{"id":507,"date":"2006-10-17T13:34:54","date_gmt":"2006-10-17T10:34:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=507"},"modified":"2006-10-23T17:19:41","modified_gmt":"2006-10-23T14:19:41","slug":"windows-on-the-world","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2006\/10\/17\/windows-on-the-world\/","title":{"rendered":"Windows On The World"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/static.flickr.com\/79\/262463133_1cd12c205d.jpg\" alt=\"Windows On The World\" \/><\/p>\n<p>Zu den am\u00fcsantesten Schmuckst\u00fccken von Montecatini Terme geh\u00f6rt die Funicolare, die Standseilbahn, die die moderne Unterstadt und die Kurviertel mit dem alten Dorfkern verbindet. Unverge\u00dflich der Abend, als wir mit einer Gruppe fr\u00f6hlicher Nonnen talw\u00e4rts fuhren, die ihre H\u00f6henangst mit dem lauten Singen von <em>O sole mio<\/em> bek\u00e4mpften.<!--more--><\/p>\n<p>Oben an der Bergstation gibt es ein Restaurant, und das hei\u00dft auch f\u00fcnf Jahre nach 9\/11 immer noch <em>Windows On The World<\/em>. In Italien hat man mit sowas kein Problem, in San Gimignano werden den amerikanischen Touristen die <a href=\"http:\/\/www.twintowers.it\/\">Zwillingst\u00fcrme der Salvucci<\/a> von den lokalen Fremdenf\u00fchrern auch immer noch als &#8222;unser World Trade Center&#8220; angek\u00fcndigt. Bei den Engl\u00e4ndern, die sich auf der Aussichtsplattform neben dem Restaurant ablichten lassen, sorgt der Name auch eher f\u00fcr Amusement. Der \u00f6rtliche Tourismusmanager w\u00fcrde Kritik vermutlich einfach mit dem Verweis auf einen Lokalbezug beantworten: Der New Yorker Star-Gastronom Sirio Maccioni stammt aus Montecatini und hat auch noch ein Haus an den H\u00e4ngen, die die Standseilbahn hinauff\u00e4hrt. Angeblich geh\u00f6rte er zu den Stammg\u00e4sten im New Yorker <em>Windows On The World<\/em>, und wer wei\u00df, vielleicht hat er die Benennung des Restaurants hier bei einem Heimatbesuch sogar selbst angeregt. Vom etwas schlecht gelaunten Kellner kann man das heute nicht herausbekommen.<\/p>\n<p>Dass man hier oben einen der spektakul\u00e4rsten Aussichtspunkte in der Toskana findet, hat schon Giuseppe Verdi seinerzeit pflichtschuldig in die Aufnahmeger\u00e4te der wartenden Lokalpresse diktiert. Ein paar Schritte weiter hat man ihm das an einer besonders sch\u00f6nen Stelle mit einer Gedenktafel gedankt, auf dem nat\u00fcrlich auch die Stellungnahme von damals in Stein gemei\u00dfelt wurde. Direkt oberhalb (also gl\u00fccklicherweise im R\u00fccken des Landschaftsbetrachters) befindet sich ein riesiger roter Betonkomplex, der mal als Hotel- oder Appartementanlage gedacht war und jetzt eine Spekulationsruine ist: Da summieren sich dann die Sch\u00f6nheit der Gegend und die Gro\u00dfspurigkeit einiger ihrer Bewohner aufs Allerfeinste.<\/p>\n<p>So ganz unpassend ist der Name des Restaurants nicht. Man schaut wirklich in eine kleine Welt von hier oben. Die Toskana ist im Norden fast so etwas wie eine Miniaturausgabe von Italien insgesamt, alle Landschaftsformationen sind hier noch mal auf engem Raum versammelt, die hohen Berge des Appenin laufen \u00fcber sanfte H\u00fcgelkuppen zum Flachland zwischen Florenz und Lucca aus, und ganz in der Ferne ahnt man schon das Meer. Nachts kann man sich tats\u00e4chlich der Illusion hingeben, hoch \u00fcber einer Gro\u00dfstadt zu sitzen, so eng r\u00fccken die Lichter der dicht besiedelten Ebene zwischen Florenz und Lucca zusammen. Nur die Bergr\u00fccken des Montalbano und des Monte Pisano stehen schwarz und einsam in der Landschaft. Es ist kurz vor Vollmond, die Nacht ist hell, es riecht nach wildem Thymian und Minze, also nehmen wir bergab nicht die Seilbahn, sondern einen der Wege, die durch die Olivenhaine und an Privatvillen vorbei &#8211; m\u00f6glicherweise auch der von Don Sirio &#8211; ins Tal f\u00fchren. M\u00fcssen die Nonnen halt mal ohne uns singen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/static.flickr.com\/81\/274846323_d98470fc70.jpg\" alt=\"Monsummano Terme\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu den am\u00fcsantesten Schmuckst\u00fccken von Montecatini Terme geh\u00f6rt die Funicolare, die Standseilbahn, die die moderne Unterstadt und die Kurviertel mit dem alten Dorfkern verbindet. 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