{"id":669,"date":"2008-01-15T13:49:09","date_gmt":"2008-01-15T10:49:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=669"},"modified":"2015-11-08T14:33:02","modified_gmt":"2015-11-08T11:33:02","slug":"frauenlob","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2008\/01\/15\/frauenlob\/","title":{"rendered":"Frauenlob"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2409\/2192021615_50692b172f_m.jpg\" alt=\"Frauenlob\" \/><br \/>\nMeine Mutter hatte ein ganzes Arsenal davon: Einweckgl\u00e4ser der Marke <em>Frauenlob<\/em>. Jedes Jahr wanderte die Familie ein- bis zweimal in die Beeren oder Kirschb\u00e4ume, und das eingesammelte Ergebnis wurde dann eingekocht, bis das Arsenal gef\u00fcllt war.<\/p>\n<p>Meine Mutter besa\u00df auch einige echte Weck-Gl\u00e4ser, also <a href=\"http:\/\/www.weck.business.t-online.de\/index.html\">von dem Hersteller<\/a>, der dem Verfahren den Namen gegeben hat, aber die Frauenlob-Gl\u00e4ser fand ich schon damals interessant, sei&#8217;s wegen der Eleganz des Schriftzugs, sei&#8217;s wegen der poetisch angestaubten Biederkeit der Marke, die noch aus einer Zeit stammt, als man \u00fcber Geschlechterrollen nicht zu diskutieren hatte.<!--more--><\/p>\n<p>Sp\u00e4ter im Studium hab ich dann gelernt, dass der Name nat\u00fcrlich schon viel \u00e4lter ist: Da ist der Minnes\u00e4nger Heinrich von Mei\u00dfen, der ebenfalls Frauenlob genannt wurde, m\u00f6glicherweise weil seine Texte den Zuh\u00f6rern \u00e4hnlich s\u00fc\u00df vorkamen wie ein Kirschenkompott. Ich nehme aber nicht an, dass der Hersteller der Einweckgl\u00e4ser an den Minnes\u00e4nger dachte, als er sich den Markennamen ausdachte.<\/p>\n<p>\u00dcber den Hersteller ist erstaunlich wenig herauszubringen. M\u00f6glich, dass die Gl\u00e4ser ebenfalls von der Firma Weck hergestellt wurden, schlie\u00dflich hatten die das Verfahren auch patentiert. Der Schriftzug erinnert ein wenig an die <a href=\"http:\/\/www.eichwaelder.de\/altes01.htm\">Frauenlob-W\u00e4schepresse<\/a>, noch so ein unverzichtbares Hilfmittel der t\u00fcchtigen Hausfrau, &#8222;von erfahrenen Ingenieuren geschaffen und von t\u00fcchtigen schw\u00e4bischen Facharbeitern mit Liebe und Sorgfalt gefertigt&#8220;. W\u00e4schepresse und Einweckglas haben zwar nicht viel miteinander zu tun, aber vielleicht handelt es sich hier ja um einen fr\u00fchen Fall von Cross-Marketing. (&#8222;Und w\u00e4hrend die W\u00e4sche dann gepresst wird, werte Dame, k\u00f6nnen Sie nebenbei noch ein paar praktische Dinge tun, Obst und Gem\u00fcse einkochen zum Beispiel. Ich h\u00e4tte da \u00fcbrigens ein paar Artikel, die Sie interessieren d\u00fcrften &#8230;&#8220;)<\/p>\n<p>Die Bedienungsanleitung f\u00fcr die Frauenlob-W\u00e4schepresse wird uns vorgestellt von einer &#8222;Brigitte Frauenlob&#8220;, mit Sicherheit eines dieser betulichen 50er-Jahre-Pseudonyme, auch wenn es Frauenlob als Nachnahmen tats\u00e4chlich gibt &#8211; zwar nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig h\u00e4ufig, jedenfalls <a href=\"http:\/\/www.verwandt.de\/karten\/absolut\/frauenlob.html\">in Deutschland nicht<\/a>, aber immerhin. Ansonsten gibt es unter diesem Namen noch mindestens mindestens <a href=\"http:\/\/www.frauenlob-kiel.de\">eine W\u00e4scherei<\/a>, ein <a href=\"http:\/\/www.porzellansammlung.de\/geschirr2.htm\">Hutschenreuther-Tafelservice<\/a>, ein <a href=\"http:\/\/www.frauenlob.de\">Gymnasium<\/a> (nach dem Dichter benannt). Au\u00dferdem diverse Schiffe, und zwar nicht nur <a href=\"http:\/\/www.seehotel-krakow.de\/frauenlob\/impressum.html\">in ziviler<\/a>, sondern auch in <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/SMS_Frauenlob_%281853%29\">milit\u00e4rischer<\/a> <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/SMS_Frauenlob_%281902%29\">Nutzung<\/a>. Diejenigen, die <em>Frauenlob<\/em> als Namen f\u00fcr ein Kriegsschiff etwas seltsam findet, belehrt die &#8222;Wikipedia&#8220;, dass es nichts mit dem Dichter zu tun hat und auch keine Haushaltsger\u00e4te damit gefeiert werden, sondern &#8222;freiwillige Geldspenden deutscher Frauen&#8220;. Damit sei das erste Schiff dieses Namens finanziert worden und h\u00e4tte urspr\u00fcnglich auch <em>Frauengabe<\/em> hei\u00dfen sollen (und das Schwesterschiff komischerweise <em>Der Urw\u00e4hler<\/em>).<\/p>\n<p>Insgesamt scheint dieses Wort also eine gewisse Popularit\u00e4t gehabt zu haben, um den Zirkel zu abzumessen, in den das Tun und Reden von und \u00fcber Frauen eingeschrieben war. Welcher tiefere Zusammenhang nun zwischen der Rolle der Frau, der Freude \u00fcber praktische Haushaltsartikel und das Spendieren von Kriegsschiffen besteht, das m\u00fcsste man vielleicht mal Eva Herman fragen. Vielleicht h\u00e4tte Frau Herman auch Gefallen an den <a href=\"http:\/\/www.minensuchboot-atlantis.de\/7.%20MSG.htm\">Binnenminensuchbooten der &#8222;Frauenlob-Klasse&#8220;<\/a>, die unter der Flagge der Bundesmarine unterwegs waren. Binnenminen suchen geht Frau Herman ja auch gerne.<\/p>\n<p>Uns Nachgeborene der 68er muss das nicht mehr besch\u00e4ftigen. Wir bef\u00fcllen die Gl\u00e4ser immer noch gerne mit Kompott oder Marmelade, aber auch, wenn grad nichts anderes mehr zu Hand ist, mit Tulpen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2067\/2192813408_afce70bb34_m.jpg\" alt=\"Tulpen\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Mutter hatte ein ganzes Arsenal davon: Einweckgl\u00e4ser der Marke Frauenlob. Jedes Jahr wanderte die Familie ein- bis zweimal in die Beeren oder Kirschb\u00e4ume, und das eingesammelte Ergebnis wurde dann eingekocht, bis das Arsenal gef\u00fcllt war. 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