{"id":700,"date":"2008-06-19T14:36:31","date_gmt":"2008-06-19T11:36:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=700"},"modified":"2008-06-19T14:36:31","modified_gmt":"2008-06-19T11:36:31","slug":"handy-anthropologie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2008\/06\/19\/handy-anthropologie\/","title":{"rendered":"Handy-Anthropologie"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.janchipchase.com\/\">Jan Chipchase<\/a> hat <a href=\"http:\/\/www.nzzfolio.ch\/www\/d80bd71b-b264-4db4-afd0-277884b93470\/showarticle\/08133f3c-01a5-48bc-8908-da7e52b4517d.aspx\">in Uganda entdeckt<\/a>, wie ein Mobiltelefon auch als Medium f\u00fcr den Zahlungsverkehr eingesetzt werden kann, ohne dass man daf\u00fcr eine Bank ben\u00f6tigt: Joe will Jane Geld schicken, die wohnt aber irgendwo in einem kleinen Dorf auf dem Land, wo die n\u00e4chste Bank eine Tagesreise entfernt ist. Also kauft er eine Prepaid-Karte. Mit der freigerubbelten Nummer l\u00e4dt er aber nicht sein eigenes Telefon auf, sondern kontaktiert einen Vertrauensmann im Dorf. Der notiert sich die Nummer auf, nimmt eine Kommission und zahlt den Restbetrag an Jane aus. Mit dem Code kann er nun selbst ein Handy aufladen &#8211; und als \u00f6ffentliches Telefon der \u00fcbrigen Dorfgemeinschaft anbieten.<!--more--><\/p>\n<p><em>Sente<\/em> hei\u00dft dieses System, zu deutsch einfach <em>Geld<\/em>. Chipchase nennt es als eines von vielen Beispielen f\u00fcr die kreativen Methoden, mit denen Menschen aus Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern neue Technologien einsetzen, adaptieren und f\u00fcr ihre Zwecke (und Budgets) verf\u00fcgbar machen. Diese Innovationen und Hacks von der Stra\u00dfe sammelt und analysiert er im Auftrag von Nokia &#8211; eine Art Handy-Anthropologie sozusagen, nur eben mit dem Ziel, aus solchen Ideen neue Services und Applikationen zu entwickeln, die auch anderswo in der Welt ankommen.<\/p>\n<p>Man kennt es aus der Musikbranche: Wenn der Mainstream saturiert ist, entdeckt er die Subkulturen, und schickt die A&#038;R-Leute auf Tour durch die Underground-Clubs. Dementsprechend besucht Chipchase informelle Werkst\u00e4tten, in denen die Lebensdauer von Handys verl\u00e4ngert wird oder selbstgebastelte Zusatzger\u00e4te anmontiert werden, von denen die Gebrauchsanweisung nichts weiss. Oder er entdeckt auf Stra\u00dfenm\u00e4rkten illegale Kopien, die nicht nur ein einfacher Abklatsch der Originale sind, sondern durch raffinierte Hacks erg\u00e4nzt werden.<\/p>\n<p>Nun gibt es Beispiele f\u00fcr kreative Zweckentfremdungen auch in den Industrienationen. (Eines meiner Lieblingsbeispiele f\u00fcr eine unorthodoxe Handynutzung sind die Teenie-M\u00e4dchen, die sich beim Schminken fotografieren, weil sie grad keinen Spiegel zur Hand haben, und dann am Foto das Ergebnis begutachten.) Das Interessante an den Beispielen, die Chipchase aufz\u00e4hlt, ist, dass das Mobiltelefon hier h\u00e4ufig genutzt wird, um das Fehlen oder Defizite in der \u00f6ffentlichen Infrastruktur auszugleichen. Bisweilen f\u00fchrt das dann dazu, dass solche Strukturen \u00fcberhaupt erst entstehen und dann eher als Remix denn als Kopie westlicher Modelle. Im Sente-Beispiel etwa in einer Art Mashup aus Finanz- und Kommunikationsdienstleistung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jan Chipchase hat in Uganda entdeckt, wie ein Mobiltelefon auch als Medium f\u00fcr den Zahlungsverkehr eingesetzt werden kann, ohne dass man daf\u00fcr eine Bank ben\u00f6tigt: Joe will Jane Geld schicken, die wohnt aber irgendwo in einem kleinen Dorf auf dem Land, wo die n\u00e4chste Bank eine Tagesreise entfernt ist. Also kauft er eine Prepaid-Karte. Mit [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-700","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/700","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=700"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/700\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=700"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=700"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=700"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}