{"id":654,"date":"2007-11-30T04:37:36","date_gmt":"2007-11-30T01:37:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=654"},"modified":"2007-11-30T19:12:28","modified_gmt":"2007-11-30T16:12:28","slug":"anno-schmidt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2007\/11\/30\/anno-schmidt\/","title":{"rendered":"Anno Schmidt"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2318\/2074739348_27bf00c232.jpg\" alt=\"Anita Ekberg Arno Schmidt Rafael Alberti\" \/><\/p>\n<p>Ja, das ist Anita Ekberg auf diesem Bild. Und was sie da im Arm h\u00e4lt &#8211; man kann&#8217;s hier zugegebenerma\u00dfen nicht so gut erkennen &#8211; ist tats\u00e4chlich ein Buch von Arno Schmidt, Die Schule der Atheisten, um genau zu sein. Der \u00e4ltere Herr, der ihr zu F\u00fc\u00dfen sitzt, ist der spanische Dichter <a href=\"http:\/\/www.rafaelalberti.es\/\">Rafael Alberti<\/a>. Das hei\u00dft: Auf diesem Bild ist er Arno Schmidt, in gewissem Sinne, und er sitzt zu F\u00fc\u00dfen seiner Muse, und die ist also Anita Ekberg. Und das ganze Ensemble ist eine Szene aus einer kuriosen Fu\u00dfnote der Filmgeschichte<!--more--><\/p>\n<p>Aber der Reihe nach: Anfang des Jahres bin ich in der <a href=\"http:\/\/www.damaschke.de\/as\/\">Arno Schmidt Mailingliste<\/a> erstmals auf das Ger\u00fccht gestossen, es gebe da einen italienischen Film \u00fcber Arno Schmidt, in dem Anita Ekberg mitspiele. Tats\u00e4chlich findet sich ein Hinweis darauf in Karl-Heinz M\u00fcthers <a href=\"http:\/\/www.gasl.org\/muether\/mue_n7.pdf\">Bibliographie<\/a>, die <em>Anno Schmidt (Das Jahr Schmidt)<\/em> als Produktion der RAI ausweist und als Regisseur einen Sebastian Schadhauser nennt. Schadhauser wer? Die IMDB kennt unter diesem Namen nur einen Assistenten <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/name\/nm1150859\/\">bei zwei Filmen von Straub und Huillet<\/a>. In der Mailingliste folgte ein kleines Hin und Her, aus dem man dunkel nur zwei Dinge entnehmen konnte. Wenn es den Film tats\u00e4chlich gab, dann war er von denjenigen Koryph\u00e4en der Schmidt-Gemeinde, die ihn gesehen hatten, f\u00fcr so schlecht befunden worden, dass er quasi unter ein drei\u00dfigj\u00e4hriges Anathema fiel. Oder das Ganze war einfach nur <a href=\"http:\/\/www.damaschke.de\/notizen\/index.php\/and-the-oscar-goes-to\/#comment-6246\">ein Hoax<\/a>.<\/p>\n<p>Dann aber kam das Angebot von <a href=\"http:\/\/www.hbz-nrw.de\/kunden\/gast\/moenchengladbach\/autorenreader\/herzog.html\">Winand Herzog<\/a>, Listenteilnehmer und Schriftsteller aus M\u00f6nchengladbach, den Film aufzutreiben und eine DVD davon produzieren zu lassen. Bei solchen literarischen Detektivgeschichten kann ich nur schwer widerstehen, also hab ich mich in die Liste der Subskribenten eingetragen.<\/p>\n<p>Und Herzog hat Wort gehalten: Heute lag ein P\u00e4ckchen im Treppenhaus, darin die versprochene DVD und ein schmales B\u00e4ndchen mit Materialien noch dazu. Und tats\u00e4chlich: Der Film ist echt, Ekberg kommt drin vor und es geht auch tats\u00e4chlich um Arno Schmidt. Wie und wo der Film produziert wurde, wie er fast ins Oblivion verschwand und dann wieder auftauchte, das mag ich nun beim besten Willen nicht nacherz\u00e4hlen. Nur soviel: Die Entstehungsgeschichte ist weniger spektakul\u00e4r als man denken k\u00f6nnte. Schadhauser wollte einen Film produzieren, der dem italienischen Publikum Arno Schmidt n\u00e4herbringt. Schmidt wollte nicht, warum, ist nicht \u00fcberliefert. Also entstand stattdessen eine kleine Meditation oder ein &#8222;Capriccio&#8220; (Herzog) \u00fcbers Schreiben, Dichten und die Sprache: Darin spazieren Alberti und Ekberg ausgiebig durch heide\u00e4hnliche und bewaldete Landschaften und tragen einander Texte von Pavese, von Orwell und von Alberti vor.<\/p>\n<p>Ehrlich gesagt: Ich hab den Film mit Vergn\u00fcgen gesehen. M\u00f6glicherweise gerade wegen der Patina, die sich auf die langsame und geduldige Inszenierung gelegt hat. Was Schmidts Anh\u00e4nger damals so br\u00fcskiert haben mag, kann man nur raten, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es &#8211; wie Herzog nahelegt &#8211; wirklich an Ekberg lag. Vermutlich war es eher die spr\u00f6de, etwas linkische Machart des Films. Man merkt schon das Vorbild von Straub und Huillet. Der Film wirkt auf eine sympathische Art amateurhaft, aber es gibt auch fein arrangierte Tableaus, vor allem, wenn Ekberg mit ihrer wehenden blau-wei\u00df-grauen Toga durch die Szene schwebt. Und dann gibt es ein wundersch\u00f6nes Gedicht von <a href=\"http:\/\/lellovoce.altervista.org\/article.php3?id_article=632\">Gianni Tot\u00ed<\/a>, <em>Films Traum<\/em>, das den Rahmen des Films bildet und in dem deutsches und italienisches Sprachgeschirr mit einer wunderbaren Muskalit\u00e4t eingekocht werden. (Leider ist es im Textband nur in einer deutschen \u00dcbersetzung abgedruckt.)<\/p>\n<p>Der Film ist aber nicht das einzige Highlight: Auch das Buch ist lesenswert, vor allem das Interview mit Schadhauser, in dem en passant eine kleine kulturhistorische Panoramaskizze entworfen wird. (Und lernt nebenbei u.a., dass auch jemand wie  Alberto Moravia Schmidt interessant fand: Angeblich wollte er ihn sogar in Bargfeld besuchen, verfuhr sich aber auf dem Weg dahin.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ja, das ist Anita Ekberg auf diesem Bild. 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