{"id":50,"date":"2010-08-18T14:21:19","date_gmt":"2010-08-18T11:21:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.de\/nb\/?p=50"},"modified":"2011-01-03T12:04:19","modified_gmt":"2011-01-03T09:04:19","slug":"long-island","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2010\/08\/18\/long-island\/","title":{"rendered":"Long Island"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4114\/4892425532_1f63e2e81e_d.jpg\" rel=\"lightbox[emscherkunst]\" title=\"Emscherinsel\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4114\/4892425532_1f63e2e81e_d.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Emscherinsel\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Emscherinsel ist eine Insel, die man als solche kaum wahrnimmt. Eigentlich handelt es sich nur um einen schmalen Streifen Land zwischen Rhein-Herne-Kanal und Emscher. Beide Gew\u00e4sser kreuzen sich bei Castrop-Rauxel und flie\u00dfen von dort aus nahezu parallel Richtung Rhein, bis sich ihre Wege in Oberhausen, nahe der Neuen Mitte, trennen. Dazwischen liegt ein 34 Kilometer langes, an manchen Stellen aber nur wenige Meter breites Gebiet.<\/p>\n<p>Diese k\u00fcnstliche Insel ist eine beil\u00e4ufig entstandene Landschaft, eingezw\u00e4ngt zwischen einem industriell genutzten Verkehrsweg und einem zum Abwasserkanal degradierten Fl\u00fcsschen. Lange war sie nur eine Art Niemandsland, oder besser: eine Aneinanderreihung von Niemandsl\u00e4ndern in den Randgebieten der umliegenden St\u00e4dte. Zwischenr\u00e4ume im w\u00f6rtlichen Sinn. Wenn dieses Gebilde nun zur Insel erhoben, also eine r\u00e4umliche Geschlossenheit vorgegeben wird, soll das modellhaft auch f\u00fcrs Ruhrgebiet insgesamt stehen: Was durch strukturelle Notwendigkeiten entstand, wird nun gleichsam naturalisiert und als gr\u00fcne Klammer \u00fcber kommunale Grenzen hinweg angelegt. Das Bild von der Insel suggeriert au\u00dferdem ein wenig postindustrielle Idylle, \u00e4hnlich wie die <a href=\"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=646\">Bergehalden<\/a> nun als k\u00fcnstliches Mittelgebirge reklamiert werden.<!--more--><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4119\/4892319454_bced46cf7b_d.jpg\" rel=\"lightbox[emscherkunst]\" title=\"Emscher bei Gelsenkirchen\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4119\/4892319454_bced46cf7b_d.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Emscher bei Gelsenkirchen\" \/><\/a><\/p>\n<p>Diese Neudefinition einer Insellandschaft findet ihren Ausdruck in zahlreichen Aktivit\u00e4ten, vor allem dem umfangreichen Umbau der Emscher. Schon seit den 90ern wird der Fluss zunehmend von seiner Funktion als &#8222;Kloake des Ruhrgebiets&#8220; entlastet, was aber \u2013 wie man hier und da auch noch riechen kann \u2013 nur schrittweise geschieht. An einigen Abschnitten haben bereits Renaturierungsma\u00dfnahmen begonnen, und irgendwann \u2013 so die Vision \u2013 soll die Emscher, die sich jetzt noch zwischen hohen Deichen durch ein enges Betonbett qu\u00e4len muss, wieder behaglich durch idyllische Landschaften flie\u00dfen. Einige Parks und Gr\u00fcnfl\u00e4chen, Rad- und Spazierwege wurden schon angelegt oder saniert, und mit der <a href=\"http:\/\/www.metropoleruhr.de\/neues-emschertal\/foerderung\/insel-tour.html\">Insel-Tour<\/a> wurde k\u00fcrzlich eine eigene Wanderroute erstellt, die die Insel als verbindenden Landschaftsraum erschlie\u00dfen soll. Und dann gibt es, aus Anlass des Kulturhauptstadtjahres, noch das Projekt <a href=\"http:\/\/www.emscherkunst.de\/\">Emscherkunst<\/a>, das all diesen Aktivit\u00e4ten eine k\u00fcnstlerische Plattform bieten soll.