{"id":513,"date":"2006-10-27T14:57:41","date_gmt":"2006-10-27T11:57:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=513"},"modified":"2006-10-27T15:00:33","modified_gmt":"2006-10-27T12:00:33","slug":"ponte-sospeso","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2006\/10\/27\/ponte-sospeso\/","title":{"rendered":"Ponte Sospeso"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/clausmoser\/260046863\/\" title=\"Ponte sospeso\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" align=\"left\" src=\"http:\/\/static.flickr.com\/121\/260046863_1acfe8f873_m.jpg\" width=\"160\" height=\"240\" alt=\"Ponte sospeso\" \/><\/a><br \/>\nVon Br\u00fccken wie dieser tr\u00e4umt man als Kind. Als ob man an einem Spinnenfaden entlangrobbt: Jede Bewegung wird abgenommen und schwingt an den metallenen Dr\u00e4hten entlang in den Wald gegen\u00fcber. Mich w\u00fcrde nicht wundern, wenn da dr\u00fcben tats\u00e4chlich so eine Art Tarantula lauert, um die arglosen Touristen zu verschlucken. Oder ein lachender Takeshi Kitano, weil man, ohne es zu ahnen, in eine japanische Game-Show geraten ist.<!--more--><\/p>\n<p>Die <em>Ponte Sospeso<\/em> findet man <a href=\"http:\/\/maps.google.it\/?ie=UTF8&#038;om=1&#038;z=18&#038;ll=44.053074,10.766773&#038;spn=0.001534,0.003659&#038;t=k\">tief in den pistoiesischen Bergen<\/a>, in der N\u00e4he des D\u00f6rfchens Mammiano. 220 Meter ist sie lang, und am h\u00f6chsten Punkt steht man 35 Meter \u00fcber dem Fl\u00fc\u00dfchen Lima. Errichtet wurde sie 1922, um Arbeitern aus dem Nachbardorf Popiglio eine Abk\u00fcrzung ins Stahlwerk auf der anderen Seite zu bieten. Wenn man sich hier umschaut und die dichten W\u00e4lder sieht, aus denen nur hier und da mal ein kleines D\u00f6rfchen aufscheint, dann m\u00f6chte man gar nicht glauben, dass es hier so etwas Zivilisationsnahes gibt wie Fabriken. Und dass die von einem Mann mit dem geleitet wurde, der Vincenzo Douglas Scotti hie\u00df, was wie der Name einer Figur aus einem Visconti-Film klingt, eine, die von Helmut Berger oder Alain Delon gespielt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/clausmoser\/260026457\/\" title=\"Ponte sospeso\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/static.flickr.com\/95\/260026457_2af5c9fd9f.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Ponte sospeso (detail)\" \/><\/a><br \/>\nDie Br\u00fccke ist ein Monument der Industriekultur dieser Region, belehrt uns die Schautafel, aber monumental sieht sie gar nicht aus, eher fragil, als h\u00e4tte man einfach einen Einkaufswagen in die L\u00e4nge gezogen wie ein St\u00fcck Kaugummi, und man will gar nicht glauben, dass man hier auch noch bei starkem Wind r\u00fcbergehen k\u00f6nnte. Vom Original ist allerdings nicht mehr viel \u00fcbrig: Die Metallgitter und die Stahlseile gl\u00e4nzen alle funkelnagelneu, als w\u00e4ren sie erst vor ein paar Tagen geschrubbt und poliert worden. Und es spazieren auch keine Arbeiter mehr \u00fcber die Br\u00fccke, sondern Touristen und Liebesp\u00e4rchen, er l\u00e4ssig mit der Drahtbr\u00fcstung schaukelnd, sie pflichtbewusst gieksend und an seine Jacke klammernd, beide schuldbewusst grinsend, wenn man sich vorbeidr\u00e4ngelt (man muss dr\u00e4ngeln, weil es so eng ist).<\/p>\n<p>Die Br\u00fccke geh\u00f6rt zu einer Reihe von Sehensw\u00fcrdigkeiten, die in den letzten Jahren restauriert und ausgeschildert wurden, um die Berge von Pistoia als touristischen Anziehungspunkt zu etablieren. Dabei hat man ein besonderes Augenmerk auf Denkm\u00e4ler des wirtschaftlichen und sozialen Lebens gelegt, als wollte man mit aller Kraft beweisen, dass die Gegend nicht immer so verschlafen war wie sie wirkt: Alte Bahnstrecken und Handelspfade wurden zu Wander- und Radwegen umgewidmet, ehemalige Fabriken und Werkst\u00e4tten zu Museen gemacht. Hier hinten ist man ein bi\u00dfchen im toten Winkel der Toskana, die Landschaft ist nicht lieblich, sondern streng und d\u00fcster, die Berge sind hoch und steil, und die aufger\u00e4umten Aussichtspunkte, die man in den Alpen oder im Schwarzwald an jeder Ecke findet, muss man hier erst suchen.<\/p>\n<p>Die M\u00fche machen sich vielleicht nicht so viele. Darum ist das Interesse auch gro\u00df, wenn man sich nach dem Besuch der Br\u00fccke an die kleine Imbi\u00dfbude setzt, die sich unterhalb befindet, direkt neben einem kleinen k\u00fcnstlichen See. Ein paar Familien picknicken hier, und die Kinder spielen johlend am Ufer und erz\u00e4hlen sich, wie sie das geschafft haben mit der \u00dcberquerung der Br\u00fccke.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Br\u00fccken wie dieser tr\u00e4umt man als Kind. Als ob man an einem Spinnenfaden entlangrobbt: Jede Bewegung wird abgenommen und schwingt an den metallenen Dr\u00e4hten entlang in den Wald gegen\u00fcber. Mich w\u00fcrde nicht wundern, wenn da dr\u00fcben tats\u00e4chlich so eine Art Tarantula lauert, um die arglosen Touristen zu verschlucken. 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