{"id":545,"date":"2007-01-02T14:15:20","date_gmt":"2007-01-02T11:15:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=545"},"modified":"2007-01-15T17:26:48","modified_gmt":"2007-01-15T14:26:48","slug":"fackel-20","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2007\/01\/02\/fackel-20\/","title":{"rendered":"Fackel 2.0"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" align=\"left\" src=\"http:\/\/farm1.static.flickr.com\/152\/358208266_df4fb50c26_m.jpg\" alt=\"Die Fackel\" \/>Seit dem 1. Januar 2007 ist das Werk von Karl Kraus gemeinfrei. Das ist ein h\u00e4ssliches Wort, aber ein angenehmer Umstand, und einer der sch\u00f6nsten Folgen davon ist, dass die <a href=\"http:\/\/www.aac.ac.at\/\">\u00d6sterreichische Akademie der Wissenschaften<\/a> s\u00e4mtliche Jahrg\u00e4nge der <em>Fackel<\/em> <a href=\"http:\/\/corpus1.aac.ac.at\/fackel\/\">online verf\u00fcgbar<\/a> gemacht hat. Das ist allein schon deswegen erfreulich, weil es eine digitale <em>Fackel<\/em> bisher nur in Form der arg unzureichenden und s\u00fcndhaft teuren <a href=\"http:\/\/www.saur.de\/index.cfm?lang=DE&#038;ID=0000008601\">CD-ROM des Saur-Verlags<\/a> gab.<!--more--><\/p>\n<p>Auch bei der Fackel-Version der \u00d6AW m\u00f6chte man erst mal mit dem N\u00f6rgeln beginnen: Warum muss man sich zur Nutzung erst umst\u00e4ndlich registrieren (und dabei einer kruden Sammlung unsinniger Nutzungsbedingungen zustimmen)? Warum bleibt man nach dem Login nicht einfach eingeloggt, sondern wird nach kurzer Zeit schon wieder rausgeworfen? Warum so ein grauslicher Name (&#8222;Fackel Gate&#8220;)? Navigation und Layout sind auch sehr gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig und funktionieren allem Anschein nach auch nicht auf allen Browsern. Vielleicht h\u00e4tte man da ein bisschen weniger Ajax auftragen sollen. Oder sich ein bi\u00dfchen am spartanischen, hm, Design-Konzept der Fackel selbst orientieren d\u00fcrfen. (Aber dass man bei der \u00d6AW den Kraus zwar studiert, aber nicht liest, ist ja auch nichts Neues.).<\/p>\n<p>Insgesamt habe ich das Gef\u00fchl, dass hier eine Version online ging, die urspr\u00fcnglich f\u00fcr eine andere Ver\u00f6ffentlichung gedacht war und dann mit wenigen und nur oberfl\u00e4chlich getesteten Modifikationen ins Netz gestellt wurde. Man bekommt nicht wirklich den Eindruck, dass mit diesem Projekt neue Zug\u00e4nge zu Kraus er\u00f6ffnen werden sollen, schon gar nicht f\u00fcr Leser, die Kraus&#8216; Werk bisher nur vom aphoristischen H\u00f6rensagen kennen. Das ist ein bisschen schade, denn davon abgesehen, ist es ja sehr erfreulich, wenn nun tats\u00e4chlich der entscheidende Teil des Werks von Kraus frei zug\u00e4nglich zur Verf\u00fcgung steht. Da kann man nun sehen, dass das Werk mehr ist als ein Steinbruch, aus dem man sich nette Versatzst\u00fccke f\u00fcr sp\u00f6ttisch gemeinte Reden rausbrechen kann, sondern dass es da ein ganzes Gebirge gibt, mit majest\u00e4tisch sch\u00f6nen H\u00f6henlinien, tiefen Senken und auch reichlich Spr\u00f6digkeiten und Verwerfungen. Das w\u00e4re nun der n\u00e4chste Schritt: All die Kreuz- und Querverweise, die Selbstbest\u00e4tigungen und -widerlegungen, die Irr- und Rennwege aufzuarbeiten, die es in diesem Gebirge gibt.<\/p>\n<p>Es liegt nahe, in Kraus einen Blogger <em>avant la lettre<\/em> sehen zu wollen, aber ich w\u00fcrde mal vermuten, dass ihm so eine oberfl\u00e4chliche Aktualisierung zuwider w\u00e4re. Die Gemeinsamkeit besteht ja vor allem darin, sich jenseits der Zw\u00e4nge, denen die Medien unterworfen sind, \u00e4u\u00dfern zu wollen, und diesen \u00c4u\u00dferungen eine &#8211; mehr oder weniger gro\u00dfe &#8211; \u00d6ffentlichkeit zu verschaffen. Mit dem gleichen Recht k\u00f6nnte man Kraus ja auch zum ersten Herausgeber eines Zines adeln, aber das k\u00f6nnte man dann auch von Matthias Claudius oder Lessing behaupten.<\/p>\n<p>Kraus hat sich doch weniger als Avantgardist und Pionier verstanden, eher als Mineur, der im Zweifel auch Sprengs\u00e4tze bei denen anbrachte, die ihn verlinken wollten. Die Avantgarde, das waren eher die anderen: Die Presse und die Journalisten, eine Avantgarde im negativen Sinn, die dem Kommerz Zugang in die Sph\u00e4re des Geistes und der Literatur verschaffte und die Arbeit am Text durch unn\u00f6tiges Geschw\u00e4tz unterbrach.<\/p>\n<p>Aber das kann man ja jetzt alles selbst nachlesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem 1. Januar 2007 ist das Werk von Karl Kraus gemeinfrei. 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