<\/p>\n<p>Die Aktion macht die Insel zum Freiluftmuseum: In sechs &#8222;Ausstellungsr\u00e4umen&#8220; werden landschaftsg\u00e4rtnerische, architektonische und k\u00fcnstlerische Arbeiten gezeigt, die sich mit dem Umfeld und seiner Geschichte auseinandersetzen. Die Emscherkunst gilt als eines der Leitprojekte der <a href=\"http:\/\/www.essen-fuer-das-ruhrgebiet.ruhr2010.de\/\">Ruhr.2010<\/a>, und man hat sich entsprechend gro\u00dfe M\u00fche gegeben, ein m\u00f6glichst breites Publikum anzusprechen. Es gibt eine F\u00fclle von Informationsmaterialien zur Strecke, mehrere Anlaufstellen mit Fahrradverleihen. und als Merchandising-Artikel werden u.a. Regen-Capes und Picknickdecken verkauft. Mit der praktischen Umsetzung hat es allerdings doch gehapert, denn obwohl sich das Projekt langsam seinem Ende n\u00e4hert, sind einige Exponate immer noch nicht fertiggestellt. Offiziell gibt man dem langen Winter und dem schlechten Wetter die Schuld: Dadurch habe sich vor allem bei den landschaftlich aufw\u00e4ndigeren Exponaten der Baubeginn verz\u00f6gert. In einigen F\u00e4llen scheint man aber auch ganz profan die Dauer der Genehmigungsverfahren falsch eingesch\u00e4tzt zu haben. So konnten die Arbeiten am <em>Monument for a forgotten future<\/em> von Olaf Nicolai und Douglas Gordon erst vor kurzem beginnen, und Tobias Rehbergers Br\u00fccke \u00fcber den Rhein-Herne-Kanal in Oberhausen wird vermutlich sogar erst im n\u00e4chsten Jahr fertig.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4098\/4892269916_0717bd51aa_d.jpg\" rel=\"lightbox[emscherkunst]\" title=\"Noch im Bau: Monument for a forgotten Future\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4098\/4892269916_0717bd51aa_d.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Monument for a forgotten Future\" \/><\/a><\/p>\n<p>Gebaut wird auch noch im zuk\u00fcnftigen <em>BernePark<\/em>, einem ehemaligen Kl\u00e4rwerk im S\u00fcden Bottrops, das von Piet Oudolf und Gross.Max zu einem Landschaftspark umgestaltet wird. Dort gibt es immerhin schon Installationen von Mischa Kuball und Lawrence Weiner zu sehen. Die Umgestaltung des ehemaligen Kl\u00e4rwerks Herne ist ebenfalls noch nicht ganz abgeschlossen, die von Silke Wagner gestaltete Au\u00dfenwand des Faulturms und eine Video-Installation von M+M im Inneren des Geb\u00e4udes kann man aber schon betrachten. Momentan hofft man darauf, dass die einzelnen Exponate, von Rehbergers Br\u00fccke abgesehen, wenigstens bis zur Finissage fertig werden \u2013 vielleicht wurde das Projekt auch deshalb bis zum 18. September verl\u00e4ngert.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4116\/4891758571_d33614e0d8_d.jpg\" rel=\"lightbox[emscherkunst]\" title=\"Emscherinsel zwischen Essen und Gelsenkirchen\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4116\/4891758571_d33614e0d8_d.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Emscherinsel und Rhein-Herne-Kanal\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Weg entlang des Kanals lohnt sich dennoch, allein deshalb, weil die Insel \u2013 ob man sie nun als geschlossenen Landschaftsraum betrachtet oder nicht \u2013 eine bemerkenswerte Vielfalt und Heterogenit\u00e4t urbaner R\u00e4ume verkn\u00fcpft. Ich w\u00fcrde deshalb auch durchaus empfehlen, zu Fu\u00df zu gehen oder mit dem Rad zu fahren: \u00dcber die gut ausgeschilderte Route der Insel-Tour lassen sich die meisten Stationen der Emscherkunst leicht erreichen, aber auch einige der interessantesten Orte auf und neben der Insel ansteuern. Einige der Exponate werden auch nach dem offiziellen Ende stehen bleiben, so dass sich die Tour auch noch in den n\u00e4chsten Jahren anbietet.