{"id":531,"date":"2006-12-07T02:11:13","date_gmt":"2006-12-06T23:11:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=531"},"modified":"2006-12-08T12:23:12","modified_gmt":"2006-12-08T09:23:12","slug":"james-kim","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2006\/12\/07\/james-kim\/","title":{"rendered":"James Kim"},"content":{"rendered":"<p>Ein Mann ist verschwunden in den Rocky Mountains. Er war mit seiner Familie auf eine abgelegene Seitenstra\u00dfe geraten und hatte sich in der Wildnis verfranst. In den Bergen ist schon Winter, und zehn Tage sa\u00dfen er, seine Frau und die zwei kleinen T\u00f6chtern in der K\u00e4lte und im Schnee fest. Dann marschierte er los, um Hilfe zu holen. Aber w\u00e4hrend seine Frau und die beiden Kinder inzwischen durch einen Zufall entdeckt wurden, ist er immer noch verschollen. Die letzte Spur f\u00fchrt in eine Schlucht abseits der Stra\u00dfe: Dort lag eine von zwei Hosen, die er \u00fcbereinander getragen hatte, und ein paar weitere Habseligkeiten.<!--more--><\/p>\n<p>Das liest sich fast wie ein Remake des Textes, der dieses Jahr <a href=\"?p=443\">den Bachmann-Wettbewerb gewonnen hat<\/a>. Es ist eine Geschichte, die in den Bergen immer wieder passiert, und meistens interessieren sich nur die \u00f6rtlichen Tageszeitungen daf\u00fcr. In diesem Fall ist das Interesse aber doch etwas gr\u00f6\u00dfer: Der Mann, der da gesucht wird, ist Redakteur bei <a href=\"http:\/\/www.cnet.com\/\">CNet<\/a>, einem recht bekannten Technologie-Informationsdienst. Sein Name, James Kim, steht bei Technorati mittlerweile unter den meistgesuchten Begriffen, direkt hinter den zur Zeit \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen Britney Spears und StudiVZ.<\/p>\n<p>Ich habe die Geschichte nicht wirklich verfolgt, sondern bin nur \u00fcber einen Link im Kartographie-Blog <a href=\"http:\/\/www.mcwetboy.net\/maproom\/2006\/12\/were_the_kims_led_astray_by_online_maps.phtml\">The Map Room<\/a> darauf gesto\u00dfen. Und das auch eher wegen eines Details, das darin angesprochen wird. Der Map Room zitiert einen Artikel aus der <a href=\"http:\/\/seattletimes.nwsource.com\/html\/travel\/2003462778_webwrongroad05.html\">Seattle Times<\/a>, in dem dar\u00fcber spekuliert wird, ob die Kims m\u00f6glicherweise durch eine fehlerhafte oder mi\u00dfverst\u00e4ndliche Angabe bei einem Online-Kartendienst in die Irre gef\u00fchrt wurden. Die Stra\u00dfe, die die Familie benutzt hat, ist in erster Linie f\u00fcr Forstbeh\u00f6rden und Waldarbeiter gedacht. Im Winter wird sie nicht gewartet und ist in der Regel unpassierbar. Die Einheimischen wissen das, aber bei vielen Kartendiensten und Navigationssystemen, zum Beispiel bei <a href=\"http:\/\/maps.google.com\/maps?f=q&#038;hl=de&#038;ie=UTF8&#038;z=13&#038;ll=42.602631,-123.950157&#038;spn=0.096913,0.263672&#038;t=h&#038;om=1\">Google Maps<\/a>, kann man das nicht wirklich erkennen, da sieht sie wie eine ganz normale \u00dcberlandstra\u00dfe aus. Verf\u00fchrerisch genug jedenfalls f\u00fcr eine Outdoor-verr\u00fcckte Familie, die allem Anschein nach nur mal eben eine landschaftlich reizvollere Strecke fahren wollte als die Hauptroute.