{"id":446,"date":"2006-06-27T18:01:44","date_gmt":"2006-06-27T15:01:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=446"},"modified":"2006-06-27T18:01:44","modified_gmt":"2006-06-27T15:01:44","slug":"on-y-va","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2006\/06\/27\/on-y-va\/","title":{"rendered":"On y va"},"content":{"rendered":"<p>Der Radsport war schon immer ein Metier f\u00fcr Gladiatoren: Das Radfahren ist eine der \u00e4ltesten Disziplinen, die professionell betrieben werden, eine romantische Phase unschuldigen Amateurtums hat es darum eigentlich nie gegeben. Wenn man vom Radsport-Zirkus spricht, dann ist das nicht nur eine leere Floskel: M\u00e4nner, die sich der Landstrasse ausliefern und auf ihren Expeditionen \u00dcbermenschliches leisten &#8211; das l\u00e4sst sich mit viel Spektakel, Romantik und Sensation aufladen. Und weil die Geburt des Radsports zusammenfiel mit ein paar anderen Ph\u00e4nomenen der Mobilit\u00e4t, dem Tourismus beispielsweise oder dem scheinbar wesensfremden Autofahren, hat das Marketing, dessen Entstehung ja eigentlich auch in der selben Zeit zu datieren ist, die Radsportler immer ganz gerne umarmt.<!--more--><\/p>\n<p>Das muss man so ein bi\u00dfchen im Hintergrund haben, wenn man sich durch die aktuellen Doping-Diskussionen in der Radsport-Gemeinde w\u00fchlt. Dieser Sport war immer schon kommerziell, und damit gab es auch immer schon die Versuchung, sich mit allen denkbaren Mitteln an die Fleischt\u00f6pfe zu hangeln. Vielleicht liegt es daran, dass das Unrechtsbewusstsein in der Szene nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig gro\u00df ist. Am Wochenende haben die spanischen Rad-Profis die Landesmeisterschaften boykottiert, nicht aus Protest gegen die Teams, deren vermutete Doping-Praktiken zur Zeit untersucht werden, sondern aus Ver\u00e4rgerung \u00fcber die Presseberichte dar\u00fcber.<\/p>\n<p>Insofern ist die Resignation, die Daniel Baal, der Pr\u00e4sident des franz\u00f6sischen Radsport-Verbandes, im Interview mit <a href=\"http:\/\/www.lemonde.fr\/web\/article\/0,1-0@2-3242,36-788736@51-777381,0.html\">Le Monde<\/a> \u00e4u\u00dfert, fast schon naiv zu nennen.<\/p>\n<blockquote><p>Ich geh\u00f6rte 1999 zu denen, die von der Tour der Erneuerung gesprochen haben. Wir sind get\u00e4uscht worden, zutiefst get\u00e4uscht. Besonders ern\u00fcchternd ist der Umstand, dass einige sich immer noch weigern, der Wirklichkeit ins Gesicht zu schauen: Die Organisatoren, die Teamleiter, die Verantwortlichen und die Fahrer, die sich zum B\u00fcttel machen lassen f\u00fcr diejenigen, die schummeln.<\/p><\/blockquote>\n<p>Aber so ist es eigentlich immer gewesen im Radsport. Und wenn Baal dessen Zustand als &#8222;katastrophal&#8220; bezeichnet und der Tour jeden sportlichen Wert abspricht, dann demonstriert er zwar redliche Emp\u00f6rung, aber er \u00fcbersieht dabei einen wichtigen Aspekt: Der sportliche Wert ist bei Radrennen nie das zentrale Element gewesen. Das kann man ja schon bei Roland Barthes nachlesen: Radrennen sind epische Veranstaltungen, die sich \u00fcber die Geschichten definieren, die sie erz\u00e4hlen. Ein Etappensieg ist nicht in erster Linie ein sportlicher Erfolg, sondern der Triumph eines Helden oder seines Kontrahenten, und errungen wird er auch mit Ellbogen, Tricks und Finten. Fahrer wie Virenque oder Pantani haben darum immer noch ihre Gemeinde, und auch ein Ullrich wird seine behalten, selbst wenn jetzt tats\u00e4chlich noch der Super-Gau eintreten und er aus der Tour geworfen werden sollte.<\/p>\n<p>Klar, epische Qualit\u00e4ten haben auch andere Sportveranstaltungen, aber sie haben meist l\u00e4nger gebraucht, um diesen Charakter des Spektakels zu entdecken und offensiv nach au\u00dfen zu tragen. Eine &#8222;Katastrophe&#8220; k\u00f6nnte der Tour nur dadurch drohen, das solche Geschichten mal von anderen besser oder wirksamer erz\u00e4hlt werden, dass man also in der globalen Aufmerksamkeits\u00f6konomie auf hintere Pl\u00e4tze rutscht. So eine epische Mischung aus Archaik und Mechanik, aus Multimedia-Zirkus und romantischer Rundreise muss man aber erst mal hinbekommen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem: F\u00fcr die Teilnahme am TV-Marathon muss man sich ja auch nicht dopen. Zumindest gibt es hinterher keine Kontrollen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Radsport war schon immer ein Metier f\u00fcr Gladiatoren: Das Radfahren ist eine der \u00e4ltesten Disziplinen, die professionell betrieben werden, eine romantische Phase unschuldigen Amateurtums hat es darum eigentlich nie gegeben. Wenn man vom Radsport-Zirkus spricht, dann ist das nicht nur eine leere Floskel: M\u00e4nner, die sich der Landstrasse ausliefern und auf ihren Expeditionen \u00dcbermenschliches [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-446","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/446","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=446"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/446\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=446"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=446"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=446"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}