<\/p>\n<p>Etwas kurios ist \u00fcbrigens, dass der Rhein-Herne-Kanal zeitgleich noch Schauplatz eines weiteren Ruhr.2010-Projekts ist, das <a href=\"http:\/\/www.kulturkanal.net\/\">Kulturkanal<\/a> hei\u00dft und u.a. einigen K\u00fcnstlern die M\u00f6glichkeit bot, &#8222;ein k\u00fcnstlerisches Leitsystem entlang des Kanals zu gestalten&#8220;, das hei\u00dft konkret: Einige der Hinweistafeln zu gestalten, die sich dort befinden. Auf der Insel-Tour kommt man zwangsl\u00e4ufig an ein paar dieser Tafeln vorbei. Beide Projekte laufen etwas unverbunden nebeneinander her und scheinen nicht viel miteinander zu tun haben zu wollen \u2013 es gibt im Besucherzentrum der <em>Emscherkunst<\/em> zum Beispiel kein Informationsmaterial zum Kulturkanal -, als g\u00e4be es da eine Art Konkurrenz.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4138\/4891906707_043eb7072a_d.jpg\" rel=\"lightbox[emscherkunst]\" title=\"Keine Emscherkunst, sondern Kanalkunst: Tafel von Markus Hanakam\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4138\/4891906707_043eb7072a_d.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4138\/4891906707_043eb7072a_d.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wie dem auch sei: Nachfolgend ein paar Details zu den Arbeiten, die es auf der <em>Emscherkunst<\/em> zu sehen gibt. Der Einfachheit sind sie hier in der Reihenfolge der Ausstellungsr\u00e4ume aufgelistet (allerdings umgekehrt zur offiziellen Z\u00e4hlung, weil ich die Route auch in der Gegenrichtung abgefahren habe). Freundlicherweise haben die Veranstalter der Emscherkunst auch <a href=\"http:\/\/www.emscherkunst.de\/downloads\/gpx-daten.html\">GPS-Daten zur Strecke<\/a> bereit gestellt, die man auf der Website herunterladen kann. Beim Regionalverband Ruhr gibt es au\u00dferdem gratis <a href=\"http:\/\/shop.metropoleruhr.de\/public\/rvr\/Produkte\/Emscher_Inseltour-336\">einen Faltplan zur Insel-Tour<\/a>, auf dem die Kunststationen ebenfalls eingezeichnet sind.<\/p>\n<p><strong>Ausstellungsraum 8<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4139\/4891962577_98755a1dfb_d.jpg\" rel=\"lightbox[emscherkunst]\" title=\"Tobias Rehberger, Slinky springs to fame (noch nicht)\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4139\/4891962577_98755a1dfb_d.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Tobias Rehberger, Br\u00fccke Oberhausen\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die erste Station der <em>Emscherkunst<\/em> befindet sich in Oberhausen am Kaisergarten. Der ist vom Bahnhof aus schnell zu erreichen, am benachbarten Schloss als auch am Niederrhein-Stadion auf der anderen Kanalseite gibt es ausreichend Parkpl\u00e4tze, am Stadion befindet sich auch ein Fahrradverleih. Zu sehen gibt es aber bisher nur eine Baustelle, denn vom einzigen Exponat, Tobias Rehbergers Br\u00fccke mit dem Namen <em>Slinky springs to fame<\/em>, stehen, wie gesagt, bisher nur die Rampen. Den fertigen Zustand lassen die aufgestellten Baustellenschilder leider nur erahnen. Der Br\u00fcckenname ist \u00fcbrigens eine Anspielung auf die <a href=\"http:\/\/www.poof-slinky.com\/\">Slinkys<\/a>, diese mechanischen Schraubenfederspielzeuge, die ich als Kind ganz lustig fand, wenn man sie eine Treppe hinunterlaufen liess, aber auch schnell langweilig, weil man nicht viel mehr Lustiges damit machen konnte als sie eine Treppe hinunterlaufen zu lassen. Vielleicht hat Rehberger ja etwas mehr Fantasie als ich. Die Baustellenschilder machen die Br\u00fccke zum Teil eines &#8222;EmscherErlebnisses Oberhausen&#8220;, aber bei solchen Formulierungen denke ich immer, dass Adolf Loos, w\u00fcrde er heute leben, vermutlich ein Buch schr\u00f6be \u00fcber <em>Event und Verbrechen<\/em>.<\/p>\n<p><strong>Ausstellungsraum 7<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4118\/4892456242_fa86469d57_d.jpg\" rel=\"lightbox[emscherkunst]\" title=\"BernePark im Bau\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4118\/4892456242_fa86469d57_d.