{"id":675,"date":"2010-02-04T18:10:00","date_gmt":"2010-02-04T15:10:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=675"},"modified":"2010-02-04T18:20:47","modified_gmt":"2010-02-04T15:20:47","slug":"botschaften","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2010\/02\/04\/botschaften\/","title":{"rendered":"Botschaften"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3407\/3344947765_a8db1d4d0a.jpg\" alt=\"T\u00fcrkei\" \/><br \/>\n<font size=1>T\u00fcrkei.<\/font><\/p>\n<p>Ich habe noch einen alten Stadtplan von Bonn, und den nehme ich immer mit, wenn ich dort zu tun habe. Darin sind n\u00e4mlich all die Botschaften und Konsulate eingezeichnet, die es in Bonn gab, als die Stadt noch \u201eBundeshauptstadt\u201c war. Jetzt ist Bonn nur noch \u201eBundesstadt\u201c, ein seltsamer verwaltungstechnischer Kompromisstitel. Eine b\u00fcrokratische Art, das Haupt zu t\u00e4tscheln, das man dann doch abschl\u00e4gt.<!--more--><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2553\/3892894072_95606dd46b.jpg\" alt=\"Albanien\" \/><br \/>\n<font size=1>Albanien.<\/font><\/p>\n<p>Die Botschaften gibt es nicht mehr. Einige L\u00e4nder unterhalten noch Konsulate, Handelsvertretungen oder sonstige Anlaufstellen in den ehemaligen Botschaftsgeb\u00e4uden. Einige Anwesen sind inzwischen an neue Besitzer verkauft: Vor allem bei den gr\u00fcnderzeitlichen Villen in Bad Godesberg d\u00fcrfte es den Maklern leicht gefallen sein, interessierte \u00c4rzte, Rechtsanw\u00e4lte oder Architekten zu finden. In den meisten F\u00e4llen erinnert dann nur noch eine \u00fcbrig gebliebene Fahnenstange daran, dass hier mal eine diplomatische Vertretung ans\u00e4ssig gewesen ist.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3424\/3892909078_74a9cb58d8.jpg\" alt=\"Iran\" \/><br \/>\n<font size=1>Iran.<\/font><\/p>\n<p>Es gibt aber auch einige Geb\u00e4ude, f\u00fcr die sich nicht so leicht neue Besitzer finden lassen. Das hat unterschiedliche Gr\u00fcnde, mal liegt es an \u201e\u00fcberh\u00f6hten Kaufpreiserwartungen\u201c der ehemaligen Besitzer, mal an b\u00fcrokratischen Z\u00e4higkeiten, oder einfach daran, dass die Geb\u00e4ude nicht mehr dem Zeitgeschmack entsprechen und \u00fcber die Jahre auch schon ordentlich gelitten haben. Der Bonner General-Anzeiger z\u00e4hlte im vergangenen Jahr (in <a href=\"http:\/\/www.general-anzeiger-bonn.de\/index.php?k=loka&#038;itemid=10490&#038;detailid=544374\">einem Artikel<\/a>, der Tags darauf wortgleich <a href=\"http:\/\/www.ksta.de\/html\/artikel\/1231945303045.shtml\">im K\u00f6lner Stadt-Anzeiger<\/a> erschien) noch 24 verwaiste Anwesen, f\u00fcr die sich bisher kein neuer Verwendungszweck hat finden lassen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3634\/3345773772_f33b602acc.jpg\" alt=\"Jugoslawien\" \/><br \/>\n<font size=1>Jugoslawien.<\/font><\/p>\n<p>Interessant ist der Fall der ehemaligen jugoslawischen Botschaft. Jugoslawien gibt es nicht mehr, und wer der rechtm\u00e4\u00dfige Besitzer des Geb\u00e4udes ist, scheint unklar. Wie wurde das bei den anderen jugoslawischen Botschaften in der Welt geregelt? Wurden die alle von der \u201eBundesrepublik Jugoslawien\u201c \u00fcbernommen? Oder einfach von dem Land, zu dem sich der jeweils amtierende Botschafter bekannte? Auch wenn Botschaften streng genommen <a href=\"http:\/\/de.wikibooks.org\/wiki\/Enzyklop%C3%A4die_der_popul%C3%A4ren_Irrt%C3%BCmer\/_Politik#Botschaften_sind_exterritoriales_Gebiet\">nicht wirklich exterritoriales Gel\u00e4nde<\/a> sind, ist es doch am\u00fcsant, sich vorzustellen, das hier nun quasi ein politisches Vakuum enstanden sein k\u00f6nnte, ein Non-Territorium, das nur darauf wartet, Heimat einer Mikronation zu werden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4062\/4318238317_137747eb16.jpg\" alt=\"Ghana\" \/><br \/>\n<font size=1>Ghana.<\/font><\/p>\n<p>F\u00fcr einige Staaten der Dritten Welt war der Umzug nach Berlin nicht nur ein logistisches, sondern <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/botschaften-habenichtse-am-rhein_aid_180028.html\">auch ein finanzielles Problem<\/a>. Aus dieser Perspektive erscheint die Verlegung der Hauptstadt pl\u00f6tzlich als eigensinniges Luxusprojekt. Die Gefahr einer Teilung der diplomatischen Welt in reiche &#8222;Berliner&#8220; und arme &#8222;Bonner&#8220; Staaten ist ja inzwischen beseitigt. Ob dabei auch finanzielle F\u00f6rderung geflossen ist (wie im Artikel gefordert), wei\u00df ich nicht. (Das erw\u00e4hnte &#8222;alte Auto ohne Nummernschild&#8220; scheint \u00fcbrigens immer noch da zu sein, bzw. zwei solcher Autos stehen auch heute unter dem Kameruner Botschaftsgeb\u00e4ude.)<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2796\/4318228063_11be22690d.jpg\" alt=\"Kamerun\" \/><br \/>\n<font size=1>Kamerun.