{"id":680,"date":"2008-03-12T15:49:31","date_gmt":"2008-03-12T12:49:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=680"},"modified":"2008-03-12T19:31:28","modified_gmt":"2008-03-12T16:31:28","slug":"ars-moriendi","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2008\/03\/12\/ars-moriendi\/","title":{"rendered":"Ars moriendi"},"content":{"rendered":"<p>Es scheint so, als ob die US-Kreditkrise \u00fcber Bande nun auch die Technologiebranche erreicht. 20 Prozent aller Start-Ups im Silicon Valley kommen derzeit nicht an ihr Kapital, <a href=\"http:\/\/www.techcrunch.com\/2008\/03\/11\/20-of-valley-startups-cant-get-to-their-cash\/\">behauptet Techcrunch<\/a>. Der Grund: Zahlreiche Firmen haben sich offenbar dazu bewegen lassen, ihr Kapital in sogenannten Auction Rate Securities (ARS) anzulegen &#8211; und damit in einen Markt, der gerade eingefrorern ist.<!--more--><\/p>\n<p>ARS sind ein spezieller Typus langfristiger Anleihen, die vor allem von \u00f6ffentlichen K\u00f6rperschaften in den USA gerne ausgegeben wurden. Die Besonderheit: Die Zinss\u00e4tze werden dabei in relativ kurzen Zeitabst\u00e4nden (etwa w\u00f6chentlich bis monatlich) immer wieder neu festgelegt, und zwar im Rahmen einer Versteigerung. Das koppelt die ARS an Angebot und Nachfrage, was den Herausgebern niedrige Zinss\u00e4tze bringt und den Investoren die M\u00f6glichkeit bot, ihre Investments bei Bedarf zu ver\u00e4u\u00dfern und f\u00fcr Liquidit\u00e4t zu sorgen.<\/p>\n<p>Weil diese Versteigerungen in den vergangenen Jahren so gut wie nie platzten, galten ARS als attraktives und vergleichsweise sicheres Instrument. Nicht mehr: Zur Zeit <a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2008\/02\/15\/business\/15place.html?ex=1360818000&#038;en=51dda25b9233b870&#038;ei=5124&#038;partner=permalink&#038;exprod=permalink\">floppen die Auktionen gleich serienweise<\/a>, weil die Nachfrage im Keller ist. Allein <a href=\"http:\/\/www.bloomberg.com\/apps\/news?pid=20601103&#038;sid=awCJRyi5ngcQ&#038;refer=us\">am 13. Februar<\/a> waren es 258, das hei\u00dft 67 Prozent aller Auktionen, die f\u00fcr diesen Tag angesetzt waren (und fast sechs Mal so viel wie im gesamten Zeitraum zwischen 1984 und 2007). So lange keine Auktion stattfinden kann, liegt das Kapital der Investoren auf Eis.<\/p>\n<p>Und das scheint nun f\u00fcr einige Silicon-Valley-Unternehmen zu gelten. Glaubt man dem Techcrunch-Artikel, scheint die Hoffnung auf ein scheinbar sicheres und zugleich liquides Vehikel eine ganze Reihe von Firmen verf\u00fchrt zu haben. Dass es sich bei dem Kapital, das in ARS investiert wurde, meist um Venture Capital handeln d\u00fcrfte, macht die Sache nicht besser, schon gar nicht, wenn die Vermutung von Techcrunch (und <a href=\"http:\/\/www.drama20show.com\/2008\/03\/11\/this-is-your-bubble-now\/\">anderen<\/a>) zutreffen sollte, dass einige VCs von den Investmentaktivit\u00e4ten ihrer Portfolio-Firmen nichts mitgekriegt haben.<\/p>\n<p>Der ARS-Markt ist nat\u00fcrlich nur einer von den vielen Dominosteinen, die im Moment umfallen. Mit einem Volumen von sch\u00e4tzungsweise 330 Millionen Dollar aber immerhin kein ganz Unbedeutender. Und er zeigt, wie breitfl\u00e4chig die Kreise sind, die die Finanzkrise zieht: Da gibt&#8217;s keine Inseln der Seligen mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es scheint so, als ob die US-Kreditkrise \u00fcber Bande nun auch die Technologiebranche erreicht. 20 Prozent aller Start-Ups im Silicon Valley kommen derzeit nicht an ihr Kapital, behauptet Techcrunch. 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