{"id":458,"date":"2006-07-19T15:55:29","date_gmt":"2006-07-19T12:55:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=458"},"modified":"2006-07-19T15:55:29","modified_gmt":"2006-07-19T12:55:29","slug":"super-abgefullt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2006\/07\/19\/super-abgefullt\/","title":{"rendered":"Super abgef\u00fcllt"},"content":{"rendered":"<p>Es ist ein toughes Gesch\u00e4ft, das Schreiben \u00fcber den Radsport im Zeitalter des Eigenblutdopings. Radsportjournalisten sind Gewohnheitsdealer, ihre Ware sind aufgepimpte Klischees und Metaphern, die anderswo l\u00e4ngst auf Eis gelegt wurden. In einem Artikel \u00fcber die Tour de France m\u00fcssen mindestens zwei Dutzend Formulierungen vorkommen \u00e0 la &#8222;Er hat sie leibhaftig erlebt, diese H\u00f6lle. Vor allem: Er hat sie \u00fcberlebt.&#8220; Aber weil es zur Zeit einen zwiesp\u00e4ltigen Beigeschmack hat, wenn man solche Stehs\u00e4tze \u00fcber Radprofis schreibt, und andererseits die Textstrecken zur Tour doch irgendwie gef\u00fcllt werden m\u00fcssen, h\u00e4ngt man die Metaphernware halt einem aufrechten Amateur um den Hals.<!--more--><\/p>\n<p>Zum Beispiel anl\u00e4\u00dflich des <a href=\"http:\/\/www.letapedutour.com\">Volksradelns nach L&#8217;Alpe-d&#8217;Huez<\/a>, das zwar schon vor einer Woche stattfand, aber das die <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/sport\/weitere\/artikel\/867\/80787\/\">S\u00fcddeutsche<\/a> erst heute einr\u00fcckt. In der Zeit dazwischen h\u00e4tte man den Text vielleicht auch sorgf\u00e4ltig Korrektur lesen k\u00f6nnen, aber dann w\u00e4re uns ein paar nette Typos entgangen, zum Beispiel der vom <em>Col de l&#8217;Aubelisque<\/em> (benannt nach dem ber\u00fchmten Gallier mit den Hinkelsteinen) oder dieser hier, der ins Zitat des Radamateurs Taufig Khalil gerutscht ist: <\/p>\n<blockquote><p>Ich f\u00fcllte mich super.<\/p><\/blockquote>\n<p>Da hat er was <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub7AA053985DFF48EF8FC90134F1C3C48C\/Doc~ED41686714E1E46F2B8B69BC937DD0BB9~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">mit vielen anderen Bergfahrern gemeinsam<\/a>. Lustig ist auch folgendes Zitat:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Ich schw\u00f6re, dass ich zu 100 Prozent sauber bin und noch nie gedopt habe&#8220;, sagt Khalil, der danach lachen muss, weil das schon lustig ist, wie er, der Amateur, ein Statement wie ein Profi abgibt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Vielleicht macht er das, weil er, der Amateur, sich wie ein Profi vorbereitet hat, n\u00e4mlich mit Hilfe der <a href=\"http:\/\/www.br-online.de\/b5aktuell\/inhalte\/magazine\/fitnessmagazin_060625.xml\">Tour-\u00c4rzte von Jan Ullrich<\/a>, und es momentan ratsam ist, dass man, wenn man Sachen macht wie Jan Ullrich, dabei betont, dass man nicht alle Sachen macht wie Jan Ullrich. Lustig ist auch, wie sie, die S\u00fcddeutsche Zeitung, munter an der Legende weiterstrickt, dass Doping nur eine Sache von Profis ist und Amateure eigentlich nicht n\u00f6tig haben, solche Statements abgeben zu m\u00fcssen, w\u00e4hrend die FAZ erst vor ein paar Tagen <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub7AA053985DFF48EF8FC90134F1C3C48C\/Doc~EDB0C19FC8CFD4239BD3B4C0668509BF2~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">was ganz anderes erz\u00e4hlt hat<\/a>. Aber Journalisten werden eben nur selten auf den exzessiven Einsatz von Stereotypen getestet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ein toughes Gesch\u00e4ft, das Schreiben \u00fcber den Radsport im Zeitalter des Eigenblutdopings. Radsportjournalisten sind Gewohnheitsdealer, ihre Ware sind aufgepimpte Klischees und Metaphern, die anderswo l\u00e4ngst auf Eis gelegt wurden. 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