<\/p>\n<p>Dass bei Google Maps (und anderen) gelegentlich mal <a href=\"?p=511\">Stra\u00dfen<\/a> oder <a href=\"?p=504\">Eisenbahnlinien<\/a> auftauchen, die gar keine sind, ist mir auch schon hier und da aufgefallen. Gerade in entlegenen Regionen, wo eine eigene Erfassung schwierig oder kostspielig ist, begn\u00fcgen sich die Anbieter solcher Services offenbar gerne damit, vorhandenes Kartenmaterial einfach zu kopieren. Fehler und Ungenauigkeiten werden dann auch schon mal \u00fcber mehrere Plattformen und Versionen hinweg mitgeschleift. Ein Problem, dass sich in einigen Gegenden eher noch potenzieren k\u00f6nnte, da viele \u00f6ffentliche Institutionen, die sonst f\u00fcr die kartographische Erfassung zust\u00e4ndig waren, auch nicht mehr auf dicken Budgets sitzen. (Der Guardian hatte da erst vor kurzem <a href=\"http:\/\/technology.guardian.co.uk\/weekly\/story\/0,,1942266,00.html\">einen Bericht<\/a> \u00fcber K\u00fcrzungen von Subventionen f\u00fcr die britische <a href=\"http:\/\/www.ordnancesurvey.co.uk\">Ordnance Survey<\/a> und spekulierte \u00fcber die dramatischen Konsequenzen, die das haben k\u00f6nnte.)<\/p>\n<p>Wie es der Zufall so will, sitze ich grade an einem Referat, in dem es unter anderem auch um GPS-Tools und Online-Kartographie gehen wird. Der Zusammenhang ist zwar ein v\u00f6llig anderer als hier beim Drama in den Rockies, aber nat\u00fcrlich liegt es nahe, das jetzt als Beispiel daf\u00fcr zu nehmen, dass man sich nicht zu sehr auf die Technologie verlassen soll, lieber auch mal einen Einheimischen fragt und was dergleichen Lehren mehr sind. Das sagt sich dann so einfach. Im \u00fcbrigen gibt es auch Berichte, wonach die Kims durchaus Erkundigungen vor Ort eingeholt haben sollen. Und selbstverst\u00e4ndlich k\u00f6nnen nicht nur bei digitalen Medien, sondern auch bei gedruckten Karten <a href=\"http:\/\/www.morgenpost.de\/content\/2006\/11\/01\/berlin\/863195.html\">Pannen passieren<\/a>. Aber das sind jetzt m\u00fc\u00dfige Gedanken: Denn w\u00e4hrend ich diesen Text geschrieben habe, ist auf CNet gemeldet worden, <a href=\"http:\/\/news.com.com\/James+Kim+found+deceased\/2100-1028_3-6141498.html?tag=cnetfd.ld1\">dass James Kim gefunden wurde<\/a>. Er ist tot.<\/p>\n<p>Update: Die Diskussion um die Zuverl\u00e4ssigkeit von digitalen Karten und Karten \u00fcberhaupt geht als Nebenger\u00e4usch weiter, auch wenn im <a href=\"http:\/\/sfgate.com\/cgi-bin\/article.cgi?f=\/c\/a\/2006\/12\/07\/MAPS.TMP\">San Francisco Chronicle<\/a> einige Aspekte davon gerade ger\u00fcckt werden. Hier hat jemand <a href=\"http:\/\/www.layoutscene.com\/james-kim-path\/index.html\">ein paar Google-Earth-Screenshots<\/a> aufbereitet, die die Tragik der Ereignisse besonders veranschaulicht: Kim war auf der Suche nach Rettung \u00fcber zehn Meilen alleine gelaufen, und befand sich zum Zeitpunkt seines Todes doch nur ein kleines St\u00fcckchen unterhalb des Wohnmobils seiner Familie. Au\u00dferdem war er in die falsche Richtung gelaufen: H\u00e4tte er gleich zu Anfang einen anderen Abzweig genommen, w\u00e4re er an eine Schutzh\u00fctte gekommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Mann ist verschwunden in den Rocky Mountains. Er war mit seiner Familie auf eine abgelegene Seitenstra\u00dfe geraten und hatte sich in der Wildnis verfranst. In den Bergen ist schon Winter, und zehn Tage sa\u00dfen er, seine Frau und die zwei kleinen T\u00f6chtern in der K\u00e4lte und im Schnee fest. 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