{"id":695,"date":"2008-06-10T14:48:40","date_gmt":"2008-06-10T11:48:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=695"},"modified":"2008-06-10T14:48:40","modified_gmt":"2008-06-10T11:48:40","slug":"die-essbare-stadt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2008\/06\/10\/die-essbare-stadt\/","title":{"rendered":"Die essbare Stadt"},"content":{"rendered":"<p>Nach der kleinen Milchkrise der vergangenen Woche ist dieses Projekt hier umso interessanter: <a href=\"http:\/\/www.dott07.com\/go\/food\/urban-farming\">Urban Farming<\/a> in Middlesbrough. Acht Monate lang wurden Brach- und Gr\u00fcnfl\u00e4chen in der Stadt zum Anbau von Gem\u00fcse und Obst genutzt, wobei gerade auch die \u00e4rmeren Bezirke der Stadt (die ohnehin nicht zu den wohlhabenden Ecken Englands geh\u00f6rt) ber\u00fccksichtigt wurden. Das Projekt war so erfolgreich, hei\u00dft es, dass es in diesem Jahr <a href=\"http:\/\/www.guardian.co.uk\/environment\/2008\/mar\/26\/cityfood\">eine Wiederholung geben wird<\/a>.<\/p>\n<p>Die Landwirtschaft kommt zur\u00fcck in die Stadt. In fr\u00fcheren Zeiten waren Felder, Nutzg\u00e4rten und St\u00e4lle auch innerhalb der Stadtmauern eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Aber je mehr Fl\u00e4chen man f\u00fcr Industrie und Wohnraum ben\u00f6tigte, und je besser (und \u00f6konomischer) die Transportm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Lebensmitteln wurden, umso weniger Bedarf und Interesse gab es am innerst\u00e4dtischen Anbau von Nahrungsmitteln. H\u00f6chstens in Notzeiten, wie etwa in den Kriegs- und Nachkriegsjahren, ging man wieder dazu \u00fcber, st\u00e4dtische Parks und Gr\u00fcnfl\u00e4chen als Kohlfelder und Gem\u00fcseg\u00e4rten zu nutzen. Ansonsten finden sich die letzten Reste urbaner Landwirtschaft nur noch in den Schreberg\u00e4rten (und es ist sicher kein Zufall, dass diese scheinbar so deutsche Institution in den vergangenen Jahren auch zunehmend von t\u00fcrkischen, russischen oder polnischen Familien entdeckt worden ist, die mit selbstversorgenden Infrastrukturen noch etwas besser vertraut sind).<\/p>\n<p>Mit dem Verschwinden der Landwirtschaft aus den St\u00e4dten und ihrer zunehmenden Industrialisierung und Globalisierung verschwand auch das Wissen um den Aufwand, der f\u00fcr die Produktion von Nahrungsmitteln getrieben werden muss. Lebensmittel sind etwas, das immer verf\u00fcgbar ist und eigentlich wenig kostet. Ab und zu, wie eben w\u00e4hrend der Milchbauernstreiks, blitzt dann noch einmal, dass die billigen Preise keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit sind. Und wie man an den Reisrevolten in einigen Teilen der Welt sehen kann, ist Discount auch kein Dauerzustand.<\/p>\n<p>Warum also nicht ein paar Subsistenzm\u00f6glichkeiten bekannt machen? Das Projekt von Middlesbrough mag einen etwas \u00f6koromantischen Touch haben &#8211; romantisch in dem Sinne, dass die L\u00f6sung f\u00fcr zunehmende Verst\u00e4dterung und Verlust des &#8222;L\u00e4ndlichen&#8220; auf dem Land in einem Verschwinden der Abgrenzung zwischen beiden R\u00e4umen gesucht wird. Aber es geht ja weniger darum, St\u00e4dte in Agrarzentren umzuwandeln, sondern mehr Wissen und Kenntnisse \u00fcber die Herkunft von Dingen, die man essen kann, zu vermitteln. Das Nachdenken \u00fcber die St\u00e4dte von morgen kann ruhig auch ein paar Ideen von gestern ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Einige \u00e4hnliche Gedanken finden sich \u00fcbrigens in dem \u00fcberaus lesenswerten Buch <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/0701180374?ie=UTF8&#038;tag=nightlybuilds-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=0701180374\">Hungry City: How Food Shapes Our Lives<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=nightlybuilds-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=0701180374\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> von Carolyn Steel, neben einigen interessanten (und beklemmenden) Daten zur Konzentration der Lebensmittelproduktion in den H\u00e4nden einiger weniger Konzerne. Auch deshalb, weil man dann versteht, was der fr\u00fchere US-Gesundheitsminister Tommy Thompson meint, <a href=\"http:\/\/news.bbc.co.uk\/2\/hi\/americas\/5274022.stm\">wenn er sagt<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>I, for the life of me, cannot understand why the terrorists have not attacked our food supply, because it is so easy to do<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der kleinen Milchkrise der vergangenen Woche ist dieses Projekt hier umso interessanter: Urban Farming in Middlesbrough. Acht Monate lang wurden Brach- und Gr\u00fcnfl\u00e4chen in der Stadt zum Anbau von Gem\u00fcse und Obst genutzt, wobei gerade auch die \u00e4rmeren Bezirke der Stadt (die ohnehin nicht zu den wohlhabenden Ecken Englands geh\u00f6rt) ber\u00fccksichtigt wurden. 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