{"id":554,"date":"2007-01-19T16:17:34","date_gmt":"2007-01-19T13:17:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=554"},"modified":"2010-02-13T02:28:59","modified_gmt":"2010-02-12T23:28:59","slug":"ascii-walk","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2007\/01\/19\/ascii-walk\/","title":{"rendered":"Ausgebucht"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4010\/4340191927_fe3344df05.jpg\" alt=\"Hotel Beethoven\" \/><\/p>\n<p>Es gibt W\u00f6rter, mit denen man die unsinnigsten Assoziationen verkn\u00fcpft. Mir geht es jedesmal so, wenn ich das Wort \u201eHotelzimmer\u201c h\u00f6re. Dann f\u00e4llt mir unweigerlich ein, wie sich Bernd Begemann in irgendeinem Interview mal dar\u00fcber echauffiert hat, dass Nena in einem ihrer Lieder das Wort \u201eHotelzimmer\u201c (oder \u201eMotelzimmer\u201c?) ganz falsch betont: \u201eH\u00f3\u2019telzimmer\u201c statt \u201eHot\u00e9l\u2019zimmer\u201c. Ich wei\u00df nicht, warum ich mir das gemerkt habe, aber seither schie\u00dft mir jedesmal, wenn ich ein Hotel betrete, durch den Kopf: \u201eHot\u00e9l\u2019zimmer\u201c, nicht \u201eH\u00f3\u2019telzimmer\u201c! F\u00fcrchterlich. Und ich habe in meinem Leben viele H\u00f3\u2019telzimmer betreten, m\u00fcssen sie wissen.<!--more--><\/p>\n<blockquote><p>Das Hotel ist schon recht alt. Es sieht so aus, als ob der Besitzer haben nicht alles in diesem Hotel w\u00e4hrend der letzten 20 Jahre. Wie auch immer, die Zimmer sind sehr sauber. Es gibt eine Internetverbindung zur Verf\u00fcgung aber man zahlt viel f\u00fcr die Verbindung. Das Fr\u00fchst\u00fcck ist sehr schlecht (nur kalte Speisen).<br \/>\n<em>LindaNetherlands, Oktober 2008<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Mit solchen Banalit\u00e4ten besch\u00e4ftigt man sich vor allem dann, glaube ich, wenn das Hotel, das man aufsucht, nicht viel an sonstigen \u00e4sthetischen oder touristischen Reizen bietet. Nat\u00fcrlich ist mir das Begemann-Zitat auch wieder eingefallen, als ich in Bonn das <a href=\"http:\/\/www.hotel-beethoven-bonn.com\/\">Hotel Beethoven<\/a> besucht habe. Das ist einer dieser unscheinbaren, zweckm\u00e4\u00dfigen Sechziger-Jahre-Bauten, der nach au\u00dfen nicht viel behauptet, nicht mal Gastfreundschaft. Aber es hat eine ausgesprochen gute Lage. Zentral, mit Blick aufs Rheinufer, direkt neben dem Schauspielhaus, und darum will ich gern glauben, dass das Hotel \u201ein seinen Glanzzeiten viele internationale G\u00e4ste aus Politik und Kultur\u201c beherbergte. Wenn man bei einem so betont n\u00fcchternen Bau \u00fcberhaupt von &#8222;Glanzzeiten&#8220; sprechen kann. Nena war m\u00f6glicherweise auch schon mal da. Vielleicht sogar Bernd Begemann.<\/p>\n<blockquote><p>The hotel seemed rather old, like it has never been renovated. Breakfast poor. The room was so small, seemed like a cage. Parking not so good for big cars. Location was perfect and hotel staff very helpful.<br \/>\n<em>gkel, August 2008<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist Vergangenheit. Der Hotelbetrieb hat vor einiger Zeit dicht gemacht, das Areal ist verkauft und demn\u00e4chst soll hier ein Komplex mit schicken Appartements errichtet werden. Bevor das passiert, wird das Geb\u00e4ude noch mal mit einer Ausstellung &#8222;bespielt&#8220; (wie das bei Marcel Reif heisst): <em>Fully Booked<\/em>, veranstaltet von einem Verein mit dem Namen <a href=\"http:\/\/www.moving-locations.de\/\">Moving Locations<\/a>, der sich das &#8222;Bespielen&#8220; (wie das bei B\u00e9la R\u00e9thy heisst) von Orten, die nur f\u00fcr einen begrenzten Zeitraum zur Verf\u00fcgung stehen, zum Ziel gesetzt hat. Fully Booked ist, wenn ich es richtig verstanden habe, das erste Projekt dieser Art, und hoffentlich nicht das letzte. (Bespielenswerte R\u00e4umlichkeiten gibt es schlie\u00dflich in Bonn mehr als genug.)<\/p>\n<blockquote><p>Eine schlimme Erfahrung dieses Hotel. Wir suchten dieses Hotel im Rahmen einer Gesch\u00e4ftsreise auf. Die Lage ist hervorragend und sehr zentral, aber das ist auch alles was man als positiv bewerten kann. [&#8230;] Der Zustand der Zimmer ekelerregend schmutzig und abgewohnt. Sollte die DEHOGA dieses Hotel je besuchen sind alle Sterne und auch die Hygenezulassung dahin.<br \/>\n<em>Andreas, o.D.