{"id":550,"date":"2007-01-17T17:53:25","date_gmt":"2007-01-17T14:53:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=550"},"modified":"2007-01-17T17:53:25","modified_gmt":"2007-01-17T14:53:25","slug":"feltrinelli","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2007\/01\/17\/feltrinelli\/","title":{"rendered":"Feltrinelli"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" align=\"left\" src=\"http:\/\/farm1.static.flickr.com\/153\/360551636_4546db9f50_o.jpg\" alt=\"Giangiacomo Feltrinelli\" \/><br \/>\nVor ein paar Wochen gab es auf <a href=\"http:\/\/www.arte.tv\">Arte<\/a> eine Dokumentation \u00fcber den &#8222;Verleger und Revolution\u00e4r&#8220; <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Giangiacomo_Feltrinelli\">Giangiacomo Feltrinelli<\/a>, Gr\u00fcnder des <a href=\"http:\/\/www.feltrinelli.it\/\">gleichnamigen Verlagshauses<\/a> und eine der schillerndsten Pers\u00f6nlichkeiten der italienischen Linken. Der Film lief sogar im Rahmen eines <a href=\"http:\/\/www.arte.tv\/de\/suche\/1401702.html\">ganzen Themenabends<\/a> zu Feltrinelli, den hatte Arte allerdings wohl nur deshalb eingerichtet, um den <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0059113\/\">Doktor Schiwago<\/a> abspielen zu k\u00f6nnen: Sonst gab es da n\u00e4mlich keine weiteren Beitr\u00e4ge, und die Dokumentation selbst startete auch erst nach Mitternacht.<!--more--><\/p>\n<p>Aber die Programmierung der Themenabende bei Arte w\u00e4re ein Thema f\u00fcr sich. Der <a href=\"http:\/\/www.dschointventschr.ch\/dv\/stage\/filmflyer.php?shortcut=FELTRINELLI\">Dokumentarfilm<\/a> war ganz interessant, vor allem dann, wenn es um Feltrinelli selbst ging. Es gibt kaum eine Person, in der sich die politische Zerrissenheit und Widerspr\u00fcchlichkeit Italiens so verk\u00f6rpert hat, und das muss man makabrerweise ja auch w\u00f6rtlich nehmen: Million\u00e4r und Revolution\u00e4r, erfolgreicher Verleger und \u00fcberzeugter Kommunist, Bonvivant und Untergrundaktivist, und dann noch der Mann-der-das-Che-Guevara-Poster-erfand. 1972 tot aufgefunden, zerfetzt von zehn Stangen Dynamit, mit denen er scheinbar einen Hochspannungsmasten sprengen wollte. Bis heute wird \u00fcber die Umst\u00e4nde seines Todes spekuliert, aber das ist eigentlich nichts Besonders in einem Land, in dem man erstens das Spekulieren liebt und zweitens auch genug verworrene und mysteri\u00f6se Geschichten findet.<\/p>\n<p>Regisseur Alessandro Rossetto hat nun nicht wirklich versucht, die R\u00e4tsel und Widerspr\u00fcchlichkeiten in Feltrinellis Biographie aufzul\u00f6sen, es ging ihm wohl mehr darum, das Zeitkolorit zu erfassen, und das ist ihm zum Teil auch gelungen, nicht zuletzt dank des Zugriffs auf bisher ungezeigtes Material aus den Verlags-Archiven. Allerdings war der Preis daf\u00fcr scheinbar, dass er die aktuelle Entwicklung des Konzerns nur zur\u00fcckhaltend streifte: Feltrinelli ist inzwischen eine Buchhandelskette wie andere auch, vom hochfliegenden Anspruch des Gr\u00fcnders, die L\u00e4den zu einer Art Schaltzentrale zur Bildung der Massen werden zu lassen, bleibt mit jedem Jahr weniger \u00fcbrig. \u00dcber die Wandlung und seine Folgen kann man sich in <a href=\"http:\/\/effelunga.blogspot.com\/\">diesem Blog von Feltrinelli-Mitarbeitern<\/a> ausgiebig informieren. Im Film kommt das nur beil\u00e4ufig vor, zu mehr als ein paar atmosph\u00e4rische Inszenierungen moderner Feltrinelli-Fillialen hatte Rossetto scheint&#8217;s nicht den Mut.<\/p>\n<p>Um so seltsamer, dass der Film &#8211; der von Feltrinelli (bzw. der Tochterfirma Eskimosa) auch <a href=\"http:\/\/www.dschointventschr.ch\/dv\/pdf\/Feltrinelli_press_kit_D.pdf\">koproduziert wurde<\/a> &#8211; nun in Italien offenbar <a href=\"http:\/\/www.newsitaliapress.it\/interna.asp?sez=268&#038;info=131169\">nicht vertrieben werden soll<\/a>. Es gibt da ein paar <a href=\"http:\/\/www.nazioneindiana.com\/2007\/01\/17\/il-film-sui-feltrinelli-che-la-feltrinelli-nega-agli-italiani\/\">widerspr\u00fcchliche Aussagen der Produktionsfirma<\/a> &#8211; angeblich war man mit der Qualit\u00e4t nicht zufrieden, angeblich war der Film von vorn herein gar nicht f\u00fcr das italienische Publikum gedacht, angeblich ist er doch gut genug und man denkt gerade \u00fcber einen Vertrieb nach -, es gibt aber vor allem die Ver\u00e4rgerung des Regisseurs (hier in einem <a href=\"http:\/\/www.radio.rai.it\/podcast\/F0008177.mp3\">Podcast der RAI<\/a>).<\/p>\n<p>Endstation Chiasso: Dass man bei Feltrinelli die Biographie des Patrons nicht mehr so gerne erz\u00e4hlt haben will, au\u00dfer in <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3423340169?ie=UTF8&#038;tag=nightlybuilds-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3423340169\">selbst gedrechselten Hagiographien,<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=nightlybuilds-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3423340169\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> ist schon bemerkenswert und sagt einiges \u00fcber das politische Klima der Post-Berlusconi-\u00c4ra. Aber dass ausgerechnet ein Medienhaus versucht, mit so einer vorsintflutlichen Vertriebsblockaden seiner eigenen Geschichte zu entkommen, das ist auch reichlich bizarr. Und damit ist das dann doch wieder eine typisch italienische Geschichte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor ein paar Wochen gab es auf Arte eine Dokumentation \u00fcber den &#8222;Verleger und Revolution\u00e4r&#8220; Giangiacomo Feltrinelli, Gr\u00fcnder des gleichnamigen Verlagshauses und eine der schillerndsten Pers\u00f6nlichkeiten der italienischen Linken. 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