{"id":646,"date":"2010-05-20T17:57:37","date_gmt":"2010-05-20T14:57:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=646"},"modified":"2011-10-24T16:36:36","modified_gmt":"2011-10-24T13:36:36","slug":"ruhrhalden-tour-i","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2010\/05\/20\/ruhrhalden-tour-i\/","title":{"rendered":"Ruhrhalden-Tour I"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/farm1.static.flickr.com\/202\/509632120_8426ff129b.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden I]\" title=\"Halde Haniel\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm1.static.flickr.com\/202\/509632120_8426ff129b.jpg\" width=\"333\" height=\"500\" alt=\"Halde Haniel\" \/><\/a><\/p>\n<p>Bergehalden sind die sichtbarsten Zeugnisse einer notgedrungen verschwenderischen Industrie. Fast die H\u00e4lfte des Materials, das im Steinkohleabbau zu Tage gef\u00f6rdert wird, ist taubes Gestein (Berge), und davon wiederum m\u00fcssen drei Viertel oberirdisch aufgeh\u00e4uft werden. Es hat relativ lange gedauert, bis man diesen landschaftlichen Eingriff als eben das begriffen hat: Eine Umgestaltung der Landschaft, die Struktur, Aussehen und \u00d6kologie einer Region ma\u00dfgeblich ver\u00e4ndert. Erst sp\u00e4t begann man damit, Halden bewusst als Landschaftsbauwerke zu definieren, die auch nach ihrer industriellen Nutzung noch eine Funktion haben sollten, und schon f\u00fcr den Entstehungsprozess feste Gestaltungsregeln aufzustellen.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.gpsies.com\/mapOnly.do?fileId=tksqfxmbohzhxukk\" width=\"600\" height=\"300\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" marginheight=\"0\" marginwidth=\"0\" title=\"GPSies - Ruhrhalden-Tour I\"><\/iframe><!--more--><\/p>\n<p>Aus \u00f6kologischer Sicht sind Halden durchaus widerspr\u00fcchliche und komplexe Gebilde. Einerseits schaffen sie eine Vielzahl von Umweltproblemen: Durch ihren Platzbedarf zerst\u00f6ren sie gro\u00dffl\u00e4chige Lebensr\u00e4ume und Biotope. Die hier aufgesch\u00fctteten Materialien k\u00f6nnen das Grundwasser und die Luft verunreinigen, sie k\u00f6nnen in Bewegung geraten (mit gelegentlich katastrophalen Konsequenzen) und sich sogar selbst entz\u00fcnden. Andererseits sind Halden ein Beispiel daf\u00fcr, wie auch industrielle Brachen eine eigene \u00d6kologie entwickeln. Vermutlich gibt es nur wenige Industriebauwerke, die bei Natursch\u00fctzern so beliebt sind wie Abraumhalden, weil sich hier aufgrund der besonderen Mikroklimata und Bodenverh\u00e4ltnisse oft eine vielf\u00e4ltige und oft seltene Fauna und Flora entwickelt, die es an anderen Stellen nicht gibt. Das f\u00fchrt zu dem etwas paradoxen Bed\u00fcrfnis, diese k\u00fcnstliche Landschaft m\u00f6glichst nat\u00fcrlichen Entwicklungsbedingungen zu \u00fcberlassen. Was dann wiederum kollidiert mit den Interessen und W\u00fcnschen von Hobbysportlern und Spazierg\u00e4ngern, aber auch denen lokaler Kommunalpolitiker und Tourismusmanager, die die Abraumhalden als Landmarken aufwerten und zu Erlebnisparks umgestalten m\u00f6chten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4031\/4614662184_427e18ae2a_d.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden I]\" title=\"Tetraeder und Halde Haniel\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4031\/4614662184_427e18ae2a_d.