrum gebaut ist, als habe man den Begriff der weithinnigen Sichtbarkeit ein f\u00fcr alle Mal definieren wollen. M\u00f6glicherweise sollte man die Kathedrale auch schon von Antwerpen aus sehen k\u00f6nnen, das ist die Stadt, die man in Mechelen \u00e4hnlich lustig hasst wie in K\u00f6ln die D\u00fcsseldorfer.<\/p>\n<p>Die Kathedrale ist aber wirklich beeindruckend, und das vor allem aus zwei Gr\u00fcnden. Zum einen passt ihre Monumentalit\u00e4t gar nicht so richtig in das Panorama der niederl\u00e4ndischen Niedlichkeit, die das Stadtbild insgesamt auszeichnet: Die ausgesprochene H\u00fcbschheit und verschn\u00f6rkelte Putzigkeit der B\u00fcrgerh\u00e4uschen, haupts\u00e4chlich um den Marktplatz herum. Da gibt es zum Beispiel einen Block von H\u00e4usern, der mitten in den Platz hineingebaut ist und der vor dem Hintergrund der \u00fcberdimensionierten Domfassade tats\u00e4chlich wie eine Kulisse von Spielzeugh\u00e4uschen wirkt.<\/p>\n<p>Und zweitens ist da der Turm, der unvollendet geblieben ist, aber gerade weil ihm die Spitze fehlt, wirkt er viel massiger und klobiger als er wohl intendiert war. Diese Klobigkeit hat durchaus etwas implizit Bedrohliches, so wie bei manchen gut austrainierten Vorstadtbewohnern, die auch nicht immer so richtig wissen, wie sie ihre Kraft sortieren sollen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" align=\"left\" src=\"http:\/\/static.flickr.com\/65\/175730826_9e08b979fb_m.jpg\" alt=\"Mechelen\" \/>Man wird dann nat\u00fcrlich hineingehen in die Kathedrale. Drinnen wird man sich zun\u00e4chst str\u00e4uben, die gotischen Ausma\u00dfe der Kirche als Einsch\u00fcchterungsversuch zu empfinden und lieber versuchen, das Elegante in der Anlage bewundern zu wollen. Aber das wird einem nicht wirklich gelingen: Selbst die Seitenkapellen sind hier riesig, wie kleine H\u00f6hlen schieben sie sich an die Halle des Hauptschiffes heran. Fast alles ist hier ins Monumentale gedacht: Die seltsame Altarkanzel zum Beispiel, ein h\u00f6lzernes Gewucher aus Armen, Beinen, \u00c4sten und Felsvorspr\u00fcngen, das eher wie der Vorausentwurf einer Szenerie f\u00fcr Disneys Schneewittchen wirkt (was noch verst\u00e4rkt wird durch das eher drollige Gartent\u00fcrchen, das die Treppe zur Kanzel abschlie\u00dft), oder die goldene Felswand des Altars, die links und rechts von zwei monumentalen roten Fahnen eingerahmt wird. Man kann dieser Gigantomanie nur dann entkommen, ein bi\u00dfchen zumindest, wenn man sich in den Wandelgang hinter dem Altar fl\u00fcchtet: Die Nischen hier sind im 19. Jahrhundert eingerichtet und dekoriert worden, und das ganz im Stil der Salons in den B\u00fcrgerh\u00e4usern: Die Wandbemalungen spielen alle Variationsm\u00f6glichkeiten zwischen Neogotik und Art d\u00e9co durch, und alles ist vollger\u00e4umt wie das Schaufenster eines Antiquit\u00e4tengesch\u00e4fts.<\/p>\n<p>Man wird die eigene Meinung irgendwo zwischen Bewunderung und \u00dcberf\u00fctterung eingeklemmt finden, oder zwischen dem Stolz, das jetzt also wirklich mal gesehen zu haben, und einer leichten Genervtheit \u00fcber diejenigen, die \u00fcber die Jahrhunderte die Gestaltung dieser Kirche zu verantworten haben und dabei nicht so richtig Ma\u00df halten konnten. Vielleicht ist man aber auch einfach ein bi\u00dfchen zu m\u00fcde und \u00fcberfordert.<\/p>\n<p>Aber man muss den Aufenthalt in der Kathedrale auch nicht zu lang werden lassen. Am besten macht man sich m\u00f6glichst rasch auf die Suche nach der Kirche Onze-Lieve-Vrouw in Leliendaal, die liegt an der Bruul, der Haupteinkaufsstrasse. Das ist eine alte Jesuitenkirche, nicht die einzige in Mechelen, es gibt noch Sint-Pieter-en-Paul, aber Leliendaal ist die sch\u00f6nere: Ein klar strukturierter Innenraum, dessen Gr\u00f6\u00dfe durch schwarze Holzbalken eingefangen und gerahmt wird, mit einer holzverkleideten Batterie von Beichtst\u00fchlen als Fundament. Diese Kirche wirkt fast wohnlich, auch weil die nette und erkl\u00e4rungsfreudige Dame am Eingang ein paar Wohnzimmerm\u00f6bel in den Portalbereich gestellt hat, um es sich gem\u00fctlich zu machen.<\/p>\n<p>Aufpassen muss man, wenn man nach der &#8222;Kirche mit dem Rubens&#8220; fragt. Es gibt zwei, oft wird man zur Janskirche gelotst, einem d\u00fcsteren Bauwerk mit seltsamer Ausgestaltung des Innenraums (zwei gleich gro\u00dfe Altarr\u00e4ume nebeneinander), das wie ein Heimatmuseum vollgestopft ist. Von Rubens gibt es hier ein Triptychon mit einer Darstellung der Heiligen Drei K\u00f6nige und Szenen der Johannesgeschichte auf den Seitenfl\u00fcgeln. Die Fl\u00fcgel sind so in den Hauptaltar einmontiert worden, dass man sie drehen kann, das wird aber nur in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden gemacht. Vom Rubens hat man nicht wirklich viel, die barocke Verzierung lenkt zu sehr ab, und man muss so gro\u00dfen Abstand halten, dass man die Bilder eher zur Kenntnis nehmen als betrachten kann.<\/p>\n<p>Spannender w\u00e4re es gewesen, den wunderbaren Fischzug in der Marienkirche an der Dijle anzuschauen, aber da reichte dann die Zeit nicht mehr und das Wetter wurde inzwischen auch &#8222;typisch skandinavisch&#8220;. Also setzt man sich ins Auto, und f\u00e4hrt zur\u00fcck unter den Scheinwerferalleen, die nachts daf\u00fcr sorgen, dass die belgischen Autobahnen gut beleuchtet sind. Dabei ist das Land doch so eng, dass man ohnehin st\u00e4ndig \u00fcber Autobahnen stolpert und gar nicht bef\u00fcrchten muss, keine zu finden. Aber m\u00f6glicherweise geht es auch eher darum, das Land an sich auffindbar zu machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zuerst sollte man sich eine Einladung f\u00fcr eine fl\u00e4misch-australische Hochzeit besorgen. Wenn es sich bei Brautpaar und Hochzeitsgesellschaft vorwiegend um Orchestermusiker handelt, dann bekommt man komplette Rettungsszenarien f\u00fcr die darniederliegende europ\u00e4ische Brauwirtschaft vorgef\u00fchrt. Am n\u00e4chsten Morgen wird man dann vermutlich in einem belgischen Schuhkarton aufwachen, der den Namen Hobbit Hotel tr\u00e4gt. Ein durchaus passender Name, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-444","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/444","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=444"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/444\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=444"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=444"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=444"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}