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"BernePark\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der siebte Ausstellungsraum befindet sich im Bottroper Stadtteil Ebel, einer der wenigen Siedlungen auf der Emscherinsel. Auch dieser Raum ist bislang nur eine Baustelle: Hier soll sich einmal, auf dem Gel\u00e4nde eines ehemaligen Kl\u00e4rwerks, der <a href=\"http:\/\/www.eglv.de\/wasserportal\/meta\/presse\/presseinformationen\/presseinformationen-detail\/article\/bernepark-wird-wachgekuesst.html\">BernePark<\/a> befinden. Ein paar Schautafeln zeigen, wie der Park einmal aussehen soll: So werden die fr\u00fcheren Kl\u00e4rbecken in den Garten einbezogen, und das nette Verwaltungsgeb\u00e4ude mit seiner sch\u00f6nen Fensterfront bleibt ebenfalls erhalten, au\u00dferdem soll hier ein Parkhotel entstehen, das Kanalrohre als Hotelzimmer vermietet (<a href=\"http:\/\/www.dasparkhotel.net\/\">kein Witz<\/a>). Mischa Kuballas Lichtinstallation ist nur nachts zu sehen, deswegen kann ich nichts dazu sagen, Lawrence Weiners Installation <em>Catch As Catch Can<\/em> ist eher ein routinierter Weinerismus und nicht unbedingt eine seiner markantesten Arbeiten.<\/p>\n<p><strong>Ausstellungsraum 6<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4138\/4891838821_c2d749898a_d.jpg\" rel=\"lightbox[emscherkunst]\" title=\"Emscher Community Gardens\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4138\/4891838821_c2d749898a_d.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Emscher Community Gardens\" \/><\/a><\/p>\n<p>Hier befindet sich das vielleicht spektakul\u00e4rste und (zumindest in meinen Augen) gelungenste St\u00fcck der Ausstellung, die <em>Emscher Community Gardens<\/em> von Marjetica Potr&#269; und dem niederl\u00e4ndischen Architekturb\u00fcro Ooze. Dabei handelt es sich um eine grandiose oberirdische Wasseraufbereitungsanlage, die Emscher-, Kanal- und Regenwasser nutzt, um einen kleinen Blumen- und Gem\u00fcsegarten zu kultivieren und eine \u00f6ffentliche Toilette zu betreiben, zugleich in der Gestaltung auf die Geographie des Ortes ebenso anspielt wie dessen prek\u00e4ren Charakter, aber auch die Bastellaune und das Improvisationsgeschick der Schreberg\u00e4rtner in der Nachbarschaft. Ein buchst\u00e4blich \u00fcbergreifender und gelungener Versuch, f\u00fcr die Auseinandersetzung mit einem Ort ein paar neue und originelle Formen zu finden.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4118\/4892283950_2fbd71bdae_d.jpg\" rel=\"lightbox[emscherkunst]\" title=\"Observatorium, Warten auf den Fluss\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4118\/4892283950_2fbd71bdae_d.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Observatorium, Warten auf den Fluss\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das ist auch der (ebenfalls niederl\u00e4ndischen) Gruppe Observatorium gelungen, die am Rande einer wundersch\u00f6nen verwilderten Wiese eine Holzbr\u00fccke mit \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeit aufgebaut hat. Eine Br\u00fccke in Wartestellung, denn durch diese Wiese soll in einigen Jahren wieder die renaturierte Emscher flie\u00dfen. Eher klassische Formen der Auseinandersetzung mit Ort und Geschichte finden sich zwischen diesen beiden Gro\u00dfarbeiten, bei Rita McBrides schickem Obelisk aus Karbon und Ay&#351;e Erkmens Goldkr\u00f6nchen f\u00fcr den alten Kohlebunker an der Schurenbachhalde.