{"id":635,"date":"2007-10-15T01:17:18","date_gmt":"2007-10-14T22:17:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=635"},"modified":"2007-10-15T01:17:18","modified_gmt":"2007-10-14T22:17:18","slug":"veltroni","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2007\/10\/15\/veltroni\/","title":{"rendered":"Veltroni"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2103\/1633651092_ae11369c49.jpg\" alt=\"Pisa\" \/><\/p>\n<p>Das Sch\u00f6ne an Italien ist, dass auch um diese Jahreszeit Politik noch im Freien stattfinden kann. Wie hier in Pisa, an einem strahlend sch\u00f6nen und angenehm warmen Herbsttag: Ein gutes Dutzend Menschen hat sich versammelt, um unter den skeptsischen Blicken von Nicola Pisano w\u00e4hlen zu gehen. Es ist zwar nicht die Wahl eines Parlaments, die hier ansteht, sonst w\u00fcrde das nat\u00fcrlich auch in den geschlossenen R\u00e4umen eines Municipio oder einer Schule ablaufen, aber es ist trotzdem eine besondere Wahl. Gew\u00e4hlt wird hier der erste Vorsitzende des Partito Democratico, und die gesamte italienische Bev\u00f6lkerung ist eingeladen, daran teilzunehmen.<!--more--><\/p>\n<p>Der Partito Democratico ist ein erneuter Versuch, der italienischen Linken so etwas wie ein einheitliches Gesicht und vor allem eine kr\u00e4ftigere Stimme zu geben. Es sind zwar nicht alle linken Parteien an Bord, aber doch die wichtigsten Vertreter des Ulivo-B\u00fcndnisses, das auch f\u00fcr Prodis Regierung entscheidend ist. Den Vorsitz dieser neuen Partei \u00f6ffentlich w\u00e4hlen zu lassen, ist ein bemerkenswerter Vorgang, vielleicht ein bisschen populistisch, aber trotzdem passend f\u00fcr ein Land, dass die Stra\u00dfe und die Piazza eben nicht als etwas Bedrohliches empfindet, sondern als Verl\u00e4ngerung des Forums. Eine politische Entscheidung ist nur dann vollwertig, wenn sie durch die \u00f6ffentliche Meinung best\u00e4tigt wurde &#8211; das war und ist hier, bei allen Schatten\u00f6konomien und -politiken, immer so.<\/p>\n<p>Am Abend werden die Nachrichten vermelden, dass Walter Veltroni, Oberb\u00fcrgermeister von Rom, mit \u00fcberzeugender Mehrheit gewonnen hat: Drei Viertel aller Stimmen wird er auf sich vereinigt und damit einige aussichtsreiche Kandidaten, wie zum Beispiel Familienministerin Rosy Bindi, aus dem Feld geschlagen haben. Veltroni ist keine unumstrittene Pers\u00f6nlichkeit. Geschickt und diplomatisch versiert, w\u00fcrden die einen sagen, linker Karrierist die anderen. Er sass in der F\u00fchrung der kommunistischen Partei und hat deren Wandlung hin zur linken Mitte des politischen Spektrums mit vorangetrieben. Als ehemaliger Chefredakteur der ehemals kommunistischen Tageszeitung <a href=\"http:\/\/www.unita.it\">L&#8217;Unit\u00e0<\/a> hat er gelernt, wie man Themen platziert, Agenden verwaltet (und wie man Leser mit netten Geschenken und Gadgets k\u00f6dert, was der <em>Unit\u00e0<\/em> aber am Ende fast den Garaus gemacht h\u00e4tte.)<\/p>\n<p>Was Veltroni mit der neuen Partei machen wird, was die Linke davon haben wird, dass es diese Partei gibt und ob sich da tats\u00e4chlich ein Gegengewicht aufbauen l\u00e4sst zu den immer noch sehr massiv wirkenden Kr\u00e4ften auf der rechten Seite des politischen Spektrums muss man sehen. Aber die Nachrichten werden am Abend auch vermelden, dass sich mehr als doppelt so viele Menschen zu diesen Wahlen eingefunden haben als die Organisatoren erwartet haben. Gerechnet hatte man mit etwa 1,5 Millionen W\u00e4hlern, gekommen sind weit \u00fcber 3 Millionen. Und das finde ich sehr erstaunlich, und es stimmt &#8211; bei aller Skepsis gegen\u00fcber dem politischen Establishment in diesem Land &#8211; auch optimistisch: Das zeigt doch, dass ein guter Teil der Menschen noch nicht abgeschlossen hat mit der Politik und mit der politischen Utopie. Es gibt noch (oder wieder) die Idee, dass man etwas machen kann, dass sich Dinge bewegen lassen und dass die Gr\u00fcndung einer Partei vielleicht nicht die Verh\u00e4ltnisse \u00e4ndert, aber doch ein guter Anlass ist, um zu signalisieren, dass man die Ver\u00e4nderung der Verh\u00e4ltnisse noch nicht aufgegeben haben.<\/p>\n<p>Mal sehen, wie viel Veltroni davon verstanden hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Sch\u00f6ne an Italien ist, dass auch um diese Jahreszeit Politik noch im Freien stattfinden kann. Wie hier in Pisa, an einem strahlend sch\u00f6nen und angenehm warmen Herbsttag: Ein gutes Dutzend Menschen hat sich versammelt, um unter den skeptsischen Blicken von Nicola Pisano w\u00e4hlen zu gehen. Es ist zwar nicht die Wahl eines Parlaments, die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-635","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/635","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=635"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/635\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=635"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=635"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=635"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}