{"id":548,"date":"2007-01-16T16:17:38","date_gmt":"2007-01-16T13:17:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=548"},"modified":"2007-12-30T02:51:52","modified_gmt":"2007-12-29T23:51:52","slug":"hype-mein-fuhrer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2007\/01\/16\/hype-mein-fuhrer\/","title":{"rendered":"Hype, mein F\u00fchrer"},"content":{"rendered":"<p>Gestern war ich also in Dani Levys <a href=\"http:\/\/www.meinfuehrer-derfilm.de\/\">Mein F\u00fchrer<\/a>, und war &#8230; einerseits angetan, andererseits dann doch wieder nicht. Eine solide durchinszenierte Kom\u00f6die, die oft besser funktioniert, als ich gedacht hatte, aber auch bei weitem nicht so k\u00fchn oder dreist, wie man meinen k\u00f6nnte. Eher hat man den Eindruck, dass da jemand eine gute Idee gehabt hat, aber nicht so ganz den Mut, sie auszuspielen.<!--more--><\/p>\n<p>Hitler mit Helge Schneider zu besetzen, ist wirklich grandios (weshalb ja auch Schlingensief <a href=\"http:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=102\">schon mal drauf gekommen ist<\/a>), und die besten Momente des Films sind die, wo Schneider den Raum hat, Hitlers heimliche Verwandschaft zu den singenden Herrentorten und schlingernden Entertainern seiner B\u00fchnen-Shows zu Tage treten zu lassen, zum Beispiel im St\u00e4ndchen f\u00fcr Eva Braun. Die nachfolgende (und von Schneider zurecht ben\u00f6rgelte) Bettszene ist dagegen eher mi\u00dflungen: Komik ist bei Schneider etwas, dass seinen Figuren zust\u00f6\u00dft, wenn sie auf ausgetretenen Pfaden ins Leere laufen. Wenn er dabei noch kalkulierte Kalauer zum Besten geben muss, wirkt das eher fad.<\/p>\n<p>Die Frage, ob man \u00fcber Hitler lachen darf oder nicht, ist doch deswegen so schwierig zu beantworten, weil sie impliziert, dass das Lachen eine bewu\u00dfte Entscheidung ist, und dass L\u00e4cherlichkeit, Absurdit\u00e4t und Komik Aspekte sind, die man von au\u00dfen an eine Sache bindet. Wenn irgendwo Podeste aufgebaut werden, gibt es immer die M\u00f6glichkeit, dass jemand davon herunterf\u00e4llt und dass das dann zum Lachen ist. Die Frage ist eher, wie man dieses komische Potenzial handhabt: als Blo\u00dfstellung, als Befreiung, als Waffe oder zur Verniedlichung.<\/p>\n<p>Schneiders Komik hat etwas Beil\u00e4ufiges und darum ist sie so entlarvend. Levy wiederum hat seine besten Einf\u00e4lle da, wo er das Comichafte und Inszenierte seiner Geschichte betont: In Hitlers Make-Up, das wie Beton an den Wangen von Schneider zu kleben scheint, oder in den virtuellen Computer-Ruinen von Berlin, ein wirkungsvoller Kommentar zu den Hitler-D\u00e4monologien \u00e0 la Guido Knopp, die das Dritte Reich als &#8222;authentisches&#8220; Edutainment inszenieren wollen.<\/p>\n<p>Dem entgeht aber auch Levy nicht so ganz. Das Problem ist eher, dass er die Diskussion, die um seinen Film gef\u00fchrt wird, schon in der Story mit behandeln will, in der Figur des Adolf Gr\u00fcnbaum, der Tanz mit dem B\u00f6sen wagt und sich fragen muss, ob er diese Komplizenschaft wirklich kontrollieren kann. Das funktioniert aber nur teilweise, weil Ulrich M\u00fche kein Komiker ist (oder jedenfalls den wenigen komischen Raum, den Levy ihm zugesteht, nicht wirklich ausnutzt &#8211; in der Szene, wo er Hitler mit einem Goldbarren erschlagen soll, wirkt er als Darsteller hilfloser als die Figur), und auch die Tragik einer solchen Hofnarren-Gestalt nicht wirklich transportiert, dazu bleibt seine Familie zu sehr an den Rand gedr\u00e4ngt, und Hitler muss schon zu den Eheleuten ins Bett kriechen, um sie wenigstens f\u00fcr einen Moment ins Zentrum der Geschichte zu holen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern war ich also in Dani Levys Mein F\u00fchrer, und war &#8230; einerseits angetan, andererseits dann doch wieder nicht. Eine solide durchinszenierte Kom\u00f6die, die oft besser funktioniert, als ich gedacht hatte, aber auch bei weitem nicht so k\u00fchn oder dreist, wie man meinen k\u00f6nnte. 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