<\/p>\n<p>Zwischen Obelisk und Turm steht auch eines der Fernrohre von Jeppe Hein. Acht St\u00fcck hat er davon \u00fcber die Emscherinsel verteilt, f\u00fcr jeden Ausstellungsraum eines (ich habe allerdings nur drei gefunden). Sie sehen in etwa so aus wie die klassischen Fernrohre mit M\u00fcnzeinwurf, die man an nahezu jedem touristischen Aussichtspunkt findet, zeigen aber keine reale Ansicht, sondern <em>Connecting Views<\/em>, also eher \u00fcberraschende, verbl\u00fcffende oder verbindende Blicke auf den Ort, an dem man sich gerade findet. Hier ist es ein retouchiertes Bild, auf dem Richard Serras <em>Bramme f\u00fcr das Ruhrgebiet<\/em>, die sich oben auf der benachbarten Schurenbachhalde befindet, direkt neben der weniger bekannten und versteckt im Geb\u00fcsch liegenden <em>Schwelle<\/em> von Raimund Kummer zu sehen ist. Zusammen mit den beiden Arbeiten von Erkmen und McBride entsteht somit ein kleiner Skulpturenpark im Kopf.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4101\/4892272344_18fd5cc450_d.jpg\" rel=\"lightbox[emscherkunst]\" title=\"N55, Walking House\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4101\/4892272344_18fd5cc450_d.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"N55, Walking House\" \/><\/a><\/p>\n<p>Einige Meter weiter erreicht man das Gel\u00e4nde des Nordsternparks, wo ein Besucherzentrum f\u00fcr die <em>Emscherkunst<\/em> eingerichtet wurde: Hier gibt\u2019s ein kleines Caf\u00e9 inklusive Merchandising-Kiosk, und Fahrr\u00e4der werden auch verliehen (oder k\u00f6nnen abgegeben werden, falls man die Tour beenden m\u00f6chte). Ganz in der N\u00e4he trifft man meist auch auf das <em>Walking House<\/em> der d\u00e4nischen Gruppe N55, eine ganz am\u00fcsante wandelnde Bienenwabe, die mich \u2013 ich kann nicht genau sagen warum \u2013 an Kinderfilme aus dem Ostblock erinnert hat.<\/p>\n<p><strong>Ausstellungsraum 5<\/strong><\/p>\n<p>Der f\u00fcnfte Ausstellungsraum befindet sich auf der sogenannten &#8222;Wilden Insel&#8220;, quasi eine Insel in der Insel mit einem halbverwilderten W\u00e4ldchen. Dort wird zur Zeit eine Aussichtsplattform angelegt, die Ausblicke auf Kanal, Schleuse, Emscher und Raffinerien erm\u00f6glicht, und demn\u00e4chst soll hier auch das erw\u00e4hnte <em>Monument for a forgotten future<\/em> stehen, die &#8222;originalgetreue und ma\u00dfstabsgerechte Kopie einer Bergformation aus dem Nationalpark Joshua Tree&#8220;, beschallt durch einen von Mogwai eigens komponierten &#8222;Song For The Emscher&#8220;. Der k\u00fcnstliche Berg auf der k\u00fcnstlich entstandenen Insel ist m\u00f6glicherweise als ironischer Kommentar auf die Sehnsucht der St\u00e4dte nach marketingtauglichen Ikonen gedacht, aber noch ist er vor allem Baustelle und somit eher ein Monument f\u00fcr den langen Atem, den man f\u00fcr die Umsetzung solcher Projekte braucht. Solange es ihn noch nicht gibt, sollte man an der Baustelle vorbei einen Rundweg durch den Wald nehmen und dabei auf dieses \u00fcberraschende Beispiel anonymer Landscape Art achten, das man unvermittelt neben dem Weg entdecken kann. Oder auf den leicht s\u00fc\u00dflichen Benzingeruch, der von den BP-Raffinerien her\u00fcberweht: Duftendes Zeugnis einer Zukunft, die nicht wirklich vor\u00fcbergehen will.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4074\/4891666631_e81aabdc49_d.jpg\" rel=\"lightbox[emscherkunst]\" title=\"Anonyme Landscape Art auf der Wilden Insel\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4074\/4891666631_e81aabdc49_d.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Anonyme Landscape Art, Wilde Insel, Gelsenkirchen\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Ausstellungsraum 4<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4142\/4891652113_7af29efa26_d.jpg\" rel=\"lightbox[emscherkunst]\" title=\"Monika Bonvicini, Satisfy Me\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4142\/4891652113_7af29efa26_d.