{"id":683,"date":"2008-03-20T20:45:37","date_gmt":"2008-03-20T17:45:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=683"},"modified":"2008-03-26T14:16:12","modified_gmt":"2008-03-26T11:16:12","slug":"683","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2008\/03\/20\/683\/","title":{"rendered":"Schneller als Venedig"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>&#8230; &#8217;s D\u00f6rfli sinkt no selber in si Grab<br \/>\n&#8211; Johann Peter Hebel<\/p><\/blockquote>\n<p>Staufen im Breisgau sinkt &#8222;jede Woche um einen Millimeter&#8220;, <a href=\"http:\/\/www.swr.de\/nachrichten\/bw\/-\/id=1622\/nid=1622\/did=3238552\/xfnkpp\/\">berichtet der SWR<\/a>, &#8222;deutlich schneller als Venedig&#8220;. Schuld sind m\u00f6glicherweise geothermische Bohrungen:<\/p>\n<blockquote><p>Nachdem der Gemeinderat beschlossen hatte, das Rathaus mit Erdw\u00e4rme zu heizen, wurden im September 2007 sieben Erdw\u00e4rmesonden in 140 Meter Tiefe versenkt. Wenige Wochen danach traten die ersten Sch\u00e4den mit zum Teil meterlangen Rissen an etlichen H\u00e4usern auf.<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Und die Badische Zeitung <a href=\"http:\/\/www.badische-zeitung.de\/staufen-erdsenkungen-in-der-altstadt.103227\">vermutet<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>[Bei den Bohrungen] sei in 32 Meter Tiefe ein so genanntes artesisch gespanntes Grundwasser angetroffen worden. Der Gutachter will nicht ausschlie\u00dfen, dass dieses Wasser nun durch undichte Stellen nach oben &#8222;abwandert&#8220; und so f\u00fcr die Bodensenkungen verantwortlich ist. Sollte sich der Verdacht bewahrheiten, m\u00fcssten die betroffenen Stellen abgedichtet werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Staufen liegt direkt am Oberrheingraben: Dass die Erde bebt, ist da nichts Ungew\u00f6hnliches. Aber normalerweise macht man nat\u00fcrliche Ursachen daf\u00fcr verantwortlich. Kann es aber auch sein, dass die Spannungen und Stauchungen unter der Erdoberfl\u00e4che so empfindlich sind, dass eine Bohrung wie ein Nadelstich wirken, quasi die unterirdische Muskulatur und das subterrane Nervensystem der Erde zu unerwarteten Reaktionen reizen kann? Dass einige Erdbeben <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2007\/04\/Erdbeben?page=all\">weniger nat\u00fcrliche als menschliche Ursachen<\/a> haben k\u00f6nnten, wei\u00df man schon l\u00e4nger. Und erst vor einigen Monaten, zur Jahreswende 2006\/7, l\u00f6sten geothermische Bohrungen in Basel tats\u00e4chlich <a href=\"http:\/\/www.geopower-basel.ch\/html\/Aktuelles.html#Anchor-Empirische-14210\">eine Serie kleiner Erdbeben<\/a> aus.<\/p>\n<p>Beim <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Hot_dry_rock\">Hot-Dry-Rock-Verfahren<\/a>, das auch nicht weit von Staufen, im els\u00e4ssischen <a href=\"http:\/\/maps.google.fr\/maps?q=Soultz-sous-For%C3%AAts&#038;hl=de&#038;ie=UTF8&#038;ll=48.943024,7.884235&#038;spn=0.04634,0.115871&#038;t=h&#038;z=13\">Soultz<\/a>,  im <a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/dlf\/sendungen\/wib\/614657\/\">Gro\u00dfversuch getestet<\/a> wird, nimmt man die Verursachung kleiner tektonischer Bewegungen -&#8222;Mikrobeben&#8220;, wenn man so will &#8211; geradezu bewusst in Kauf. Und es gibt sogar die Auffassung, dass die Ausl\u00f6sung vieler kleiner Beben die Gefahr einer gro\u00dfen Katastrophe <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wissenschaft\/article707547\/Kuenstliche_Erdbeben_in_Basel_gerechtfertigt.html\">verringern k\u00f6nnte<\/a>.<\/p>\n<p>Aber was bisher eher eine zuf\u00e4llige Nebenerscheinung ist, lie\u00dfe sich doch sicher zu einer zukunftsf\u00e4higen Technologie ausbauen: Erdbeben gezielt und regional ausl\u00f6sen. In Hollywood ist <a href=\"http:\/\/bldgblog.blogspot.com\/2005\/11\/tectonic-warfare.html\">tektonische Kriegsf\u00fchrung<\/a> l\u00e4ngst eine etablierte Idee. Aber so spektakul\u00e4r muss man gar nicht denken. Wie w\u00e4re es mit kleinen, pragmatischen Systemen, die zielgerichtete Mikrobeben erm\u00f6glichen? Zum Beispiel als landschaftsarchitektonische Dienstleistung, um H\u00fcgel zu bewegen, Brunnen zu bohren oder Teiche anzulegen?<\/p>\n<p>Zur selben Zeit, in einer der <a href=\"http:\/\/www.theatlantic.com\/doc\/200803\/subprime\">von der Subprime-Krise \u00fcberrollten amerikanischen Vorst\u00e4dte<\/a>, steigt ein bankrotter Hausbesitzer in den Keller seines Hauses. Er wirft den Motor eines Ger\u00e4tes an, das wie eine Mischung aus Seismograph und Rasenm\u00e4her aussieht. Leise surrend schickt die Maschine regelm\u00e4\u00dfige Impulse in den Boden, der allm\u00e4hlich zu vibrieren beginnt. Langsam, ganz langsam, beginnt das Haus zu versinken. Die wenigen im Viertel verbliebenen Nachbarn werden erst nach einigen Wochen bemerken, dass sich etwas in der Stra\u00dfe ver\u00e4ndert hat. In den Medien wird es geteilte Meinungen geben: Die einen werden die Absurdit\u00e4t dieser Handlung nicht verstehen wollen, die anderen werden darin einen heroischen Akt der Selbstausl\u00f6schung sehen. Aber auch anderswo werden die H\u00e4user zu sinken beginnen &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; &#8217;s D\u00f6rfli sinkt no selber in si Grab &#8211; Johann Peter Hebel Staufen im Breisgau sinkt &#8222;jede Woche um einen Millimeter&#8220;, berichtet der SWR, &#8222;deutlich schneller als Venedig&#8220;. 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