{"id":712,"date":"2008-08-13T17:56:41","date_gmt":"2008-08-13T14:56:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=712"},"modified":"2014-06-05T18:41:04","modified_gmt":"2014-06-05T15:41:04","slug":"die-teufelstreppe-von-koblenz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2008\/08\/13\/die-teufelstreppe-von-koblenz\/","title":{"rendered":"Die Teufelstreppe von Koblenz"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/farm4.staticflickr.com\/3056\/2755350224_af32718ab5_d.jpg\" alt=\"Teufelstreppe Koblenz\" \/><\/p>\n<p>Auf einigen Stadtpl&auml;nen findet man sie noch (und sogar <a href=\"http:\/\/maps.yahoo.com\/#mvt=m&#038;lat=50.351652&#038;lon=7.611216&#038;zoom=16&#038;q1=teufelstreppe%2C%20koblenz\">bei Yahoo Maps<\/a>, aber nicht bei Google). Das st&auml;dtische Fremdenverkehrsamt erw&auml;hnt sie immerhin <a href=\"http:\/\/www.koblenz-touristik.de\/sehenswertes\/bauwerke-plaetze\/fort-asterstein.html?tx_qcomurlaubsplaner_pi1[addPage]=84&#038;tx_rgtabs_pi1[tab]=3\">beil&auml;ufig<\/a>, und wenn ich es richtig weiss, dient sie sie noch als Grenzmarkierung f&uuml;r Wahlkreise und andere administrative Belange: Die Teufelstreppe in Koblenz.<!--more--><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/farm4.staticflickr.com\/3162\/2755335700_2318cb58d5_d.jpg\" alt=\"Teufelstreppe Koblenz\" \/><\/p>\n<p>Woher sie ihren Namen hat, weiss ich nicht. Die teuflische Assoziation gibt es ja sonst gerne bei Bauwerken, die so aussergew&ouml;hnlich waren, dass man sich ihre Fertigstellung nur <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Teufelsbr%C3%BCcke\">mit diabolischer Unterst&uuml;tzung<\/a> erkl&auml;ren konnte. So spektakul&auml;r ist die Teufelstreppe nicht, auch wenn sie ein recht steiles Gel&auml;nde bew&auml;ltigen muss. Sie diente fr&uuml;her als Verbindung zwischen dem Horchheimer Tor (von dem einige Reste am Pfaffendorfer Hafen erhalten geblieben sind) und dem (verschwundenen) Werk Glockenberg auf der Pfaffendorfer H&ouml;he.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/farm4.staticflickr.com\/3066\/2755384008_444f6d1bfd_d.jpg\" alt=\"Teufelstreppe Koblenz\" \/><\/p>\n<p>Der Gro&szlig;teil der Koblenzer Festungsanlagen musste im Zuge des Versailler Vertrages entfestigt werden. Die Teufelstreppe konnte man jedoch erhalten, und so gibt es sie bis heute. Begangen werden kann sie allerdings nicht mehr wirklich: Der untere Einstieg an der B49 ist mit einem Gitter versperrt, der obere, in der N&auml;he des Hotels Rheinkrone, mit einem (etwas halbherzig angebrachten) Bretterverschlag. Die Anlage macht den Eindruck, als ob man sie ihrem Schicksal &uuml;berlassen wolle: Auf den Stufen sammelt sich Schlamm und M&uuml;ll, an einigen Stellen verbarrikadieren umgest&uuml;rzte B&auml;ume und &Auml;ste den Weg.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3236\/2755362886_5c68f9005d.jpg\" alt=\"Teufelstreppe\" \/><\/p>\n<p>Wer sich trotzdem auf die Treppe begibt, kann den Ort fast als Idyll wahrnehmen. Es ist sch&ouml;n schattig hier, das Rauschen der Bl&auml;tter vermischt sich mit dem Rauschen des Verkehrs, und man kann sich auf die Stufen setzen, um &uuml;ber die Farbkomposition von Kindergummistiefeln zu r&auml;tseln, K&auml;fern bei logistischen Ma&szlig;nahmen zuzusehen und Spinnen beim Weben erstaunlich kunstvoller Netzen, die in Spinnenlegenden dann Teufelsnetze genannt werden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3174\/2755365560_4a7a79a909.jpg\" alt=\"Teufelstreppe\" \/><\/p>\n<p>Der Zustand der Treppe ist nicht untypisch f&uuml;r den Umgang, den die Stadt mit vielen ihrer baulichen Zeugnisse pflegt. Vorgehalten werden ein paar touristische Sahnest&uuml;ckchen &#8211; Deutsches Eck, Ehrenbreitstein -, was sonst noch vorhanden ist, wird allenfalls schulterzuckend bedacht. Ich weiss nicht, ob es daran liegt, dass Koblenz immer schon eine Stadt der Milit&auml;rs und B&uuml;rokraten gewesen ist. In so einem Klima bezieht sich das Interesse an landschaftlichen und historischen Gegebenheiten oft nur auf die Frage, ob sie Hindernisse f&uuml;r die strategischen oder administrativen Notwendigkeiten darstellen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3153\/2754526273_128ffeb782.jpg\" alt=\"Teufelstreppe\" \/><\/p>\n<p>Koblenz jedenfalls ist eine Stadt, die sich nur zu gern ins Korsett zw&auml;ngen l&auml;st &#8211; ein Eindruck, den die Topographie noch verst&auml;rkt: Fr&uuml;her der G&uuml;rtel der Festungswerke, heute die Betonriemen der allgegenw&auml;rtigen Ausfalls- und Durchgangsstra&szlig;en. (Ich kenne wenige St&auml;dte, die auf so wenig verf&uuml;gbarem Raum so viele mehrspurigen Stra&szlig;en untergebracht haben.) Charakteristisch ist dann aber wieder, dass man das, was &uuml;brigbleibt, nicht r&uuml;cksichtslos aus dem Weg r&auml;umt, sondern einfach sich selbst &uuml;berl&auml;sst, als ob selbst das Wegr&auml;umen zu viel der Arbeit w&auml;re.<\/p>\n<p>Vermutlich wird auch die Teufelstreppe noch eine Weile vor sich hin d&auml;mmern. Irgendwann setzt sich dann vielleicht der Hang in Bewegung und l&auml;sst alles gn&auml;dig verschwinden: Spinnen, K&auml;fer und Gummistiefel.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3050\/2755368258_531833b3ff.jpg\" alt=\"Teufelstreppe\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf einigen Stadtpl&auml;nen findet man sie noch (und sogar bei Yahoo Maps, aber nicht bei Google). 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