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Monika Bonvicini, Satisfy Me\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wo der Ausstellungsraum 4 genau liegt, ist nicht so einfach auszumachen. Laut offizieller Streckenkarte umfasst er die Arbeiten von Monika Bonvicini, N55 und Stephan Huber. Bonvicinis Werk ist auch nicht zu \u00fcbersehen: Die gro\u00dfen Lettern des Schriftzugs <em>Satisfy Me<\/em> befinden sich am S\u00fcdhang der M\u00fclldeponie Emscherbruch, direkt an der Route der Inseltour. Das <em>Walking House<\/em> von N55 ist aber \u2013 siehe oben &#8211; im Nordsternpark unterwegs und Stephan Hubers Kasperltheater habe ich nicht gefunden, wobei es laut Website ohnehin &#8222;an verschiedenen Orten im Ruhrgebiet aufgef\u00fchrt&#8220; werden soll. M\u00f6glicherweise ist Ausstellungsraum 4 also nur als fiktiver Raum gedacht, oder als nomadisierendes Territorium, das an jedem anderen Ort andocken kann.<\/p>\n<p>Durchqueren wir also diesen phantomhaften Raum, vorbei unter anderem an der <a href=\"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=1192\">Haldenlandschaft in Herten<\/a>, der fr\u00fcheren Zeche Unser Fritz (heute ein Kunstzentrum) und dem beeindruckenden Kraftwerk Baukau, und begeben wir uns zu<br \/>\n<strong><br \/>\nAusstellungsraum 3<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4115\/4892239508_1ec2c867af_d.jpg\" rel=\"lightbox[emscherkunst]\" title=\"Silke Wagner, Gl\u00fcckauf\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4115\/4892239508_1ec2c867af_d.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Silke Wagner, Gl\u00fcckauf\" \/><\/a><\/p>\n<p>Hier wird auch noch gearbeitet, n\u00e4mlich rund um den ehemaligen Faulturm des Kl\u00e4rwerks Herne. Der Turm selbst ist aber schon von innen und au\u00dfen zu besichtigen: Au\u00dfen hat Silke Wagner ein gro\u00dfes Fliesenmosaik zu Bergarbeiterprotesten im Ruhrgebiet angebracht, das mir mit seiner unsentimentalen Nostalgie f\u00fcr eine politisierte Gesellschaft ganz gut gefallen hat. Im Inneren des Turms gibt es <em>Schlagende Wetter<\/em>, eine Videoinstallation des Duos M+M, die ganz beeindruckend wirkt, zumal man \u00fcber einen abenteuerlichen Irrgarten aus Bauger\u00fcsten ins Zentrum des Geschehens klettern muss und die hallige Akustik des Betonbaus ein \u00dcbriges tut. Mir waren die Video-Clips zu deutlich nach den Manierismen des neueren deutschen Autorenkinos gestylt und wirkten auf Dauer etwas selbstgef\u00e4llig und \u00f6de.<\/p>\n<p>Unweit von der Kl\u00e4ranlage, am Recklinghauser Stadthafen, hat die Kunstakademie M\u00fcnster ein Goldenes Dorf errichten lassen, eine Art tempor\u00e4re Kunstkommune. Dort kann man einige Arbeiten von Studenten der Akademie zu sehen, au\u00dferdem die Studenten selbst, die hier n\u00e4mlich den Dialog mit der \u00d6ffentlichkeit suchen. Es gibt durchaus einige spannende Dinge zu sehen, und die Atmosph\u00e4re des Dorfs erinnert \u2013 wenigstens bei anst\u00e4ndigem Wetter \u2013 an ein aufgeschlossenes und aufgekratztes Pfadfinderlager. Man kann sich hier also ruhig etwas Zeit lassen, zumal sich der Hafen auch f\u00fcr eine Pause anbietet.<\/p>\n<p><strong>Ausstellungsraum 2<\/strong><\/p>\n<p>Der zweite Ausstellungsraum befindet sich am sogenannten Herner Meer, dem verbreiterten Kanalbecken vor der Schleuse Herne-Ost. Hier sollte man die Route der Insel-Tour auch verlassen und die Schleuse \u00fcberqueren, denn die <em>Emscherkunst<\/em>-Exponate befinden sich allesamt auf der S\u00fcdseite des Miniatur-Meers, w\u00e4hrend der Wanderweg auf der Nordseite entlang l\u00e4uft. Bogomir Eckers Skulptur <em>reemrenreh<\/em> befindet sich am Ende einer langen Mole und sieht ein bisschen aus wie ein Lotsensignal, \u00fcber dessen Gestaltung sich Picasso und De Chirico in die Wolle gekriegt haben. Ganz h\u00fcbsch. aber so was findet sich heutzutage auch vor aufgeschlossenen Kreissparkassen. B\u00fclent Kullukcus Klanginstallation zur Skulptur habe ich nur teilweise h\u00f6ren k\u00f6nnen, aber es mischte sich ganz h\u00fcbsch