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Tetraeder und Halde Haniel\" \/><\/a><\/p>\n<p>Halden sind ein herausragender Ort, um unterschiedliche Arten \u00f6ffentlicher Inanspruchnahme der Landschaft zu beobachten. Dass die Berge aus der Retorte ein spannendes Areal f\u00fcr Landschafts- und St\u00e4dteplaner sind, ist keine Frage. Aber nat\u00fcrlich werden sie auch Objekt der spontanen und informellen Landschaftsgestaltung durch Anwohner, Touristen und alle, die sonst etwas mit diesem Gel\u00e4nde anfangen k\u00f6nnen. Wie sich das eine mit dem anderen vert\u00e4gt, l\u00e4sst sich wohl nur an wenigen Orten so gut beobachten wie im Ruhrgebiet, wo mehr Halden nahe beieinander liegen als irgendwo sonst in Deutschland. Wie viele es insgesamt gibt, ist gar nicht so einfach herauszufinden: Rund 170 Halden wurden im Laufe der Industriegeschichte aufgesch\u00fcttet. Davon existieren zwar l\u00e4ngst nicht mehr alle, aber <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3837501701?ie=UTF8&#038;tag=nightlybuilds-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3837501701\">ein aktueller Reisef\u00fchrer<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=nightlybuilds-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3837501701\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/>, der sich speziell den Halden widmet, spricht von etwa 70, die Website der Route zur Industriekultur sogar von 100. Wie die stillgelegten Zechen sind sie l\u00e4ngst zu Symbolen des Strukturwandels erkl\u00e4rt worden: Sozusagen das Biotop, in dem die Verwandlung des Ph\u00f6nix aus der Asche zum Teil der regionalen Freizeit- und Erlebniskultur wird.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3332\/4614328650_9e7af1c88e.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden I]\" title=\"Mountainbiker auf Rheinelbe\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3332\/4614328650_9e7af1c88e.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Mountainbiker auf Rheinelbe\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die folgende Route ist eine gute M\u00f6glichkeit, ein paar der prominenteren Halden in Augenschein zu nehmen. Ein paar technische Hinweise dazu: Es ist eine sehr lange Route, die sich aber gut in kleinere Portionen aufteilen l\u00e4sst. Die lange Anfahrt vom Startpunkt am Hauptbahnhof Oberhausen bis zur ersten Halde in Essen und der Zielpunkt am Bahnhof Dinslaken sind aus praktischen Gr\u00fcnden gew\u00e4hlt \u2013 beide Bahnh\u00f6fe liegen f\u00fcr mich am g\u00fcnstigsten. Beides kann man nat\u00fcrlich abk\u00fcrzen, aber sowohl die Route durch Oberhausen und Essen als auch das Finale Richtung Dinslaken f\u00fchren durch mindestens ebenso sehenswertes Gel\u00e4nde wie die Tour \u00fcber die Halden.<\/p>\n<p>Die Route geht \u00fcber Fahrradwege, ruhige Seitenstra\u00dfen und Waldwege. Die Wege auf den Halden selbst sind von unterschiedlicher Qualit\u00e4t: Auf einigen gibt es asphaltierte Str\u00e4\u00dfchen, meistens hat man es aber mit geschotterten Pisten zu tun, an einigen (wenigen) Stellen f\u00fchrt der GPS-Track \u00fcber kleine Pfade und Singletrails. Mit einem guten Mountainbike oder Tourenrad ist die Tour kommt man da \u00fcberall durch. Die Orientierung ist in der Regel selbst da, wo man es \u2013etwa auf der Schurenbachhalde oder auf Haniel \u2013 mit einem fast schon labyrinthischen Netz an Haupt- und Nebenwegen zu tun hat, nicht wirklich schwierig.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3350\/4617104324_c21ba1cae6.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden I]\" title=\"Stillleben mit Bike auf Haniel\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3350\/4617104324_c21ba1cae6.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Halde Haniel\" \/><\/a><\/p>\n<p>Und nun zu den Halden, die man auf dieser Tour abfahren kann.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst geht es vom Hauptbahnhof Oberhausen am Grillopark und Rathaus vorbei durch ruhige Wohnviertel, dann auf kleinen Nebenwegen und Seitenstra\u00dfen Richtung Essen. Dort passiert die Route urbane Landmarken wie die ehemalige Zeche Amalie, den Berliner Platz und den Campus der Universit\u00e4t, dazu zahlreich Gr\u00fcnanlagen und Schreberg\u00e4rten. Nach 17 Kilometern sind wir schlie\u00dflich an der ersten Halde:<\/p>\n<p><strong>Halde Zollverein<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3376\/4613278803_f7626b4012.