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Etwa 50 K\u00fcnstler und K\u00fcnstlerinnen haben die Kuratoren Christine R\u00fchmann und Sjaak Beemsterboer eingeladen, fast jeder bekam ein Zimmer zur Bearbeitung zugeteilt (einige auch Foyer, Treppenhaus oder Flure), die Kuratoren selbst haben sich das Penthouse im obersten Stock vorgenommen. Und diese Um-, Quer- und Mi\u00dfgestaltungen sind ja an sich schon ein ungeheuerlicher Vorgang, schlie\u00dflich ist ein Hotel doch eigentlich ein Geb\u00e4ude, dass von seiner Funktion her Individualit\u00e4t nur einen begrenzten Raum haben darf und Verg\u00e4nglichkeit unsichtbar bleiben muss. Und nach elf kommt die Putzkolonne, dann wird alles weggewischt, was \u00fcber die Nacht an Spuren pers\u00f6nlicher oder allgemeiner Geschichte zur\u00fcckgeblieben ist. Mehr Historie als ein paar Fotos prominenter G\u00e4ste in der Hotelbar darf es nicht geben.<\/p>\n<blockquote><p>Beethoven h\u00e4tte sich im Grab umgedreht, wenn er w\u00fcsste, dass so ein Haus seinen Namen tr\u00e4gt! Wie kann man nur heutzutage so ein Hotel mit ruhigem Gewissen betreiben? Ich pers\u00f6nlich habe mich vor den ausl\u00e4ndischen G\u00e4sten aus Japan, Russland etc. f\u00fcr diesen Standard in der ehemaligen Hauptstadt gesch\u00e4mt.<br \/>\n<em>Beate, September 2008<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Das Hotel &#8222;Beethoven&#8220; hat allerdings, wie man schnell erkennen kann, seine Funktion in den letzten Jahren nur mehr schlecht als recht erf\u00fcllt. Teppiche, Fenster, die Reste der verbliebenen Inneneinrichtung &#8211; alles ist ziemlich abgenutzt und heruntergekommen. Das Hotel wirkt wie eine dr\u00f6ge Beh\u00f6rde, in die \u00dcbernachtung nicht mehr als ein abzuarbeitender Tagesordnungspunkt war. Die n\u00fcchterne Zweckm\u00e4\u00dfigkeit der Architektur und der Verzicht auf jede individualisierende oder regionalisierende Spielerei macht das Hotel nun zu einem leichten Opfer f\u00fcr k\u00fcnstlerische Arch\u00e4ologien. Und die nehmen sehr unterschiedliche Formen an: Mal minimalistisch, mal \u00fcberbordend; mal vorsichtig und behutsam, mal prek\u00e4r und vandalistisch; und es gibt nat\u00fcrlich auch den einen oder anderen Verweigerer, der sich vom Hotelzimmer keinen Dialog aufzwingen lassen wollen und stattdessen einfach ein paar Bilder aufh\u00e4ngen.Ganz \u201eausgebucht\u201c ist das Hotel \u00fcbrigens nicht: Ein paar Zimmer bleiben mysteri\u00f6serweise verschlossen, und wer will, kann sich seine Geschichte dazu denken.<\/p>\n<blockquote><p>Das Hotel hat den Charme einer Jugendherberge aus den 70-ziger Jahren. Alles wirkt irgendwie dreckig und abgenutzt. Von Sauberkeit kann man \u00fcberhaupt nicht reden. Das trifft f\u00fcr Innen wie auch Au\u00dfen zu.<br \/>\n<em>Karin, Mai 2008<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Vielfalt an unterschiedlichen und fast durch die Bank sehenswerten k\u00fcnstlerischen Positionen ist bemerkenswert, und man kann die Organisatoren nur bewundern. Diese Vielfalt ist allerdings auch nicht ganz unproblematisch. F\u00fcnfzig Sichtweisen wollen erst mal gew\u00fcrdigt werden, und wenn man schlie\u00dflich im Penthouse angekommen ist, f\u00fchlt man sich ein wenig wie ein Staatssekret\u00e4r nach einem langen Konferenztag, m\u00f6chte am liebsten die T\u00fcr hinter sich zu ziehen und ins Bett fallen. Aber das ist nur eine etwas beiseite gesprochene N\u00f6rgelei, und schlie\u00dflich bietet sich auch nicht alle Tage die M\u00f6glichkeit, in so einem Rahmen so viele unterschiedliche k\u00fcnstlerische Standpunkte zusammenzubringen.<\/p>\n<p>\u201eFully booked\u201c l\u00e4uft noch bis zum 28. Februar. Die eingestreuten Zitate stammen \u00fcbrigens aus Bewertungen des Hotels Beethoven, das sich noch immer bei einigen einschl\u00e4gigen Internet-Portalen gelistet findet.<\/p>\n<blockquote><p>Das Hotel ist total abgewohnt, sch\u00e4bige M\u00f6bel, aber das Personal, insbesondere beim Fr\u00fchst\u00fcck, war nett<br \/>\n<em>Hartmut, Februar 2008<\/em><\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt W\u00f6rter, mit denen man die unsinnigsten Assoziationen verkn\u00fcpft. Mir geht es jedesmal so, wenn ich das Wort \u201eHotelzimmer\u201c h\u00f6re. Dann f\u00e4llt mir unweigerlich ein, wie sich Bernd Begemann in irgendeinem Interview mal dar\u00fcber echauffiert hat, dass Nena in einem ihrer Lieder das Wort \u201eHotelzimmer\u201c (oder \u201eMotelzimmer\u201c?) ganz falsch betont: \u201eH\u00f3\u2019telzimmer\u201c statt \u201eHot\u00e9l\u2019zimmer\u201c. 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