mit dem Gekreisch einiger Jungs, die an der Mole badeten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4096\/4892194028_3072de2e8f_d.jpg\" rel=\"lightbox[emscherkunst]\" title=\"Mark Dion, Gesellschaft der Amateur-Ornithologen\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4096\/4892194028_3072de2e8f_d.jpg\" width=\"333\" height=\"500\" alt=\"Mark Dion, Gesellschaft der Amateur-Ornithologen\" \/><\/a><\/p>\n<p>Am s\u00fcdlichen Uferrand des Herner Meers verbirgt sich Mark Dions <em>Gesellschaft der Amateur-Ornithologen<\/em>, neben den Arbeiten von Ooze und Observatorium eins meiner Lieblingsexponate hier. Erinnerte mich ein bisschen an die britische Science-Fiction-Serie <em>Dr. Who<\/em>: Au\u00dfen Raumschiff, innen das Tohuwabohu eines edwardianischen Professors, mit einer Vielzahl liebevoll zusammengetragener Materialien rund um Vogelkunde, von B\u00fcchern \u00fcber vollgestopfte Karteik\u00e4sten bis hin zu allem m\u00f6glichen Nippes aus Glas, Porzellan und Plastik. (Und zwischendrin gibt es auch einige \u00dcberraschungen, wie etwa ein Aktfoto mit der Aufschrift &#8222;Strandnymphen&#8220; zwischen den Kunstdrucken mit Vogelmotiven \u2013 schlie\u00dflich ist Birdwatching auch nur eine Art von Voyeurismus.)<br \/>\n<strong><br \/>\nAusstellungsraum 1<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4120\/4892185118_7226a3b460_d.jpg\" rel=\"lightbox[emscherkunst]\" title=\"Tadashi Kawamata, Walkway and Tower\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4120\/4892185118_7226a3b460_d.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Tadashi Kawamata, Walkway and Tower\" \/><\/a><\/p>\n<p>Hinter dem Herner Meer beginnt der idyllischste Abschnitt der Insel: kleine W\u00e4ldchen, Felder und Wiesen, d\u00f6rfliche Siedlungen und Bauernh\u00f6fe \u2013 an einigen Stellen k\u00f6nnte man fast vergessen, sich in einer vornehmlich industriell gepr\u00e4gten Landschaft zu befinden. Hier hat Tadashi Kawamata einen Aussichtsturm errichten lassen, von dem man in den n\u00e4chsten Jahren die Auferstehung der Emscher beobachten kann. Der Turm wirkt von au\u00dfen eher wie ein Bretterverschlag als wie ein stabiles Gebilde, und das passt auch zur Fragilit\u00e4t und zur Vorl\u00e4ufigkeit der Landschaft, die man von hier aus betrachten kann.<\/p>\n<p>Nur wenige Meter entfernt liegt das Wasserkreuz von Emscher und Rhein-Herne-Kanal, und damit der Anfangspunkt der Emscherinsel. Momentan ist das Kreuz eine Gro\u00dfbaustelle: Die Emscher bekommt einen neuen Durchlass, um unter dem Kanal hindurch flie\u00dfen zu k\u00f6nnen, au\u00dferdem wird sie aus ihrem Betonkorsett befreit. Es gibt eine Aussichtsterasse, von der aus die Bauarbeiten beobachtet werden k\u00f6nnen. Ansonsten ist es von hier aus auch nicht mehr weit zum Bahnhof Castrop-Rauxel, wo man die Tour \u00fcber die Emscherinsel beenden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Emscherinsel ist eine Insel, die man als solche kaum wahrnimmt. Eigentlich handelt es sich nur um einen schmalen Streifen Land zwischen Rhein-Herne-Kanal und Emscher. Beide Gew\u00e4sser kreuzen sich bei Castrop-Rauxel und flie\u00dfen von dort aus nahezu parallel Richtung Rhein, bis sich ihre Wege in Oberhausen, nahe der Neuen Mitte, trennen. Dazwischen liegt ein 34 [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-50","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=50"}],"version-history":[{"count":6,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1298,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50\/revisions\/1298"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=50"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=50"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=50"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}