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden I]\" title=\"R\u00fcckriem auf Zollverein\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3376\/4613278803_f7626b4012.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"R\u00fcckriem auf Zollverein\" \/><\/a><\/p>\n<p>Sie ist die unauff\u00e4lligste und niedrigste dieser Tour, aber weil sie nur zur\u00fcckhaltend gestaltet wurde und einen etwas romantisch-ruin\u00f6sen Eindruck macht, auch eine der sch\u00f6neren. Der Name \u201eZollverein\u201c ist nicht ganz exakt, sie hat eigentlich keinen richtigen, geh\u00f6rt aber zum Komplex der Zeche Zollverein und liegt zwischen der ehemaligen Kokerei und dem eigentlichen Zechengel\u00e4nde. Ein paar vor sich hinrostende Maschinen, Gleise und Schuppen sind die einzigen Indizien daf\u00fcr, dass es sich hier mal um ein Industriegel\u00e4nde gehandelt hat. Die GPS-Route f\u00fchrt \u00fcber den Hauptweg, der sich sanft hangaufw\u00e4rts schl\u00e4ngelt, und dreht eine kleine Runde auf einem Singletrail durch den Laubwald. Entlang der Strecke stehen mehrere Granitskulpturen von Ulrich R\u00fcckriem, die beeindruckendste ein vierteiliger, mauerartiger Block im ehemaligen Absetzbecken. Anschlie\u00dfend geht es \u00fcber das Gel\u00e4nde der Zeche Zollverein weiter (am Wochenende muss man da einen vorsichtigen Slalom durch die zahlreichen Besucher absolvieren) Richtung Gelsenkirchen. Dabei kommt man am Zollvereins-Kubus vorbei, neben dem sich die Halde Zollverein \u00bd befindet \u2013 eine alte Spitzkegelhalde, die nicht betreten werden kann.<\/p>\n<p>Weiter geht es \u00fcber ehemalige Bahnstrecken zur<br \/>\n<strong><br \/>\nHalde Rheinelbe<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3391\/4613724585_7d8b1f9fa8.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden I]\" title=\"Himmelstreppe auf Rheinelbe\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3391\/4613724585_7d8b1f9fa8.jpg\" width=\"333\" height=\"500\" alt=\"Himmelstreppe\" \/><\/a><\/p>\n<p>Rheinelbe erreicht man etwa bei Kilometer 27 dieser Tour. Der Name allein verleitet schon zur Mythologisierung, mit seiner merkw\u00fcrdigen ungeographischen Verschmelzung zweier gro\u00dfer Fl\u00fcsse. Tats\u00e4chlich ist Rheinelbe eine der prominenteren und gezielt als Landmarke gestalteten Halden des Ruhrgebiets,  mit einer von Herman Prigann gestalteten \u201eHimmelstreppe\u201c, einer totem-\u00e4hnlichen, aus Betontr\u00fcmmern gestalteten Skulptur auf einem Spitzkegel, der von schneckenhausf\u00f6rmigen Spazierwegen umkreist wird. Das der Kegel wie ein Miniaturvulkan aussieht, ist \u00fcbrigens nicht so unpassend: Rheinelbe gilt als brennende Halde und ist damit auch ein Mahmal f\u00fcr die Unabsch\u00e4tzbarkeit \u00f6kologischer Risiken und Nebenwirkungen. An der Skulptur \u00fcben sich t\u00fcrkische Jungs in Kletterk\u00fcnsten, Rentner erl\u00e4utern ihren Enkeln die Gegend, Mountainbiker st\u00fcrzen sich den Steilhang hinunter. Dass das Ruhrgebiet erstaunlich gr\u00fcn ist, soll man ja laut Frank Goosen m\u00f6glichst nicht mehr sagen, aber von hier aus sieht man, dass die Region bei weitem nicht so dicht besiedelt ist wie man denken k\u00f6nnte. Man sieht Raps- und Getreidefelder, W\u00e4lder und mit dem Essener Mechtenberg eine der nat\u00fcrlichen Erhebungen des Ruhrgebiets. (Nicht zu vergessen das Wattenscheider Lohrheide-Stadion, in dem ich vor vielen Jahren bei einer unvergesslichen Aufstiegsfeier des SC Freiburg dabei war).<\/p>\n<p>Zu F\u00fc\u00dfen von Rheinelbe erstreckt sich ein kleines Waldgebiet, in dem Prigann einen \u201eSkulpturenpark\u201c angelegt hat, wie die Himmelstreppe vor allem aus Industrieabf\u00e4llen und \u2013tr\u00fcmmern gestaltet und von Kindern gerne als Abenteuerspielplatz genutzt. Von den Tr\u00fcmmern alter Industrien geht es vorbei an den Utopien der neuen, also durch den Gelsenkirchener Wissenschaftspark Richtung Norden. Schon nach etwa f\u00fcnf Kilometern sind wir an der n\u00e4chsten Halde, n\u00e4mlich<br \/>\n<strong><br \/>\nHalde Zollverein 4\/11<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4059\/4613772601_f7c19bcd9e.