{"id":453,"date":"2006-07-13T13:37:07","date_gmt":"2006-07-13T10:37:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=453"},"modified":"2006-07-14T17:51:21","modified_gmt":"2006-07-14T14:51:21","slug":"zidanes-kopfnuss","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2006\/07\/13\/zidanes-kopfnuss\/","title":{"rendered":"Zidanes Kopfnuss"},"content":{"rendered":"<p>Zidanes Selbstverteidigungslinie in Sachen Kopfstoss ist bemerkenswert: Meine Tat hat gegen die Regeln versto\u00dfen und muss bestraft werden, sagt er einerseits. Andererseits betont er auch, nichts zu bereuen &#8211; er formuliert es sogar noch st\u00e4rker: &#8222;Ich <em>kann<\/em> es nicht bereuen&#8220;, &#8222;je ne peux pas regretter ce geste&#8220;. Denn die Tat, so sagt er, sei durch eine Provokation motiviert worden, die \u00fcber das Spiel hinausreicht: &#8222;Il a dit des choses tr\u00e8s graves, tr\u00e8s personnelles qui me touchent au plus profond de moi.&#8220;<!--more--><\/p>\n<p>Ich musste es tun, &#8222;je suis un homme avant tout&#8220;: Indem er seine Tat als etwas darstellt, das durch das Regelsystem nicht ausreichend gedeckt wird, relativiert er aber das System. Fair play ist eine nette Idee, aber es hat seine Grenzen, hei\u00dft das. Entschuldigt hat er sich ja auch nur bei den Kindern und ihren P\u00e4dagogen, aber nicht bei Materazzi, der den Kopfstoss (oder zumindest irgendwas in der Richtung) auch verdient habe: &#8222;Le vrai coupable, c&#8217;est celui qui provoque.&#8220;<\/p>\n<p>Nun steht es ja einem Spieler eigentlich nicht zu, festzulegen, ob ein Spieler eine Bestrafung verdient oder nicht, daf\u00fcr gibt es schlie\u00dflich den Schiedsrichter. Aber der Schiedsrichter \u00fcbersieht manches und dann, scheint uns Zidane sagen zu wollen, muss der Einzelne halt selbst zusehen, dass der Gerechtigkeit Gen\u00fcge getan wird: &#8222;J\u2019aurai pr\u00e9f\u00e9r\u00e9 prendre une droite dans la gueule [sic!] plut\u00f4t que d\u2019entendre \u00e7a.&#8220;<\/p>\n<p>Dass jemand so beharrlich versucht, einem Regelversto\u00df eine Legitimit\u00e4t unterzuschieben, ist eine Haltung, die man eher von Spielern kennt, die auch sonst als <em>enfants terribles<\/em> gehandelt werden, und nicht von einem, der auch abseits des Platzes als Autorit\u00e4t gilt. Bei der FIFA gibt es sicher einige Leute, denen diese Auffassung nicht besonders schmeckt, und Blatters Aussage, dass man Zidane den Goldenen Ball auch wieder aberkennen k\u00f6nne, weist ja schon in die Richtung. Gerade weil weder Materazzi und Zidane genau erkl\u00e4rt haben, was da letztendlich gesagt wurde und damit die Mystifikation der Beleidigung des einen und des Kopfstosses des anderen munter vorangetrieben werden kann, m\u00fcsste man in Genf ein Interesse daran haben, dass das nicht Schule macht.<\/p>\n<p>Den Italienern m\u00fcsste Zidanes Argumentation aber eigentlich sehr vertraut vorkommen. In Italien ist man grunds\u00e4tzlich davon \u00fcberzeugt, dass Institutionen zu schwach, zu korrupt oder zu desinteressiert sind, um solche Dinge wie ein Spiel oder einen Staat auch nur halbwegs ordentlich zu leiten. Notfalls muss man da auch schon mal zu nicht ganz regelkonformen Mitteln greifen, um die eigenen Ziele durchzusetzen. Die vulg\u00e4rsoziologische (und im Kern rassistische) Behauptung, dass bei Zidane im Moment des Kopfstosses der <em>beur<\/em> aus den <em>banlieues<\/em> von Marseille durchgebrochen sei, w\u00fcrde ich bestreiten: Ich habe da den Ex-Juve-Spieler gesehen.<\/p>\n<p>Nachtrag: In der <a href=\"http:\/\/www.fr-aktuell.de\/in_und_ausland\/kultur_und_medien\/feuilleton\/?em_cnt=927810\">Frankfurter Rundschau<\/a> gibt&#8217;s auch ein paar Anmerkungen zum Thema.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zidanes Selbstverteidigungslinie in Sachen Kopfstoss ist bemerkenswert: Meine Tat hat gegen die Regeln versto\u00dfen und muss bestraft werden, sagt er einerseits. Andererseits betont er auch, nichts zu bereuen &#8211; er formuliert es sogar noch st\u00e4rker: &#8222;Ich kann es nicht bereuen&#8220;, &#8222;je ne peux pas regretter ce geste&#8220;. 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