<\/font><\/p>\n<p>Der Vatikan hat nat\u00fcrlich keine ordin\u00e4re Botschaft, sondern eine &#8222;Apostolische Nuntiatur&#8220;. Eigentlich befindet die sich seit 2001 in Berlin, und das vatikanische Wappen wurde mit gro\u00dfem Zeremoniell vom Bonner Geb\u00e4ude entfernt. Das Eingangsschild ist scheinbar nicht so einfach ab zu bekommen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2600\/3892131565_ef94574405.jpg\" alt=\"Vatikan\" \/><br \/>\n<font size=1>Vatikan.<\/font><\/p>\n<p>Es gibt ein paar ber\u00fchmte, spektakul\u00e4re Ereignisse, in denen Botschaften eine Rolle gespielt haben: Besetzungen, Geiselnahmen, Demonstrationen. In der Regel sind Diplomatenviertel aber eher unspektakul\u00e4re Zonen. Erst recht hier in Bonn, der unspektakul\u00e4rsten aller westlichen Hauptst\u00e4dte. Rund um die Godesberger Rheinallee d\u00fcrfte es vor der Wiedervereinigung nicht weniger beschaulich zugegangen sein als heute. Aber gerade die Diskrepanz zwischen dieser sichtbaren Beschaulichkeit und der Unsichtbarkeit der politischen und historischen Episoden, die hier stattgefunden haben m\u00f6gen, die Telefonate, Konferenzen, diplomatischen Visiten, hat einen besonderen Reiz.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4041\/4318314995_c84838decd.jpg\" alt=\"\u00c4gypten\" \/><br \/>\n<font size=1>\u00c4gypten.<\/font><\/p>\n<p>In Gedanken kann man die Gem\u00fctlichkeit dieser gutb\u00fcrgerlichen Stra\u00dfen mit einer bunten Truppe kosmopolitischer Phantome bev\u00f6lkern. Etwa mit einer exklusiven Abendgesellschaft, die sich zur Soir\u00e9e in der gro\u00dfb\u00fcrgerlichen \u00e4gyptischen Botschaft eingefunden haben mag, oder mit ein paar grimmig dreinschauenden s\u00fcdamerikanischen Intellektuellen, die in abgewetzten Cordjacken und mit Rollkragenpullovern frierend vor der Repr\u00e4sentanz Chiles stehen, mit nichts als ein paar w\u00fctenden Anti-Pinochet-Transparenten bewaffnet.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3486\/3892917344_99bb408d19.jpg\" alt=\"Ungarn\" \/><br \/>\n<font size=1>Ungarn.<\/font><\/p>\n<p>Besonders interessant sind nat\u00fcrlich die Geb\u00e4ude, die in den Nachkriegsjahren gebaut und explizit als Botschaften gedacht waren. Im Unterschied zu den vielen B\u00fcrgerh\u00e4usern, die in Godesberg als Botschaften dienten, sollten diese Repr\u00e4sentanzen, abgesehen von ihrer Funktionalit\u00e4t, auch im \u00fcbertragenen Sinn repr\u00e4sentativ f\u00fcr den Staat sein, den sie repr\u00e4sentierten, seine Leistungskraft, Bedeutung, Modernit\u00e4t nach au\u00dfen darstellen. Vor allem auf die Modernit\u00e4t scheint man dabei Wert gelegt zu haben: Man findet sachliche, brutalistische, pop-artige Elemente, aber relativ selten mehr als nur stilisierte \u201enationaltypische\u201c, folkloristische oder traditionalistische Accessoires. Bermerkenswert ist aber vor allem, dass sich die meisten Bauwerke relativ gut in das bundesrepublikanische Understatement einf\u00fcgen, das so typisch f\u00fcr die Bonner Republik war.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4015\/4318984984_75319690d2.jpg\" alt=\"Libanon\" \/><br \/>\n<font size=1>Libanon.<\/font><\/p>\n<p>Es gibt nat\u00fcrlich auch ein paar Ausnahmen. Zum Beispiel die Conducator-Pop-Art der rum\u00e4nischen Botschaft, deren Lage selbst buchst\u00e4blich etwas exzentrisch ist, ganz im Norden Bonns, ein gutes St\u00fcck von den sonstigen diplomatischen Hot-Spots entfernt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3468\/3892085573_b06869e93e.jpg\" alt=\"Rum\u00e4nien\" \/><br \/>\n<font size=1>Rum\u00e4nien.<\/font><\/p>\n<p>Die ehemalige saudi-arabische Botschaft wirkt dagegen, verglichen mit dem, was am Golf aktuell so gebaut wird, fast schon bescheiden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2533\/3942319255_eafa8523fc.jpg\" alt=\"Saudi-Arabien\" \/><br \/>\n<font size=1>Saudi-Arabien.<\/font><\/p>\n<p>(Fortsetzung folgt.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>T\u00fcrkei. Ich habe noch einen alten Stadtplan von Bonn, und den nehme ich immer mit, wenn ich dort zu tun habe. Darin sind n\u00e4mlich all die Botschaften und Konsulate eingezeichnet, die es in Bonn gab, als die Stadt noch \u201eBundeshauptstadt\u201c war. Jetzt ist Bonn nur noch \u201eBundesstadt\u201c, ein seltsamer verwaltungstechnischer Kompromisstitel. Eine b\u00fcrokratische Art, das [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-675","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/675","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=675"}],"version-history":[{"count":7,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/675\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1120,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/675\/revisions\/1120"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=675"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=675"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=675"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}