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden I]\" title=\"Halde Zollverein 4-11\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4059\/4613772601_f7c19bcd9e.jpg\" width=\"333\" height=\"500\" alt=\"Halde Zollverein 4-11\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Name sagt es schon, auch diese Halde geh\u00f6rte zum Komplex der Zeche Zollverein. Sie ist ebenfalls eine eher unspektakul\u00e4re Halde, mit einer fast vollst\u00e4ndig bewaldeten Kuppe und einigen Reit- und Spazierwegen, au\u00dferdem eine kleine Lichtung, von der man zur Zeche und zur Essener Innenstadt schauen kann. Zu F\u00fc\u00dfen der Halde liegt die Trabrennbahn Nienhausen, eine der \u00e4ltesten des Ruhrgebiets, und die Reitpfade werden von den Trabern als Trainings- und Auslaufstrecken genutzt. Insgesamt ist hier oben aber wenig los, und wer eine ruhige Pause braucht, sollte die nun einlegen.<\/p>\n<p>Ansonsten geht es talw\u00e4rts, vorbei an der Faith-Moschee \u2013 dem ersten Moscheebau in Essen \u2013 und unter dem Emscherschnellweg hindurch in Richtung Rhein-Herne-Kanal.<\/p>\n<p><strong>Schurenbachhalde<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3589\/4613782903_26153da6a8.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden I]\" title=\"Richard Serra: Bramme f\u00fcr das Ruhrgebiet\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3589\/4613782903_26153da6a8.jpg\" width=\"333\" height=\"500\" alt=\"Bramme f\u00fcr das Ruhrgebiet\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Schurenbachhalde liegt zwischen Kanal und Autobahn. Sie ist ein Paradies f\u00fcr Mountainbiker und BMXer, die hier zahlreiche kleine Trails und Schanzen durchs Geh\u00f6lz angelegt haben. Eine steile Treppe f\u00fchrt den Osthang der Halde hinauf, unsere Route folgt breiteren Spazierwegen und kleinen Pfaden zum Gipfel. Auch die Schurenbachhalde ist als Landmarke gestaltet, aber das in einer wirklich gelungenen Form: Die Kuppe ist kahl, mitten im schwarzen Kohlenstaub steht Richard Serras Bramme f\u00fcr das Ruhrgebiet \u2013 ein melancholisches Symbol f\u00fcr einen Gro\u00dfraum, der \u2013 Strukturwandel hin, Kulturhauptstadt her \u2013 eine Neudefinition erst noch finden muss. Ein gro\u00dfartiger Ort, gerade wegen seiner Leere und Unbestimmtheit. Und Bramme ist ein fantastisches Wort, ein seltenes Zusammentreffen von der Sound und Bedeutung. (Dass Serra sie in Lothringen produzieren lassen musste, weil es im Ruhrgebiet selbst keine M\u00f6glichkeit mehr dazu gab, ist nat\u00fcrlich auch von einer sehr treffenden Symbolik.)<\/p>\n<p>\u00dcber einen fabelhaften Downhill-Trail geht es bergab und \u00fcber den Kanal zur Gartenstadt Welheim. Die Gartenst\u00e4dte des Ruhrgebiets sind ein Kapitel f\u00fcr sich, und Welheim ist ein besonders h\u00fcbsches Beispiel, aber daf\u00fcr haben wir jetzt keine Zeit, denn wir m\u00fcssen weiter zur<br \/>\n<strong><br \/>\nHalde Prosperstra\u00dfe<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4072\/4614608636_ff82fde498.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden I]\" title=\"Halde Prosperstra\u00dfe mit Alpincenter und Zeche Prosper\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4072\/4614608636_ff82fde498.