{"id":682,"date":"2008-03-19T19:29:30","date_gmt":"2008-03-19T16:29:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=682"},"modified":"2008-03-20T20:01:53","modified_gmt":"2008-03-20T17:01:53","slug":"vorher-nachher-garten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2008\/03\/19\/vorher-nachher-garten\/","title":{"rendered":"Vorher-Nachher-G\u00e4rten"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Smith&#8217;s place is the admiration of all the country; and it was a mere nothing before Repton took it in hand.<\/p>\n<p>Jane Austen, <em>Mansfield Park<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2377\/2344756799_067853e596.jpg\" rel=\"lightbox[Humphry Repton]\" title=\"Humphry Repton\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2377\/2344756799_067853e596_m.jpg\" width=\"240\" height=\"98\" alt=\"Humphry Repton\" \/><\/a><\/p>\n<p>Humphry Repton z\u00e4hlt zu den gro\u00dfen Namen der englischen Landschaftsarchitektur des 18. Jahrhunderts. Dabei war er in doppelter Hinsicht ein Sp\u00e4tberufener: Seinen ersten Auftrag f\u00fchrte er 1788 aus, als das 18. Jahrhundert sich bereits seinem Ende zuneigte und in Europa die Zeit der Revolutionen und napoleonischen Eroberungen heraufd\u00e4mmerte. Repton war da schon 36 Jahre alt, vierfacher Vater und hatte sich mehr schlecht als recht in den verschiedensten T\u00e4tigkeitsfeldern versucht: Als Textilh\u00e4ndler und Journalist, als Dramatiker und als Privatsekret\u00e4r. Besondere architektonische oder g\u00e4rtnerische Vorkenntnisse besa\u00df er nicht, aber er konnte gut zeichnen. Au\u00dferdem war mit Capability Brown gerade die gro\u00dfe Koryph\u00e4e der englischen Landschaftsgestaltung gestorben, und ein Nachfolger von \u00e4hnlicher Statur nicht in Sicht.<!--more--><\/p>\n<p>Der gewagte Versuch, diese L\u00fccke auszuf\u00fcllen, zahlte sich aus: Repton wurde rasch einer der begehrtesten Landschaftsarchitekten seiner Zeit &#8211; oder besser: Landschaftsg\u00e4rtner, denn das war die Bezeichnung, die er selbst f\u00fcr seine T\u00e4tigkeit w\u00e4hlte. (Vorher sprach man oft ganz einfach vom <em>improver<\/em>.) Der Name war gut f\u00fcr&#8217;s Marketing, aber Repton hatte noch eine weitere Idee: Er stellte aufw\u00e4ndige Brosch\u00fcren mit Vorher-Nachher-Bildern her, seine sogenannten <em>red books<\/em>. Geb\u00e4ude und Gartenelemente liessen sich da ein- und ausklappen, um den Kunden den aktuellen Zustand ihrer G\u00e4rten und seine Pl\u00e4ne zu veranschaulichen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2109\/2344756801_5dbf2d852c.jpg\" rel=\"lightbox[Humphry Repton]\" title=\"Repton\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2109\/2344756801_5dbf2d852c_m.jpg\" width=\"240\" height=\"98\" alt=\"Humphry Repton\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die <em>red books<\/em> waren auch die Basis f\u00fcr einige der theoretischen Schriften, die Repton ver\u00f6ffentlichte, zum Beispiel f\u00fcr das herrliche Werk <em>Sketches and hints on landscape gardening<\/em> (1794), dass bei der Universit\u00e4t Wisconsin <a href=\"http:\/\/digital.library.wisc.edu\/1711.dl\/DLDecArts.ReptonSketches\">digitalisiert vorliegt<\/a>.<\/p>\n<p>Den Hinweis darauf verdanke ich <a href=\"http:\/\/gardenhistorygirl.blogspot.com\/\">diesem exzellenten Blog<\/a>. Da werden allerdings Reptons rote B\u00fccher als &#8222;poor strategy for economic success&#8220; bezeichnet, weil einige Kunden die darin so genau dargestellten Ideen dann selbst umgesetzt h\u00e4tten. Browns Marketing dagegen habe auch erfolgreich darauf gesetzt, mit den Kunden die Grundst\u00fccke abzufahren und als armewedelnder Dampfplauderer ordentlich Eindruck zu schinden. <\/p>\n<p>Nun kann man ja dar\u00fcber streiten, ob es die bessere Idee ist, dem Kunden ein m\u00f6glichst detailliertes Konzept vorzuf\u00fchren, oder in m\u00f6glichst im Nebul\u00f6sen dar\u00fcber zu lassen, was er geliefert bekommen wird, aber Erfolglosigkeit kann man Repton nun nicht wirklich nachweisen. (Au\u00dferdem lie\u00df sich Repton auch die Erstellung der B\u00fccher schon gut bezahlen, was zumindest nahelegt, dass er das Risiko seines Marketings selbst erkannte.) Wenn er nicht ganz das gleiche Niveau seines gro\u00dfen Vorg\u00e4ngers Brown erreichte, dann lag das eher an den \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nden: Die Zeit der gartenbaulichen Gro\u00dfprojekte n\u00e4herte sich ihrem Ende, zumal auch das Geld nicht mehr so locker sa\u00df. Viele Projekte Reptons und seiner Zeitgenossen bestanden eher darin, bereits vorhandene Gartenkonzepte aufzuwerten, zu verbessern und zu verfeinern.<\/p>\n<p>Das ist sicher auch einer der Gr\u00fcnde, warum sich Reptons Herangehensweise in einem wichtigen Aspekt von der Browns unterschied: W\u00e4hrend Brown die G\u00e4rten als geschlossene Welten betrachtete und durch Mauern und Hecken von der Au\u00dfenwelt abgrenzte, versuchte Repton, \u00e4u\u00dfere Gegebenheiten &#8211; den Blick in die Landschaft oder auf markante Geb\u00e4ude &#8211; gezielt mit einzubeziehen. So lie\u00df sich der Garten gewisserma\u00dfen \u00fcber seine Grenzen hinaus vergr\u00f6\u00dfern, ohne das Budget des Kunden \u00fcberzustrapazieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Smith&#8217;s place is the admiration of all the country; and it was a mere nothing before Repton took it in hand. Jane Austen, Mansfield Park Humphry Repton z\u00e4hlt zu den gro\u00dfen Namen der englischen Landschaftsarchitektur des 18. Jahrhunderts. Dabei war er in doppelter Hinsicht ein Sp\u00e4tberufener: Seinen ersten Auftrag f\u00fchrte er 1788 aus, als das [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-682","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/682","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=682"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/682\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=682"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=682"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=682"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}