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Halde Prosperstra\u00dfe\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Halde, beziehungsweise die Stra\u00dfe, an der sie liegt, hat ihren Namen von der Zeche Prosper, einer der (un\u00fcbersehbar) noch aktiven Steinkohlezechen. Auf der Halde befindet sich das Alpincenter Bottrop, ein Beweis daf\u00fcr, dass die moderne Freizeit- und Eventkultur auch Abscheulichkeiten produzieren kann, die denen der Gro\u00dfindustrie in nichts nachstehen. Das Alpincenter beherbergt eine Skihalle und w\u00e4lzt sich als blechernes Monster den Hang hinab. Au\u00dferdem gibt es eine Sommerrodelbahn, einen lieblos angeflanschten Biergarten und eine Art Kletterpark (eigentlich nur ein mickriges Ger\u00fcst). Nichts gegen Freizeit am Flie\u00dfband, aber dieses Dings hier ist derma\u00dfen r\u00fccksichtslos in die Landschaft geklotzt, das man sich fragt, wer in sowas eine echte Aufwertung sehen soll. Vom Parkplatz des Alpincenters hat man einen ganz sch\u00f6nen Blick, aber ansonsten kann man sich diese Halde auch schenken.<\/p>\n<p>Sch\u00f6ne Blicke hat man n\u00e4mlich auch von der unmittelbar benachbarten Halde Beckstra\u00dfe: Um dorthin zu gelangen, muss man sich nur kurz in das k\u00fcnstliche Tal st\u00fcrzen, das von einer Bahnlinie durchschnitten wird, dann geht\u2019s auch schon wieder aufw\u00e4rts.<\/p>\n<p>(Aber wo wir schon von sportlichen Dingen sprechen, noch eine kleine Abschweifung: Die Zeche Prosper hat ihren Namen \u00fcbrigens von Herzog Prosper von Arenberg, der hier das Bergregal besass. Zur Dynastie der Arenbergs geh\u00f6rte auch eine franz\u00f6sische Linie, die in Nordfrankreich als Bergunternehmer t\u00e4tig war. Nach diesen Arenbergs ist die Arenberg-Grube in Wallers benannt und damit auch die Trou\u00e9e d\u2019Arenberg, einer der legend\u00e4ren Kopfsteinpflaster-Sektoren bei Paris-Roubaix.)<\/p>\n<p><strong>Halde Beckstra\u00dfe<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3309\/4614599166_93e5d3021b.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden I]\" title=\"Tetraeder auf der Halde Beckstra\u00dfe (a.k.a. Emscherblick)\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3309\/4614599166_93e5d3021b.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Tetraeder\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Beckstra\u00dfenhalde nennt die Stadt Bottrop inzwischen lieber \u201eHaldenereignis Emscherblick\u201c. Das suggeriert eine landschaftsgestalterische Zurichtung zum touristischen Spitzenprodukt f\u00fcr eine Event- und Spektakelkultur, die ihre Erlebnisse m\u00f6glichst konsumfreundlich aufbereitet haben will. Die Halde an der Beckstra\u00dfe ist fast ein bisschen zu perfekt herausgeputzt, und der Tetraeder, das ikonische Bauwerk auf dem Gipfel, fast etwas zu spektakul\u00e4r. Aber das Geflecht aus sauber arrangiertem Gest\u00e4nge, schr\u00e4gen Treppen und schiefen Ebenen hat dann doch einen gewissen Jahrmarkts-Charme, und der Rundumblick ist tats\u00e4chlich grandios.<\/p>\n<p>Es geht aber auch noch grandioser. Vom Haldenereignis geht es in weitem Bogen um die Bottroper Innenstadt zu einem meiner Lieblingspl\u00e4tze im Ruhrgebiet: <\/p>\n<p><strong>Halde Haniel<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm1.static.flickr.com\/223\/510508204_48ac6f78a5.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden I]\" title=\"Amphitheater und Totems auf Halde Haniel (Das Bild ist von 2007, die Totems stehen inzwischen am Rand des Kraters)\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm1.static.flickr.com\/223\/510508204_48ac6f78a5.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Totems\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Halde Haniel ist der Mont Ventoux des Ruhrgebiets. Die kahle Kuppe ist schon von weitem sichtbar, und auch wenn es hier nur auf 185 Meter hinauf geht, hat es der Anstieg durchaus in sich. Die GPS-Route folgt bergauf dem Verlauf des Kreuzwegs, der ein paar toughe Rampen und einigen losen Schotter hat. Wer da aus der Puste kommt, kann ja an den einzelnen Stationen anhalten und die verschiedenen Objekte aus der Geschichte des Bergbaus bewundern, die dort aufgestellt sind. Hinter dem vermeintlichen Gipfelkreuz geht links um die Kuppe herum und dann noch einmal ein gutes St\u00fcckchen hinauf, bis man tats\u00e4chlich ganz oben steht.<\/p>\n<p>Der Gipfel der Halde Haniel ist zweifellos einer der beeindruckendsten Orte im Ruhrgebiet: Ein schwarzer, vulkan\u00e4hnlicher Krater, d\u00fcster und melancholisch. Im Krater selbst befindet sich ein einfaches, kleines Amphitheater, in dem man gerne die Auff\u00fchrung eines antiken K\u00f6nigsdramas sehen m\u00f6chte (und weniger gern eine gro\u00dfe, personalintensive Produktion wie \u201eAida\u201c oder \u201eCabaret\u201c, die es hier oben aber h\u00e4ufiger zu geben scheint). Auf dem S\u00fcdrand des Kraters stehen seit 2002 die Totems von Agust\u00edn Ibarrola, eine stumme Wachmannschaft aus alten, bunt angemalten Eisenbahnschwellen. Und gemeinsam mit dieser Geisterarmee kann man den Blick schweifen lassen \u00fcber das gesamte Ruhrgebiet, \u00fcber die Halden, die man bisher besucht hat, und diejenigen, die man auf ein andermal vertagen muss, \u00fcber gr\u00fcne Fl\u00e4chen, Wohnviertel und Kraftwerke, \u00fcber Symbole des Strukturwandels und strukturelle Beharrlichkeiten. Egal wie man die Route legt: Haniel w\u00fcrde ich immer als Schlusspunkt setzen, ein angemesseneres Finale gibt es nicht.<\/p>\n<p>Trotzdem gibt es noch eine Bonus-Halde, die man sozusagen als Coda anh\u00e4ngen kann:<br \/>\n<strong><br \/>\nHalde Sch\u00f6ttelheide<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3313\/4617145112_109dc8a9cf.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden I]\" title=\"Sch\u00f6ttelheide: Eine Halde in Entstehung\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3313\/4617145112_109dc8a9cf.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Sch\u00f6ttelheide\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Sch\u00f6ttelheide liegt direkt neben der Halde Haniel und ist von ihr aus auch gut zu sehen. Sie ist noch in Betrieb und eigentlich nicht zug\u00e4nglich. Aber man kann von oben sehr gut erkennen, wie schon in der Entstehung der Halde landschaftsgestalterische Aspekte zum tragen kommen. So hat man beispielsweise einen Rundweg angelegt, der in sanften Schw\u00fcngen um die Sch\u00f6ttelheide f\u00fchrt. Auf diesem Kurs kann man nach den Anstrengungen des Tages und der rasanten Abfahrt \u00fcber den Nordhang von Haniel noch einmal sch\u00f6n die Beine ausschwingen lassen, bevor es quer durch den Grafenwald in Richtung Dinslaken geht.<\/p>\n<p>Mehr Haldenbilder gibt es <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/clausmoser\/sets\/72157623961336075\/\">hier<\/a>. Weitere Haldentouren in Zukunft.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3380\/4617074664_fcccda0383.jpg\" rel=\"lightbox[bergehalden I]\" title=\"Haldenromantik: Abend mit Dunstrand\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3380\/4617074664_fcccda0383.jpg\" width=\"500\" height=\"333\" alt=\"Haldenromantik\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bergehalden sind die sichtbarsten Zeugnisse einer notgedrungen verschwenderischen Industrie. Fast die H\u00e4lfte des Materials, das im Steinkohleabbau zu Tage gef\u00f6rdert wird, ist taubes Gestein (Berge), und davon wiederum m\u00fcssen drei Viertel oberirdisch aufgeh\u00e4uft werden. Es hat relativ lange gedauert, bis man diesen landschaftlichen Eingriff als eben das begriffen hat: Eine Umgestaltung der Landschaft, die Struktur, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-646","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/646","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=646"}],"version-history":[{"count":8,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/646\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1182,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/646\/revisions\/1182"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=646"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=646"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=646"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}